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von Marian CCL - Montag, 30. Juli 2018, 18:03
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Grafik Nicht ohne Climate Fair

Collage: CCL

"Der 29,90 Euro-Irrsinn" lautete gestern eine SZ-Schlagzeile. Berichtet wurde über die Sperrung des Münchner Flughafens wegen einer Sicherheitspanne - mitten im Urlaubsreiseverkehr. Aber, so die SZ, das eigentliche Problem sei, dass Fliegen viel zu billig ist. "Viele Flugtickets sind nur scheinbar günstig", heißt es da. Service, Pünktlichkeit, Nachtruhe der Anwohner blieben auf der Strecke. Stimmt. Aber wovon die SZ nicht schreibt: die viel zu günstigen Flugtickets tragen in besonderem Maß zum Klimawandel bei!

Wem Klimaschutz am Herzen liegt, der/die weiß das natürlich. Seit Jahren gibt es deshalb auch Unternehmen, bei denen man die eigenen Flüge "kompensieren" kann. Damit ist eine Spende gemeint, mit der die Kompensationsunternehmen  Investitionen in weltweite CO2-Einsparprojekte finanzieren. Das ist zwar besser als nichts, aber: die Anlageprojekte liegen dort, wo es besonders preiswert ist Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen, in den sogenannten "Entwicklungsländern".

Klimaschutz in Deutschland dagegen ist deutlich teurer, aber nicht weniger notwendig. Deshalb hat die Klimaschutzs+ Stiftung eV unter der Schirmherrschaft von Ernst Ulrich von Weizsäcker die Kompensationsorganisation "Climate Fair" gegründet. Diese neue Organisation ist nicht nur lokal verankert, sie ist auch ein Graswurzelprojekt. Sie ermöglicht eine Einzahlung in Bürgerfonds vor Ort, die die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland möglich machen.

Das geht folgendermaßen: auf der Website von "Climate Fair" ermittelt man die sozioökologischen Folgekosten der eigenen Reise mittels eines Online-Rechners. Danach wählt man den Bürgerfond aus, den man unterstützen möchte und zahlt das Geld ein. Finanziell bedacht werden ausschließlich gemeinnützige Projekte, die transparent agieren und einen eindeutigen Beitrag zur Ausgestaltung einer sozial und ökologischen gerechten Gesellschaft leisten.

Natürlich ist Climate Fair ein Stück teurer als andere Unternehmen, aber in jeder Hinsicht gerechter. Weil wir Verantwortung für die Kosten hier bei uns übernehmen, und nicht da, wo es billig ist. Das sollte uns der Klimaschutz allemal wert sein. Und wer genauer wissen will, wie Climate Fair arbeitet, dem seien die sehr gut aufbereiteten FAQs ans Herz gelegt.



[ Geändert: Montag, 30. Juli 2018, 18:08 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 25. Mai 2018, 07:17
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In lockerer Reihenfolge stellt CCL an dieser Stelle Inspirationen zum KlimaKulturWandel vor, die Kolleg*innen im Rahmen von NKI-Projekten, der TransitionTown-Bewegung oder einem vergleichbaren Umfeld durchgeführt haben. Dieses Mal präsentieren wir „KlimaKunstSchule“, durchgeführt von BildungsCent e.V.

Alter BH mit Gras gefüllt an Baum gebunden

Foto ©Kultur!ngenieur Felix Liebig

Da staunten die Besucher eines Einkaufszentrums in Hildesheim nicht schlecht. Teenager präsentierten auf dem Laufsteg der Shopping-Mall ungewöhnliche, selbstgeschneiderte Mode: Müll gesäumte Röcke, Kleider aus Duschvorhängen und Packpapier. In Bremen wiederum zogen 35 Schüler*innen als Stadtguerilla durch die Straßen und sprachen Passanten auf den Klimawandel an. Diese und viele andere kreative Ideen entwickelten junge Lernende und stellten sich so der Herausforderung, die Öffentlichkeit auf ihren Umgang mit der Umwelt aufmerksam zu machen.

Selten wurde besser deutlich, wie Kunst den KlimaKultur-Wandel beschleunigen kann. Der Verein BildungsCent e.V. hatte mit Unterstützung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) 49 Künstler*innen dazu motiviert, in etwa 200 Schulen zusammen mit den Lernenden klimabezogen und kreativ zu arbeiten. Als Input brachten die Kulturschaffenden je einen„artistic seed“ mit, ein kreatives Samenkorn. In ihm steckten überraschende und inspirierende Ideen, was Jede*r zu einer klimafreundlicheren Welt beitragen kann, aber ebenso viele neue Methoden, dies zum Ausdruck zu bringen. Ausgestattet mit diesem neuen Wissen und beflügelt von den Anregungen der Künstler, machten sich die Schüler nun daran, eigene KlimaKunst-Projekte zu entwerfen. Insgesamt beteiligten sich etwa 5000 Lernende und ihre Lehrer*innen an „KlimaKunstSchule.

Menschen in weißen Overalls auf Treppe tragen Bilder

Foto: Schüler*innen der Ida Ehre-Schule, Hamburg © BildungsCent e. V.

Das Ergebnis ist erstaunlich und kann auf der Projekt-Webseite nachgelesen werden: http://klimakunstschule.bildungscent.de/ Dort gibt es das Buch mit allen 49 künstlerischen „artistic seeds“. Aber auch 17 besonders gut gelungene Schülerprojekte sind dort dokumentiert, darunter die oben bereits erwähnten. Was dabei vielleicht am meisten ins Auge springt, das ist das Erstaunen der Lehrer*innen. Denn diese mussten im Verlauf des Projekts zugeben, dass sie ihren Schüler*innen viele der Leistungen nicht zugetraut hätten, ja, dass sie sich nicht einmal vorstellen konnten, dass junge Menschen sich so sehr für das Thema interessieren könnten.

Wenn man den Aufbau des Programms KlimaKunstSchule“ genauer betrachtet, verwundert das unerwartete Engagement jedoch nicht. Denn die initierenden Künstler*innen sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam, sie gingen auf die Bedürfnisse und Bedenken der Lernenden ein und sie brachen auch hin und wieder die Regeln. So aus dem gewohnten Korsett herausgelockt, spürten die Schüler*innen, dass sie tatsächlich gefragt waren. Viele trauten sich zum erstem Mal in der Öffentlichkeit aufzutreten, die Stimme zu erheben, sich selbst zu zeigen. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Baustein für Motivation. Wichtig war aber auch, dass die Künstler*innen, aber oft auch die Schulen den jungen Leuten den Rücken stärkten. So lässt sich Mut leichter erlernen.

Genau das scheint der Knackpunkt. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur Schulen, sondern auch Verwaltungen sich trauen würden, kunstinspirierte Workshops abzuhalten. Für die klimafreundliche Transformation der Gesellschaft ist Mut und Phantasie nötig, doch das will zunächst im sicheren Rahmen ausprobiert werden können. Das Projekt KlimaKunstSchule erarbeitete eine Blaupause, die zeigt, wie es gelingt, die Komfortzone der eigenen Routine zu verlassen. Künstler*innen haben die Fähigkeit, einen mentalen Raum aufzumachen, der ganz anderen Blickwinkel auf die Welt normal erscheinen lässt. Die direkte Erfahrung einer alternativen „Normalität“ in der Begegnung mit Künstler*innen könnte z.B. auch in Firmen und Verwaltungen ein Funken der spielerischen Entdeckerfreude losschlagen, der die Schüler*innen so beflügelt hat.

Viele Hände mit Eisbällen

Foto: Schüler*innen des Gymnasiums Stift Keppel, Nordrhein-Westfalen © BildungsCent e. V.

Für potentielle Nachahmer bietet KlimaKunstSchule tatsächlich Anregungen. Im zweiten Teil der Dokumentation ist die Umsetzung von Ideen dokumentiert, die einige der Künstler aus den „artistic seeds“ destilliert haben und die ganz unkompliziert nachgemacht werden können. Eine Kostprobe gefällig? Bitteschön: Verkehr ist in Deutschland die Ursache für rund 20% der CO2-Emissionen. Ein Fahrrad-Smartmob im Kreisverkehr erlaubt es Autofahrern, ein paar Minuten nachzudenken. Mit zwanzig oder dreißig Freund*innen ein Weilchen im Kreis fahren und den Verkehr lahmlegen ist ausdrücklich eine Aktion, für die man nie zu alt ist und die garantiert Wirkung entfaltet.

P.S. Die einzelnen künstlerischen „artistic seeds“ und die daraus hervorgegangenen Projekte können in der Projektpublikation "Klimaschutz ist eine Kunst" nachgelesen werden. Der Verein BildungsCent e.V. bietet sie hier zum Download an.

https://klimakunstschule.bildungscent.de/fileadmin/Klimakunstschule/Das_Buch_Download/KlimaKunstSchule-Buch.pdf

Vielen Dank an BildungCent e.V. an dieser Stelle für die Veröffentlichungsgenehmigung der Bilder in diesem Beitrag.

zwei künstlerische Bilder an Bauzaun

Foto: Schüler*innen der Gemeinschaftsschule Altenholz, Schleswig-Holstein © BildungsCent e. V.

[ Geändert: Freitag, 25. Mai 2018, 07:21 ]
 
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Kuh vor blauem Himmel


Anlässlich der bevorstehenden Karwoche hat das Pestel-Institut für uns berechnet, wie viele Tonnen CO2 in ganz Deutschland allein durch Fleischfasten eingespart werden könnten. Wir wollen das Thema zusätzlich aus einer alltagskulturellen Perspektive aufgreifen und Sie zum Experimentieren einladen.

Als wir laufen lernten und spürten, dass Krabbeln auf Dauer keine befriedigende Lösung ist, haben wir entdeckt: mit einem unerschrockenen Sich-heran-Tasten lassen sich anspruchsvolle Aufgaben meistern. Heute stehen wir vor einer der größten Herausforderungen, die die Menschheit je gekannt hat, dem menschengemachten Klimawandel. Innovative politische Lösungen können ihn vielleicht eindämmen. Aber gleichzeitig ist jeder und jede Einzelne aufgefordert und eingeladen, eigene private Beiträge zu leisten und alte Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Die Frage ist nur immer „Wie mache ich das, wie kann das gehen?

Beginnen wir doch einfach mal spielerisch und wählen eine neue Reiseroute. Ein günstiger Moment für kleine Schritte liegt direkt vor uns: Traditionell steht die gesamte vorösterliche Fastenzeit für Verzicht auf Fleischgenuss. In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit fokussiert sich dies auf die letzten sieben Tage vor Ostersonntag, die Karwoche. Wie bereits an anderer Stelle hier auf der Plattform beschrieben. hilft gemüsebasierte, also fleischlose Ernährung dem Klima. Warum also nicht die Karwoche zum Einstieg in ein Lebensstil-Experiment nutzen, oder sogar zum Umstieg auf eine andere Lebensweise, zum Beginn eines eigenen Transformationsprozesses? Geben Sie sich einen Ruck!

Ist der Handlungsentschluss einmal gefasst, stellt sich die nächste Frage: Mit welcher Haltung soll der Ausflug ins Neuland stattfinden? Das Geheimnis liegt wohl darin, sich wirklich auf die Situation einzulassen. Liebe ist bekanntlich das beste aller Antriebsmittel! Beeindrucken Sie sich also mal selbst, experimentieren Sie mit einer machbaren Aufgabe. Setzen Sie sich ein Ziel, über dessen Erfüllung Sie sich wirklich ohne Reue freuen können - wie etwa eine Woche lang vegetarisch zu leben.

Und dann heißt es tatsächlich loslegen. Zum Einstieg hilft z.B. einen Blick auf https://www.klimatarier.com. Dort gibt es Antworten zu vielen Fragen rund um klimafreundliche Ernährung. Einen Klick weiter finden Sie passende Rezepte (hier klicken), die Ihren Gaumen kitzeln und Ihre Geschmacksnerven neu beleben werden (weitere Vorschläge am Ende dieses Beitrags). Mehr Tipps gibt es zusätzlich in unserem Blogbeitrag "Das Kreuz mit dem CO2-Fasten" vom 14. Februar 2018. Schmökern Sie, kombinieren Sie Ihren Speiseplan, gehen Sie dafür bewußt einkaufen, als würden Sie sich die Zutaten für ein Experiment zusammensuchen. Und eventuell feiern Sie dann am Ende dieser Woche Ihr ganz spezielles Transformationsfest.

Vielleicht wollen Sie Ihre Experimentierwoche nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten, der Familie oder Freunden angehen und sich austauschen. Gemeinsam kochen und essen ist so viel einfacher! Der Phantasie für gemeinsame kreative Aktionen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Weitere Anregungen für den eigenen Wandel finden Sie in kleinen Videofilmen hier auf der CCL-Plattform. Hören Sie etwa dem Experten für nachhaltige Entwicklung, Professor de Haan, zu. Er spricht darüber, wie wichtig Wir-Kulturen, also bewusstes gemeinsames Handeln, für das Gelingen von Veränderungsprozessen sind. Außerdem finden Sie dort Anleitungen zur individuellen und gemeinsamen Reflexion neuer Erfahrungen! Dazu zählen auch unterstützende Vorschläge zur Achtsamkeitspraxis. So zeigt Projektleiterin Andrea Steckert beispielsweise im CCL-Bereich „Kreativ-Praxis“, wie Sie ein Logbuch führen und den eigenen Wandel-Prozess wie in einem kleinen Atelier sichtbar machen und verfolgen können.

Und jetzt viel Spaß bei Ihrer persönlichen Karwochen-Aktion. Wir würden uns freuen, wenn Sie hier teilen, wie es Ihnen damit geht – und ob Sie sich eventuell entschließen dauerhaft weniger oder gar kein Fleisch zu essen.

P.S. Hier noch die versprochenen Internetadressen zu weiteren Rezepten und nützlichen Informationen:

1)     Nicht nur ästhetisch unglaublich ansprechende Gerichte rund um die einheimische vegetarische Küche finden Sie hier bei Krautkopf.

2)     Keineswegs nur für Kinder interessant ist das Buch: „Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich“. herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, kostenlos hier zu finden

3)     Hier finden Sie schnell und bequem Bio-Rezepte für die große Tafel (Rezepte für ab 10 Personen):

4)     Und schließlich noch das etwas andere Geschenk für’s Osternest. Verschenken Sie ein noch nicht geschlüpftes Osterei, das Buch "Resteküche" von Daniel Anthes und Katharina Schulenburg , das nur produziert werden kann, wenn es ausreichend Unterstützung findet. Schauen Sie hier rein!

[ Geändert: Mittwoch, 21. März 2018, 12:59 ]
 
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von Marian CCL - Dienstag, 6. März 2018, 21:17
Alle auf dieser Website
Kinder können manchmal so richtig nervig sein. Im besten Fall verändern sie dadurch die Welt - zumindest ein bisschen. So geschehen im Haushalt Pinzler-Wessel, als die 13-jährige Tochter von der Schule die Aufgabe nach Hause mitbrachte, den familiären CO2-Fußabdruck zu messen. Ein Jahr später war ein Buch fertig geschrieben und das Leben der Pinzler-Wessels auf den Kopf gestellt.

Illustration KlimaKultur-Wandel: Bild von Buch 4 fürs Klima

Bild CCL
















Petra Pinzler und Günther Wessel sind Journalisten, die sich von ihrer Tochter und ihrem Sohn inspirieren ließen, das Thema Klimawandel ernst zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis durchforsteten sie ihren gesamten Lebensstil und entdeckten immer neue Fragen und Herausforderungen. Wie führt man ein gutes und trotzdem CO2 armes Leben? Darf man in Urlaub fliegen? Wie steht es mit der Ernährung? Muss das Auto abgeschafft werden? Vor allem stellten sie fest, dass ihre neue Begeisterung für das Einsparen von Emissionen von Freunden teilweise als zu missionarisch empfunden wurde. Darauf galt es eine Antwort zu finden. Das CCL hat Petra Pinzler gefragt, welchen Weg sie gefunden hat, um mit anderen auf positiv angeregte Weise über "klimafreundliches Verhalten" zu sprechen.

https://www.youtube.com/watch?v=rEZI0eG0-Ls

Das sehr anschaulich geschriebene Buch "Vier fürs Klima" zeichnet sich nicht nur die eigenen Erfahrungen der Familie Pinzler-Wessel nach, sondern illustriert diese auch mit ausgezeichnet recherchierten Fakten. Heraus kam ein lebensnaher Bericht eines Selbstversuchs, der sich gerade deshalb zu lesen lohnt, weil er ehrlich ist. Er zeigt im Detail die Zweifel und Schwierigkeiten, aber auch die Erfolge auf dem Weg zu einem KlimaKultur-Wandel. Nicht nur zum Lesen, sondern zur Nachahmung empfohlen!



[ Geändert: Dienstag, 6. März 2018, 21:39 ]
 
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von Marian CCL - Mittwoch, 14. Februar 2018, 11:01
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Kuh hinter Baum

(Bild: Ross Sokolovski)

Wer die guten Vorsätze vom Jahresanfang schon wieder vergessen hat, bekommt am Aschermittwoch die Chance für einen Reset. Überschaubare 40 Tage lang kann man die Kraft der Tradition nutzen und sich für eine vorösterliche Askesephase entscheiden. Die Einhaltung der Fastenzeit war viele Jahrhunderte lang für die Menschen eine Selbstverständlichkeit. Warum also nicht dem Vorbild folgen und im Sinne eines Beitrags zum KlimaKultur-Wandel sich selbst ein CO2-verminderndes Fleischtabu auferlegen? Leider hat die Sache ein paar komplizierte Ecken und Kanten...

Zunächst eine interessante Tatsache: mehr als die Hälfte aller Deutschen findet es laut der jährlichen Forsa-Umfrage sinnvoll, sich vor Ostern im Verzicht zu üben. Nicht um, wie es früher hieß, dem Laster zu entsagen, sondern vor allem um sich selbst etwas Gutes zu tun. Auch wenn in diesem Jahr vor allem Süßigkeiten in den Tüten bleiben sollen, steht auch die Entscheidung für fünfeinhalb Wochen vegetarische Ernährung hoch im Kurs.

Und die klingt für umwelt- und klimabewusste Menschen besonders attraktiv. Denn, das hat sich inzwischen herumgesprochen: Viehwirtschaft ist CO2-intensiv. Tierische Produkte verursachen ungefähr 70% jener Treibhausgasemissionen, die durch unsere Ernährung entstehen – im Gegensatz zu den nur 30% für die Erzeugung von pflanzenbasierten Lebensmitteln.

Fleischfasten ist also erstmal prima, ohne Wenn und Aber. Kompliziert wird es erst bei der Frage, was denn als Ersatz für die tierische Nahrung gewählt wird. Besonders emissionsintensiv ist nämlich ALLES rund ums Rind. Kuh, Ochse oder Stier brauchen nicht nur flächenintensiv anzubauendes Kraftfutter, sie sondern auch Methan ab. Wer also Fleisch durch Milchprodukte ersetzt, hat nichts gewonnen. Denn ein durchschnittliches Kilo Kuhkäse, etwa Gouda, verbraucht ebenso viel CO2 bei der Erzeugung wie ein Kilo Schweinefleisch. Mindestens. Zu allem Überfluss müssen diese Zahlen auch noch mit Vorsicht betrachtet werden. Fleisch von einem mit Gensoja gefütterten Rind aus Argentinien weist andere Werte auf als von einem hiesigen Weidetier. Ebenso ist der handhergestellte Sennenkäse aus den Schweizer Alpen, der nicht exportiert wird, klimafreundlicher als dort produzierte Industrieware. Aber unterm Strich gilt: Eine Welt voller Veganer würde die ernährungsbedingten Treibhausgasemmissionen um 70 Prozent senken.

Zu solch einer radikalen Umstellung will sich nicht jede*r entschließen. Für die Fastenkur vor Ostern kann man sich deshalb grob an einigen Eckpunkten orientieren. Es ist besser regionale Hühnchenprodukte aus dem Biosupermarkt zu kaufen als Kuhkäse – allerdings sollte die Einkaufstour nicht mit dem Auto gemacht werden. Geflügelprodukte sind fast sechsmal weniger CO2-intensiv als Rindfleischprodukte. Wer auf Ziegen- und Schafskäse umsteigt oder sogar auf selbstgemachte Aufstriche und Pasteten aus Linsen, Bohnen und Erbsen, hilft dem Klima. Sinnvoll ist außerdem der Konsum von saisonalem und regionalem Gemüse – aber nur, solange es nicht aus einem beheizten Gewächshaus stammt. Marokkanische Freilandtomate statt Holland-Frucht, sozusagen, aber bitte keinen Flugspargel aus Südamerika....

Diese und viele weitere mögliche Beispiele zeigen, dass klimafreundliche Ernährung nicht durch eine einfache Verzichtsentscheidung zu haben ist. Vielleicht könnte deshalb die vorösterliche innere Einkehr ja eine ganz andere Form des Fastens annehmen. Zu denken wäre an eine Kombination aus Fleischverzicht und der Bereitschaft, die den Menschen normalerweise eigene Neigung zur intellektuellen Bequemlichkeit durch die Anstrengung zur Eigenrecherche zu ersetzen. Also ein echtes KlimaKultur-Wandel-Fitness-Programm! Denn leider ist es ein Kreuz mit dem CO2-Fasten. Man muss jedesmal genau hinschauen, nachfragen, nachdenken, Verhältnismäßigkeiten abwägen und mit Kreativität eigene Lösungen finden.

Dieser 3sat-Beitrag zum Fleischverzicht hilft dabei zu verstehen, wie sich der Fleischkonsum auf Natur und Gesellschaft auswirkt. Anregungen für sinnvolle Umstellungen finden sich oben in der angehängten Broschüre, die das Klima-Bündnis zwar für Großküchen erstellt hat, deren Tipps aber gleichwohl für den Privatgebrauch sehr praktisch sind. Weitergehende Unterstützung für eine innere Generalüberholung mit KlimaKultur-Wandelwirkung bietet außerdem die Fasten-Aktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Auch hier gilt: man braucht kein*e gläubige*r Christ*in zu sein, und auch nicht evangelisch oder norddeutsch, um das Angebot zu nutzen. Stattdessen geht es darum, das eigene Wohlbefinden durch neue Handlungsimpulse zu steigern und gleichzeitig für die Welt etwas Gutes zu tun.

Anfangen könnte man gleich heute damit, am Valentinstag. Denn die Rosen, die üblicherweise am 14.Februar verschenkt werden, sind ganz sicher nicht auf klimafreundliche Weise gewachsen. Wie wäre es, romantische selbst erdachte oder gemachte Alternativen zu finden, die garantiert mehr überraschen als die überteuerte Standardblume? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Was sind Ihre Lösungen? Wie entscheiden Sie sich, wenn Sie auf dem Markt sind oder vor dem Supermarkt-Regal stehen? Was funktioniert für Sie am besten?

P.S. Hier anmelden um auf diesen Beitrag zu antworten.

Papierrosen

(Bild: CCL)

[ Geändert: Freitag, 16. Februar 2018, 11:44 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 22. Dezember 2017, 10:43
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Klimakulturwandel durch Busfahren: Bus vor winterlicher Alpenkulisse

"Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind zum Scheitern verurteilt! Mit dem Rauchen aufhören, gesünder leben, weniger Zeit am Smartphone verdaddeln – das klappt ja doch nicht“, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Die Psychologie hat jedenfalls erfolgversprechende Tricks für Verhaltensänderungen parat! Ganz konkret umsetzbare Maßnahmen bestimmen das Geheimrezept. Ein guter Plan ist dafür der Ausgangspunkt. Das selbstgewählte Ziel sollte erstens realistisch, aber zweitens auch anspruchsvoll sein. Eine kleine Herausforderung schadet also nicht! Nun denn: Ich schlage eine klimafreundliche Kulturwandel-Challenge für 2018 vor. Wer macht mit?

·        Bei Reisen bis 1.000 km nicht ins Flugzeug steigen

·        100 % Ökostrom beziehen

·        Leitungswasser statt Sprudel aus Flaschen trinken

·        Die Wohnraumtemperatur wo möglich auf maximal 20 Grad einstellen

·        Kein Fleisch essen (oder wenn, dann nur artgerecht und bio)

·        Den Kuhkäsekonsum begrenzen

·        Lebensmittel möglichst aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau kaufen

·        Auf Erdbeeren im Winter und „Exoten“ aus aller Welt weitgehend verzichten

·        Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren

Einiges davon klingt utopisch? Vielleicht… Umsetzungserfolge stellen sich laut psychologischer Expertise tatsächlich nur für die Menschen ein, die wirklich von den eigenen guten Vorsätzen überzeugt sind. An dieser Stelle möchte ich auf eine kleine Motivationshilfe hinweisen, die das CCL anbietet. Wie wäre es mit einem utopisch-weiten Blick über den eingeübten Alltagshorizont hinaus? Unser zweites CCL-Video „Die Kraft der Vision“ überrascht hier mit interessanten Anregungen.

Was ist eine Vision? „Etwas Attraktives, was uns in die Zukunft zieht.“ Das sagt der psychotherapeutisch tätige Arzt Theodor Dierk Petzold im Videointerview des ClimateCulture-Lab. Aus einer Vision der Naturverbundenheit und dem Leben in Gemeinschaft heraus initiierte er gemeinsam mit anderen in den 1980er-Jahren die neue Dorfgemeinschaft in Heckenbeck und gestaltet sie bis heute mit. Seine Vision der Kooperation von Mensch und Natur beruht auf dem Gefühl der Stimmigkeit. Wer ihm zuhört, spürt, was mit Vision gemeint ist. Seine lebendigen Bilder motivieren dazu, die eigenen Vorstellungen für ein Leben im Einklang mit der eigenen Umwelt wahrzunehmen und selbst vielleicht doch ein paar gute Vorsätze zu fassen. Hier geht es zum Filmclip.

Spannende weiterführende Anregungen, wie jeder und jede selbst Visionen zum klimafreundlichen Kulturwandel nutzen kann, bietet die zum Video angebotenen Handreichung "Kraft der Vision". Dort finden sich Methoden zur Visionsarbeit, aber auch Hinweise auf interessante Visionäre wie beispielsweise den Ökopionier Charles Kettering, der sagte: „Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.“

Wer sich von meinen persönlichen Challenge-Zielen inspiriert fühlt, findet auf der Konsumplattform Utopia noch eine Reihe weiterer Tipps zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks, und zwar hier und hier. Und damit wünsche ich allen Teilnehmerinnnen und Teilnehmern sowie allen Interessentierten am CCL, dem Klimakulturlabor, frohe Feiertage und ein klimafreundliches 2018. Mögen viele umsetzbare Vorsätze dieses neue Jahr begleiten!




[ Geändert: Freitag, 22. Dezember 2017, 11:05 ]
 
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Wunschzettel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann und das Christkind. Doch so selbstverständlich es uns im Dezember auch erscheint, eine Liste mit materiellen Herzenswunschgütern zu erstellen - dieser Brauch ist noch sehr jung. Er entstand im Zuge der industriellen Revolution als Verkaufstreiber für die Spielzeugindustrie. Heute, gegen Ende des fossilen Zeitalters, stellt sich die Frage, ob wir unsere innere Wunschlandschaft nicht an einem neuen Kompass ausrichten wollen. Denn für einen Klimakulturwandel braucht es eine Revolution der Träume und Sehnsüchte….

Weihnachtswunschzettel von Annika. Händi. Pony.

Weihnachten verkörpert einen seltsamen Widerspruch. Das Fest der Liebe übt uns jedes Jahr zum wiederholten Mal darin, Zuneigung an materiellen Geschenken fest zu machen. Dieser Brauch entstand jedoch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Leute wissen, dass er durch die aufblühende Spielzeugindustrie im Zuge der industriellen Revolution vorangetrieben wurde. Die Unternehmer druckten Blätter zum Ausfüllen, „auf denen die Kinder ihre Wünsche nur noch anzukreuzen brauchten“ , z.B. Zinnsoldaten, Trommeln oder Puppen. Damit mutierte die religiöse Feier von Christi Geburt zum emotionaler Anker für die Fähigkeit, schon in sehr jungen Jahren detaillierte materielle Besitzbedürfnisse formulieren zu können. Heutzutage landen Barbiepuppen, „Starwars“-Figuren, ferngesteuerte Autos, Drohnen und andere Elektronika oben auf der Wunschliste. Die aktuelle Geschenkhitparade ähnelt ihren etwa 150 Jahre alten Vorläufern; sie spiegelt unsere Gesellschaft. Nur stehen wir jetzt nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des fossilen Zeitalters. Wir wissen, dass Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung aufhören müssen. Wir wissen auch, dass Wunschfähigkeiten und Wünsche sich verändern können – das ist eine der wichtigsten Quellen für Kulturwandel!
Klima(-freundlicher) Kulturwandel, um genauer zu sein, braucht also eine Wunsch-Revolution, ein Ver-Lernen, eine Umgestaltung der privaten und gesellschaftlichen Traum-und Sehnsuchtslandschaften. Das, was tief von Herzen kommt, was uns antreibt, braucht --- ja was? Einen neuen Motor? Nein. Einen neuen Generator? Nein. Diese benzinbefeuerten Metaphern taugen nicht mehr. Eine ganz andere Energiequelle muss her, die uns neue Herzenswünsche schenkt! Wo finden wir sie? Die Antwort beginnt mit einem Blick nach innen.
Die Zahl derjenigen Menschen, die neue Wege erproben, um in der Alltagshektik zur Besinnung aufs Wesentliche zu kommen, nimmt bereits zu. In unserer Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Bei-sich-sein. Viele Menschen üben sich deshalb mit spezieller Hingabe in Meditation. Auch in der CCL-Reisestation „Alltagspraxis mit der ‚Glocke der Achtsamkeit‘“ gibt es dazu eine erste kleine Anleitung. Wer ihr folgt, erlebt, wie ein wundervoller Moment ins Leben gerufen wird!

Hände halten Kerze_für einen achtsamen Klimakulturwandel zu Weihnachten

Davon können wir uns inspirieren lassen! Entspannte Weihnachten – wäre das kein echter Herzenswunsch? Wie das geht? Vielleicht mit einer bewussten Entscheidung für einen gemeinsam neu geschaffenen 24. Dezember voller Liebe und Schönheit? Man könnte mit duftenden Kerzen statt elektrischem Licht eine besondere Atmosphäre zaubern und den Adventsbrauch des „Geschenkewichtelns“ auf den Heiligabend verlegen. Dabei wird jeweils pro Person nur ein kleines Präsent überreicht und empfangen, dieses sollte aber sehr phantasievoll sein. Oder man könnte die Idee des Geschenks selbst neu erfinden und Zeit im neuen Jahr anbieten, beispielsweise für gemeinsame schöne Erlebnisse. Und wenn so gar kein Einfall kommen mag, könnten wir Freude schenken und sagen: Ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du da bist“ statt eine oft peinliche Verlegenheitslösung zu kaufen. Warum also nicht ein ganz eigenes Achtsamkeitsfest feiern, in dem ein „Kind in der Krippe“ eventuell auch wieder Platz hat?
Achtsamkeit, wie sie uns etwa der Mönch Thich Nhat Hanh hier auf der CCL-Plattform zeigt, ist eine Schlüsselkompetenz im Klimakulturwandel, gleichzeitig gibt es eine starke Parallele zum wichtigsten Gedanken des Weihnachtsfestes: die Liebe. „Wenn wir das Geschenk, das Vermögen und die Schönheit der Erde spüren und wahrnehmen, wird etwas in uns geboren, eine spezielle Verbindung – die Liebe wird geboren,“ sagt Thich Nhat Hanh in einem Interview mit dem Guardian. Der Kulturwandel, der notwendig ist, beginne mit der Erkenntnis, dass wir die Natur in uns tragen. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen, wenn wir bewusst wahrnehmen, begreifen wir, dass es keine wirkliche Trennung zwischen uns und der sogenannten Umwelt gibt, so der buddhistische Mönch. Ich möchte ergänzen: Aus solchem gefühlten Verständnis entstehen neue Bedürfnisse.

Weihnachtsbaum Kinder Achtsamkeit Klimakulturwandel

Natürlich erzeugt Meditation keine glänzenden Kinderaugen unterm Christbaum. Aber aus dem Gefühl der Achtsamkeit heraus können wir neue Ritualskripte für das Fest entwickeln oder einfach alte wiederbeleben. Müssen es wirklich die Gans und die Verpackungsberge sein? Warum aus dem Weihnachtsfest nicht ein Fest zum Staunen über die Schönheit dieser Welt machen? Warum nicht mal bewusst und freudvoll durchatmen? Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Sammlung für eine Hitparade der Klimakulturwandel-Weihnachtswünsche eröffnen: Wir vom CCL wünschen uns und Ihnen viele wundervolle Momente der Liebe und Achtsamkeit! Haben Sie schon Erfahrungen mit einem etwas anderen Weihnachtsritual? Dann freuen wir uns über Ihre Kommentare! (Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bitte auf der Plattform registrieren.)
[ Geändert: Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:29 ]
 
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Natürlich ließ sich das CCL auch auf der Weltklimakonferenz, der COP23, in Bonn sehen. Wir haben uns dort mit GEN getroffen und vernetzt. GEN, das ist das Global Ecovillage Network. Auf deutsch: das Weltweite Netzwerk der Ökoförfer. Klingt spannend? Ist es auch.

Vor ein paar Tagen ging die Meldung durch die Presse: Nach einigen Jahren der Stagnation werde die globalen Emissionen im Jahr 2017 wieder steigen, und zwar um zwei Prozent, so der internationale Forscherverbund Global Carbon Project. Und das, obwohl das Wachstum der Erneuerbaren Energien mit 165 Gigawatt im Jahr 2016 die Zubauzahlen von Kohle und Atomkraft überflügelt. Die klimafreundlichen Technologien sind vorhanden, sie sind preisewert und praxiserprobt. Eigentlich müsste beispielsweise der Kohleausstieg bis 2030 in Deutschland schon längst beschlossene Sache sein. Davon sind wir im Moment jedoch deutlich entfernt. Die politische Führungselite in Deutschland und in der Welt ist mental noch nicht im Klimaschutz angekommen. Zumindest nicht in dem Maße, wie es nötig wäre.

Dabei gibt es jede Menge inspirierender Beispiele, wie ein zukünftiges klimafreundliches Leben aussehen könnte. Gemeinschaften wie Findhorn in Schottland oder die Tennessee Farm in den USA erproben schon seit über 50 Jahren innovative Lebenspraktiken, in Deutschland ging es damit in den späten 1970er-Jahren los. Aus den sehr experimentellen Anfängen entwickelten sich seitdem weltweit zahlreiche Entwürfe zur alternativen Lebensorganisation, die sich Mitte der 1990er-Jahre zum „Internationalen Ökodorf-Netzwerk“ (Global Ecovillage Network, GEN) zusammenschlossen.

Auf der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn war eine Delegation von GEN-International und von GEN Europe vertreten. Auf gleich drei sogenannten Side-Events präsentierte u.a. Kosha Joubert, die Geschäfsführerin von GEN international, die vielfältigen Möglichkeiten, wie durch den weltweiten Aufbau von Ökodörfern die Erreichung der Klimaziele erleichtert werden kann. Im Zentrum der Vorträge stand die Kraft, die von Gemeinschaften ausgeht als Orten der Inspiration. Gerade aktuelle Beispiele aus Asien, Afrika und Lateinamerika können als Vorbild für Europa gelten. Ökodörfer sind der bereits heute gelebte Klimakulturwandel, ein Stück realisierte Utopie. Sie beweisen, dass Wasser, Nahrung, Ökologie, Soziales und Kultur zu einem ganzheitlichen Ansatz verbunden werden können.

Mehr dazu gibt es hier auf der CCL-Plattform im Juli 2018, wenn wir in unserer 6. Videosession über Alternativen zur Alternativlosigkeit berichten werden. Nur soviel jetzt schon: Das CCL hat gute Kontakte zu GEN geknüpft! Wer mehr über dieses spannende Netzwerk wissen will, findet hier Informationen:

Eine Präsentation in deutscher Sprache: https://m.youtube.com/watch?v=XseYo5hrlTg&feature=youtu.be

Ein sehr spannendes und lebendiges Gespräch mit Jonathan Dawson, dem früheren Geschäftsführer von GEN, der lange Zeit in Findhorn gelebt und gearbeitet hat und heute am Schumacher College in der Transition Town Totnes den Lehrstuhl für Ökonomie inne hat, findet sich hier - leider nur in  englischer Sprache:

https://www.schumachercollege.org.uk/resources/audio-video-archive/jonathan-dawson%3A-the-global-ecovillage-experience

Und eine sehr gute Darstellung der Geschichte der Ökodörfer, auch in englischer Sprache: https://s3-eu-west-1.amazonaws.com/articles-and-essays/Intentional+community+/ECMare-Concise-History-Ecovillage.pdf


[ Geändert: Donnerstag, 16. November 2017, 11:40 ]
 
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Dieser Frage ging ein vom CCL durchgeführter Workshop bei der internationalen Jahreskonferenz 2017 des Klima-Bündnis in Essen nach. Zwei Stunden lang ließen sich rund zwanzig Mitarbeiter*innen aus Kommunalverwaltungen auf einen intensiven Diskussionsprozess mit überraschenden Ergebnissen ein. „Ich habe jetzt eine ganz andere Auffassung davon, wie unser Denken und Handeln in Hinsicht auf das Thema Klimaschutz am besten verändert werden kann“, stellte eine der Teilnehmenden am Ende fest.

Diskutierende WorkshopteilnehmendeFoto: © KWI

Der Treffpunkt für die „In Situ Session at Climate Alliance‘s International Annual Conference 2017“ zum Thema Klimakultur am 21. September war dem Anlass entsprechend gewählt: das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in Essen mit langjähriger Expertise zu Klimawandel und Partizipationskultur. „In Situ“, lateinisch für „am Ort“ bedeutet, dass die räumliche Umgebung einen passenden stimulierenden Einfluss auf die Zusammenkunft ausübt. Dazu passte der Aufbau des Workshops, der wie die zehn weiteren „In Situ Sessions“ die vertiefende Kommunikation zwischen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Städten fördern sollte.

Unterstützt von einer kleinen Diskussionsaufgabe fand die gemeinsame Einstimmung in die „In Situ Session“ bei einem kurzen Spaziergang durch Essen statt. Die ehemalige Kohlemetropole wirbt heute als „Grüne Hauptstadt 2017 für Umweltfreundlichkeit. Während die Teilnehmenden zwanzig Minuten lang vom „Haus der Technik“, dem Hauptkonferenzort, zum KWI liefen, unterhielten sie sich über ihr jeweiliges Verständnis vom Klima-Kulturwandel.

Vor Ort angekommen, führte sie Esther Trost vom KWI aus wissenschaftlicher Perspektive ins Thema ein und wies auf die Kernproblematik der nötigen klimafreundlichen Transformation hin: Veränderungen kultureller Routinen und Praktiken würden oftmals nur sehr langsam vollzogen, da diese fest in der Gesellschaft verankert seien und somit nicht überdacht würden. Im nächsten Schritt forderte die Workshopsleitung dazu auf, an Hand einer einfachen Übung über die eigenen Vorstellungen zum Thema nachzudenken. Dazu nutzte Moderatorin Dr. Minu Hemmati (Unterauftragnehmerin des CCL bei Gestaltung und Moderation ) ein Modell mit vier möglichen Dimensionen, aus denen gesellschaftliche Veränderungen entspringen können.
Grafik der 4 Dimensionen von Veränderung
Abb.: © Dr. Minu Hemmati

Die vier Dimensionen wurden auf Postern in Vier-Quadranten-Formation auf den Boden gelegt. Nun sollten sich die Workshopteilnehmenden in den Quadranten stellen, der ihres Erachtens am besten Veränderungen hin zu einer klimafreundlichen Kultur bewirken kann und deshalb für sie die wichtigste Dimension von Veränderung beschreibt. Trotz ihres sehr ähnlichen beruflichen Hintergrundes kamen die Beteiligten dabei zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen!

Workshopteilnehmerin steht in der Mitte der vier Quadranten

Foto: © KWI
Jetzt folgte der wichtigste Teil des Workshops: die Reflexion der eigenen Standort-bestimmung. In kleinen Gruppen und später in großer Runde wurde darüber diskutiert, wie die verschiedenen Dimensionen von Veränderung zusammenhängen und auf welche Dimension sich die eigene Arbeit am stärksten bezieht.
Personen sitzen im Kreis und diskutieren

Foto: © KWI

Beim Austausch miteinander wurde klar, wie verschieden die Einschätzungen und Herangehensweisen selbst bei Menschen sind, die aus einem ähnlichen Arbeitsumfeld stammen und ähnliche Ziele verfolgen. Für einen gelingenden Klimakulturwandel sind Gespräch und Austausch deshalb unverzichtbar. Wenn alle teilhaben sollen, gehen Konflikt und Kooperation oft Hand in Hand. Diese Dynamik in gemeinsames Handeln zu übersetzen ist eine der kulturellen Aufgaben! Gerade das Thema Kultur sei aber schwer greifbar, meinten einige Teilnehmende. Auch die Brauchbarkeit des Modells an sich wurde kritisch hinterfragt. Allmählich wuchs jedoch die Erkenntnis, dass alle vier Dimensionen von Veränderung miteinander verbunden sind und in der Klima-Kultur-Arbeit beachtet werden müssen. Dabei sei es hilfreich, im praktischen Alltag eine Einteilung wie bei den Dimensionen im Modell vorzunehmen, damit Veränderungen umfassender strategisch geplant und umgesetzt werden können. Beispielsweise könne man im Detail analysieren, welche Schritte in welchen Dimensionen aufeinander abgestimmt werden sollten oder mit welchen Akteuren (Stakeholdern) man es zu tun hat und wie man diese am besten ansprechen kann.

Abschließend wurde der Frage nachgegangen, was Kommunen noch tun könnten, um Entwicklungen hin zu klimafreundlichen Kulturen voranzubringen. Hier zeigte sich, dass zu wenig Wissen über bestehende Klimakultur-Praktiken vorhanden ist und es sehr wünschenswert wäre, dieses besser zu verbreiten und weitere Projekte an den Start zu bringen. Auch die Notwendigkeit verstärkter Kommunikation und Netzwerkarbeit wurde betont. Am Ende des Workshops ging es wieder zurück an den Konferenzort der Klima-Bündnis-Jahresveranstaltung. Dieser zweite Spaziergang ermöglichte es allen Teilnehmenden, im Gehen ihre Resümees zu vertiefen, denn auch das ist Teil einer kulturellen Strategie: Veränderung findet nicht allein im Kopf statt, sondern muß ein ganzheitliches Erlebnis darstellen, bei dem auch der Körper zum Einsatz kommt.
[ Geändert: Montag, 27. November 2017, 14:32 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 6. Oktober 2017, 10:44
Weltweit öffentlich

Am 4.11.2017 ist es in Viernheim so weit. Einen ganzen Tag lang lädt das ClimateCulture-Lab zusammen mit dem dortigen Brundtlandbüro und der Wirtschaftsförderung zur dritten Klimakulturwerkstatt ein. Damit möglichst viele von den 32.000 VierheimerInnen über das kostenfreie Angebot Bescheid wissen, hatte ihr erster Stadtrat, Jens Bolze, zur Pressekonferenz am 28.9. 2017 geladen.

Philipp Grnzow, Jens Bolze, Annette Rihm, Dr. Feli Wagner im Viernheimer Brundtlandbüro

Schon hier zeigt sich, dass Viernheim ein ganz besonderer Ort ist. Wo in Deutschland gibt es das sonst noch, dass eine kleine Mittelstadt über eine ganz eigene Zeitung verfügt? Neben dem Vertreter des Viernheimer Tageblatts erschienen zum Termin im Brundtlandbüro unter anderen auch noch sein Kollege vom Mannheimer Morgen, Ausgabe Südhessen. Beide Journalisten sollten ein paar Tage später ihre Artikel über das kommende Ereignis veröffentlichten. Ihre Informationen bekamen sie vor Ort aus erster Hand, denn auch Dr. Felix Wagner vom CCL war eigens angereist.

Wovon handelt die Werkstatt des ClimateCulture-Lab? Obwohl Energie ein wichtiges kommunales Thema ist, kommen Solaranlagen, Kraftwerke oder Kilowattstunden nicht zur Sprache. Im Zentrum steht das Thema Kulturwandel, so Dr. Felix Wagner. Einen ersten Schritt hat Viernheim dazu schon gemacht, als die Kommune 1994 vom hessischen Umweltministerium den Titel Brundtlandkommune verliehen bekam. Die Pressekonferenz fand dann auch im Brundtlandbüro statt. Energiesparen gehört hier seitdem zum Tagesgeschäft.

Jetzt sollen die Klimaschutzbemühungen noch einmal intensiviert werden. Die Klimakulturwerkstatt in Viernheim wird der Auftakt für die Erstellung eines neuen kommunalen Klimaschutzkonzepts sein, das die Bereiche Konsum, Ernährung, Lebensstile und Mobilität intensiv beleuchten will. Verhaltensänderungen gehören deshalb in jedem Fall auf die Agenda, wenn es um klimafreundliche Kultur geht. Der erste Stadtrat Jens Bolze, ein überzeugter Klimaschützer, sieht beispielsweise eine Aufgabe darin, möglichst viele Menschen zu inspirieren, das Auto stehen zu lassen und den Bäcker zu Fuß aufzusuchen.

Aber das CCL, so Dr. Felix Wagner, stellt noch eine viel tiefer gehende Frage: Wie können wir ganz individuell und trotzdem gemeinsam Kultur wandeln? Nach den Vorreden von Jens Bolze sowie dem Brundtlandbeauftragten Philipp Granzow erläuterte unser CCL-Kollege, dass sich die KlimaKulturwerkstatt nicht unbedingt um neue Lernmethoden und Tricks dreht, die zu klimafreundlichlichem Verhalten inspirieren. Solch kleine Taktiken spielen natürlich auch eine Rolle der Fokus des CCL liegt jedoch auf der Entwicklung eines umfassenden neuen Verständnisses.

Eine Analogie soll dies illustrieren: Wer seinem Körper wirklich etwas Gutes tun will, etwa aufgrund einer Krankheit, muss alle Ernährungsgewohnheiten umstellen. Eine Diät oder ein Sportprogramm allein reichen nicht. Gemeinsam mit den Familienangehörigen bedarf es der Entscheidung für eine andere Esskultur. Aus solch einer Entscheidung entwickelt sich eine Vielzahl neuer Projekte wie der Tisch gedeckt wird, wie Feste gefeiert werden, wie gekocht wird.

Für die Beteiligten bedeutet das Aufbruch und die Entdeckung und Erfindung ganz neuer Verhaltensweisen. Während die Prägung neuer Esskulturen bereits vielfältig erprobt ist, steht die Entwicklung einer umfassenden, klimafreundlichen Alltagskultur noch am Anfang. In Viernheim sind die Voraussetzungen sehr gut, dass hier etwas Überraschendes entstehen kann . Eine Vielzahl sehr unterschiedlicher engagierter Menschen, die sich sonst nicht unbedingt treffen, werden zusammenkommen. Damit die Werkstatt tätsächlich ein Erfolg wird, gab Dr. Felix Wagner eine Losung aus:

Wir müssen es nur schaffen, immer wieder einen klaren Kopf und das Herz von Abenteurer*Innen zu bewahren und dies in unser Denken, Fühlen und Handeln fließen lassen.



[ Geändert: Freitag, 6. Oktober 2017, 10:45 ]
 
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