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Eigentlich dachte ich, ganz gut Bescheid zu wissen, was sich alles hinter dem Wort „Klimawandel“ verbirgt. Schließlich ist es in den Medien inzwischen fast allgegenwärtig und ich lese seit einiger Zeit jeden Artikel, der mir zu dem Thema zwischen die Finger kommt. Auch setze ich mich im Studium viel damit auseinander, und empöre mich oft mit Freund*innen darüber, was diesbezüglich politisch alles falsch läuft. Als man mich also dazu einlud, an einem Climate-Collage-Workshop teilzunehmen, erwartete ich nicht wirklich, viel Neues zu lernen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Die Climate Collage, eine Art Gruppenpuzzle-Spiel, wurde ursprünglich von Cédric Ringenbach in Frankreich entwickelt. Sie soll helfen, das Bewusstsein der Menschen für die Problematik des Klimawandels zu stärken. Und damit wirklich etwas in den Köpfen der Leute hängenbleibt, wählte Ringenbach einen spielerischen, interaktiven Ansatz, der die Climate Collage zu einem einzigartigen Tool macht: es eignet sich für alle Altersgruppen, schafft Raum für Kreativität und einen anregenden Austausch mit den anderen Teilnehmenden, und lässt sich durch die Notwendigkeit von Kooperation und kollektiver Intelligenz sogar zu Teambildungszwecken einsetzen.

Aufbau und Ablauf sind dabei ganz einfach: abgesehen von dem aus 40 Bildkarten bestehenden Set braucht es lediglich einen großen Tisch, bedeckt mit einem ebenso großen Bogen Papier, Kleber und Stifte, sowie eine Umgebung, in der man sich ungefähr drei Stunden aufhalten und in angenehmer Atmosphäre unterhalten kann – sei es ein Besprechungsraum, ein gemütliches Café, oder jemandes Wohnzimmer. Jede Bildkarte greift ein Thema auf, das mit dem Klimawandel zusammenhängt – es gilt, die Karten gemeinsam mit etwa zehn weiteren Teilnehmenden und unter Anleitung von geschulten Moderator*innen so anzuordnen, dass die kausalen Zusammenhänge und komplexen Wechselwirkungen deutlich werden, die den Klimawandel verursachen.

Als ich die ersten Karten in Augenschein nahm, war mir nicht so recht klar, wieso wir gebeten worden waren, drei Stunden unserer kostbaren Zeit für den Workshop einzuplanen, denn die Verknüpfungen zwischen der Rodung von Regenwäldern, dem weltweiten Temperaturanstieg und dem Schmelzen der Polkappen erschienen mir ziemlich offensichtlich. Doch dann kamen Karten mit Themen wie Aerosole und Strahlungsantrieb auf den Tisch, und ich verstand nur noch Bahnhof. Glücklicherweise hatten wir Teilnehmenden uns untereinander bereits kennengelernt und konnten die Chemiestudentin in der Runde zu Rate ziehen, die uns die Konzepte etwas näher erläuterte.

Trotz unseres gesammelten Wissens aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, war es ganz schön knifflig die Karten so anzuordnen, dass alle Anwesenden mit ihrer Platzierung einverstanden waren. Wie ist das zum Beispiel mit bewaffneten Konflikten, sind sie Henne oder Ei? Entstehen Umweltschäden durch Kriege, oder sind sie eher eine Folge ebensolcher Schäden, die Menschen in Armut und zur Flucht treiben? Ohne die Tipps und Hinweise unserer Moderatorin hätten wir es ehrlicherweise nicht geschafft, uns in dieser Frage einig zu werden. Das wäre auch nicht wirklich schlimm gewesen, denn das Tüfteln machte allen Spaß und wir unterhielten uns angeregt über die doch sehr verschiedenen Aspekte des Klimawandels, teilten die eigene Perspektive auf die Dinge miteinander und tauschten uns über unsere Erfahrungen mit Kleidertauschparties und Unverpacktläden aus.

Nach drei wie im Flug vergangenen Stunden waren wir dann aber doch stolz, ein fertiges Bild vor uns auf dem Tisch liegen zu haben. Wir nahmen uns die Zeit, unsere Collage schön zu gestalten und schrieben auf, was wir für uns persönlich aus dem Workshop mitnehmen würden. Ich für meinen Teil war, abgesehen von faktisch neuen Erkenntnissen, in erster Linie daran erinnert worden, dass es immer noch etwas zu lernen gibt. Dass es sich lohnt, sich immer wieder neu mit Themen zu beschäftigen, bei denen man eigentlich das Gefühl hat, sie schon unendlich oft durchgekaut zu haben. Dass neue Gesprächspartner, neue Blickwinkel und neue Ansätze immer dafür sorgen, dass sich das eigene Verständnis der Zusammenhänge noch vertieft, man Verknüpfungen stärkt oder neu entdeckt. Und dass dieses tiefere Verständnis schließlich ungemein motivierend für das eigene Handeln ist: ich ertappe mich seitdem tatsächlich seltener dabei aus Faulheit doch mal das Auto zu nehmen oder gehe auch nochmal die Treppe hoch, um mein Holzbesteck noch einzupacken. Denn wenn ich mit dem Gedanken spiele, meinem inneren Schweinehund die Kontrolle zu überlassen, kommt mir sofort die entsprechende Bildkarte aus der Climate Collage in den Sinn und ich denke an die intensive Begegnung mit den anderen Teilnehmenden. Also nehme ich den Schweinehund dann doch eher an die Leine.

Nicht nur auf mich hat der Workshop nachhaltige Wirkung gehabt. Wir ehemaligen Teilnehmenden sind nun dabei, weitere Climate Collages zu planen und uns einen Rahmen zu überlegen, in dem regelmäßige Workshops veranstaltet werden könnten. Denn wir alle würden nicht nur gern selbst noch einmal mitspielen, sondern verspüren außerdem den Wunsch, diese bereichernde Erfahrung mit unseren Freund*innen und Familien zu teilen!

Weitere Informationen und Fotos zu bereits durchgeführten Workshops finden Sie unter http://the-climate-collage.com/


 
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von Marian CCL - Samstag, 23. März 2019, 19:41
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Gleitschirm unter dramatischen Wolken





                                                                                                                                                                        

Wie motiviere ich mich täglich aufs Neue, um mein Wissen zu all den möglichen Klimaschutz- Maßnahmen in konkretes Handeln zu übertragen? Ein wichtiger Baustein dazu ist die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung. Darunter versteht man die Überzeugung, dass das, was ich tue, das Richtige ist und dass ich damit etwas bewegen kann. Oder um es mit dem vielzitierten Wort von Ghandi zu sagen: „Be the change you wish to see in the world.“

Der berühmte Spruch war auch Motto des Gastbeitrags beim diesjährigen Vernetzungstreffen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Nach den einleitenden Grußworten von BMU-Referatsleiter Dr. Sven Reinhardt und Moderator Lothar Eisenmann vom ifeu betrat Rednerin Ewa Wiśnierska die Bühne. Als preisgekrönte Profisportlerin hatte sie vor gut zehn Jahren weltweit für großes Aufsehen gesorgt, denn ihr war etwas völlig Unglaubliches widerfahren, das ihr Leben und ihr persönliches Wertesystem für immer veränderte. Seitdem hat sie eine Botschaft, mit der sie auch die Zuhörenden in Berlin berührte.

Die äußerst erfolgreiche Gleitschirmfliegerin im deutschen Nationalteam nahm 2007 in Australien an einem Training zur Weltmeisterschaft teil, als ein Gewitter aufzog. Sie ließ sich von der bedrohlichen Wetterfront jedoch nicht abschrecken. Ehrgeizig hoffte sie, noch unter den Wolken hindurch tauchen zu können. Aber dies gelang ihr nicht. Stattdessen geriet sie mitten in eine Supersturmzelle und wurde durch Aufwinde von 200 km/h auf knapp 10.000 Meter gezogen - eine Höhe, in der normalerweise Jets fliegen. Aufgrund der dünnen Luft verlor sie das Bewusstsein und trieb bei minus 55 Grad fast 45 Minuten lang am Rande der Stratosphäre – theoretisch überlebt ein Mensch hier aufgrund des Sauerstoffmangels nur wenige Sekunden. Dass sie trotzdem heil wieder zur Erde zurückkam, und das ohne größere oder gar bleibende Schäden, war so unwahrscheinlich wie zehn Lottogewinne direkt hintereinander. Eine überwältigende Erfahrung.

Auf dem NKI-Treffen sagte sie: „Nach diesem Erlebnis wusste ich, ich kann nicht mehr weitermachen wie bisher.“ War es doch ihr blinder sportlicher Ehrgeiz gewesen, der sie in Lebensgefahr gebracht hatte. Also ließ sie die Sucht nach Ruhm, die Jagd nach immer neuen Rekorden sowie ihre Ich-Bezogenheit hinter sich und öffnete sich für andere Werte. Heute sind ihr Dinge wie soziales Engagement und ein umweltfreundliches Leben wichtig. Vor allem aber hat sie die drei Maßstäbe ihres EWA-Prinzips -Entscheidung, Willensstärke und Ausdauer- durch einen zentralen Faktor ergänzt: Selbstverantwortung. Und genau die Notwendigkeit dieser Selbstverantwortung war ihre Botschaft an die Zuhörenden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit ihr, Dr. Sven Reinhardt (BMU), Franziska Eichler (PtJ) sowie Nicole Isermann und Malte Schmidthals von den zwei NKI-Leuchtturmprojekten „Katzensprung“ und „KEEKS“ ging es zunächst um die vielen kleinen Schritte und Erfolge, die den Klimaschutz immer weiter voranbringen. Wie schlecht es in der Breite aber immer noch um die CO2-Einsparung bestellt ist, machte Dr. Sven Reinhard anhand des selbst erlebten Beispiels einer Kita deutlich: Mit nur einem Euro mehr pro Kind und Monat hätte man dort nachhaltig zubereitetes Essen anbieten können. Dazu war das zahlungskräftige Kitaklientel aber leider nicht bereit. Tja, was nun? Aus dem Publikum kam die Bemerkung, dass es zwar viele NKI-Projekte gäbe, die auf freiwillige individuelle Verhaltensänderung abzielten, aber dadurch so wenig an den Strukturen geändert werden könne.

Ewa Wiśnierska, die bis zu diesem Punkt ruhig zugehört hatte, ergriff plötzlich prägnant und sehr energisch das Wort. Mit Verweis auf die EU-Plastikverordnung sagte sie „Wir brauchen anständige Gesetze, die Klimaschutz verpflichtend machen. Das ist doch ganz einfach!“ Die Zuhörenden waren erst verdutzt, dankten ihr dann aber mit anhaltendem Applaus für ihre klare Aussage. Später kommentierte sie ihr Plädoyer: „Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Irgendjemand musste das da oben sagen.“

„Be the change you wish to see in the world” - das ist trotzdem deutlich einfacher gefordert als getan. Deshalb bietet Ihnen das CCL Unterstützung für ein gesteigertes Vertrauen in Ihre eigene Selbstwirksamkeit. Bei der überregionalen CCL-Werkstatt in Rostock am 30.3.2019 bringen unsere Referent*innen das nötige Praxiswissen mit, um Wege vom Wissen zum Handeln aufzuzeigen: Wie aktiviere ich eigenes Handeln (Pascal Frank), wie mobilisiere ich politisches Handeln (Tine Michel) und wie steuere ich gemeinsames Handeln (Annerose Hörter)? Melden Sie sich noch heute hier zu unserer Werkstatt an!
Und wenn Sie noch mehr von Ewa Wiśnierskas Extremerlebnis erfahren wollen, finden Sie hier eine spannende Dokumentation über ihren Stratosphärenflug.
[ Geändert: Samstag, 23. März 2019, 19:45 ]
 
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Lucid Community – so nennt sich eine Handvoll meist junger Menschen, die auf dem Gebiet von Klima-Aktivismus, Körperarbeit, Coaching sowie Tanz tätig sind und bereits seit 2015 gemeinsam arbeiten. Vom 01.-03. Februar luden sie in Berlin zum 2-tägigen-„Lucid Dawning“ –Workshop. Unterzeile: „Connecting Transformative Culture Makers“. Geplant war die Pionierveranstaltung in englischer Sprache als Netzwerk- und Kokreations-Treffens mit Fokus auf der ungewöhnlichen Kombination von Klima- und Nachhaltigkeits-Aktivismus mit kultureller Transformation und dem sogenannten „inner activism“. Was soll man sich darunter vorstellen?

Laut Veranstalter bezeichnet der englische Begriff „inner activism“ die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen, ganz individuellen Innenwelt und darauf aufbauend die Arbeit an der eigenen Reflektions-, Gefühls-, Achtsamkeits- und Wahrnehmungsfähigkeit. Nach Meinung der Lucid-Community braucht der Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung der Welt immer auch eine persönliche Transformation, sei es körperlich, seelisch oder emotional. Diese Selbst-Erkundung und Reflektion sei eine essentielle Voraussetzung, sich wirklich ganzheitlich und fokussiert auf den jeweils eigenen Beitrag zum Wandel der Welt Richtung Nachhaltigkeit konzentrieren zu können und Visionen und Projekte erfolgreich umzusetzen.

Das Kernthema der Gruppe und des Wochenendes schien ideal an das Ziel des CCL anzuschließen, den KlimaKultur-Wandel durch das Überdenken und Hinterfragen innerer Überzeugungen und des eigenen Blickwinkels auf die Welt zu fördern. Grund genug uns neugierig zu machen, ob wir mit zwei Teilnehmenden aus dem CCL-Team die Veranstaltung besuchen sollten, um so persönlich einen praktischen Eindruck von den Möglichkeiten dieses neuartigen Ansatzes zu gewinnen. Die Kombination von innerer und äußerer Transformation solle, so die Initiator*innen dieses ersten Workshops seiner Art, dazu führen, dass eine Brücke zwischen globaler Situation und individueller Entwicklung geschlagen wird. Der Besuch der Veranstaltung versprach uns einen wirklich neuen Blickwinkel. Die übrigen Teilnehmenden stammten aus den unterschiedlichsten Disziplinen von Nachhaltigkeitsforschung über (Körper-)Therapie und Coaching bis hin zu Umweltaktivismus. Neben dem interdisziplinären Austausch und Netzwerken war die Entwicklung innovativer Strategien für einen vom Menschen ausgehenden, globalen Kulturwandel angekündigt. Auch in der Methodenwahl zeigte sich das Ko-Kreationsthema sowie der Fokus auf ganzheitliche Verbindung durchgängig. Also entschloss sich das CCL zur Teilnahme. Wir sahen in unserer Anwesenheit an einer derartigen Pionierveranstaltung eine hervorragende Gelegenheit der Erforschung weiterer Ansatzpunkte für die Unterstützung des KlimaKultur-Wandels. Gleichzeitig wollten wir Impulse in Richtung KlimaKultur-Wandel in die 85 Personen umfassende Gruppe einbringen, die bisher mehr auf innere Entwicklung gesetzt hatte und diese nun erfreulicherweise durch praktisches Engagement im Außen erweitern wollen.


Hier ist unser Erfahrungsbericht.


Der Auftakt der Veranstaltung am Freitagabend wurde an unterschiedlichen Orten über Berlin verteilt in Kleingruppen von jeweils ca. 10 Personen begangen, die bei jeweils einer/m GastgeberIn (Teilnehmer*innen oder einem Lucid-Teammitglied) gemeinsam ein Abendessen vorbereiteten und verspeisten. In den Kleingruppen war das Eis schnell gebrochen. Ein vertiefter Austausch und erstes Kennenlernen anderer Veranstaltungsteilnehmer*nnen wurde durch 2-3 Kennenlernfragen des Host in die Runde sehr erleichtert, was auch das Ankommen am Samstagmorgen in der Großgruppe für viele erleichterte.

Der zweite und dritte Tag des Lucid Dawning fand im alten Delphi Theater in Berlin Weissensee statt (siehe Titelbild), einem atmosphärisch dichten, sehr beeindruckenden und traditionsreichen Veranstaltungsort. Das Haus wurde 1929 als letztes Stummfilmkino mit 870 Plätzen eröffnet und war fester Bestandteil des Aufschwungs der Kinobranche in den 20er Jahren. Seit 1959 wurde der Betrieb eingestellt und erst 2013 von einem Künstlerpaar wiederaufgenommen, das den entkernten Originalraum zu einem neuen Kunst- und Kulturort umgestaltet hatte. Die jetzt vorhandene Licht- /Tontechnik wurde während der Filmproduktion der bekannten Filmserie Babylon Berlin eingebaut und dort belassen. Heute gehört die Stätte der Schweizer Edith Maryon Stiftung an, die es als öffentlichen Kultur- und Veranstaltungsort sichern möchte.

Zentraler Workshop-Tag der Konferenz war der Samstag. Am Vormittag lag der Fokus zunächst auf dem gemeinsamen Einstieg als Großgruppe und der tieferen Einstimmung ins Thema. Da immer sowohl die Innenwahrnehmung als auch die externe Welt (andere Teilnehmende mit ihren unterschiedlichen Hintergründen) mit in die eigne Erforschung einbezogen werden sollte, gab es im Wechsel thematisch verbale Anleitungen unterlegt von rhythmusgebender Musik sowie Bewegungs-, Atem und Selbst-Reflexionsübungen. Einfache Übungen, wie in der Gruppe durch den großen Raum gehen und unter Anleitung immer wieder stehen zu bleiben, ganz bei sich anzukommen und den Atem in verschiedenen Körperteilen zu spüren, machten direkt deutlich, dass diese Veranstaltung wirklich nicht dem klassischen Konferenzformat entsprach. Dies zeigte sich z.B. auch bei einer Partnerübung, bei der sich beide gegenüberstanden und einfach gemeinsam atmeten. Obwohl das zuerst wie eine sehr einfache Übung wirkte, war es doch die ungewohnte und- wie viele hinterher feststellten- sehr persönliche, fast schon intime Erfahrung mit einem Fremden gemeinsam zu atmen. Nach dieser Gruppenaktivierung wurden wir durch eine Bewegungsmeditation geleitet und erkundeten zu Musik die eigenen Körperwahrnehmungen. Auch dieses Format war definitiv ungewöhnlich im Vergleich mit anderen Nachhaltigkeits- oder Aktivistentreffen, jedoch erkenntnisreich und den Körper ganzheitlich aktivierend. Die Gruppe entspannte sich so gemeinsam. Vertrauen zueinander wurde aufgebaut. Begegnungen von Mensch zu Mensch auf einer tieferen persönlichen Ebene, im Gegensatz zu einem exklusiven Fokus auf z.B. berufliche Ausrichtung, wurde unserem Empfinden nach ermöglicht.

Im Anschluss an diese Übungsaufgaben gab es den zweiten Impuls mit Inhalten zum Thema Beruf und Berufung in den Zeiten, in denen wir leben. Wiederum wurde eine Meditationspraxis angeleitet, um uns unserer Verbindung zu unseren eigenen Vorfahren, aber auch zu kommenden Generationen, dem Planeten und unserer ganz persönlichen Motivation darin bewusst zu machen. In Bezug auf diese individuelle Antriebskraft wurden dann spezifischere Fragen gestellt: Was ist die Essenz meiner Motivation? Was will ich erreichen in meiner Arbeit im Bereich (Nachhaltigkeits-)transformation?

Die jeweiligen Antworten auf die Fragen wurden dann in Zweier-Gruppen ausgetauscht, zusammen mit der zusätzlichen Frage nach negativen Mustern oder Aspekten der eigenen Persönlichkeit, die dieser Berufung oder Motivation im Weg stünden. Der Austausch über eigene limitierende Glaubensätze, wie z.B. „Die Klimaerwärmung ist eh nicht mehr aufzuhalten, was soll das also alles?“, „Wir wenige können eh nichts tun gegen die mächtigen Konzerne der Welt“ oder „Was soll ich denn schon beitragen mit meiner kleinen Idee?“ wurde für einige Gruppen sehr emotional. Andererseits wirkte es aber auch befreiend und erleichternd, negative und pessimistische Gedanken auszusprechen und als Realität anzuerkennen. Die Stimmung der Gruppe, so unsere Empfindung und Beobachtung, war danach nicht negativ gedrückt, sondern eher authentischer und verbundener. Dies wurde auch im abschließenden Gruppenaustausch deutlich, wo auf freiwilliger Basis das Erlebte im Plenum geteilt werden konnte.

Nach der Mittagspause mit schmackhaftem veganem Essen wurde eine Atem-Meditation angeleitet, bevor die nächste Methode, eine an systemische Aufstellungen angelehnte Übung, vorgestellt wurde. In Dreier-Gruppen wurden für jede/n Teilnehmer*in die Rollen der Berufung, die eigene Grundmotivation oder „Purpose“, sowie ein am Vormittag untersuchtes Hindernis oder ein herausfordernder Glaubensatz von einem „Aufsteller“ an die jeweils beiden anderen Personen verdeckt, also ohne genauere Beschreibung, was das Hindernis ist, vergeben. Ohne dass die Partner sich kannten, wurde im nächsten Schritt das Experiment eröffnet, in dem sich die 3 Parteien aufeinander ohne Worte nur mit Körperausdruck beziehen sollten, räumlich. Leiten lassen sollten wir uns dabei nicht von eventuellen Ideen oder Vorstellungen, wie sich ein herausfordernder Glaubenssatz wohl zu „seiner“ Person verhält, sondern rein von dem, was gerade in uns wahrnehmbar, lebendig war. Die notwendige Konzentration hatten wir am Vormittag durch die Körperübungen bereits trainiert. Trotzdem schien es für viele Teilnehmende eine Herausforderung zu sein, sich auf eine so freie und kreative Übung einzulassen. Nach Abschluss der Aufstellung der ersten Person stellte die zweite Person auf, dann die dritte. Die Rollen wurden entsprechend gewechselt und nun lief es schon besser, die Bewegungen wurden freier und expansiver und die Stimmung schien gelöster. Auch nach Abschluss dieses Praxisteils gab es wieder den Austausch in der Großgruppe und anschließend die Möglichkeit zu tanzen (sich aufgestaute Energien abzustreifen) und sich weiter zu vernetzen.










Als Abendveranstaltung, die für weitere Interessierte geöffnet wurde, wurde der Film „Amplify her“ gezeigt, eine Dokumentation über die eigenwilligen Karrieren mehrerer namhafter weiblicher DJ-Künstler im Kontext von Transformation und Feminismus. Im Anschluß wurde eine Tanzmeditation angeleitet.

Am Sonntagvormittag teilte sich die Gruppe wieder in kleinere Arbeitsgruppen zu verschiedenen, am Samstag von den Teilnehmenden herausgearbeiteten und präsentierten, Aktions-Themen auf und untersuchte diese gemeinsam bei den jeweiligen Ideengebern/ Hosts zu Hause. Diese Phase wurde mit einem gemeinsamen Brunch verbunden, was wiederum zum ganzheitlichen Wohl und einer verbindenden Stimmung beitrug, in der kreatives Arbeiten leicht fiel.

Der weitere Verlauf des Sonntags, wiederum im diesmal szenisch umgebauten Delphi-Theater stattfindend, war der Öffnung und Einbindung der größeren Gemeinschaft von (Klima-)Aktivist*innen gewidmet. Die physischen Veranstaltungsräume und der durch die Basisgruppe „energetisch aufgebaute“ intentionale Raum wurde für Externe geöffnet. Auch das Abendprogramm konnten externe Interessierte wie eine übliche Abendveranstaltung besuchen. Nach einem gemeinsamen Eröffnungsritual zur Verbindung der zwei Teilnehmenden-Gruppen wurde der informelle und den Austausch sowie das Netzwerken fördernde Nachmittags- und Abendteil mit Tanz, Konzerten und Meditation durchgeführt.

Wenn zunächst auch ungewöhnlich, sind die hier gezeigten Ansätze zur gezielten Einbeziehung der Körperarbeit in Transformationsprozesse des Kulturwandels aus unserer Sicht eine interessante Erweiterung. Es lohnt sich, Aspekte davon- gerade in emotional schwierigen, kommunalen Klimaschutz-Prozessen – auszuprobieren und wir sind gespannt, wie die Lucid Community und andere diese Themenkombination weiter entwickeln werden.

Klangschalen auf dem Lucid Dawning

 
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von Marian CCL - Dienstag, 5. März 2019, 12:37
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Aufnahme der Erde aus dem All















Erstes Farbfoto der ganzen Erde, aufgenommen vom Satelliten ATS-3 am 10.11.1967

Es gibt Momente im Leben, da werden wir daran erinnert, dass es mehr gibt als nur die Alltagswelt. Das ist sicherlich an Festtagen der Fall oder im Urlaub. Heute wollen wir aber nicht über fröhliches Loslassen oder seichte Entspannung reden. Stattdessen geht es um intensive innere Erfahrungen: dann, wenn sich alles in einem zusammenzieht. Der Ausdruck „alles zieht sich zusammen“ passt in ganz unterschiedlichen Situationen. Wenn man Hunger hat, wird der Magen klein. Wenn man eine sehr traurige Nachricht hört, ballen sich die Gefühle zu einem Kloß im Hals. Wenn man friert, spannen sich die Muskeln an. Wenn man sich konzentriert, ziehen sich alle Gedanken zusammen. Mit anderen Worten: Etwas verdichtet sich – und gleichzeitig ist unsere Wahrnehmung fokussiert. Um diese Verdichtung und die damit einhergehende veränderte Wirklichkeitserfahrung geht es in den nächsten 40 Tagen für viele Menschen (nicht nur) in Deutschland und auch im CCL.

Zu Beginn dieses kommenden Zeitabschnitts steht die Aussicht auf ein trauriges Ereignis. Noch vor zweihundert Jahren wäre außer Frage gestanden, welche niederschmetternde Nachricht der Aschermittwoch ankündigt: die Aussicht auf Karfreitag, das Beweinen des Todes Christi. Für Viele spielt dies heute keine Rolle mehr. Aber immer mehr Menschen begreifen, dass das, was Christen „Schöpfung“ nennen, vom Tode bedroht ist: durch den Klimawandel, das Artensterben, die Ressourcen-erschöpfung, die Versauerung der Meere, die (Plastik)-Mülllawinen, die Bodenversiegelung, die Überdüngung usw. Noch gibt es Hoffnung, dies abzuwenden. Und immer mehr Menschen spüren, dass sie ihren Teil dazu beitragen sollten – und vielleicht auch wollen. Die Schwierigkeit ist nur: wie anfangen?

Lassen Sie sich doch von der Fastenzeit inspirieren! Für Christen gibt es gleich zwei passende kirchliche Aktion: „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ und „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“. Der Mensch als unverbesserlicher Bequemlichkeitssucher bekommt hier einen freundlichen Nasenstubser, sich an die selbige zu fassen und wenigstens während einer überschaubaren Zeitspanne ehrlich zu sein. Weil wenn wir aufhören, uns selbst etwas vorzumachen, können wir vor der Wahrheit kaum die Augen verschließen. Es ist höchste Zeit.

Aber auch Nicht-Christen finden zurzeit auf fast allen Medienkanälen eine Vielzahl von Tipps - die Fastenzeit ist „in“. Gern wird die Gelegenheit beim Schopf gegriffen, sich selbst einen Ruck zu geben und zumindest für eine überschaubare Zeit „alles richtig zu machen“. Keine Süßigkeiten, kein Alkohol, keine sozialen Medien, kein Plastik und –natürlich- der Klassiker, kein Fleisch. Viele weitere Beispiele sind denkbar. Meist haben diese Angebote keinen klimafreundlichen Aufhänger. Und doch tragen alle, die sich daran beteiligen, ein bisschen zu einer so nötigen neuen Kultur der Mäßigung bei. Es ist eine Einübung in Genügsamkeit, eine Zusammenziehung. Soweit die Oberfläche.

Aber wären die 7 Wochen rund um den Frühlingsanfang nur ein beliebiges Freizeitprogramm zum „Gürtel-enger-schnallen“– dann wäre das Fastenphänomen vor Ostern schnell wie eine Modewelle vorbeigeschwappt. Stattdessen haben wir es gefühlt mit einer anschwellenden Bewegung zu tun. Was ist da los? Woher kommt dieses Bedürfnis nach Verzicht? Sicherlich liegt die Selbstbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme aufgrund nachweislicher Gesundheitsvorteile im Trend. Aber das wäre zu einfach gedacht. Das Fasten im klassischen Sinn diente immer auch der Schärfung der eigenen Sinne. Vorbild war Jesus, der sich 40 Tage lang in der Wüste auf seine Passionsaufgabe vorbereitete. Das Gebet, die Selbstbesinnung gehörten immer schon dazu. Übersetzt in die heutige Zeit könnte man sagen: Fasten ist die Chance, auf den erprobten Spuren eines jahrtausendealten Pfades aus dem Alltag herauszutreten. Ein Stück weit, wie der Mensch von heute es halt so schafft. Aber immerhin. Sieben Wochen lang selbstbestimmter Verzicht ist eine Übung, die die Besinnung aufs Wesentliche ermöglicht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Um diese Frage geht es.

Die Asche, die Kirchgänger am Aschermittwoch auf ihr Haupt gestreut bekommen, soll an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Umgangssprachlich und ganz religionsfrei ausgedrückt: daran, dass dem eigenen „Ich-will, Ich-will“ natürliche Grenzen gesetzt sind. Das betrifft auch unser gewohntes Alltagskostüm bestehend aus oft unbewussten Grundannahmen, die unsere Wahrnehmungen, Deutungen, Verhaltensmuster und Vorlieben bestimmen. In diesem Sinn ist die Fastenidee eine Chance, das Alte hinter sich zu lassen und im besten Fall über sich selbst hinauszuwachsen. Die Selbstbeschränkung hilft raus dem Trott, sie erzeugt eine innere Konzentration und öffnet die Sinneserfahrung. Einfache Beispiele hierfür wären der Verzicht aufs Auto oder das Entrümpeln des Kleiderschranks. Im besten Fall spürt man, wieviel Überflüssiges man im Lauf der Jahre oft aus Frust zusammengekauft hat oder wie sehr die Verkehrshektik das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigt. Was aber wären wirklich sinnvolle und erfüllende Alternativen zur konsumgesteuerten Ersatzbefriedigung?

Damit haben wir die Oberfläche verlassen. Fasten als Erfahrungsverdichtung bietet die Möglichkeit, in eine neue Haltung einzutauchen. Genau dazu möchte das CCL als Labor zur Entwicklung und Erprobung klimafreundlicher Werte anregen. Weil Menschen sehr unterschiedlich sind, sind auch die Wege, sich einem konzentrierten, genügsamen, erfüllten, CO2-armen Leben anzunähern, vielfältig. Für eine enkeltaugliche Zukunft sind sie alle wichtig: Fahrrad statt Auto, Reisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug, Gemüse statt Fleisch, erneuerbare Energien statt Kohlestrom, gemeinsame Erlebnisse in der Natur statt Besuch im Shopping-Paradies, selbst mitgebrachte Gefäße und Taschen statt Plastikmüll.

Das verbindende Element einer gemeinsamen Fastenaktion kann aber noch mehr als die Summe dieser (und vieler weiterer) Elemente sein. Es kann, ausgehend von einer bewusst gewählten Konzentration aufs Wesentliche, eine Rückbesinnung auf die Schönheit der Erde sein, wie sie im poetischen Begriff vom blauen Planeten zum Ausdruck kommt. Dies würde bedeuten, sich täglich mit einer kleinen Aufmerksamkeitsübung ein Beispiel für diese natürliche Schönheit zu suchen und die Freude darüber tief in sich zu fühlen. Sei es das Lächeln des eigenen Kindes, das Rascheln eines Blattes, der Geschmack der Karotte, das beeindruckende Rauschen von Wind in hohen Bäumen, das Zwitschern eines Vogels, das dramatische Wolkenschauspiel am Himmel. Und dann nur noch diesen Moment zu spüren und sich selbst vergessen…

Diesen Überlegungen und Einsichten Taten folgen lassen, dazu will unser 40-tägiges Programm ganz praktisch inspirieren. Wir lehnen uns damit an die weiter oben erwähnte Aktion „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“ an, aber bewusst ohne kirchlichen Fokus! Eingeteilt ist der Zeitraum in sieben (eigentlich sechseinhalb) Wochen, die alle ein eigenes Motto und ein eigenes Fastenziel haben. Dies soll einen Ausschnitt aus der breiten Palette an notwendigen Veränderungen im Alltagsverhalten abbilden. Passend zu diesen Leitthemen werden wir im Forum hier auf der Plattform wöchentlich Gedankenanstöße anbieten, damit wir uns gemeinsam über unsere Aktion austauschen und motivieren können. Für Nutzer*innen der sozialen Medien haben wir sogar täglich eine kleine Ermunterung für ein nachhaltiges klimafreundliches Leben auf Facebook. Und das sind unsere Themen:

Woche 1, 06.3.-10.3.2019 - Allgemeine Einstimmung – Besinnung aufs Wesentliche

Woche 2, 11.3.-17.3.2019 - Ernährung – Das tut Körper und Klima gut

Woche 3, 18.3.-24.3.2019 – Konsum - Darf’s ein bisschen weniger sein?

Woche 4, 25.3.-31.3.2019 – Energiewende – Fürs Klima und den Geldbeutel

Woche 5, 01.4-07.4.2019 – Mobilität - Gesund und klimafreundlich von A nach B

Woche 6, 08.4.-14.4.2019 – Plastik – Müll fasten

Woche 7, 15.4.-21.4.2019 – WIR-Kultur - Gemeinsam machen wir uns stark – fürs Klima!

sowie als Sonderthema zu Woche 7: Klimafreundlliche WIR-Kulturen aus Göttingen! Entdecken Sie den Sonnifanten und viele andere, fröhliche und inspirierende Beispiele.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zeit mit Ihnen und anregende Diskussionen im Forum.



[ Geändert: Mittwoch, 17. April 2019, 10:26 ]
 
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von Marian CCL - Donnerstag, 20. September 2018, 20:10
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Baumhaus, Baumwipfel, Strickleiter zwischen Wipfeln

Foto: MaricaVitt CC4-Lizenz

Die philosophische Ethik lehrt, dass sich Normen und Werte durch gesellschaftliche Aushandlungsprozesse verändern. Das klingt abstrakt, kann aber zurzeit besonders gut beobachtet werden: Ist es legitim einen Wald zu roden, damit noch mehr klimafeindliche Kohle aus der Erde geholt werden kann? Ist es legitim, einen Wald zu besetzen, damit eben jenes verhindert werden kann? Wessen Willen repräsentiert die NRW-Landesregierung, wenn sie die Räumung dieses Waldes anordnet? Wessen Willen repräsentiert die Bundesregierung, deren Kohlekommission den Ausstieg aus der veralteten Energietechnik bis mindestens Mitte der 2030-er Jahre hinauszögern will? Und warum ändert sich alles, wenn plötzlich ein Unglück geschieht?

„Momo“, der Sprecher der Waldbesetzer im Hambacher Forst, brachte es noch in der Woche vor dem tödlichen Sturz des jungen Journalisten Steffen Meyn auf den Punkt. Laut Spiegel Online stellte "Momo" fest, dass 200 Aktivisten gegen Tausende von Beamten keine Chance hätten, die Besetzung aufrecht zu erhalten. Er hoffte aber darauf, den „Kampf um die öffentliche Meinung noch gewinnen“ zu können. Das öffentliche Echo zu diesem Zeitpunkt war durchaus gespalten. Einerseits zeigten die Hörerbeiträge in der Deutschlandfunksendung „Kontrovers“ vom 17.9.2018 zum Streit um das symbolträchtige Waldstück ein eindeutiges Bild.  Fast alle Anrufer plädierten für eine enkelfreundliche Klimapolitik und den Ausstieg aus der Braunkohle.
In der Online-Ausgabe der Sonntags-FAZ dagegen titelte die Politikjournalistin Friederike Haupt am 16.9.2018: „Wie Reichsbürger mit Rastas“. Sie setzte in ihrem Kommentar die Waldaktivisten mit staatsnegierenden Wutbürgern gleich, argumentierte mit der geltenden Rechtslage und Straftaten, die in Hambach begangen wurden. Ihre Alternativempfehlung zur Besetzung zielte auf parteipolitische Betätigung, etwa bei den Grünen.

Womit wir wieder bei den Ausgangsfragen wären. Denn wer sich bei schwierigen Themen wie dem Klimaschutz engagiert, weiß, dass festgefügte (auch kommunale) Machtverhältnisse politikbestimmend sind. Wie also ankommen gegen die Beharrungskräfte des Ewiggestrigen? Sind es immer nur die tragischen Ereignisse wie beispielsweise ‚Fukushima‘, die ein Umsteuern bewirken? Wie ist das Gefühlsgemisch aus Wut, Resignation und Verzweiflung zu überwinden, das sich einstellt, wenn Politikmuster und Floskeln im Alltagsgeschäft ständig wiederholt werden?

Die mediale Wahrnehmung des Hitzesommers 2018 als Zeichen, dass Klimawandel auch bei uns spürbar geworden ist, verhalf sicherlich dazu, dass der Hambacher Forst schnell zum Symbol für den Streit um die Kohleverstromung avancierte (es wurden sogar Vergleiche mit dem Kampf um den „Schnellen Brüter“ in Wackersdorf gezogen). Viele Bürger*innen sind inzwischen für das Thema Kohleverstromung sensibilisiert. Doch können und wollen sie auch zu einem Politikwandel beitragen?

Die Palette der legalen Möglichkeiten, den eigenen Willen geltend zu machen, ist überschaubar. Wenn die Kohlekommission tagt, die über den Ausstieg aus der Braunkohle berät, haben Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher darauf keinen Einfluss. Das Gefühl, dass nicht nur in dieser Frage über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird, führt entsprechend bei vielen Menschen zur politischen Apathie und bei Einzelnen sogar zur Radikalisierung. Ein dritter Weg, der noch nicht beschritten wird, wäre jedoch eine Reform unserer demokratischen Prozesse!

Ein tiefgreifender Normen- und Wertewandel geht mit der Frage einher, wie Institutionen funktionieren und wie beispielsweise die politische Teilhabe geregelt ist. In einem kürzlich vom oekom verlag herausgegebenen Buch macht ein Experte für Entscheidungsfindung einen äußerst interessanten Neuerungsvorschlag, der vor allem auch auf kommunaler Ebene anwendbar ist und in einigen kleinen Orten in Österreich bereits ausprobiert wird. Erik Visotschnig stellt in „Nicht über unsere Köpfe“ eine Alternative vor, die es Beteiligten ermöglicht, sich effektiver in private, politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Dadurch entsteht nach seiner Ansicht eine neue demokratische Kultur, in der nicht länger Großkonzerne und kapitalstarke Interessengruppen, sondern Bürger das Sagen haben. Wie es funktioniert, wird im WDR-Beitrag hier anschaulich erklärt. 

Vielleicht tut sich die Politik mit dem Thema Klimaschutz so schwer, weil Bürger*innen einerseits aufgefordert werden, ihren Teil beizutragen, andererseits ein tatsächliches Engagement aber eingefahrene Machtverhältnisse bedroht. Zuletzt geschah dies 2012 durch die Bürgerenergiewende, die die großen Stromerzeuger ins Wanken brachte. Seither haben RWE & Co es zwar verstanden wieder die Oberhand zu gewinnen, die allgemeine Unzufriedenheit in Deutschland über das auf allen Ebenen erstarrte Politiksystem ist dadurch aber wahrscheinlich nicht kleiner geworden.

Statt an dieser Stelle mit Demokratieverdrossenheit zu reagieren, wäre es wohl viel sinnvoller, Vorschläge wie den von Erik Visotschnig zu testen. Gerade in kleineren Kommunen könnte damit ein neuer Politikstil erprobt werden. Was meinen Sie? Reizt es Sie, diese Art der Entscheidungsfindung in Ihrem Arbeitsumfeld mal zum Einsatz zu bringen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!



[ Geändert: Freitag, 21. September 2018, 09:38 ]
 
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von Marian CCL - Montag, 30. Juli 2018, 18:03
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Grafik Nicht ohne Climate Fair

Collage: CCL

"Der 29,90 Euro-Irrsinn" lautete gestern eine SZ-Schlagzeile. Berichtet wurde über die Sperrung des Münchner Flughafens wegen einer Sicherheitspanne - mitten im Urlaubsreiseverkehr. Aber, so die SZ, das eigentliche Problem sei, dass Fliegen viel zu billig ist. "Viele Flugtickets sind nur scheinbar günstig", heißt es da. Service, Pünktlichkeit, Nachtruhe der Anwohner blieben auf der Strecke. Stimmt. Aber wovon die SZ nicht schreibt: die viel zu günstigen Flugtickets tragen in besonderem Maß zum Klimawandel bei!

Wem Klimaschutz am Herzen liegt, der/die weiß das natürlich. Seit Jahren gibt es deshalb auch Unternehmen, bei denen man die eigenen Flüge "kompensieren" kann. Damit ist eine Spende gemeint, mit der die Kompensationsunternehmen  Investitionen in weltweite CO2-Einsparprojekte finanzieren. Das ist zwar besser als nichts, aber: die Anlageprojekte liegen dort, wo es besonders preiswert ist Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen, in den sogenannten "Entwicklungsländern".

Klimaschutz in Deutschland dagegen ist deutlich teurer, aber nicht weniger notwendig. Deshalb hat die Klimaschutzs+ Stiftung eV unter der Schirmherrschaft von Ernst Ulrich von Weizsäcker die Kompensationsorganisation "Climate Fair" gegründet. Diese neue Organisation ist nicht nur lokal verankert, sie ist auch ein Graswurzelprojekt. Sie ermöglicht eine Einzahlung in Bürgerfonds vor Ort, die die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland möglich machen.

Das geht folgendermaßen: auf der Website von "Climate Fair" ermittelt man die sozioökologischen Folgekosten der eigenen Reise mittels eines Online-Rechners. Danach wählt man den Bürgerfond aus, den man unterstützen möchte und zahlt das Geld ein. Finanziell bedacht werden ausschließlich gemeinnützige Projekte, die transparent agieren und einen eindeutigen Beitrag zur Ausgestaltung einer sozial und ökologischen gerechten Gesellschaft leisten.

Natürlich ist Climate Fair ein Stück teurer als andere Unternehmen, aber in jeder Hinsicht gerechter. Weil wir Verantwortung für die Kosten hier bei uns übernehmen, und nicht da, wo es billig ist. Das sollte uns der Klimaschutz allemal wert sein. Und wer genauer wissen will, wie Climate Fair arbeitet, dem seien die sehr gut aufbereiteten FAQs ans Herz gelegt.



[ Geändert: Montag, 30. Juli 2018, 18:08 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 25. Mai 2018, 07:17
Weltweit öffentlich

In lockerer Reihenfolge stellt CCL an dieser Stelle Inspirationen zum KlimaKulturWandel vor, die Kolleg*innen im Rahmen von NKI-Projekten, der TransitionTown-Bewegung oder einem vergleichbaren Umfeld durchgeführt haben. Dieses Mal präsentieren wir „KlimaKunstSchule“, durchgeführt von BildungsCent e.V.

Alter BH mit Gras gefüllt an Baum gebunden

Foto ©Kultur!ngenieur Felix Liebig

Da staunten die Besucher eines Einkaufszentrums in Hildesheim nicht schlecht. Teenager präsentierten auf dem Laufsteg der Shopping-Mall ungewöhnliche, selbstgeschneiderte Mode: Müll gesäumte Röcke, Kleider aus Duschvorhängen und Packpapier. In Bremen wiederum zogen 35 Schüler*innen als Stadtguerilla durch die Straßen und sprachen Passanten auf den Klimawandel an. Diese und viele andere kreative Ideen entwickelten junge Lernende und stellten sich so der Herausforderung, die Öffentlichkeit auf ihren Umgang mit der Umwelt aufmerksam zu machen.

Selten wurde besser deutlich, wie Kunst den KlimaKultur-Wandel beschleunigen kann. Der Verein BildungsCent e.V. hatte mit Unterstützung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) 49 Künstler*innen dazu motiviert, in etwa 200 Schulen zusammen mit den Lernenden klimabezogen und kreativ zu arbeiten. Als Input brachten die Kulturschaffenden je einen„artistic seed“ mit, ein kreatives Samenkorn. In ihm steckten überraschende und inspirierende Ideen, was Jede*r zu einer klimafreundlicheren Welt beitragen kann, aber ebenso viele neue Methoden, dies zum Ausdruck zu bringen. Ausgestattet mit diesem neuen Wissen und beflügelt von den Anregungen der Künstler, machten sich die Schüler nun daran, eigene KlimaKunst-Projekte zu entwerfen. Insgesamt beteiligten sich etwa 5000 Lernende und ihre Lehrer*innen an „KlimaKunstSchule.

Menschen in weißen Overalls auf Treppe tragen Bilder

Foto: Schüler*innen der Ida Ehre-Schule, Hamburg © BildungsCent e. V.

Das Ergebnis ist erstaunlich und kann auf der Projekt-Webseite nachgelesen werden: http://klimakunstschule.bildungscent.de/ Dort gibt es das Buch mit allen 49 künstlerischen „artistic seeds“. Aber auch 17 besonders gut gelungene Schülerprojekte sind dort dokumentiert, darunter die oben bereits erwähnten. Was dabei vielleicht am meisten ins Auge springt, das ist das Erstaunen der Lehrer*innen. Denn diese mussten im Verlauf des Projekts zugeben, dass sie ihren Schüler*innen viele der Leistungen nicht zugetraut hätten, ja, dass sie sich nicht einmal vorstellen konnten, dass junge Menschen sich so sehr für das Thema interessieren könnten.

Wenn man den Aufbau des Programms KlimaKunstSchule“ genauer betrachtet, verwundert das unerwartete Engagement jedoch nicht. Denn die initierenden Künstler*innen sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam, sie gingen auf die Bedürfnisse und Bedenken der Lernenden ein und sie brachen auch hin und wieder die Regeln. So aus dem gewohnten Korsett herausgelockt, spürten die Schüler*innen, dass sie tatsächlich gefragt waren. Viele trauten sich zum erstem Mal in der Öffentlichkeit aufzutreten, die Stimme zu erheben, sich selbst zu zeigen. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Baustein für Motivation. Wichtig war aber auch, dass die Künstler*innen, aber oft auch die Schulen den jungen Leuten den Rücken stärkten. So lässt sich Mut leichter erlernen.

Genau das scheint der Knackpunkt. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur Schulen, sondern auch Verwaltungen sich trauen würden, kunstinspirierte Workshops abzuhalten. Für die klimafreundliche Transformation der Gesellschaft ist Mut und Phantasie nötig, doch das will zunächst im sicheren Rahmen ausprobiert werden können. Das Projekt KlimaKunstSchule erarbeitete eine Blaupause, die zeigt, wie es gelingt, die Komfortzone der eigenen Routine zu verlassen. Künstler*innen haben die Fähigkeit, einen mentalen Raum aufzumachen, der ganz anderen Blickwinkel auf die Welt normal erscheinen lässt. Die direkte Erfahrung einer alternativen „Normalität“ in der Begegnung mit Künstler*innen könnte z.B. auch in Firmen und Verwaltungen ein Funken der spielerischen Entdeckerfreude losschlagen, der die Schüler*innen so beflügelt hat.

Viele Hände mit Eisbällen

Foto: Schüler*innen des Gymnasiums Stift Keppel, Nordrhein-Westfalen © BildungsCent e. V.

Für potentielle Nachahmer bietet KlimaKunstSchule tatsächlich Anregungen. Im zweiten Teil der Dokumentation ist die Umsetzung von Ideen dokumentiert, die einige der Künstler aus den „artistic seeds“ destilliert haben und die ganz unkompliziert nachgemacht werden können. Eine Kostprobe gefällig? Bitteschön: Verkehr ist in Deutschland die Ursache für rund 20% der CO2-Emissionen. Ein Fahrrad-Smartmob im Kreisverkehr erlaubt es Autofahrern, ein paar Minuten nachzudenken. Mit zwanzig oder dreißig Freund*innen ein Weilchen im Kreis fahren und den Verkehr lahmlegen ist ausdrücklich eine Aktion, für die man nie zu alt ist und die garantiert Wirkung entfaltet.

P.S. Die einzelnen künstlerischen „artistic seeds“ und die daraus hervorgegangenen Projekte können in der Projektpublikation "Klimaschutz ist eine Kunst" nachgelesen werden. Der Verein BildungsCent e.V. bietet sie hier zum Download an.

https://klimakunstschule.bildungscent.de/fileadmin/Klimakunstschule/Das_Buch_Download/KlimaKunstSchule-Buch.pdf

Vielen Dank an BildungCent e.V. an dieser Stelle für die Veröffentlichungsgenehmigung der Bilder in diesem Beitrag.

zwei künstlerische Bilder an Bauzaun

Foto: Schüler*innen der Gemeinschaftsschule Altenholz, Schleswig-Holstein © BildungsCent e. V.

[ Geändert: Freitag, 25. Mai 2018, 07:21 ]
 
Weltweit öffentlich
Kuh vor blauem Himmel


Anlässlich der bevorstehenden Karwoche hat das Pestel-Institut für uns berechnet, wie viele Tonnen CO2 in ganz Deutschland allein durch Fleischfasten eingespart werden könnten. Wir wollen das Thema zusätzlich aus einer alltagskulturellen Perspektive aufgreifen und Sie zum Experimentieren einladen.

Als wir laufen lernten und spürten, dass Krabbeln auf Dauer keine befriedigende Lösung ist, haben wir entdeckt: mit einem unerschrockenen Sich-heran-Tasten lassen sich anspruchsvolle Aufgaben meistern. Heute stehen wir vor einer der größten Herausforderungen, die die Menschheit je gekannt hat, dem menschengemachten Klimawandel. Innovative politische Lösungen können ihn vielleicht eindämmen. Aber gleichzeitig ist jeder und jede Einzelne aufgefordert und eingeladen, eigene private Beiträge zu leisten und alte Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Die Frage ist nur immer „Wie mache ich das, wie kann das gehen?

Beginnen wir doch einfach mal spielerisch und wählen eine neue Reiseroute. Ein günstiger Moment für kleine Schritte liegt direkt vor uns: Traditionell steht die gesamte vorösterliche Fastenzeit für Verzicht auf Fleischgenuss. In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit fokussiert sich dies auf die letzten sieben Tage vor Ostersonntag, die Karwoche. Wie bereits an anderer Stelle hier auf der Plattform beschrieben. hilft gemüsebasierte, also fleischlose Ernährung dem Klima. Warum also nicht die Karwoche zum Einstieg in ein Lebensstil-Experiment nutzen, oder sogar zum Umstieg auf eine andere Lebensweise, zum Beginn eines eigenen Transformationsprozesses? Geben Sie sich einen Ruck!

Ist der Handlungsentschluss einmal gefasst, stellt sich die nächste Frage: Mit welcher Haltung soll der Ausflug ins Neuland stattfinden? Das Geheimnis liegt wohl darin, sich wirklich auf die Situation einzulassen. Liebe ist bekanntlich das beste aller Antriebsmittel! Beeindrucken Sie sich also mal selbst, experimentieren Sie mit einer machbaren Aufgabe. Setzen Sie sich ein Ziel, über dessen Erfüllung Sie sich wirklich ohne Reue freuen können - wie etwa eine Woche lang vegetarisch zu leben.

Und dann heißt es tatsächlich loslegen. Zum Einstieg hilft z.B. einen Blick auf https://www.klimatarier.com. Dort gibt es Antworten zu vielen Fragen rund um klimafreundliche Ernährung. Einen Klick weiter finden Sie passende Rezepte (hier klicken), die Ihren Gaumen kitzeln und Ihre Geschmacksnerven neu beleben werden (weitere Vorschläge am Ende dieses Beitrags). Mehr Tipps gibt es zusätzlich in unserem Blogbeitrag "Das Kreuz mit dem CO2-Fasten" vom 14. Februar 2018. Schmökern Sie, kombinieren Sie Ihren Speiseplan, gehen Sie dafür bewußt einkaufen, als würden Sie sich die Zutaten für ein Experiment zusammensuchen. Und eventuell feiern Sie dann am Ende dieser Woche Ihr ganz spezielles Transformationsfest.

Vielleicht wollen Sie Ihre Experimentierwoche nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten, der Familie oder Freunden angehen und sich austauschen. Gemeinsam kochen und essen ist so viel einfacher! Der Phantasie für gemeinsame kreative Aktionen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Weitere Anregungen für den eigenen Wandel finden Sie in kleinen Videofilmen hier auf der CCL-Plattform. Hören Sie etwa dem Experten für nachhaltige Entwicklung, Professor de Haan, zu. Er spricht darüber, wie wichtig Wir-Kulturen, also bewusstes gemeinsames Handeln, für das Gelingen von Veränderungsprozessen sind. Außerdem finden Sie dort Anleitungen zur individuellen und gemeinsamen Reflexion neuer Erfahrungen! Dazu zählen auch unterstützende Vorschläge zur Achtsamkeitspraxis. So zeigt Projektleiterin Andrea Steckert beispielsweise im CCL-Bereich „Kreativ-Praxis“, wie Sie ein Logbuch führen und den eigenen Wandel-Prozess wie in einem kleinen Atelier sichtbar machen und verfolgen können.

Und jetzt viel Spaß bei Ihrer persönlichen Karwochen-Aktion. Wir würden uns freuen, wenn Sie hier teilen, wie es Ihnen damit geht – und ob Sie sich eventuell entschließen dauerhaft weniger oder gar kein Fleisch zu essen.

P.S. Hier noch die versprochenen Internetadressen zu weiteren Rezepten und nützlichen Informationen:

1)     Nicht nur ästhetisch unglaublich ansprechende Gerichte rund um die einheimische vegetarische Küche finden Sie hier bei Krautkopf.

2)     Keineswegs nur für Kinder interessant ist das Buch: „Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich“. herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, kostenlos hier zu finden

3)     Hier finden Sie schnell und bequem Bio-Rezepte für die große Tafel (Rezepte für ab 10 Personen):

4)     Und schließlich noch das etwas andere Geschenk für’s Osternest. Verschenken Sie ein noch nicht geschlüpftes Osterei, das Buch "Resteküche" von Daniel Anthes und Katharina Schulenburg , das nur produziert werden kann, wenn es ausreichend Unterstützung findet. Schauen Sie hier rein!

[ Geändert: Mittwoch, 21. März 2018, 12:59 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 22. Dezember 2017, 10:43
Weltweit öffentlich

Klimakulturwandel durch Busfahren: Bus vor winterlicher Alpenkulisse

"Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind zum Scheitern verurteilt! Mit dem Rauchen aufhören, gesünder leben, weniger Zeit am Smartphone verdaddeln – das klappt ja doch nicht“, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Die Psychologie hat jedenfalls erfolgversprechende Tricks für Verhaltensänderungen parat! Ganz konkret umsetzbare Maßnahmen bestimmen das Geheimrezept. Ein guter Plan ist dafür der Ausgangspunkt. Das selbstgewählte Ziel sollte erstens realistisch, aber zweitens auch anspruchsvoll sein. Eine kleine Herausforderung schadet also nicht! Nun denn: Ich schlage eine klimafreundliche Kulturwandel-Challenge für 2018 vor. Wer macht mit?

·        Bei Reisen bis 1.000 km nicht ins Flugzeug steigen

·        100 % Ökostrom beziehen

·        Leitungswasser statt Sprudel aus Flaschen trinken

·        Die Wohnraumtemperatur wo möglich auf maximal 20 Grad einstellen

·        Kein Fleisch essen (oder wenn, dann nur artgerecht und bio)

·        Den Kuhkäsekonsum begrenzen

·        Lebensmittel möglichst aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau kaufen

·        Auf Erdbeeren im Winter und „Exoten“ aus aller Welt weitgehend verzichten

·        Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren

Einiges davon klingt utopisch? Vielleicht… Umsetzungserfolge stellen sich laut psychologischer Expertise tatsächlich nur für die Menschen ein, die wirklich von den eigenen guten Vorsätzen überzeugt sind. An dieser Stelle möchte ich auf eine kleine Motivationshilfe hinweisen, die das CCL anbietet. Wie wäre es mit einem utopisch-weiten Blick über den eingeübten Alltagshorizont hinaus? Unser zweites CCL-Video „Die Kraft der Vision“ überrascht hier mit interessanten Anregungen.

Was ist eine Vision? „Etwas Attraktives, was uns in die Zukunft zieht.“ Das sagt der psychotherapeutisch tätige Arzt Theodor Dierk Petzold im Videointerview des ClimateCulture-Lab. Aus einer Vision der Naturverbundenheit und dem Leben in Gemeinschaft heraus initiierte er gemeinsam mit anderen in den 1980er-Jahren die neue Dorfgemeinschaft in Heckenbeck und gestaltet sie bis heute mit. Seine Vision der Kooperation von Mensch und Natur beruht auf dem Gefühl der Stimmigkeit. Wer ihm zuhört, spürt, was mit Vision gemeint ist. Seine lebendigen Bilder motivieren dazu, die eigenen Vorstellungen für ein Leben im Einklang mit der eigenen Umwelt wahrzunehmen und selbst vielleicht doch ein paar gute Vorsätze zu fassen. Hier geht es zum Filmclip.

Spannende weiterführende Anregungen, wie jeder und jede selbst Visionen zum klimafreundlichen Kulturwandel nutzen kann, bietet die zum Video angebotenen Handreichung "Kraft der Vision". Dort finden sich Methoden zur Visionsarbeit, aber auch Hinweise auf interessante Visionäre wie beispielsweise den Ökopionier Charles Kettering, der sagte: „Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.“

Wer sich von meinen persönlichen Challenge-Zielen inspiriert fühlt, findet auf der Konsumplattform Utopia noch eine Reihe weiterer Tipps zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks, und zwar hier und hier. Und damit wünsche ich allen Teilnehmerinnnen und Teilnehmern sowie allen Interessentierten am CCL, dem Klimakulturlabor, frohe Feiertage und ein klimafreundliches 2018. Mögen viele umsetzbare Vorsätze dieses neue Jahr begleiten!




[ Geändert: Freitag, 22. Dezember 2017, 11:05 ]
 
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Ergebnisdiskussion im Amphitheater









Foto: © CCL

Wir freuen uns! Das CCL hat einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht: die erstekommunale Werkstatt fand am 15. Juli im Karlsruhe statt. Ich konnte zwar selbst nicht dabei sein, aber meine Teamkolleg*innen haben mir Spannendes berichtet.

Das Ereignis war mit viel Neugier erwartet worden. Fast fünfzig Teilnehmer*innen, vornehmlich aus Karlsruhe und mit sehr unterschiedlichen Hintergrunderfahrungen, hatten sich angemeldet. Als Arbeitsort war das Waldzentrum in Karlsruhe mit seiner inspirierenden Atmosphäre ausgewählt worden. Normalerweise trifft sich hier Jung und Alt zu kleinen Naturabenteuern, sei es ein „Survival-Experience“ oder eine Wiesenexpedition. Mit dem ClimateCulture-Lab ging es diesmal darum, Neuland für den Klimakulturwandel zu entdecken. Es sollten die Lösungsansätze identifiziert werden, die im eigenen beruflichen und privaten Umfeld umsetzbar sind.

Den würdigen Einstieg machte Bürgermeister Klaus Stapf, der in Karlsruhe das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz leitet. Auch wenn die Kommune schon viele Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt hat, so betonte er doch, dass es in der Stadt „300.000 Klimaschützer*innen“ braucht. Nur allen gemeinsam wird es erfolgreich gelingen, den Klimawandel einzudämmen. Gerade „in postfaktischen Zeiten“, so Zapf weiter, sei es wichtig auf der Basis belastbarer Daten zu arbeiten.

Doch das ist gar nicht so einfach. Während sich 97% aller Wissenschaftler

über den Menschen als Auslöser des Klimawandels einig sind, gibt es ein breites Spektrum an Szenarien hinsichtlich der möglichen Folgen. Was bedeutet ein globaler Mitteltemperaturanstieg von 2° C über dem vorindustriellen Wert jeweils vor Ort? Ab wann wird dieser Wert erreicht sein? Bei der kommunalen Werkstätte des ClimateCulture-Lab erwähnte Prof. Dr. Frank Schilling (Sprecher des KIT-Zentrums Klima und Umwelt) die erschreckende Zahl einer möglichen Erwärmung in Karlsruhe um acht Grad. Damit sprach er ein heikles Eisen an. Es klafft heute noch eine große Lücke zwischen den bestehenden Klimaschutzanstrengungen und dem was wirklich nötig ist, also der tatsächlich erforderlichen Dimension des anstehenden Kulturwandels.

Umso wichtiger ist das Handeln eines jeden Einzelnen. Anette Anthrakidis und Mirjam Schöttler vom ClimateCulture-Lab-Partner Solar-Institut Jülich stellten deshalb mögliche Wärme-, Strom- und Mobilitätswendeszenarien vor, wobei sie die Hebung aller regionalen Potenziale zur CO2-freien Energieerzeugung in Karlsruhe berücksichtigten. Sie zeigten in ihrem Vortrag auch, dass die Klimaziele nur durch bewusstes energiesparendes Verhalten jedes Einzelnen erreichbar sind und dies konsequent in allen Lebensbereichen. Die Nutzung von ÖPN, CarSharing und Fahrrad statt des eigenen PKWs ist hier einer der ganz wichtigen Bausteine.

Nach den einstimmenden Vorträgen waren die Teilnehmer*innen der kommunalen Werkstatt gefragt, eigene Antworten zu entwickeln. Was bedeutet der Umstieg auf eine klimafreundliche Lebensweise für mich persönlich? Mit einer angeleiteten „Inneren Reise in die Zukunft“ nahm die Leiterin des ClimateCulture-Labs, Andrea Steckert, die Anwesenden auf eine erste Entdeckungstour zu den eigenen Gefühlen und Gedanken mit. Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist: Was bedeutet es klimafreundlich zu leben, was wünschen wir uns für später und welche Handlungsmöglichkeiten sehen wir, was sind die nächsten Schritte?

Rad der Nachhaltigkeit

Foto: © CCL
Auf dem von ClimateCulture-Lab- Mitarbeiter Dr. Felix Wagner entwickelten „Rad der Nachhaltigkeit“ konnten die Teilnehmer*innen die Gestaltungsbandbreite einer klimafreundlichen Kultur spielerisch kennenlernen und erste Umsetzungsideen äußern. Wo stehen wir in Karlsruhe und welche Potenziale sollen jetzt erschlossen

werden?

Zur Entwicklung konkreter Pläne brauchte es noch die passende Stärkung. Eine leckeres regionales, vegetarisch und veganes Mittagessen bot die Gelegenheit, eine klimafreundliche Ernährung zu kosten.

vegetarisches Buffet mit Hummus etc
Foto: © CCL
Danach ging es an die Arbeit in Lab-Gruppen. Das bedeutete: neue Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Entscheidungs-Brillen aufsetzen. Angelehnt an die Methodik des „Design Thinkings“ wurden in sieben Teams Ideen skizziert und sogenannte „Prototypen“ für kultur-kreative Ansätze in Karlsruhe entwickelt. Wichtig hierbei war der spielerische Ansatz, also eine Arbeitshaltung nach Regeln wie „traue Dich auszuprobieren“, „sei fehlerfreundlich und konstruktiv“ oder „baue auf Ideen anderer auf“. Zum Design-Thinking gehört auch, dass das Vorgehen durchaus plakativ sein darf, damit in kurzer Zeit möglichst viele Konzepte entstehen. Ganz unterschiedliche Entwürfe waren das Resultat.

5 Personen arbeiten an einer Pinwand zum Thema "Bewusstseinswandel im Alltag"
Foto: © CCL

Die Gruppe „Bewusstseinswandel im Alltag schaffen“ entwickelte Ideen zur Vernetzung und besseren Sichtbarmachung bereits bestehender Initiativen wie Gemeinschaftsgärten, Radfahrgruppen, klimafreundlicher Einkaufsmöglichkeiten usw. Bei der „Expedition Zukunft“ ging es um die Idee einer nachhaltigen Klassenfahrt, die filmisch begleitet werden sollte. Die „Klimakampagne“ wollte ein Netzwerk der Netzwerke organisieren, bei dem verschiedene Initiative verschiedene Zielgruppen zu Themen wie Mobilität ansprechen. Weitere Prototypen trugen Titel wie „Lasternrad-Sharing“, „Suffizienz positiv erleben“, „Autofreie Stadt“ oder „Motivationskampagne für Mieter“.

Die fertigen Prototypen wurden am späteren Nachmittag als „Samenkörner für die Zukunft“ von den einzelnen Kleingruppen in einem Amphitheater auf die Bühne gebracht. Sie erlebten so Ihre Weltpremiere. Eine würdige Abschlusspräsentation eines inspirierenden Tages, der den Startschuss gab für eine neue Form klimafreundlichen kulturellen Handelns in Karlsruhe, finde ich! Bei einer der nächsten Werkstätten werde ich dabei sein, da bin ich mir sicher, das verspricht Eure Bloggerin

Marian

P.S. Das CCL veranstaltet nicht nur acht regionale Werkstätten, sondern auch vier überregionale. Dort treffen sich alle Beteiligte wieder und können darüber berichten, wie sich ihre Projekte entwickelt haben.



[ Geändert: Freitag, 28. Juli 2017, 13:15 ]