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von Marian CCL - Freitag, 17. August 2018, 16:42
Weltweit öffentlich

Weintrauben

Bild: Usien*

Wußten Sie, wie die Weinkategorie „Spätlese“ entstand? Die Antwort finden Sie in unserer CCL-Pressespätlese zum langsam beginnenden Sommerausklang. Der Tenor der Artikel ist leider nicht immer weinselig beschwingt-dionysisch, denn der Hitzesommer brachte eine signifikante Verschiebung mit sich. Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass etwas nicht stimmt mit dem Wetter. Aber begreifen wir wirklich, was da geschieht und wovon wir in diesen Tagen Zeugen wurden?

Langsam geht es in den Endspurt für diesen Sommer –zumindest, wenn man der Vorhersage fallender Temperaturen für die zweite Hälfte der nächsten Woche Glauben schenkt. Ob die ausgetrockneten Stadtbäume dann auch tatsächlich ausreichend Regen bekommen, bleibt abzuwarten. Ein endgültiges Fazit der vorangegangenen Hitzemonate wäre noch zu früh. Was, wenn es beispielsweise mit dem Wetter einfach so weiterginge, etwa wie im Jahr 1540? Damals herrschte eine beispiellose Trockenphase in Europe, die sich durchaus wiederholen könne, so der pensionierte Klimaforscher Christian Pfister. Über seine Arbeit und die Parallelen zu heute berichtet ein Artikel in Spektrum.de. (Dort findet sich auch der Hinweis auf die Entstehung der Spätlese.)

Aber auch wenn sich bald ein ganz normaler Herbst einstellen sollte – die Nachrichten der letzten Wochen haben wohl den meisten Menschen klargemacht, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist. Am einfachsten und anschaulichsten schildert das Wetterfrosch Sven Plöger, wenn er von der veränderten Dynamik der Jetströme spricht. Wer anderen gut und knapp den Zusammenhang zwischen stehenden Wetterlagen und Klimawandel erklären möchte, findet bei Plöger hier die besten Argumente. Diese könnten sich in Kommunen als hilfreich erweisen, in denen das Thema Klimaschutz bisher nur Achselzucken hervorgerufen hat.

„Gut möglich, dass der Sommer 2018 einen Wendepunkt markiert,“ schreibt die Zeit Anfang August  und diagnostiziert, dass wir in diesem Hitzesommer die Zukunft sähen. Dem ist nur zuzustimmen. Viele Menschen fühlen bereits die Veränderung. Knallender Sonnenschein ist plötzlich kein „schönes Wetter“ mehr, sondern unangenehm bis bedrohlich für viele Menschen, Tiere und Pflanzen. Trotzdem gilt es, bei alarmierenden Nachrichten ganz genau hinzuhören. Wer beispielsweise nur zwischen Tür und Angel die Pressemeldung des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung „PIK“ mitbekommen hat, könnte meinen, die angekündigte „Heißzeit“ mit einem Meeresspiegelanstieg von 60 Metern erwarte uns bereits zum Ende dieses Jahrhunderts. Dabei bezieht sich die Prognose des PIK und weiterer beteiligter Institute eher auf das gerade begonnene Erdzeitalter des Anthropozäns. Es geht in dem zu Grunde liegenden wissenschaftlichen Artikel darum, dass  unsere sozialen und technischen Entscheidungen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre Auswirkungen auf die nächsten 10.000 bis 100.000 Jahre haben können.

Aber noch ist es nicht völlig zu spät, auch wenn sich Dürrezeiten und Starkregenfälle wegen der bereits stattgefundenen CO2-Akkumulation in der Atmosphäre in jedem Fall häufen werden. Die ungemütliche Wetterlage dieses Sommers sollte Ansporn sein mit Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen jetzt zu beginnen oder sie auszubauen. Nichts wäre verkehrter als gelähmt zu resignieren. Denn die mögliche Handlungspalette ist groß. Die Zeitjournalistin Petra Pinzler fasst ein ganzes Bündel möglicher Maßnahmen unter dem Begriff der „Resilienz“ zusammen – vom Umbau der Landwirtschaftssubventionen bis hin zur Beschleunigung der Energiewende. 

In der New York-Times wird das Thema auch noch einmal unter dem Aspekt der persönlichen Haltung beleuchtet.  Zurzeit finde eine Verschiebung statt, heißt es da. Aber wir laufen mit unserem Bewusstsein den Ereignissen quasi hinterher – wir sind nicht auf der Höhe der Ereignisse. Wörtlich schreibt die New York-Times: „We haven’t caught up to it.” Dabei, so erklärt Diplompsychologin und Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel im Interview mit Dr. Felix Wagner in CCL-Videosession 4, beginne eine Veränderung im Handeln mit einer aufmerksamen Wahr-Nehmung der eigenen Umwelt! Durch Achtsamkeitspraxis und damit durch das Gewahrwerden der eigenen Empfindungen sowie einer wachen Beobachtung der äußeren Welt entstehe eine neue Offenheit und Handlungsfreiheit. Hier geht es zur Video-Session 4, in der Sie Anregungen bekommen, mit offenen Augen den Veränderungen in unserer Welt zu begegnen und sich für klimafreundliche Handlungsalternativen zu entscheiden. Denn aktiv zu werden und selbst zu einer enkeltauglichen Lebensweise beizutragen, ist die sinnvollste Reaktion auf die beunruhigenden Nachrichten des langsam verklingenden Hitzesommers.

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[ Geändert: Dienstag, 21. August 2018, 23:46 ]