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Lichtung mit abgeholztem Regenwald

Foto:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deforestation_2074483b.jpg

Zurzeit sorgt ein liebenswertes Animationsvideo im Netz für Furore. Es handelt von einem niedlichen Orang-Utan-Baby, das viel Verwirrung stiftet. Virale Berühmtheit erlangte der Clip aus Großbritannien, weil er dort eigentlich im Fernsehen laufen sollte, aber wegen politischen Inhalts ein Sendeverbot verpasst bekam. Der kleine Affe Rang-Tan will nämlich für eine wichtige Vorweihnachtsentscheidung der Supermarktkette „Iceland“ Werbung machen: sie streicht die Zutat Palmöl bei allen Produkten ihrer Eigenmarke. Wenn das keine frohe Botschaft ist! Sie entstand in Zusammenarbeit mit Greenpeace und ist noch dazu wunderbar erzählt mit der Stimme der großen Schauspielerin Emma Thompson.

Das Sendeverbot hat dem kleinen Film jetzt ein internationales Publikum im Netz eröffnet. Das ist erfreulich, denn viele Menschen begegnen so der Thematik „Palmöl“ zum ersten Mal. Ein wichtiger, wenn auch winziger Schritt in Richtung Aufklärung wurde gemacht- aber gleichzeitig sieht sich die Welt mit einem drohenden Rückschlag konfrontiert. Und das hat mit der Wahl des rechtsextremen Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien zu tun.

Wie im Hintergrundpapier zur CCL-Videosession 5 zu lesen ist, sind längst auch die Amazonas-Regenwälder von Abholzung zwecks Palmölanbaus bedroht und mit ihnen die indigene Bevölkerung. Und das, obwohl sich die Wissenschaft international einig ist, dass der südamerikanische Dschungel als „grüne Lunge“ der Welt einen zentralen Bestandteil des Klimasystems darstellt und damit „eines der Kipp-Elemente im Erdsystem“ ist. Ein bedroliches Szenario baut sich damit am Horizont auf: Wenn der Regenwald verschwindet, verbrennt die Erde, denn neben der CO2 Speicherung spielt auch der Wasserhaushalt der Regenwälder eine globale Rolle.

Dieser Gefahr sind wir mit der Wahl von Jair Bolsonaro vielleicht ein gutes Stück näher gerückt. Brasilien ist das fünftgrößte Land Südamerikas mit 60% der Gesamtfläche des Waldes. Jair Bolsonaro will eine Autobahn durch den Regenwald bauen und noch stärker als bisher Rodungen durchführen. Dies ist im Sinn der brasilianischen Agrarindustrie, die u.a. weitere Palmölplantagen plant. Minoritäten wie die Indigenen müssen sich in Bolsonaros Augen der Mehrheit beugen, sprich ihre angestammten Territorien sollen für den Bergbau geöffnet werden. Die Klimaschutzorganisation Germanwatch fürchtet deshalb schwere Verletzungen der Menschenrechte.

Inzwischen hat Bolsonaro zumindest seine ursprüngliche Drohung, aus dem Pariser Klimaschutzvereinbarung auszutreten, zurückgezogen. Vermutlich aus Angst vor der Drohung von Frankreichs Präsidenten Macron, die EU würde keine Handelsabkommen mehr mit Aussteigern aus der Vereinbarung abschließen. Für die anstehenden UN Klimaverhandlungen in Katowice verheißt die Wahl Bolsonaros trotzdem nichts Gutes. Gerade die Allianz aus USA, China, den kleinen Inselstaaten, der von Deutschland, England und Frankreich angeführten EU sowie Brasilien hatte das Zustandekommen des Pariser Klimavertrags eingefädelt. Bolsonaro,Trump, die mit dem Brexit überforderte May und (Ex-Klima-)Kanzlerin Merkel werden sich im kohlefreundlichen Polen kaum zu den versprochenen CO2-Einsparungen durchringen können.

Keine guten Aussichten angesichts alarmierender Wissenschaftsberichte über den fortschreitenden Klimawandel. Die einflussreiche Wirtschaft zeigt sich davon unbeeindruckt und setzt auf ein ‚fröhlich weiter wie bisher‘, denn: „Bolsonaro ist der Wunschkandidat der Märkte“, wie die Deutsche Bank vor dessen Wahl twitterte. Dabei würde vermutlich nur ein größerer Wirtschafts- und Handelsboykott den brasilianischen Präsidenten von seinen klimafeindlichen Politikplänen abbringen.

Wir fragen uns, aber auch Sie/Euch, liebe Leser: Was können wir daran ändern? Sicherlich reicht es nicht, die palmölfreien Eigenprodukte einer Supermarktkette zu kaufen. Ein totaler Konsumverzicht zu Weihnachten und der Umstieg auf ein vegetarisches/veganes Festtagsmenü wären da schon deutlichere Signale. Nicht weil damit so viel bewegt würde. Vielmehr halten wir es mit dem Kulturredakteur Tobias Haberkorn, der seinen Zeit-Essay „Die Sintflut kommt“ mit den Worten beschließt: „Wer sich für das Richtige einsetzt, tut das nicht, weil er glaubt, es wird funktionieren. Er tut es, weil es das Richtige ist. Ethisches Handeln muss nicht skalierbar sein, um ethisch zu sein.“

Und in der Zwischenzeit ist es auch nicht falsch, neben klimafreundlichem Alltagshandeln am 1. Dezember in Köln oder Berlin bei der Anti-Kohle-Demo zum Auftakt der Klimakonferenz dabei zu sein. Was meinen Sie?


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[ Geändert: Freitag, 23. November 2018, 09:14 ]

Kommentare

  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Sa, 24. Nov 2018, 22:22
    Das video ist uns sehr zu Herzen gegangen, da es doch sehr kindliche Gewohnheiten angreift. NuTeLla ist seit der Gründung konnte manch ein Angehöriger meinen in unseren Stätten anzufinden. Jedoch kamen Bedenken auf. Nun in diesem Zusammenhang wird es sogar visuell, dank vieler Künstler greifbar. Wir sehen geradezu, was unsere Gewohnheit doch für Folgen hat. Sei es Wasser aus Tibet, oder Kokos aus Thailand (?).
    Wie sich doch viele täuschen ließen, wo kommen meine Kostbarkeiten für gewisse Events eigentlich alle her? Oder wenn ich alles hinter mich lassen musste, jedoch nicht auf die diversen Gepflogenheiten und Ingredienzen von damals verzichten möchte. Wonach greifen wir dann? Zum Generica-Produkt. Es ist doch bestimmt genauso gut und zukunftsweisend und in den akademischen Circlen gewiss angesagt seit jeher. Diese sogenannten Elite-Rezepte sind immerzu präsent. Nicht wahr? Guacamole !!!
 
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von Marian CCL - Donnerstag, 20. September 2018, 20:10
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Baumhaus, Baumwipfel, Strickleiter zwischen Wipfeln

Foto: MaricaVitt CC4-Lizenz

Die philosophische Ethik lehrt, dass sich Normen und Werte durch gesellschaftliche Aushandlungsprozesse verändern. Das klingt abstrakt, kann aber zurzeit besonders gut beobachtet werden: Ist es legitim einen Wald zu roden, damit noch mehr klimafeindliche Kohle aus der Erde geholt werden kann? Ist es legitim, einen Wald zu besetzen, damit eben jenes verhindert werden kann? Wessen Willen repräsentiert die NRW-Landesregierung, wenn sie die Räumung dieses Waldes anordnet? Wessen Willen repräsentiert die Bundesregierung, deren Kohlekommission den Ausstieg aus der veralteten Energietechnik bis mindestens Mitte der 2030-er Jahre hinauszögern will? Und warum ändert sich alles, wenn plötzlich ein Unglück geschieht?

„Momo“, der Sprecher der Waldbesetzer im Hambacher Forst, brachte es noch in der Woche vor dem tödlichen Sturz des jungen Journalisten Steffen Meyn auf den Punkt. Laut Spiegel Online stellte "Momo" fest, dass 200 Aktivisten gegen Tausende von Beamten keine Chance hätten, die Besetzung aufrecht zu erhalten. Er hoffte aber darauf, den „Kampf um die öffentliche Meinung noch gewinnen“ zu können. Das öffentliche Echo zu diesem Zeitpunkt war durchaus gespalten. Einerseits zeigten die Hörerbeiträge in der Deutschlandfunksendung „Kontrovers“ vom 17.9.2018 zum Streit um das symbolträchtige Waldstück ein eindeutiges Bild.  Fast alle Anrufer plädierten für eine enkelfreundliche Klimapolitik und den Ausstieg aus der Braunkohle.
In der Online-Ausgabe der Sonntags-FAZ dagegen titelte die Politikjournalistin Friederike Haupt am 16.9.2018: „Wie Reichsbürger mit Rastas“. Sie setzte in ihrem Kommentar die Waldaktivisten mit staatsnegierenden Wutbürgern gleich, argumentierte mit der geltenden Rechtslage und Straftaten, die in Hambach begangen wurden. Ihre Alternativempfehlung zur Besetzung zielte auf parteipolitische Betätigung, etwa bei den Grünen.

Womit wir wieder bei den Ausgangsfragen wären. Denn wer sich bei schwierigen Themen wie dem Klimaschutz engagiert, weiß, dass festgefügte (auch kommunale) Machtverhältnisse politikbestimmend sind. Wie also ankommen gegen die Beharrungskräfte des Ewiggestrigen? Sind es immer nur die tragischen Ereignisse wie beispielsweise ‚Fukushima‘, die ein Umsteuern bewirken? Wie ist das Gefühlsgemisch aus Wut, Resignation und Verzweiflung zu überwinden, das sich einstellt, wenn Politikmuster und Floskeln im Alltagsgeschäft ständig wiederholt werden?

Die mediale Wahrnehmung des Hitzesommers 2018 als Zeichen, dass Klimawandel auch bei uns spürbar geworden ist, verhalf sicherlich dazu, dass der Hambacher Forst schnell zum Symbol für den Streit um die Kohleverstromung avancierte (es wurden sogar Vergleiche mit dem Kampf um den „Schnellen Brüter“ in Wackersdorf gezogen). Viele Bürger*innen sind inzwischen für das Thema Kohleverstromung sensibilisiert. Doch können und wollen sie auch zu einem Politikwandel beitragen?

Die Palette der legalen Möglichkeiten, den eigenen Willen geltend zu machen, ist überschaubar. Wenn die Kohlekommission tagt, die über den Ausstieg aus der Braunkohle berät, haben Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher darauf keinen Einfluss. Das Gefühl, dass nicht nur in dieser Frage über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird, führt entsprechend bei vielen Menschen zur politischen Apathie und bei Einzelnen sogar zur Radikalisierung. Ein dritter Weg, der noch nicht beschritten wird, wäre jedoch eine Reform unserer demokratischen Prozesse!

Ein tiefgreifender Normen- und Wertewandel geht mit der Frage einher, wie Institutionen funktionieren und wie beispielsweise die politische Teilhabe geregelt ist. In einem kürzlich vom oekom verlag herausgegebenen Buch macht ein Experte für Entscheidungsfindung einen äußerst interessanten Neuerungsvorschlag, der vor allem auch auf kommunaler Ebene anwendbar ist und in einigen kleinen Orten in Österreich bereits ausprobiert wird. Erik Visotschnig stellt in „Nicht über unsere Köpfe“ eine Alternative vor, die es Beteiligten ermöglicht, sich effektiver in private, politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Dadurch entsteht nach seiner Ansicht eine neue demokratische Kultur, in der nicht länger Großkonzerne und kapitalstarke Interessengruppen, sondern Bürger das Sagen haben. Wie es funktioniert, wird im WDR-Beitrag hier anschaulich erklärt. 

Vielleicht tut sich die Politik mit dem Thema Klimaschutz so schwer, weil Bürger*innen einerseits aufgefordert werden, ihren Teil beizutragen, andererseits ein tatsächliches Engagement aber eingefahrene Machtverhältnisse bedroht. Zuletzt geschah dies 2012 durch die Bürgerenergiewende, die die großen Stromerzeuger ins Wanken brachte. Seither haben RWE & Co es zwar verstanden wieder die Oberhand zu gewinnen, die allgemeine Unzufriedenheit in Deutschland über das auf allen Ebenen erstarrte Politiksystem ist dadurch aber wahrscheinlich nicht kleiner geworden.

Statt an dieser Stelle mit Demokratieverdrossenheit zu reagieren, wäre es wohl viel sinnvoller, Vorschläge wie den von Erik Visotschnig zu testen. Gerade in kleineren Kommunen könnte damit ein neuer Politikstil erprobt werden. Was meinen Sie? Reizt es Sie, diese Art der Entscheidungsfindung in Ihrem Arbeitsumfeld mal zum Einsatz zu bringen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!



[ Geändert: Freitag, 21. September 2018, 09:38 ]

Kommentare

  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:14
    Vor mehr als zwanzig Jahren sollte in der
    Nähe von Mölln ein Endlager für Schlacke aus Hamburg entstehen. Jedoch taten sich die Kreisbewohner zusammen und schufen stattdessen ein Biotop. Infolgedessen war das Thema vom Tisch.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:15
    #Braunkohle ist ein anderes Thema, wo ich primär daran denke, ob der Energie-Umsatz einer Fördermaschine und danach der Verbrennung auch staatlich (demokratisch mit allen Abwägungen) kontrolliert und gedrosselt wird? Genauso wie Grundwasser aus dem Möllner Umfeld für einen Großkonzern abgepumpt werden darf. Wird kontrolliert, wieviel abgepumpt werden darf? Geht es denn immer um Einkünfte? Mich interessieren keine Gewinne.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:20
    Mich interessiert, ob sich jeder selbst versorgen kann. Mit lokalem Trinken, lokalem Essen, lokaler Kleidung (geht das überhaupt?), einer Wohnmöglichkeit(mit lokalen Baumateralien) und der „Energie“versorgung (>Wärme,Strom...< vor Ort?, generelle Versorgung per Desertec?).
    Das effektivste/nachhaltigste Wissen sollte dafür frei zur Verfügung stehen.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:22
    Rohstoffe im Allgemeinen haben einen Wertschöpfungs-Charakter. Nicht alles darf aber frei verfügbar sein. Ohne Kontrolle!?
    Gibt es denn keine staatengemeinschaftliche Regelung, wenn jemand Energie benötigt, derjenige sie auch gerecht bekommt und welche der besten Energie-Träger dafür genommen werden sollte?
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:32
    Wo bleibt da das Netzwerk an Kompetenzen?
    Jede App beinhaltet eine halbwegs gute KI/EI mit Belohnungsprinzipien und Folgen-Visualisierungen(für Böden,Gesundheit,Klima).

    Jedes Konstrukt (nennen wir es Firma) dient doch einer Aufgabe.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:34
    Wenn die Bewältigung (zur SImplifizierung von Prozessen, oder First-Class-Essenz-Schaffung) jedoch zuviel „frisst“ und die Arbeiter keinen Mehrwert schaffen können...
    Brauchen wir dann diese Maschinerie?
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:39
    Ich habe mich seit langem schon mit der Idee der Weltformel beschäftigt.
    Dem zu Grunde liegt mein Verständnis von Einfachheit. Dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:41
    Also, was brauchen wir zum ÜberLeben? Zum angenehmen „Ach, wie schön ist es hier....“-Leben? Die Befriedigung der Grundbedürfnisse. Teilhabe, Wachstum(im Köperlichen und geistigem Sinne) und Gesundheit. Es ist also recht einfach oder? Thema Braunkohle—>?
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:41
    Wer möchte diese Energie-Maschinerie mit Braunkohle dort unterstützen? Der braucht nichts zu tun. Einfach ignorieren. Und die Verträge unangetastet lassen.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Fr, 21. Sep 2018, 19:42
    Wer es jedoch nicht tolerieren kann und noch zu wenig über die Verflechtungen und Machtverhältnisse (gegenseitige Erpressungen etc pp.) weiß,
    Sollte sich schlau machen, die Konzerne studieren, befragen und zur Not auch Boykottieren.
    Stellt die richtigen Fragen. Einfach.
 
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von Marian CCL - Freitag, 17. August 2018, 16:42
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Weintrauben

Bild: Usien*

Wußten Sie, wie die Weinkategorie „Spätlese“ entstand? Die Antwort finden Sie in unserer CCL-Pressespätlese zum langsam beginnenden Sommerausklang. Der Tenor der Artikel ist leider nicht immer weinselig beschwingt-dionysisch, denn der Hitzesommer brachte eine signifikante Verschiebung mit sich. Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass etwas nicht stimmt mit dem Wetter. Aber begreifen wir wirklich, was da geschieht und wovon wir in diesen Tagen Zeugen wurden?

Langsam geht es in den Endspurt für diesen Sommer –zumindest, wenn man der Vorhersage fallender Temperaturen für die zweite Hälfte der nächsten Woche Glauben schenkt. Ob die ausgetrockneten Stadtbäume dann auch tatsächlich ausreichend Regen bekommen, bleibt abzuwarten. Ein endgültiges Fazit der vorangegangenen Hitzemonate wäre noch zu früh. Was, wenn es beispielsweise mit dem Wetter einfach so weiterginge, etwa wie im Jahr 1540? Damals herrschte eine beispiellose Trockenphase in Europe, die sich durchaus wiederholen könne, so der pensionierte Klimaforscher Christian Pfister. Über seine Arbeit und die Parallelen zu heute berichtet ein Artikel in Spektrum.de. (Dort findet sich auch der Hinweis auf die Entstehung der Spätlese.)

Aber auch wenn sich bald ein ganz normaler Herbst einstellen sollte – die Nachrichten der letzten Wochen haben wohl den meisten Menschen klargemacht, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist. Am einfachsten und anschaulichsten schildert das Wetterfrosch Sven Plöger, wenn er von der veränderten Dynamik der Jetströme spricht. Wer anderen gut und knapp den Zusammenhang zwischen stehenden Wetterlagen und Klimawandel erklären möchte, findet bei Plöger hier die besten Argumente. Diese könnten sich in Kommunen als hilfreich erweisen, in denen das Thema Klimaschutz bisher nur Achselzucken hervorgerufen hat.

„Gut möglich, dass der Sommer 2018 einen Wendepunkt markiert,“ schreibt die Zeit Anfang August  und diagnostiziert, dass wir in diesem Hitzesommer die Zukunft sähen. Dem ist nur zuzustimmen. Viele Menschen fühlen bereits die Veränderung. Knallender Sonnenschein ist plötzlich kein „schönes Wetter“ mehr, sondern unangenehm bis bedrohlich für viele Menschen, Tiere und Pflanzen. Trotzdem gilt es, bei alarmierenden Nachrichten ganz genau hinzuhören. Wer beispielsweise nur zwischen Tür und Angel die Pressemeldung des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung „PIK“ mitbekommen hat, könnte meinen, die angekündigte „Heißzeit“ mit einem Meeresspiegelanstieg von 60 Metern erwarte uns bereits zum Ende dieses Jahrhunderts. Dabei bezieht sich die Prognose des PIK und weiterer beteiligter Institute eher auf das gerade begonnene Erdzeitalter des Anthropozäns. Es geht in dem zu Grunde liegenden wissenschaftlichen Artikel darum, dass  unsere sozialen und technischen Entscheidungen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre Auswirkungen auf die nächsten 10.000 bis 100.000 Jahre haben können.

Aber noch ist es nicht völlig zu spät, auch wenn sich Dürrezeiten und Starkregenfälle wegen der bereits stattgefundenen CO2-Akkumulation in der Atmosphäre in jedem Fall häufen werden. Die ungemütliche Wetterlage dieses Sommers sollte Ansporn sein mit Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen jetzt zu beginnen oder sie auszubauen. Nichts wäre verkehrter als gelähmt zu resignieren. Denn die mögliche Handlungspalette ist groß. Die Zeitjournalistin Petra Pinzler fasst ein ganzes Bündel möglicher Maßnahmen unter dem Begriff der „Resilienz“ zusammen – vom Umbau der Landwirtschaftssubventionen bis hin zur Beschleunigung der Energiewende. 

In der New York-Times wird das Thema auch noch einmal unter dem Aspekt der persönlichen Haltung beleuchtet.  Zurzeit finde eine Verschiebung statt, heißt es da. Aber wir laufen mit unserem Bewusstsein den Ereignissen quasi hinterher – wir sind nicht auf der Höhe der Ereignisse. Wörtlich schreibt die New York-Times: „We haven’t caught up to it.” Dabei, so erklärt Diplompsychologin und Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel im Interview mit Dr. Felix Wagner in CCL-Videosession 4, beginne eine Veränderung im Handeln mit einer aufmerksamen Wahr-Nehmung der eigenen Umwelt! Durch Achtsamkeitspraxis und damit durch das Gewahrwerden der eigenen Empfindungen sowie einer wachen Beobachtung der äußeren Welt entstehe eine neue Offenheit und Handlungsfreiheit. Hier geht es zur Video-Session 4, in der Sie Anregungen bekommen, mit offenen Augen den Veränderungen in unserer Welt zu begegnen und sich für klimafreundliche Handlungsalternativen zu entscheiden. Denn aktiv zu werden und selbst zu einer enkeltauglichen Lebensweise beizutragen, ist die sinnvollste Reaktion auf die beunruhigenden Nachrichten des langsam verklingenden Hitzesommers.

*Dieses Bild ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.  

Original hier



[ Geändert: Dienstag, 21. August 2018, 23:46 ]

Kommentare

  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Sa, 18. Aug 2018, 21:27
    Wir haben in diesem Jahr in Mölln eine wunderbare Ernte. Nun ist es aber keine Art die in unseren Breitengraden ursprünglich anzufinden ist. Der Pfirsich. Wahrlich köstlich. Wir haben einen Baum der sehr viele Früchte trägt. Nun schenken wir unserer Nachbarschaft alle, die wir nicht alleine verkosten können. Es ist ein Zeichen, welches ich als bedenklich sehen kann. Nicht nur die Tomaten sind ohne viel Wasser bei uns geschmacksintensiv gereift (keine Hybriden/ mehrjährig) sondern auch andere Arten. Der Wein entwickelt sich auch bald.
  • Avatar Oliver HeldOliver Held - Sa, 18. Aug 2018, 21:31
    Das Wasser wurde nur vom Regen gespeist(Grauwasser), welcher selten aber drei mal in diesem Sommer passierte. Es war zu trocken. Unsere Rasenfläche ist in besorgniserregenden Farben zu sehen. Die Versteppung ist auch im Kleinst-Quadranten „Privatgarten “spürbar.
  • Nutzerbild Claudia SchuryClaudia Schury - Di, 21. Aug 2018, 09:32
    Hier in Frankfurt sind die Pfirsiche so klein wie in keinem Jahr zuvor und die Äpfel, die wir sonst gegen Ende September ernten, fallen in Notreife schon jetzt alle vom Baum.
    Viel beunruhigender finde ich aber die Kommentare der Gartennachbarn wie "Auch das werden wir überleben." oder "Naja, so was kann schon mal vorkommen."
 
Nutzerbild Marian CCL
von Marian CCL - Montag, 30. Juli 2018, 18:03
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Grafik Nicht ohne Climate Fair

Collage: CCL

"Der 29,90 Euro-Irrsinn" lautete gestern eine SZ-Schlagzeile. Berichtet wurde über die Sperrung des Münchner Flughafens wegen einer Sicherheitspanne - mitten im Urlaubsreiseverkehr. Aber, so die SZ, das eigentliche Problem sei, dass Fliegen viel zu billig ist. "Viele Flugtickets sind nur scheinbar günstig", heißt es da. Service, Pünktlichkeit, Nachtruhe der Anwohner blieben auf der Strecke. Stimmt. Aber wovon die SZ nicht schreibt: die viel zu günstigen Flugtickets tragen in besonderem Maß zum Klimawandel bei!

Wem Klimaschutz am Herzen liegt, der/die weiß das natürlich. Seit Jahren gibt es deshalb auch Unternehmen, bei denen man die eigenen Flüge "kompensieren" kann. Damit ist eine Spende gemeint, mit der die Kompensationsunternehmen  Investitionen in weltweite CO2-Einsparprojekte finanzieren. Das ist zwar besser als nichts, aber: die Anlageprojekte liegen dort, wo es besonders preiswert ist Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen, in den sogenannten "Entwicklungsländern".

Klimaschutz in Deutschland dagegen ist deutlich teurer, aber nicht weniger notwendig. Deshalb hat die Klimaschutzs+ Stiftung eV unter der Schirmherrschaft von Ernst Ulrich von Weizsäcker die Kompensationsorganisation "Climate Fair" gegründet. Diese neue Organisation ist nicht nur lokal verankert, sie ist auch ein Graswurzelprojekt. Sie ermöglicht eine Einzahlung in Bürgerfonds vor Ort, die die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland möglich machen.

Das geht folgendermaßen: auf der Website von "Climate Fair" ermittelt man die sozioökologischen Folgekosten der eigenen Reise mittels eines Online-Rechners. Danach wählt man den Bürgerfond aus, den man unterstützen möchte und zahlt das Geld ein. Finanziell bedacht werden ausschließlich gemeinnützige Projekte, die transparent agieren und einen eindeutigen Beitrag zur Ausgestaltung einer sozial und ökologischen gerechten Gesellschaft leisten.

Natürlich ist Climate Fair ein Stück teurer als andere Unternehmen, aber in jeder Hinsicht gerechter. Weil wir Verantwortung für die Kosten hier bei uns übernehmen, und nicht da, wo es billig ist. Das sollte uns der Klimaschutz allemal wert sein. Und wer genauer wissen will, wie Climate Fair arbeitet, dem seien die sehr gut aufbereiteten FAQs ans Herz gelegt.



[ Geändert: Montag, 30. Juli 2018, 18:08 ]

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    Nutzerbild Marian CCL
    von Marian CCL - Freitag, 25. Mai 2018, 07:17
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    In lockerer Reihenfolge stellt CCL an dieser Stelle Inspirationen zum KlimaKulturWandel vor, die Kolleg*innen im Rahmen von NKI-Projekten, der TransitionTown-Bewegung oder einem vergleichbaren Umfeld durchgeführt haben. Dieses Mal präsentieren wir „KlimaKunstSchule“, durchgeführt von BildungsCent e.V.

    Alter BH mit Gras gefüllt an Baum gebunden

    Foto ©Kultur!ngenieur Felix Liebig

    Da staunten die Besucher eines Einkaufszentrums in Hildesheim nicht schlecht. Teenager präsentierten auf dem Laufsteg der Shopping-Mall ungewöhnliche, selbstgeschneiderte Mode: Müll gesäumte Röcke, Kleider aus Duschvorhängen und Packpapier. In Bremen wiederum zogen 35 Schüler*innen als Stadtguerilla durch die Straßen und sprachen Passanten auf den Klimawandel an. Diese und viele andere kreative Ideen entwickelten junge Lernende und stellten sich so der Herausforderung, die Öffentlichkeit auf ihren Umgang mit der Umwelt aufmerksam zu machen.

    Selten wurde besser deutlich, wie Kunst den KlimaKultur-Wandel beschleunigen kann. Der Verein BildungsCent e.V. hatte mit Unterstützung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) 49 Künstler*innen dazu motiviert, in etwa 200 Schulen zusammen mit den Lernenden klimabezogen und kreativ zu arbeiten. Als Input brachten die Kulturschaffenden je einen„artistic seed“ mit, ein kreatives Samenkorn. In ihm steckten überraschende und inspirierende Ideen, was Jede*r zu einer klimafreundlicheren Welt beitragen kann, aber ebenso viele neue Methoden, dies zum Ausdruck zu bringen. Ausgestattet mit diesem neuen Wissen und beflügelt von den Anregungen der Künstler, machten sich die Schüler nun daran, eigene KlimaKunst-Projekte zu entwerfen. Insgesamt beteiligten sich etwa 5000 Lernende und ihre Lehrer*innen an „KlimaKunstSchule.

    Menschen in weißen Overalls auf Treppe tragen Bilder

    Foto: Schüler*innen der Ida Ehre-Schule, Hamburg © BildungsCent e. V.

    Das Ergebnis ist erstaunlich und kann auf der Projekt-Webseite nachgelesen werden: http://klimakunstschule.bildungscent.de/ Dort gibt es das Buch mit allen 49 künstlerischen „artistic seeds“. Aber auch 17 besonders gut gelungene Schülerprojekte sind dort dokumentiert, darunter die oben bereits erwähnten. Was dabei vielleicht am meisten ins Auge springt, das ist das Erstaunen der Lehrer*innen. Denn diese mussten im Verlauf des Projekts zugeben, dass sie ihren Schüler*innen viele der Leistungen nicht zugetraut hätten, ja, dass sie sich nicht einmal vorstellen konnten, dass junge Menschen sich so sehr für das Thema interessieren könnten.

    Wenn man den Aufbau des Programms KlimaKunstSchule“ genauer betrachtet, verwundert das unerwartete Engagement jedoch nicht. Denn die initierenden Künstler*innen sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam, sie gingen auf die Bedürfnisse und Bedenken der Lernenden ein und sie brachen auch hin und wieder die Regeln. So aus dem gewohnten Korsett herausgelockt, spürten die Schüler*innen, dass sie tatsächlich gefragt waren. Viele trauten sich zum erstem Mal in der Öffentlichkeit aufzutreten, die Stimme zu erheben, sich selbst zu zeigen. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Baustein für Motivation. Wichtig war aber auch, dass die Künstler*innen, aber oft auch die Schulen den jungen Leuten den Rücken stärkten. So lässt sich Mut leichter erlernen.

    Genau das scheint der Knackpunkt. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur Schulen, sondern auch Verwaltungen sich trauen würden, kunstinspirierte Workshops abzuhalten. Für die klimafreundliche Transformation der Gesellschaft ist Mut und Phantasie nötig, doch das will zunächst im sicheren Rahmen ausprobiert werden können. Das Projekt KlimaKunstSchule erarbeitete eine Blaupause, die zeigt, wie es gelingt, die Komfortzone der eigenen Routine zu verlassen. Künstler*innen haben die Fähigkeit, einen mentalen Raum aufzumachen, der ganz anderen Blickwinkel auf die Welt normal erscheinen lässt. Die direkte Erfahrung einer alternativen „Normalität“ in der Begegnung mit Künstler*innen könnte z.B. auch in Firmen und Verwaltungen ein Funken der spielerischen Entdeckerfreude losschlagen, der die Schüler*innen so beflügelt hat.

    Viele Hände mit Eisbällen

    Foto: Schüler*innen des Gymnasiums Stift Keppel, Nordrhein-Westfalen © BildungsCent e. V.

    Für potentielle Nachahmer bietet KlimaKunstSchule tatsächlich Anregungen. Im zweiten Teil der Dokumentation ist die Umsetzung von Ideen dokumentiert, die einige der Künstler aus den „artistic seeds“ destilliert haben und die ganz unkompliziert nachgemacht werden können. Eine Kostprobe gefällig? Bitteschön: Verkehr ist in Deutschland die Ursache für rund 20% der CO2-Emissionen. Ein Fahrrad-Smartmob im Kreisverkehr erlaubt es Autofahrern, ein paar Minuten nachzudenken. Mit zwanzig oder dreißig Freund*innen ein Weilchen im Kreis fahren und den Verkehr lahmlegen ist ausdrücklich eine Aktion, für die man nie zu alt ist und die garantiert Wirkung entfaltet.

    P.S. Die einzelnen künstlerischen „artistic seeds“ und die daraus hervorgegangenen Projekte können in der Projektpublikation "Klimaschutz ist eine Kunst" nachgelesen werden. Der Verein BildungsCent e.V. bietet sie hier zum Download an.

    https://klimakunstschule.bildungscent.de/fileadmin/Klimakunstschule/Das_Buch_Download/KlimaKunstSchule-Buch.pdf

    Vielen Dank an BildungCent e.V. an dieser Stelle für die Veröffentlichungsgenehmigung der Bilder in diesem Beitrag.

    zwei künstlerische Bilder an Bauzaun

    Foto: Schüler*innen der Gemeinschaftsschule Altenholz, Schleswig-Holstein © BildungsCent e. V.

    [ Geändert: Freitag, 25. Mai 2018, 07:21 ]

    Kommentare

       
      Weltweit öffentlich
      Kuh vor blauem Himmel


      Anlässlich der bevorstehenden Karwoche hat das Pestel-Institut für uns berechnet, wie viele Tonnen CO2 in ganz Deutschland allein durch Fleischfasten eingespart werden könnten. Wir wollen das Thema zusätzlich aus einer alltagskulturellen Perspektive aufgreifen und Sie zum Experimentieren einladen.

      Als wir laufen lernten und spürten, dass Krabbeln auf Dauer keine befriedigende Lösung ist, haben wir entdeckt: mit einem unerschrockenen Sich-heran-Tasten lassen sich anspruchsvolle Aufgaben meistern. Heute stehen wir vor einer der größten Herausforderungen, die die Menschheit je gekannt hat, dem menschengemachten Klimawandel. Innovative politische Lösungen können ihn vielleicht eindämmen. Aber gleichzeitig ist jeder und jede Einzelne aufgefordert und eingeladen, eigene private Beiträge zu leisten und alte Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Die Frage ist nur immer „Wie mache ich das, wie kann das gehen?

      Beginnen wir doch einfach mal spielerisch und wählen eine neue Reiseroute. Ein günstiger Moment für kleine Schritte liegt direkt vor uns: Traditionell steht die gesamte vorösterliche Fastenzeit für Verzicht auf Fleischgenuss. In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit fokussiert sich dies auf die letzten sieben Tage vor Ostersonntag, die Karwoche. Wie bereits an anderer Stelle hier auf der Plattform beschrieben. hilft gemüsebasierte, also fleischlose Ernährung dem Klima. Warum also nicht die Karwoche zum Einstieg in ein Lebensstil-Experiment nutzen, oder sogar zum Umstieg auf eine andere Lebensweise, zum Beginn eines eigenen Transformationsprozesses? Geben Sie sich einen Ruck!

      Ist der Handlungsentschluss einmal gefasst, stellt sich die nächste Frage: Mit welcher Haltung soll der Ausflug ins Neuland stattfinden? Das Geheimnis liegt wohl darin, sich wirklich auf die Situation einzulassen. Liebe ist bekanntlich das beste aller Antriebsmittel! Beeindrucken Sie sich also mal selbst, experimentieren Sie mit einer machbaren Aufgabe. Setzen Sie sich ein Ziel, über dessen Erfüllung Sie sich wirklich ohne Reue freuen können - wie etwa eine Woche lang vegetarisch zu leben.

      Und dann heißt es tatsächlich loslegen. Zum Einstieg hilft z.B. einen Blick auf https://www.klimatarier.com. Dort gibt es Antworten zu vielen Fragen rund um klimafreundliche Ernährung. Einen Klick weiter finden Sie passende Rezepte (hier klicken), die Ihren Gaumen kitzeln und Ihre Geschmacksnerven neu beleben werden (weitere Vorschläge am Ende dieses Beitrags). Mehr Tipps gibt es zusätzlich in unserem Blogbeitrag "Das Kreuz mit dem CO2-Fasten" vom 14. Februar 2018. Schmökern Sie, kombinieren Sie Ihren Speiseplan, gehen Sie dafür bewußt einkaufen, als würden Sie sich die Zutaten für ein Experiment zusammensuchen. Und eventuell feiern Sie dann am Ende dieser Woche Ihr ganz spezielles Transformationsfest.

      Vielleicht wollen Sie Ihre Experimentierwoche nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten, der Familie oder Freunden angehen und sich austauschen. Gemeinsam kochen und essen ist so viel einfacher! Der Phantasie für gemeinsame kreative Aktionen sind hier keine Grenzen gesetzt.

      Weitere Anregungen für den eigenen Wandel finden Sie in kleinen Videofilmen hier auf der CCL-Plattform. Hören Sie etwa dem Experten für nachhaltige Entwicklung, Professor de Haan, zu. Er spricht darüber, wie wichtig Wir-Kulturen, also bewusstes gemeinsames Handeln, für das Gelingen von Veränderungsprozessen sind. Außerdem finden Sie dort Anleitungen zur individuellen und gemeinsamen Reflexion neuer Erfahrungen! Dazu zählen auch unterstützende Vorschläge zur Achtsamkeitspraxis. So zeigt Projektleiterin Andrea Steckert beispielsweise im CCL-Bereich „Kreativ-Praxis“, wie Sie ein Logbuch führen und den eigenen Wandel-Prozess wie in einem kleinen Atelier sichtbar machen und verfolgen können.

      Und jetzt viel Spaß bei Ihrer persönlichen Karwochen-Aktion. Wir würden uns freuen, wenn Sie hier teilen, wie es Ihnen damit geht – und ob Sie sich eventuell entschließen dauerhaft weniger oder gar kein Fleisch zu essen.

      P.S. Hier noch die versprochenen Internetadressen zu weiteren Rezepten und nützlichen Informationen:

      1)     Nicht nur ästhetisch unglaublich ansprechende Gerichte rund um die einheimische vegetarische Küche finden Sie hier bei Krautkopf.

      2)     Keineswegs nur für Kinder interessant ist das Buch: „Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich“. herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, kostenlos hier zu finden

      3)     Hier finden Sie schnell und bequem Bio-Rezepte für die große Tafel (Rezepte für ab 10 Personen):

      4)     Und schließlich noch das etwas andere Geschenk für’s Osternest. Verschenken Sie ein noch nicht geschlüpftes Osterei, das Buch "Resteküche" von Daniel Anthes und Katharina Schulenburg , das nur produziert werden kann, wenn es ausreichend Unterstützung findet. Schauen Sie hier rein!

      [ Geändert: Mittwoch, 21. März 2018, 12:59 ]

      Kommentare

      • Nutzerbild Karin JanssenKarin Janssen - Mi, 21. Mär 2018, 14:21
        Für viele Menschen ist die Vorstellung eines fleischlosen Tellers mit der Idee von Entbehrung oder Strafe, also mit Selbstkasteiung verbunden. Das erinnert an das qualvolle und letztendlich wirkungslose Unterfangen beim Diäthalten. Ein sogenannter Jojo-Effekt ist die Folge, bei der sich am Ende die unterdrückte Essenslust mit übermäßigem Appetit rächt. Also besser keinen Angriff auf die eigenen Begierden planen, denn die könnten sich bald böse zur Wehr setzen…
        Aber wie wäre es, wenn man das Ganze als eine Mischung aus Exerzitien und Selbsterfahrung begreifen würde? Das wäre tatsächlich ein Experiment mit sich selbst: beispielsweise eine Woche lang vegan essen und gleichzeitig beobachten oder sogar protokollieren, wie es einem damit geht. Die Zielsetzung hieße dann nicht „Ich verzichte eine Woche lang“, sondern „Ich erprobe eine Woche lang“ – um hinterher schlauer zu sein. Wichtig wäre dabei die Beachtung von Regel Nummer Eins für jeden Test: die sorgfältige Planung und Durchführung kleiner und machbarer Schritte.
      • Nutzerbild Marian CCLMarian CCL - Mi, 21. Mär 2018, 14:41
        mir fällt jetzt noch etwas ein, das eine tiefere kulturelle Ebene berührt. Gerade hohe Feiertage haben ja eine besondere Aura. Auf sie läuft alles hinaus, die Tage werden quasi dichter. Wenn man sich jetzt die Karwoche anschaut, dann enthält sie einen idealtypischen mythischen Ereignisablauf. Im christlichen Selbstverständnis ist das die Blaupause für Transformationsprozesse: Christus begibt sich ab „Palm“-Sonntag auf den Pfad seiner Selbstentäußerung, die mit dem Tod am Kreuz und der Wiederauferstehung zu Ostern endet. Man muss nicht religiös engagiert sein um zu erkennen, dass sich hier die wichtigsten Elemente jeder tiefgreifenden Veränderung wiederfinden: Feierliche Vorbereitung auf bevorstehende „äußerste“ Ereignisse, Sterben des Alten und Geburt des Neuen.
        Wer den passenden Moment für ein Experiment mit eigenen Transformationsprozessen finden will, kann also auch aus dieser Perspektive die anstehende Karwoche und ihre ganz spezielle Atmosphäre aufgreifen.
       
      Nutzerbild Marian CCL
      von Marian CCL - Dienstag, 6. März 2018, 21:17
      Alle auf dieser Website
      Kinder können manchmal so richtig nervig sein. Im besten Fall verändern sie dadurch die Welt - zumindest ein bisschen. So geschehen im Haushalt Pinzler-Wessel, als die 13-jährige Tochter von der Schule die Aufgabe nach Hause mitbrachte, den familiären CO2-Fußabdruck zu messen. Ein Jahr später war ein Buch fertig geschrieben und das Leben der Pinzler-Wessels auf den Kopf gestellt.

      Illustration KlimaKultur-Wandel: Bild von Buch 4 fürs Klima

      Bild CCL
















      Petra Pinzler und Günther Wessel sind Journalisten, die sich von ihrer Tochter und ihrem Sohn inspirieren ließen, das Thema Klimawandel ernst zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis durchforsteten sie ihren gesamten Lebensstil und entdeckten immer neue Fragen und Herausforderungen. Wie führt man ein gutes und trotzdem CO2 armes Leben? Darf man in Urlaub fliegen? Wie steht es mit der Ernährung? Muss das Auto abgeschafft werden? Vor allem stellten sie fest, dass ihre neue Begeisterung für das Einsparen von Emissionen von Freunden teilweise als zu missionarisch empfunden wurde. Darauf galt es eine Antwort zu finden. Das CCL hat Petra Pinzler gefragt, welchen Weg sie gefunden hat, um mit anderen auf positiv angeregte Weise über "klimafreundliches Verhalten" zu sprechen.

      https://www.youtube.com/watch?v=rEZI0eG0-Ls

      Das sehr anschaulich geschriebene Buch "Vier fürs Klima" zeichnet sich nicht nur die eigenen Erfahrungen der Familie Pinzler-Wessel nach, sondern illustriert diese auch mit ausgezeichnet recherchierten Fakten. Heraus kam ein lebensnaher Bericht eines Selbstversuchs, der sich gerade deshalb zu lesen lohnt, weil er ehrlich ist. Er zeigt im Detail die Zweifel und Schwierigkeiten, aber auch die Erfolge auf dem Weg zu einem KlimaKultur-Wandel. Nicht nur zum Lesen, sondern zur Nachahmung empfohlen!



      [ Geändert: Dienstag, 6. März 2018, 21:39 ]

      Kommentare

         
        Nutzerbild Marian CCL
        von Marian CCL - Mittwoch, 14. Februar 2018, 11:01
        Weltweit öffentlich

        Kuh hinter Baum

        (Bild: Ross Sokolovski)

        Wer die guten Vorsätze vom Jahresanfang schon wieder vergessen hat, bekommt am Aschermittwoch die Chance für einen Reset. Überschaubare 40 Tage lang kann man die Kraft der Tradition nutzen und sich für eine vorösterliche Askesephase entscheiden. Die Einhaltung der Fastenzeit war viele Jahrhunderte lang für die Menschen eine Selbstverständlichkeit. Warum also nicht dem Vorbild folgen und im Sinne eines Beitrags zum KlimaKultur-Wandel sich selbst ein CO2-verminderndes Fleischtabu auferlegen? Leider hat die Sache ein paar komplizierte Ecken und Kanten...

        Zunächst eine interessante Tatsache: mehr als die Hälfte aller Deutschen findet es laut der jährlichen Forsa-Umfrage sinnvoll, sich vor Ostern im Verzicht zu üben. Nicht um, wie es früher hieß, dem Laster zu entsagen, sondern vor allem um sich selbst etwas Gutes zu tun. Auch wenn in diesem Jahr vor allem Süßigkeiten in den Tüten bleiben sollen, steht auch die Entscheidung für fünfeinhalb Wochen vegetarische Ernährung hoch im Kurs.

        Und die klingt für umwelt- und klimabewusste Menschen besonders attraktiv. Denn, das hat sich inzwischen herumgesprochen: Viehwirtschaft ist CO2-intensiv. Tierische Produkte verursachen ungefähr 70% jener Treibhausgasemissionen, die durch unsere Ernährung entstehen – im Gegensatz zu den nur 30% für die Erzeugung von pflanzenbasierten Lebensmitteln.

        Fleischfasten ist also erstmal prima, ohne Wenn und Aber. Kompliziert wird es erst bei der Frage, was denn als Ersatz für die tierische Nahrung gewählt wird. Besonders emissionsintensiv ist nämlich ALLES rund ums Rind. Kuh, Ochse oder Stier brauchen nicht nur flächenintensiv anzubauendes Kraftfutter, sie sondern auch Methan ab. Wer also Fleisch durch Milchprodukte ersetzt, hat nichts gewonnen. Denn ein durchschnittliches Kilo Kuhkäse, etwa Gouda, verbraucht ebenso viel CO2 bei der Erzeugung wie ein Kilo Schweinefleisch. Mindestens. Zu allem Überfluss müssen diese Zahlen auch noch mit Vorsicht betrachtet werden. Fleisch von einem mit Gensoja gefütterten Rind aus Argentinien weist andere Werte auf als von einem hiesigen Weidetier. Ebenso ist der handhergestellte Sennenkäse aus den Schweizer Alpen, der nicht exportiert wird, klimafreundlicher als dort produzierte Industrieware. Aber unterm Strich gilt: Eine Welt voller Veganer würde die ernährungsbedingten Treibhausgasemmissionen um 70 Prozent senken.

        Zu solch einer radikalen Umstellung will sich nicht jede*r entschließen. Für die Fastenkur vor Ostern kann man sich deshalb grob an einigen Eckpunkten orientieren. Es ist besser regionale Hühnchenprodukte aus dem Biosupermarkt zu kaufen als Kuhkäse – allerdings sollte die Einkaufstour nicht mit dem Auto gemacht werden. Geflügelprodukte sind fast sechsmal weniger CO2-intensiv als Rindfleischprodukte. Wer auf Ziegen- und Schafskäse umsteigt oder sogar auf selbstgemachte Aufstriche und Pasteten aus Linsen, Bohnen und Erbsen, hilft dem Klima. Sinnvoll ist außerdem der Konsum von saisonalem und regionalem Gemüse – aber nur, solange es nicht aus einem beheizten Gewächshaus stammt. Marokkanische Freilandtomate statt Holland-Frucht, sozusagen, aber bitte keinen Flugspargel aus Südamerika....

        Diese und viele weitere mögliche Beispiele zeigen, dass klimafreundliche Ernährung nicht durch eine einfache Verzichtsentscheidung zu haben ist. Vielleicht könnte deshalb die vorösterliche innere Einkehr ja eine ganz andere Form des Fastens annehmen. Zu denken wäre an eine Kombination aus Fleischverzicht und der Bereitschaft, die den Menschen normalerweise eigene Neigung zur intellektuellen Bequemlichkeit durch die Anstrengung zur Eigenrecherche zu ersetzen. Also ein echtes KlimaKultur-Wandel-Fitness-Programm! Denn leider ist es ein Kreuz mit dem CO2-Fasten. Man muss jedesmal genau hinschauen, nachfragen, nachdenken, Verhältnismäßigkeiten abwägen und mit Kreativität eigene Lösungen finden.

        Dieser 3sat-Beitrag zum Fleischverzicht hilft dabei zu verstehen, wie sich der Fleischkonsum auf Natur und Gesellschaft auswirkt. Anregungen für sinnvolle Umstellungen finden sich oben in der angehängten Broschüre, die das Klima-Bündnis zwar für Großküchen erstellt hat, deren Tipps aber gleichwohl für den Privatgebrauch sehr praktisch sind. Weitergehende Unterstützung für eine innere Generalüberholung mit KlimaKultur-Wandelwirkung bietet außerdem die Fasten-Aktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Auch hier gilt: man braucht kein*e gläubige*r Christ*in zu sein, und auch nicht evangelisch oder norddeutsch, um das Angebot zu nutzen. Stattdessen geht es darum, das eigene Wohlbefinden durch neue Handlungsimpulse zu steigern und gleichzeitig für die Welt etwas Gutes zu tun.

        Anfangen könnte man gleich heute damit, am Valentinstag. Denn die Rosen, die üblicherweise am 14.Februar verschenkt werden, sind ganz sicher nicht auf klimafreundliche Weise gewachsen. Wie wäre es, romantische selbst erdachte oder gemachte Alternativen zu finden, die garantiert mehr überraschen als die überteuerte Standardblume? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Was sind Ihre Lösungen? Wie entscheiden Sie sich, wenn Sie auf dem Markt sind oder vor dem Supermarkt-Regal stehen? Was funktioniert für Sie am besten?

        P.S. Hier anmelden um auf diesen Beitrag zu antworten.

        Papierrosen

        (Bild: CCL)

        [ Geändert: Freitag, 16. Februar 2018, 11:44 ]

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        • Nutzerbild Jonas AbrahamJonas Abraham - Do, 15. Feb 2018, 10:04
          Für alle, die sich für die konkreten Zahlen interessieren:

          Laut Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung sah der Pro-Kopf-Konsum der beliebtesten drei Fleischsorten (Schwein, Rind, Geflügel) im Jahr 2016 folgendermaßen aus (in Klammern dahinter der Wert für 40 Tage:

          Rind/Kalbfleisch: 9,65 kg (1,06 kg)
          Schweinefleisch: 36,20 kg (3,97 kg)
          Geflügelfleisch: 12,46 kg (12,46 kg)

          Da dies Durchschnittswerte sind, müssen Vegetarier*innen und Veganer*innen nicht herausgerechnet werden. Die insgesamt laut Statistischem Jahrbuch zuletzt 23,8 Millionen Katholiken und 22,3 Millionen evangelischen Christen hätten in diesen 40 Tagen 48.665 t Rindfleisch, 182.604 t Schweinefleisch und 30.408 t Geflügel verspeist. Geht man davon aus, dass pro kg Rindfleisch 6430 g CO2, pro kg Schweinefleisch 1870 g und pro kg Geflügelfleisch noch 1330 g CO2 emittiert werden, gelangt man zu den Angaben zum "eingesparten" CO2 oben im Text. Die CO2-Emissionen pro Kilogramm Kuhmilchkäse können sogar über denen von Rindfleisch liegen.

         
        Nutzerbild Marian CCL
        von Marian CCL - Freitag, 22. Dezember 2017, 10:43
        Weltweit öffentlich

        Klimakulturwandel durch Busfahren: Bus vor winterlicher Alpenkulisse

        "Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind zum Scheitern verurteilt! Mit dem Rauchen aufhören, gesünder leben, weniger Zeit am Smartphone verdaddeln – das klappt ja doch nicht“, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Die Psychologie hat jedenfalls erfolgversprechende Tricks für Verhaltensänderungen parat! Ganz konkret umsetzbare Maßnahmen bestimmen das Geheimrezept. Ein guter Plan ist dafür der Ausgangspunkt. Das selbstgewählte Ziel sollte erstens realistisch, aber zweitens auch anspruchsvoll sein. Eine kleine Herausforderung schadet also nicht! Nun denn: Ich schlage eine klimafreundliche Kulturwandel-Challenge für 2018 vor. Wer macht mit?

        ·        Bei Reisen bis 1.000 km nicht ins Flugzeug steigen

        ·        100 % Ökostrom beziehen

        ·        Leitungswasser statt Sprudel aus Flaschen trinken

        ·        Die Wohnraumtemperatur wo möglich auf maximal 20 Grad einstellen

        ·        Kein Fleisch essen (oder wenn, dann nur artgerecht und bio)

        ·        Den Kuhkäsekonsum begrenzen

        ·        Lebensmittel möglichst aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau kaufen

        ·        Auf Erdbeeren im Winter und „Exoten“ aus aller Welt weitgehend verzichten

        ·        Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren

        Einiges davon klingt utopisch? Vielleicht… Umsetzungserfolge stellen sich laut psychologischer Expertise tatsächlich nur für die Menschen ein, die wirklich von den eigenen guten Vorsätzen überzeugt sind. An dieser Stelle möchte ich auf eine kleine Motivationshilfe hinweisen, die das CCL anbietet. Wie wäre es mit einem utopisch-weiten Blick über den eingeübten Alltagshorizont hinaus? Unser zweites CCL-Video „Die Kraft der Vision“ überrascht hier mit interessanten Anregungen.

        Was ist eine Vision? „Etwas Attraktives, was uns in die Zukunft zieht.“ Das sagt der psychotherapeutisch tätige Arzt Theodor Dierk Petzold im Videointerview des ClimateCulture-Lab. Aus einer Vision der Naturverbundenheit und dem Leben in Gemeinschaft heraus initiierte er gemeinsam mit anderen in den 1980er-Jahren die neue Dorfgemeinschaft in Heckenbeck und gestaltet sie bis heute mit. Seine Vision der Kooperation von Mensch und Natur beruht auf dem Gefühl der Stimmigkeit. Wer ihm zuhört, spürt, was mit Vision gemeint ist. Seine lebendigen Bilder motivieren dazu, die eigenen Vorstellungen für ein Leben im Einklang mit der eigenen Umwelt wahrzunehmen und selbst vielleicht doch ein paar gute Vorsätze zu fassen. Hier geht es zum Filmclip.

        Spannende weiterführende Anregungen, wie jeder und jede selbst Visionen zum klimafreundlichen Kulturwandel nutzen kann, bietet die zum Video angebotenen Handreichung "Kraft der Vision". Dort finden sich Methoden zur Visionsarbeit, aber auch Hinweise auf interessante Visionäre wie beispielsweise den Ökopionier Charles Kettering, der sagte: „Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.“

        Wer sich von meinen persönlichen Challenge-Zielen inspiriert fühlt, findet auf der Konsumplattform Utopia noch eine Reihe weiterer Tipps zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks, und zwar hier und hier. Und damit wünsche ich allen Teilnehmerinnnen und Teilnehmern sowie allen Interessentierten am CCL, dem Klimakulturlabor, frohe Feiertage und ein klimafreundliches 2018. Mögen viele umsetzbare Vorsätze dieses neue Jahr begleiten!




        [ Geändert: Freitag, 22. Dezember 2017, 11:05 ]

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          Weltweit öffentlich
          Wunschzettel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann und das Christkind. Doch so selbstverständlich es uns im Dezember auch erscheint, eine Liste mit materiellen Herzenswunschgütern zu erstellen - dieser Brauch ist noch sehr jung. Er entstand im Zuge der industriellen Revolution als Verkaufstreiber für die Spielzeugindustrie. Heute, gegen Ende des fossilen Zeitalters, stellt sich die Frage, ob wir unsere innere Wunschlandschaft nicht an einem neuen Kompass ausrichten wollen. Denn für einen Klimakulturwandel braucht es eine Revolution der Träume und Sehnsüchte….

          Weihnachtswunschzettel von Annika. Händi. Pony.

          Weihnachten verkörpert einen seltsamen Widerspruch. Das Fest der Liebe übt uns jedes Jahr zum wiederholten Mal darin, Zuneigung an materiellen Geschenken fest zu machen. Dieser Brauch entstand jedoch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Leute wissen, dass er durch die aufblühende Spielzeugindustrie im Zuge der industriellen Revolution vorangetrieben wurde. Die Unternehmer druckten Blätter zum Ausfüllen, „auf denen die Kinder ihre Wünsche nur noch anzukreuzen brauchten“ , z.B. Zinnsoldaten, Trommeln oder Puppen. Damit mutierte die religiöse Feier von Christi Geburt zum emotionaler Anker für die Fähigkeit, schon in sehr jungen Jahren detaillierte materielle Besitzbedürfnisse formulieren zu können. Heutzutage landen Barbiepuppen, „Starwars“-Figuren, ferngesteuerte Autos, Drohnen und andere Elektronika oben auf der Wunschliste. Die aktuelle Geschenkhitparade ähnelt ihren etwa 150 Jahre alten Vorläufern; sie spiegelt unsere Gesellschaft. Nur stehen wir jetzt nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des fossilen Zeitalters. Wir wissen, dass Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung aufhören müssen. Wir wissen auch, dass Wunschfähigkeiten und Wünsche sich verändern können – das ist eine der wichtigsten Quellen für Kulturwandel!
          Klima(-freundlicher) Kulturwandel, um genauer zu sein, braucht also eine Wunsch-Revolution, ein Ver-Lernen, eine Umgestaltung der privaten und gesellschaftlichen Traum-und Sehnsuchtslandschaften. Das, was tief von Herzen kommt, was uns antreibt, braucht --- ja was? Einen neuen Motor? Nein. Einen neuen Generator? Nein. Diese benzinbefeuerten Metaphern taugen nicht mehr. Eine ganz andere Energiequelle muss her, die uns neue Herzenswünsche schenkt! Wo finden wir sie? Die Antwort beginnt mit einem Blick nach innen.
          Die Zahl derjenigen Menschen, die neue Wege erproben, um in der Alltagshektik zur Besinnung aufs Wesentliche zu kommen, nimmt bereits zu. In unserer Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Bei-sich-sein. Viele Menschen üben sich deshalb mit spezieller Hingabe in Meditation. Auch in der CCL-Reisestation „Alltagspraxis mit der ‚Glocke der Achtsamkeit‘“ gibt es dazu eine erste kleine Anleitung. Wer ihr folgt, erlebt, wie ein wundervoller Moment ins Leben gerufen wird!

          Hände halten Kerze_für einen achtsamen Klimakulturwandel zu Weihnachten

          Davon können wir uns inspirieren lassen! Entspannte Weihnachten – wäre das kein echter Herzenswunsch? Wie das geht? Vielleicht mit einer bewussten Entscheidung für einen gemeinsam neu geschaffenen 24. Dezember voller Liebe und Schönheit? Man könnte mit duftenden Kerzen statt elektrischem Licht eine besondere Atmosphäre zaubern und den Adventsbrauch des „Geschenkewichtelns“ auf den Heiligabend verlegen. Dabei wird jeweils pro Person nur ein kleines Präsent überreicht und empfangen, dieses sollte aber sehr phantasievoll sein. Oder man könnte die Idee des Geschenks selbst neu erfinden und Zeit im neuen Jahr anbieten, beispielsweise für gemeinsame schöne Erlebnisse. Und wenn so gar kein Einfall kommen mag, könnten wir Freude schenken und sagen: Ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du da bist“ statt eine oft peinliche Verlegenheitslösung zu kaufen. Warum also nicht ein ganz eigenes Achtsamkeitsfest feiern, in dem ein „Kind in der Krippe“ eventuell auch wieder Platz hat?
          Achtsamkeit, wie sie uns etwa der Mönch Thich Nhat Hanh hier auf der CCL-Plattform zeigt, ist eine Schlüsselkompetenz im Klimakulturwandel, gleichzeitig gibt es eine starke Parallele zum wichtigsten Gedanken des Weihnachtsfestes: die Liebe. „Wenn wir das Geschenk, das Vermögen und die Schönheit der Erde spüren und wahrnehmen, wird etwas in uns geboren, eine spezielle Verbindung – die Liebe wird geboren,“ sagt Thich Nhat Hanh in einem Interview mit dem Guardian. Der Kulturwandel, der notwendig ist, beginne mit der Erkenntnis, dass wir die Natur in uns tragen. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen, wenn wir bewusst wahrnehmen, begreifen wir, dass es keine wirkliche Trennung zwischen uns und der sogenannten Umwelt gibt, so der buddhistische Mönch. Ich möchte ergänzen: Aus solchem gefühlten Verständnis entstehen neue Bedürfnisse.

          Weihnachtsbaum Kinder Achtsamkeit Klimakulturwandel

          Natürlich erzeugt Meditation keine glänzenden Kinderaugen unterm Christbaum. Aber aus dem Gefühl der Achtsamkeit heraus können wir neue Ritualskripte für das Fest entwickeln oder einfach alte wiederbeleben. Müssen es wirklich die Gans und die Verpackungsberge sein? Warum aus dem Weihnachtsfest nicht ein Fest zum Staunen über die Schönheit dieser Welt machen? Warum nicht mal bewusst und freudvoll durchatmen? Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Sammlung für eine Hitparade der Klimakulturwandel-Weihnachtswünsche eröffnen: Wir vom CCL wünschen uns und Ihnen viele wundervolle Momente der Liebe und Achtsamkeit! Haben Sie schon Erfahrungen mit einem etwas anderen Weihnachtsritual? Dann freuen wir uns über Ihre Kommentare! (Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bitte auf der Plattform registrieren.)
          [ Geändert: Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:29 ]

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