Blogeinträge von Marian CCL

Weltweit öffentlich
Dieser Frage ging ein vom CCL durchgeführter Workshop bei der internationalen Jahreskonferenz 2017 des Klima-Bündnis in Essen nach. Zwei Stunden lang ließen sich rund zwanzig Mitarbeiter*innen aus Kommunalverwaltungen auf einen intensiven Diskussionsprozess mit überraschenden Ergebnissen ein. „Ich habe jetzt eine ganz andere Auffassung davon, wie unser Denken und Handeln in Hinsicht auf das Thema Klimaschutz am besten verändert werden kann“, stellte eine der Teilnehmenden am Ende fest.

Diskutierende WorkshopteilnehmendeFoto: © KWI

Der Treffpunkt für die „In Situ Session at Climate Alliance‘s International Annual Conference 2017“ zum Thema Klimakultur am 21. September war dem Anlass entsprechend gewählt: das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in Essen mit langjähriger Expertise zu Klimawandel und Partizipationskultur. „In Situ“, lateinisch für „am Ort“ bedeutet, dass die räumliche Umgebung einen passenden stimulierenden Einfluss auf die Zusammenkunft ausübt. Dazu passte der Aufbau des Workshops, der wie die zehn weiteren „In Situ Sessions“ die vertiefende Kommunikation zwischen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Städten fördern sollte.

Unterstützt von einer kleinen Diskussionsaufgabe fand die gemeinsame Einstimmung in die „In Situ Session“ bei einem kurzen Spaziergang durch Essen statt. Die ehemalige Kohlemetropole wirbt heute als „Grüne Hauptstadt 2017 für Umweltfreundlichkeit. Während die Teilnehmenden zwanzig Minuten lang vom „Haus der Technik“, dem Hauptkonferenzort, zum KWI liefen, unterhielten sie sich über ihr jeweiliges Verständnis vom Klima-Kulturwandel.

Vor Ort angekommen, führte sie Esther Trost vom KWI aus wissenschaftlicher Perspektive ins Thema ein und wies auf die Kernproblematik der nötigen klimafreundlichen Transformation hin: Veränderungen kultureller Routinen und Praktiken würden oftmals nur sehr langsam vollzogen, da diese fest in der Gesellschaft verankert seien und somit nicht überdacht würden. Im nächsten Schritt forderte die Workshopsleitung dazu auf, an Hand einer einfachen Übung über die eigenen Vorstellungen zum Thema nachzudenken. Dazu nutzte Moderatorin Dr. Minu Hemmati (Unterauftragnehmerin des CCL bei Gestaltung und Moderation ) ein Modell mit vier möglichen Dimensionen, aus denen gesellschaftliche Veränderungen entspringen können.
Grafik der 4 Dimensionen von Veränderung
Abb.: © Dr. Minu Hemmati

Die vier Dimensionen wurden auf Postern in Vier-Quadranten-Formation auf den Boden gelegt. Nun sollten sich die Workshopteilnehmenden in den Quadranten stellen, der ihres Erachtens am besten Veränderungen hin zu einer klimafreundlichen Kultur bewirken kann und deshalb für sie die wichtigste Dimension von Veränderung beschreibt. Trotz ihres sehr ähnlichen beruflichen Hintergrundes kamen die Beteiligten dabei zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen!

Workshopteilnehmerin steht in der Mitte der vier Quadranten

Foto: © KWI
Jetzt folgte der wichtigste Teil des Workshops: die Reflexion der eigenen Standort-bestimmung. In kleinen Gruppen und später in großer Runde wurde darüber diskutiert, wie die verschiedenen Dimensionen von Veränderung zusammenhängen und auf welche Dimension sich die eigene Arbeit am stärksten bezieht.
Personen sitzen im Kreis und diskutieren

Foto: © KWI

Beim Austausch miteinander wurde klar, wie verschieden die Einschätzungen und Herangehensweisen selbst bei Menschen sind, die aus einem ähnlichen Arbeitsumfeld stammen und ähnliche Ziele verfolgen. Für einen gelingenden Klimakulturwandel sind Gespräch und Austausch deshalb unverzichtbar. Wenn alle teilhaben sollen, gehen Konflikt und Kooperation oft Hand in Hand. Diese Dynamik in gemeinsames Handeln zu übersetzen ist eine der kulturellen Aufgaben! Gerade das Thema Kultur sei aber schwer greifbar, meinten einige Teilnehmende. Auch die Brauchbarkeit des Modells an sich wurde kritisch hinterfragt. Allmählich wuchs jedoch die Erkenntnis, dass alle vier Dimensionen von Veränderung miteinander verbunden sind und in der Klima-Kultur-Arbeit beachtet werden müssen. Dabei sei es hilfreich, im praktischen Alltag eine Einteilung wie bei den Dimensionen im Modell vorzunehmen, damit Veränderungen umfassender strategisch geplant und umgesetzt werden können. Beispielsweise könne man im Detail analysieren, welche Schritte in welchen Dimensionen aufeinander abgestimmt werden sollten oder mit welchen Akteuren (Stakeholdern) man es zu tun hat und wie man diese am besten ansprechen kann.

Abschließend wurde der Frage nachgegangen, was Kommunen noch tun könnten, um Entwicklungen hin zu klimafreundlichen Kulturen voranzubringen. Hier zeigte sich, dass zu wenig Wissen über bestehende Klimakultur-Praktiken vorhanden ist und es sehr wünschenswert wäre, dieses besser zu verbreiten und weitere Projekte an den Start zu bringen. Auch die Notwendigkeit verstärkter Kommunikation und Netzwerkarbeit wurde betont. Am Ende des Workshops ging es wieder zurück an den Konferenzort der Klima-Bündnis-Jahresveranstaltung. Dieser zweite Spaziergang ermöglichte es allen Teilnehmenden, im Gehen ihre Resümees zu vertiefen, denn auch das ist Teil einer kulturellen Strategie: Veränderung findet nicht allein im Kopf statt, sondern muß ein ganzheitliches Erlebnis darstellen, bei dem auch der Körper zum Einsatz kommt.
[ Geändert: Montag, 27. November 2017, 14:32 ]