Blogeinträge von Marian CCL

Weltweit öffentlich

Lichtung mit abgeholztem Regenwald

Foto:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deforestation_2074483b.jpg

Zurzeit sorgt ein liebenswertes Animationsvideo im Netz für Furore. Es handelt von einem niedlichen Orang-Utan-Baby, das viel Verwirrung stiftet. Virale Berühmtheit erlangte der Clip aus Großbritannien, weil er dort eigentlich im Fernsehen laufen sollte, aber wegen politischen Inhalts ein Sendeverbot verpasst bekam. Der kleine Affe Rang-Tan will nämlich für eine wichtige Vorweihnachtsentscheidung der Supermarktkette „Iceland“ Werbung machen: sie streicht die Zutat Palmöl bei allen Produkten ihrer Eigenmarke. Wenn das keine frohe Botschaft ist! Sie entstand in Zusammenarbeit mit Greenpeace und ist noch dazu wunderbar erzählt mit der Stimme der großen Schauspielerin Emma Thompson.

Das Sendeverbot hat dem kleinen Film jetzt ein internationales Publikum im Netz eröffnet. Das ist erfreulich, denn viele Menschen begegnen so der Thematik „Palmöl“ zum ersten Mal. Ein wichtiger, wenn auch winziger Schritt in Richtung Aufklärung wurde gemacht- aber gleichzeitig sieht sich die Welt mit einem drohenden Rückschlag konfrontiert. Und das hat mit der Wahl des rechtsextremen Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien zu tun.

Wie im Hintergrundpapier zur CCL-Videosession 5 zu lesen ist, sind längst auch die Amazonas-Regenwälder von Abholzung zwecks Palmölanbaus bedroht und mit ihnen die indigene Bevölkerung. Und das, obwohl sich die Wissenschaft international einig ist, dass der südamerikanische Dschungel als „grüne Lunge“ der Welt einen zentralen Bestandteil des Klimasystems darstellt und damit „eines der Kipp-Elemente im Erdsystem“ ist. Ein bedroliches Szenario baut sich damit am Horizont auf: Wenn der Regenwald verschwindet, verbrennt die Erde, denn neben der CO2 Speicherung spielt auch der Wasserhaushalt der Regenwälder eine globale Rolle.

Dieser Gefahr sind wir mit der Wahl von Jair Bolsonaro vielleicht ein gutes Stück näher gerückt. Brasilien ist das fünftgrößte Land Südamerikas mit 60% der Gesamtfläche des Waldes. Jair Bolsonaro will eine Autobahn durch den Regenwald bauen und noch stärker als bisher Rodungen durchführen. Dies ist im Sinn der brasilianischen Agrarindustrie, die u.a. weitere Palmölplantagen plant. Minoritäten wie die Indigenen müssen sich in Bolsonaros Augen der Mehrheit beugen, sprich ihre angestammten Territorien sollen für den Bergbau geöffnet werden. Die Klimaschutzorganisation Germanwatch fürchtet deshalb schwere Verletzungen der Menschenrechte.

Inzwischen hat Bolsonaro zumindest seine ursprüngliche Drohung, aus dem Pariser Klimaschutzvereinbarung auszutreten, zurückgezogen. Vermutlich aus Angst vor der Drohung von Frankreichs Präsidenten Macron, die EU würde keine Handelsabkommen mehr mit Aussteigern aus der Vereinbarung abschließen. Für die anstehenden UN Klimaverhandlungen in Katowice verheißt die Wahl Bolsonaros trotzdem nichts Gutes. Gerade die Allianz aus USA, China, den kleinen Inselstaaten, der von Deutschland, England und Frankreich angeführten EU sowie Brasilien hatte das Zustandekommen des Pariser Klimavertrags eingefädelt. Bolsonaro,Trump, die mit dem Brexit überforderte May und (Ex-Klima-)Kanzlerin Merkel werden sich im kohlefreundlichen Polen kaum zu den versprochenen CO2-Einsparungen durchringen können.

Keine guten Aussichten angesichts alarmierender Wissenschaftsberichte über den fortschreitenden Klimawandel. Die einflussreiche Wirtschaft zeigt sich davon unbeeindruckt und setzt auf ein ‚fröhlich weiter wie bisher‘, denn: „Bolsonaro ist der Wunschkandidat der Märkte“, wie die Deutsche Bank vor dessen Wahl twitterte. Dabei würde vermutlich nur ein größerer Wirtschafts- und Handelsboykott den brasilianischen Präsidenten von seinen klimafeindlichen Politikplänen abbringen.

Wir fragen uns, aber auch Sie/Euch, liebe Leser: Was können wir daran ändern? Sicherlich reicht es nicht, die palmölfreien Eigenprodukte einer Supermarktkette zu kaufen. Ein totaler Konsumverzicht zu Weihnachten und der Umstieg auf ein vegetarisches/veganes Festtagsmenü wären da schon deutlichere Signale. Nicht weil damit so viel bewegt würde. Vielmehr halten wir es mit dem Kulturredakteur Tobias Haberkorn, der seinen Zeit-Essay „Die Sintflut kommt“ mit den Worten beschließt: „Wer sich für das Richtige einsetzt, tut das nicht, weil er glaubt, es wird funktionieren. Er tut es, weil es das Richtige ist. Ethisches Handeln muss nicht skalierbar sein, um ethisch zu sein.“

Und in der Zwischenzeit ist es auch nicht falsch, neben klimafreundlichem Alltagshandeln am 1. Dezember in Köln oder Berlin bei der Anti-Kohle-Demo zum Auftakt der Klimakonferenz dabei zu sein. Was meinen Sie?


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[ Geändert: Freitag, 23. November 2018, 09:14 ]