Blogeinträge von Marian CCL

Weltweit öffentlich

Ergebnisdiskussion im Amphitheater









Foto: © CCL

Wir freuen uns! Das CCL hat einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht: die erstekommunale Werkstatt fand am 15. Juli im Karlsruhe statt. Ich konnte zwar selbst nicht dabei sein, aber meine Teamkolleg*innen haben mir Spannendes berichtet.

Das Ereignis war mit viel Neugier erwartet worden. Fast fünfzig Teilnehmer*innen, vornehmlich aus Karlsruhe und mit sehr unterschiedlichen Hintergrunderfahrungen, hatten sich angemeldet. Als Arbeitsort war das Waldzentrum in Karlsruhe mit seiner inspirierenden Atmosphäre ausgewählt worden. Normalerweise trifft sich hier Jung und Alt zu kleinen Naturabenteuern, sei es ein „Survival-Experience“ oder eine Wiesenexpedition. Mit dem ClimateCulture-Lab ging es diesmal darum, Neuland für den Klimakulturwandel zu entdecken. Es sollten die Lösungsansätze identifiziert werden, die im eigenen beruflichen und privaten Umfeld umsetzbar sind.

Den würdigen Einstieg machte Bürgermeister Klaus Stapf, der in Karlsruhe das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz leitet. Auch wenn die Kommune schon viele Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt hat, so betonte er doch, dass es in der Stadt „300.000 Klimaschützer*innen“ braucht. Nur allen gemeinsam wird es erfolgreich gelingen, den Klimawandel einzudämmen. Gerade „in postfaktischen Zeiten“, so Zapf weiter, sei es wichtig auf der Basis belastbarer Daten zu arbeiten.

Doch das ist gar nicht so einfach. Während sich 97% aller Wissenschaftler

über den Menschen als Auslöser des Klimawandels einig sind, gibt es ein breites Spektrum an Szenarien hinsichtlich der möglichen Folgen. Was bedeutet ein globaler Mitteltemperaturanstieg von 2° C über dem vorindustriellen Wert jeweils vor Ort? Ab wann wird dieser Wert erreicht sein? Bei der kommunalen Werkstätte des ClimateCulture-Lab erwähnte Prof. Dr. Frank Schilling (Sprecher des KIT-Zentrums Klima und Umwelt) die erschreckende Zahl einer möglichen Erwärmung in Karlsruhe um acht Grad. Damit sprach er ein heikles Eisen an. Es klafft heute noch eine große Lücke zwischen den bestehenden Klimaschutzanstrengungen und dem was wirklich nötig ist, also der tatsächlich erforderlichen Dimension des anstehenden Kulturwandels.

Umso wichtiger ist das Handeln eines jeden Einzelnen. Anette Anthrakidis und Mirjam Schöttler vom ClimateCulture-Lab-Partner Solar-Institut Jülich stellten deshalb mögliche Wärme-, Strom- und Mobilitätswendeszenarien vor, wobei sie die Hebung aller regionalen Potenziale zur CO2-freien Energieerzeugung in Karlsruhe berücksichtigten. Sie zeigten in ihrem Vortrag auch, dass die Klimaziele nur durch bewusstes energiesparendes Verhalten jedes Einzelnen erreichbar sind und dies konsequent in allen Lebensbereichen. Die Nutzung von ÖPN, CarSharing und Fahrrad statt des eigenen PKWs ist hier einer der ganz wichtigen Bausteine.

Nach den einstimmenden Vorträgen waren die Teilnehmer*innen der kommunalen Werkstatt gefragt, eigene Antworten zu entwickeln. Was bedeutet der Umstieg auf eine klimafreundliche Lebensweise für mich persönlich? Mit einer angeleiteten „Inneren Reise in die Zukunft“ nahm die Leiterin des ClimateCulture-Labs, Andrea Steckert, die Anwesenden auf eine erste Entdeckungstour zu den eigenen Gefühlen und Gedanken mit. Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist: Was bedeutet es klimafreundlich zu leben, was wünschen wir uns für später und welche Handlungsmöglichkeiten sehen wir, was sind die nächsten Schritte?

Rad der Nachhaltigkeit

Foto: © CCL
Auf dem von ClimateCulture-Lab- Mitarbeiter Dr. Felix Wagner entwickelten „Rad der Nachhaltigkeit“ konnten die Teilnehmer*innen die Gestaltungsbandbreite einer klimafreundlichen Kultur spielerisch kennenlernen und erste Umsetzungsideen äußern. Wo stehen wir in Karlsruhe und welche Potenziale sollen jetzt erschlossen

werden?

Zur Entwicklung konkreter Pläne brauchte es noch die passende Stärkung. Eine leckeres regionales, vegetarisch und veganes Mittagessen bot die Gelegenheit, eine klimafreundliche Ernährung zu kosten.

vegetarisches Buffet mit Hummus etc
Foto: © CCL
Danach ging es an die Arbeit in Lab-Gruppen. Das bedeutete: neue Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Entscheidungs-Brillen aufsetzen. Angelehnt an die Methodik des „Design Thinkings“ wurden in sieben Teams Ideen skizziert und sogenannte „Prototypen“ für kultur-kreative Ansätze in Karlsruhe entwickelt. Wichtig hierbei war der spielerische Ansatz, also eine Arbeitshaltung nach Regeln wie „traue Dich auszuprobieren“, „sei fehlerfreundlich und konstruktiv“ oder „baue auf Ideen anderer auf“. Zum Design-Thinking gehört auch, dass das Vorgehen durchaus plakativ sein darf, damit in kurzer Zeit möglichst viele Konzepte entstehen. Ganz unterschiedliche Entwürfe waren das Resultat.

5 Personen arbeiten an einer Pinwand zum Thema "Bewusstseinswandel im Alltag"
Foto: © CCL

Die Gruppe „Bewusstseinswandel im Alltag schaffen“ entwickelte Ideen zur Vernetzung und besseren Sichtbarmachung bereits bestehender Initiativen wie Gemeinschaftsgärten, Radfahrgruppen, klimafreundlicher Einkaufsmöglichkeiten usw. Bei der „Expedition Zukunft“ ging es um die Idee einer nachhaltigen Klassenfahrt, die filmisch begleitet werden sollte. Die „Klimakampagne“ wollte ein Netzwerk der Netzwerke organisieren, bei dem verschiedene Initiative verschiedene Zielgruppen zu Themen wie Mobilität ansprechen. Weitere Prototypen trugen Titel wie „Lasternrad-Sharing“, „Suffizienz positiv erleben“, „Autofreie Stadt“ oder „Motivationskampagne für Mieter“.

Die fertigen Prototypen wurden am späteren Nachmittag als „Samenkörner für die Zukunft“ von den einzelnen Kleingruppen in einem Amphitheater auf die Bühne gebracht. Sie erlebten so Ihre Weltpremiere. Eine würdige Abschlusspräsentation eines inspirierenden Tages, der den Startschuss gab für eine neue Form klimafreundlichen kulturellen Handelns in Karlsruhe, finde ich! Bei einer der nächsten Werkstätten werde ich dabei sein, da bin ich mir sicher, das verspricht Eure Bloggerin

Marian

P.S. Das CCL veranstaltet nicht nur acht regionale Werkstätten, sondern auch vier überregionale. Dort treffen sich alle Beteiligte wieder und können darüber berichten, wie sich ihre Projekte entwickelt haben.



[ Geändert: Freitag, 28. Juli 2017, 13:15 ]