Blogeinträge von Maja Klostermann

Weltweit öffentlich

Eigentlich dachte ich, ganz gut Bescheid zu wissen, was sich alles hinter dem Wort „Klimawandel“ verbirgt. Schließlich ist es in den Medien inzwischen fast allgegenwärtig und ich lese seit einiger Zeit jeden Artikel, der mir zu dem Thema zwischen die Finger kommt. Auch setze ich mich im Studium viel damit auseinander, und empöre mich oft mit Freund*innen darüber, was diesbezüglich politisch alles falsch läuft. Als man mich also dazu einlud, an einem Climate-Collage-Workshop teilzunehmen, erwartete ich nicht wirklich, viel Neues zu lernen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Die Climate Collage, eine Art Gruppenpuzzle-Spiel, wurde ursprünglich von Cédric Ringenbach in Frankreich entwickelt. Sie soll helfen, das Bewusstsein der Menschen für die Problematik des Klimawandels zu stärken. Und damit wirklich etwas in den Köpfen der Leute hängenbleibt, wählte Ringenbach einen spielerischen, interaktiven Ansatz, der die Climate Collage zu einem einzigartigen Tool macht: es eignet sich für alle Altersgruppen, schafft Raum für Kreativität und einen anregenden Austausch mit den anderen Teilnehmenden, und lässt sich durch die Notwendigkeit von Kooperation und kollektiver Intelligenz sogar zu Teambildungszwecken einsetzen.

Aufbau und Ablauf sind dabei ganz einfach: abgesehen von dem aus 40 Bildkarten bestehenden Set braucht es lediglich einen großen Tisch, bedeckt mit einem ebenso großen Bogen Papier, Kleber und Stifte, sowie eine Umgebung, in der man sich ungefähr drei Stunden aufhalten und in angenehmer Atmosphäre unterhalten kann – sei es ein Besprechungsraum, ein gemütliches Café, oder jemandes Wohnzimmer. Jede Bildkarte greift ein Thema auf, das mit dem Klimawandel zusammenhängt – es gilt, die Karten gemeinsam mit etwa zehn weiteren Teilnehmenden und unter Anleitung von geschulten Moderator*innen so anzuordnen, dass die kausalen Zusammenhänge und komplexen Wechselwirkungen deutlich werden, die den Klimawandel verursachen.

Als ich die ersten Karten in Augenschein nahm, war mir nicht so recht klar, wieso wir gebeten worden waren, drei Stunden unserer kostbaren Zeit für den Workshop einzuplanen, denn die Verknüpfungen zwischen der Rodung von Regenwäldern, dem weltweiten Temperaturanstieg und dem Schmelzen der Polkappen erschienen mir ziemlich offensichtlich. Doch dann kamen Karten mit Themen wie Aerosole und Strahlungsantrieb auf den Tisch, und ich verstand nur noch Bahnhof. Glücklicherweise hatten wir Teilnehmenden uns untereinander bereits kennengelernt und konnten die Chemiestudentin in der Runde zu Rate ziehen, die uns die Konzepte etwas näher erläuterte.

Trotz unseres gesammelten Wissens aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, war es ganz schön knifflig die Karten so anzuordnen, dass alle Anwesenden mit ihrer Platzierung einverstanden waren. Wie ist das zum Beispiel mit bewaffneten Konflikten, sind sie Henne oder Ei? Entstehen Umweltschäden durch Kriege, oder sind sie eher eine Folge ebensolcher Schäden, die Menschen in Armut und zur Flucht treiben? Ohne die Tipps und Hinweise unserer Moderatorin hätten wir es ehrlicherweise nicht geschafft, uns in dieser Frage einig zu werden. Das wäre auch nicht wirklich schlimm gewesen, denn das Tüfteln machte allen Spaß und wir unterhielten uns angeregt über die doch sehr verschiedenen Aspekte des Klimawandels, teilten die eigene Perspektive auf die Dinge miteinander und tauschten uns über unsere Erfahrungen mit Kleidertauschparties und Unverpacktläden aus.

Nach drei wie im Flug vergangenen Stunden waren wir dann aber doch stolz, ein fertiges Bild vor uns auf dem Tisch liegen zu haben. Wir nahmen uns die Zeit, unsere Collage schön zu gestalten und schrieben auf, was wir für uns persönlich aus dem Workshop mitnehmen würden. Ich für meinen Teil war, abgesehen von faktisch neuen Erkenntnissen, in erster Linie daran erinnert worden, dass es immer noch etwas zu lernen gibt. Dass es sich lohnt, sich immer wieder neu mit Themen zu beschäftigen, bei denen man eigentlich das Gefühl hat, sie schon unendlich oft durchgekaut zu haben. Dass neue Gesprächspartner, neue Blickwinkel und neue Ansätze immer dafür sorgen, dass sich das eigene Verständnis der Zusammenhänge noch vertieft, man Verknüpfungen stärkt oder neu entdeckt. Und dass dieses tiefere Verständnis schließlich ungemein motivierend für das eigene Handeln ist: ich ertappe mich seitdem tatsächlich seltener dabei aus Faulheit doch mal das Auto zu nehmen oder gehe auch nochmal die Treppe hoch, um mein Holzbesteck noch einzupacken. Denn wenn ich mit dem Gedanken spiele, meinem inneren Schweinehund die Kontrolle zu überlassen, kommt mir sofort die entsprechende Bildkarte aus der Climate Collage in den Sinn und ich denke an die intensive Begegnung mit den anderen Teilnehmenden. Also nehme ich den Schweinehund dann doch eher an die Leine.

Nicht nur auf mich hat der Workshop nachhaltige Wirkung gehabt. Wir ehemaligen Teilnehmenden sind nun dabei, weitere Climate Collages zu planen und uns einen Rahmen zu überlegen, in dem regelmäßige Workshops veranstaltet werden könnten. Denn wir alle würden nicht nur gern selbst noch einmal mitspielen, sondern verspüren außerdem den Wunsch, diese bereichernde Erfahrung mit unseren Freund*innen und Familien zu teilen!

Weitere Informationen und Fotos zu bereits durchgeführten Workshops finden Sie unter http://the-climate-collage.com/