Blogeinträge von Marian CCL

Weltweit öffentlich
Wunschzettel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann und das Christkind. Doch so selbstverständlich es uns im Dezember auch erscheint, eine Liste mit materiellen Herzenswunschgütern zu erstellen - dieser Brauch ist noch sehr jung. Er entstand im Zuge der industriellen Revolution als Verkaufstreiber für die Spielzeugindustrie. Heute, gegen Ende des fossilen Zeitalters, stellt sich die Frage, ob wir unsere innere Wunschlandschaft nicht an einem neuen Kompass ausrichten wollen. Denn für einen Klimakulturwandel braucht es eine Revolution der Träume und Sehnsüchte….

Weihnachtswunschzettel von Annika. Händi. Pony.

Weihnachten verkörpert einen seltsamen Widerspruch. Das Fest der Liebe übt uns jedes Jahr zum wiederholten Mal darin, Zuneigung an materiellen Geschenken fest zu machen. Dieser Brauch entstand jedoch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Leute wissen, dass er durch die aufblühende Spielzeugindustrie im Zuge der industriellen Revolution vorangetrieben wurde. Die Unternehmer druckten Blätter zum Ausfüllen, „auf denen die Kinder ihre Wünsche nur noch anzukreuzen brauchten“ , z.B. Zinnsoldaten, Trommeln oder Puppen. Damit mutierte die religiöse Feier von Christi Geburt zum emotionaler Anker für die Fähigkeit, schon in sehr jungen Jahren detaillierte materielle Besitzbedürfnisse formulieren zu können. Heutzutage landen Barbiepuppen, „Starwars“-Figuren, ferngesteuerte Autos, Drohnen und andere Elektronika oben auf der Wunschliste. Die aktuelle Geschenkhitparade ähnelt ihren etwa 150 Jahre alten Vorläufern; sie spiegelt unsere Gesellschaft. Nur stehen wir jetzt nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des fossilen Zeitalters. Wir wissen, dass Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung aufhören müssen. Wir wissen auch, dass Wunschfähigkeiten und Wünsche sich verändern können – das ist eine der wichtigsten Quellen für Kulturwandel!
Klima(-freundlicher) Kulturwandel, um genauer zu sein, braucht also eine Wunsch-Revolution, ein Ver-Lernen, eine Umgestaltung der privaten und gesellschaftlichen Traum-und Sehnsuchtslandschaften. Das, was tief von Herzen kommt, was uns antreibt, braucht --- ja was? Einen neuen Motor? Nein. Einen neuen Generator? Nein. Diese benzinbefeuerten Metaphern taugen nicht mehr. Eine ganz andere Energiequelle muss her, die uns neue Herzenswünsche schenkt! Wo finden wir sie? Die Antwort beginnt mit einem Blick nach innen.
Die Zahl derjenigen Menschen, die neue Wege erproben, um in der Alltagshektik zur Besinnung aufs Wesentliche zu kommen, nimmt bereits zu. In unserer Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Bei-sich-sein. Viele Menschen üben sich deshalb mit spezieller Hingabe in Meditation. Auch in der CCL-Reisestation „Alltagspraxis mit der ‚Glocke der Achtsamkeit‘“ gibt es dazu eine erste kleine Anleitung. Wer ihr folgt, erlebt, wie ein wundervoller Moment ins Leben gerufen wird!

Hände halten Kerze_für einen achtsamen Klimakulturwandel zu Weihnachten

Davon können wir uns inspirieren lassen! Entspannte Weihnachten – wäre das kein echter Herzenswunsch? Wie das geht? Vielleicht mit einer bewussten Entscheidung für einen gemeinsam neu geschaffenen 24. Dezember voller Liebe und Schönheit? Man könnte mit duftenden Kerzen statt elektrischem Licht eine besondere Atmosphäre zaubern und den Adventsbrauch des „Geschenkewichtelns“ auf den Heiligabend verlegen. Dabei wird jeweils pro Person nur ein kleines Präsent überreicht und empfangen, dieses sollte aber sehr phantasievoll sein. Oder man könnte die Idee des Geschenks selbst neu erfinden und Zeit im neuen Jahr anbieten, beispielsweise für gemeinsame schöne Erlebnisse. Und wenn so gar kein Einfall kommen mag, könnten wir Freude schenken und sagen: Ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du da bist“ statt eine oft peinliche Verlegenheitslösung zu kaufen. Warum also nicht ein ganz eigenes Achtsamkeitsfest feiern, in dem ein „Kind in der Krippe“ eventuell auch wieder Platz hat?
Achtsamkeit, wie sie uns etwa der Mönch Thich Nhat Hanh hier auf der CCL-Plattform zeigt, ist eine Schlüsselkompetenz im Klimakulturwandel, gleichzeitig gibt es eine starke Parallele zum wichtigsten Gedanken des Weihnachtsfestes: die Liebe. „Wenn wir das Geschenk, das Vermögen und die Schönheit der Erde spüren und wahrnehmen, wird etwas in uns geboren, eine spezielle Verbindung – die Liebe wird geboren,“ sagt Thich Nhat Hanh in einem Interview mit dem Guardian. Der Kulturwandel, der notwendig ist, beginne mit der Erkenntnis, dass wir die Natur in uns tragen. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen, wenn wir bewusst wahrnehmen, begreifen wir, dass es keine wirkliche Trennung zwischen uns und der sogenannten Umwelt gibt, so der buddhistische Mönch. Ich möchte ergänzen: Aus solchem gefühlten Verständnis entstehen neue Bedürfnisse.

Weihnachtsbaum Kinder Achtsamkeit Klimakulturwandel

Natürlich erzeugt Meditation keine glänzenden Kinderaugen unterm Christbaum. Aber aus dem Gefühl der Achtsamkeit heraus können wir neue Ritualskripte für das Fest entwickeln oder einfach alte wiederbeleben. Müssen es wirklich die Gans und die Verpackungsberge sein? Warum aus dem Weihnachtsfest nicht ein Fest zum Staunen über die Schönheit dieser Welt machen? Warum nicht mal bewusst und freudvoll durchatmen? Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Sammlung für eine Hitparade der Klimakulturwandel-Weihnachtswünsche eröffnen: Wir vom CCL wünschen uns und Ihnen viele wundervolle Momente der Liebe und Achtsamkeit! Haben Sie schon Erfahrungen mit einem etwas anderen Weihnachtsritual? Dann freuen wir uns über Ihre Kommentare! (Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bitte auf der Plattform registrieren.)
[ Geändert: Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:29 ]