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CO2-Minderungspfade

Wenn in der Diskussion um den Klimawandel in den letzten Jahren eines sicher war, dann das: der nervöse Blick auf  Emissionsreduktionskurven die den Zusammenhang zwischen CO2-Reduktionspfad und Zeithorizont zeigen. Wir lernen: wäre die Klimaschutzkonferenz 2009  in Kopenhagen erfolgreich gewesen, müssten sich die Politiker heute nicht die Köpfe über schnelle und hohe Minderungsraten zerbrechen (rote Linie). Wirksame Veränderungen wurden Jahr um Jahr auf die lange Bank geschoben und die Treibhausgaskonzentration ist sogar weiterhin gestiegen (410 ppm im Jahr 2018 versus 380 im Jahr 2008).

Nun ist dies hier kein Blog für wissenschaftliche Zahlenspiele, sondern für KlimaKultur-Wandel. Dennoch ist es wichtig sich klar zu machen, dass die beiden Grafiken mit wenigen dünnen Linien eine simple Realität illustrieren: in knapp zehn Jahren muss sich unser gesamtes Leben radikal ändern. Mit „uns“ sind dabei all die Länder gemeint, deren heutiger CO2-Ausstoß bei über einer Tonne pro Person und Jahr liegt (Wir erinnern uns: in Deutschland sind wir derzeit noch bei zehn). Hat nun die am späten Samstagabend beendete UN-Klimakonferenz in Katowice einen entscheidenden Schritt in diese Richtung getan?

Gruppe der High Ambition Coalition


                                                                                                       

Formal gesehen lässt sich die Frage mit „nicht entscheidend, aber ein bisschen“ beantworten, inhaltlich eher mit „nein“. Ein bisschen, weil mit dem Katowicer Klimapaket tatsächlich das im 2015er Klimavertrag vorgesehene Regelbuch von allen 196 Vertragsstaaten verabschiedet wurde, das für die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels verbindliche Umsetzungsleitlinien vorschreibt. Diese machen den Ländern detaillierte Kontrollvorgaben zur Messung und Offenlegung ihrer Emissionen sowie zur Verbesserung und Aktualisierung ihrer Emissionspläne. Auch beim Thema Klimafinanzierung einigte man sich auf ein Berichtswesen und Buchhaltungsregeln. Unterm Strich gibt es jetzt also eine Betriebsanleitung, wie der Reduktionsprozess weltweit funktionieren kann.

Das inhaltliche „Nein“ hat dagegen viele Facetten. Die Vereinbarkeit der internationalen Finanzflüsse mit den Pariser Klimazielen ist zwar sehr hilfreich, aber das avisierte „level of ambition“, also die gemeinsam angepeilten Einsparungsanstrengungen, sind eindeutig ungenügend. Nur zwei Beispiele: USA, Russland und Saudi-Arabien weigerten sich, den von der Klimarahmenkonvention UNFCC selbst in Auftrag gegeben IPCC-Sonderbericht zu den Folgen einer Erwärmung um 1,5 Grad zu begrüßen. Man nahm die warnenden Ausführungen lediglich zur Kenntnis und senkte mit diesem entmutigenden Signal den gemeinsam vereinbarten Handlungsdruck. Schon hier zeigt sich, wie sehr auch in Katowice die bisherige Chronik des Zögerns fortgeschrieben wird.

Ein weiteres Merkmal der nur gebremsten Handlungsbereitschaft der Staatengemeinschaft ist das Vertagen strittiger Fragen. Dies ist der zweite inhaltliche Misserfolg von Katowice, z.B. Stichwort Schlupflöcher. Dabei geht es um das technisch schwierige Kapitel CO2-Handel, also um die gegenseitige Verrechnung von Klimaschutzmaßnahmen. Einige Länder wie etwa die Schweiz wollen sich von Reduktionsverpflichtungen im eigenen Land teilweise freikaufen, indem sie CO2-Einsparprojekte anderswo, etwa in Brasilien finanziell ermöglichen. Nun forderte aber Brasilien in Katowice, dass diese Einsparungen ebenfalls Brasilien angerechnet werden müssten, was auf eine doppelte Zählung hinausliefe. Eine abwegige Idee, deren Lösung sich als zu kompliziert erwies und die auf die nächste COP verschoben wurde.

Ob die Verhandlungen diesen Konflikt 2019 lösen können, steht in den Sternen, denn dann wird der neue rechtskonservative Präsident Jair Bolsonaro im Amt sein, für den Umwelt- und Klimaschutz ebenso zweitrangig sind wie für den derzeitigen US-Präsidenten. Es bleibt hier zu hoffen, dass mit dem progressiven Chile als Austragungsort für die nächste COP in Südamerika ein klimafeindlicher Dominoeffekt, ausgelöst von Bremserstaaten, verhindert wird. Denn trotz aller Schwierigkeit lebt der Geist des Multilateralismus mit der Verabschiedung des Regelbuchs. Die Einigung und das Schlussdokument von Katowice können auch als Beleg dafür gesehen werden, dass die Weltgemeinschaft bereit und handlungsfähig ist, den Klimaschutz gemeinsam voranzutreiben.

Womit wir zur Anfangsfrage zurückkehren, was das alljährliche Konferenzritual denn nun eigentlich bringt. Tagesschaukommentator Werner Eckert zieht folgendes Fazit aus Katowice: „Beim derzeitigen Tempo bremst alles, was bisher beschlossen wurde, die Erderwärmung, aber es verhindert die Heißzeit nicht.“ Hinderungsfaktoren für ein rasches Handeln sind bekanntermaßen die kurzfristigen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen der Länder: unter anderem wären da das Erdöl der Golfstaaten, der Wunsch nach ebenbürtiger ökonomischer Entwicklung der Schwellenländer, die technischen Exportgüter von Ländern wie Deutschland oder weltpolitische Pokerspielattitüden etwa von Russland. Das Ringen um einen Konsens zwischen diesen antagonistischen Kräften erzeugt einen zähen Prozess, der bisher keine fundamentalen Veränderungen einleiten konnte, weil dazu die politische Bereitschaft in den für den Prozess entscheidenden Ländern immer noch fehlt. Gleichzeitig spiegelt sich in dem gemeinsamen Vorgehen aber das historisch einzigartige Bemühen, auf demokratische Weise eine gemeinsame Willensbildung herbeizuführen. Das sollte man angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer Kräfte nicht vergessen

Zu einer lebenswerten Gesellschaft gehört (neben sozialer Gerechtigkeit!) nicht nur die Freiheit von desaströsen menschenverursachten Naturereignissen, sondern auch die Freiheit zur Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Letzteres ist nur in einem demokratischen Prozess möglich, den man aushalten muss (wie es so schön heißt) – und dessen Ausgang immer ungewiss ist. Gerade weil die Klimaschutzkonferenzen keine von „oben“ diktierten Einzelveranstaltungen sind, sondern ein weltweiter Prozess, sind sie offen für historische, eventuell auch disruptive Entwicklungen.

Politische Veränderungen gehen manchmal schnell, und zwar dann, wenn die Zeit reif ist. Dieses Jahr konnte man spüren, wie es unter der Oberfläche zu brodeln begann. Weltweit kämpfen NGOs für den Kohleausstieg, andere Lebensstile wie etwa vegane Ernährung werden immer populärer. Waldbrände und der Hitzesommer haben vielen Menschen zu denken gegeben, das Wort des Jahres in Deutschland heißt „Heißzeit“. Auch bei uns wird deutlich, dass der Klimawandel ganz reale Wirtschaftsfolgen haben wird, wie das Umweltbundesamt in seiner jüngsten Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es jede Menge weiterer Entwicklungen, die (auch in Kombination) mögliche sprunghafte Dynamiken auslösen können – z.B. Verlust an Biodiversität, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, aber auch soziale Phänomene wie die Digitalisierung der Arbeitswelt, Krisen, Kriege, Flucht. Vor diesem Hintergrund sind tiefgreifende Änderungen in den nächsten zehn Jahren sehr wahrscheinlich -fragt sich nur, wie freiwillig, wie demokratisch, wie bewusst wir sie noch steuern werden können, wenn wir nicht bald einlenken.

Wo unsere Wohlstandsgesellschaft mit ihren Einkaufsroutinen aktuell steht, das zeigt sich an Weihnachten in konzentrierter Form. Angesichts der Massen an Plastikweihnachts- und Wohlstandsmüll möchte man nur ganz laut „Halt“ rufen. Doch was dann, wenn wir die Stopptaste wieder lösen? Das mindeste, was jede*r Einzelne sofort tun kann, ist, sich bei jedem Kauf zu fragen: „Brauche ich das wirklich?“ Diese achtsame Haltung, die für das CCL eine wichtige KlimaKultur-Wandel-Methode ist, hilft bei der Selbstbefreiung vom Suchtzwang der „Konsumbulimie“. Die Praxis der Achtsamkeit schärft die eigene Wahrnehmung und baut innere Stärke auf. Die werden wir garantiert brauchen, um uns gemeinsam durch die Transformation der kommenden Jahre zu navigieren.

In diesem Sinne uns allen eine klimafreundliche Navigation durch die Feiertagsklippen und einen EE*- Start ins neue Jahr!

(*energetisch erneuerten)

Wer noch mehr zur COP24 in Katowice und ihren Ergebnissen wissen will, findet hier weiter nützliche Informationen:

ZDF.de, faz.net, tagesschau.de ,  sueddeutsche.deklimareporter.de, dlf.de, BMU.de

Außerdem hat das österreichische Umweltministerium sehr gut lesbare Infos:

https://www.bmnt.gv.at/umwelt/klimaschutz/internationales/klimakonferenzen/Einigung-in-Katowice.html

https://www.bmnt.gv.at/umwelt/klimaschutz/internationales/klimakonferenzen/ergebnisse-cop24.html


[ Geändert: Donnerstag, 20. Dezember 2018, 18:59 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 25. Mai 2018, 07:17
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In lockerer Reihenfolge stellt CCL an dieser Stelle Inspirationen zum KlimaKulturWandel vor, die Kolleg*innen im Rahmen von NKI-Projekten, der TransitionTown-Bewegung oder einem vergleichbaren Umfeld durchgeführt haben. Dieses Mal präsentieren wir „KlimaKunstSchule“, durchgeführt von BildungsCent e.V.

Alter BH mit Gras gefüllt an Baum gebunden

Foto ©Kultur!ngenieur Felix Liebig

Da staunten die Besucher eines Einkaufszentrums in Hildesheim nicht schlecht. Teenager präsentierten auf dem Laufsteg der Shopping-Mall ungewöhnliche, selbstgeschneiderte Mode: Müll gesäumte Röcke, Kleider aus Duschvorhängen und Packpapier. In Bremen wiederum zogen 35 Schüler*innen als Stadtguerilla durch die Straßen und sprachen Passanten auf den Klimawandel an. Diese und viele andere kreative Ideen entwickelten junge Lernende und stellten sich so der Herausforderung, die Öffentlichkeit auf ihren Umgang mit der Umwelt aufmerksam zu machen.

Selten wurde besser deutlich, wie Kunst den KlimaKultur-Wandel beschleunigen kann. Der Verein BildungsCent e.V. hatte mit Unterstützung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) 49 Künstler*innen dazu motiviert, in etwa 200 Schulen zusammen mit den Lernenden klimabezogen und kreativ zu arbeiten. Als Input brachten die Kulturschaffenden je einen„artistic seed“ mit, ein kreatives Samenkorn. In ihm steckten überraschende und inspirierende Ideen, was Jede*r zu einer klimafreundlicheren Welt beitragen kann, aber ebenso viele neue Methoden, dies zum Ausdruck zu bringen. Ausgestattet mit diesem neuen Wissen und beflügelt von den Anregungen der Künstler, machten sich die Schüler nun daran, eigene KlimaKunst-Projekte zu entwerfen. Insgesamt beteiligten sich etwa 5000 Lernende und ihre Lehrer*innen an „KlimaKunstSchule.

Menschen in weißen Overalls auf Treppe tragen Bilder

Foto: Schüler*innen der Ida Ehre-Schule, Hamburg © BildungsCent e. V.

Das Ergebnis ist erstaunlich und kann auf der Projekt-Webseite nachgelesen werden: http://klimakunstschule.bildungscent.de/ Dort gibt es das Buch mit allen 49 künstlerischen „artistic seeds“. Aber auch 17 besonders gut gelungene Schülerprojekte sind dort dokumentiert, darunter die oben bereits erwähnten. Was dabei vielleicht am meisten ins Auge springt, das ist das Erstaunen der Lehrer*innen. Denn diese mussten im Verlauf des Projekts zugeben, dass sie ihren Schüler*innen viele der Leistungen nicht zugetraut hätten, ja, dass sie sich nicht einmal vorstellen konnten, dass junge Menschen sich so sehr für das Thema interessieren könnten.

Wenn man den Aufbau des Programms KlimaKunstSchule“ genauer betrachtet, verwundert das unerwartete Engagement jedoch nicht. Denn die initierenden Künstler*innen sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam, sie gingen auf die Bedürfnisse und Bedenken der Lernenden ein und sie brachen auch hin und wieder die Regeln. So aus dem gewohnten Korsett herausgelockt, spürten die Schüler*innen, dass sie tatsächlich gefragt waren. Viele trauten sich zum erstem Mal in der Öffentlichkeit aufzutreten, die Stimme zu erheben, sich selbst zu zeigen. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Baustein für Motivation. Wichtig war aber auch, dass die Künstler*innen, aber oft auch die Schulen den jungen Leuten den Rücken stärkten. So lässt sich Mut leichter erlernen.

Genau das scheint der Knackpunkt. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur Schulen, sondern auch Verwaltungen sich trauen würden, kunstinspirierte Workshops abzuhalten. Für die klimafreundliche Transformation der Gesellschaft ist Mut und Phantasie nötig, doch das will zunächst im sicheren Rahmen ausprobiert werden können. Das Projekt KlimaKunstSchule erarbeitete eine Blaupause, die zeigt, wie es gelingt, die Komfortzone der eigenen Routine zu verlassen. Künstler*innen haben die Fähigkeit, einen mentalen Raum aufzumachen, der ganz anderen Blickwinkel auf die Welt normal erscheinen lässt. Die direkte Erfahrung einer alternativen „Normalität“ in der Begegnung mit Künstler*innen könnte z.B. auch in Firmen und Verwaltungen ein Funken der spielerischen Entdeckerfreude losschlagen, der die Schüler*innen so beflügelt hat.

Viele Hände mit Eisbällen

Foto: Schüler*innen des Gymnasiums Stift Keppel, Nordrhein-Westfalen © BildungsCent e. V.

Für potentielle Nachahmer bietet KlimaKunstSchule tatsächlich Anregungen. Im zweiten Teil der Dokumentation ist die Umsetzung von Ideen dokumentiert, die einige der Künstler aus den „artistic seeds“ destilliert haben und die ganz unkompliziert nachgemacht werden können. Eine Kostprobe gefällig? Bitteschön: Verkehr ist in Deutschland die Ursache für rund 20% der CO2-Emissionen. Ein Fahrrad-Smartmob im Kreisverkehr erlaubt es Autofahrern, ein paar Minuten nachzudenken. Mit zwanzig oder dreißig Freund*innen ein Weilchen im Kreis fahren und den Verkehr lahmlegen ist ausdrücklich eine Aktion, für die man nie zu alt ist und die garantiert Wirkung entfaltet.

P.S. Die einzelnen künstlerischen „artistic seeds“ und die daraus hervorgegangenen Projekte können in der Projektpublikation "Klimaschutz ist eine Kunst" nachgelesen werden. Der Verein BildungsCent e.V. bietet sie hier zum Download an.

https://klimakunstschule.bildungscent.de/fileadmin/Klimakunstschule/Das_Buch_Download/KlimaKunstSchule-Buch.pdf

Vielen Dank an BildungCent e.V. an dieser Stelle für die Veröffentlichungsgenehmigung der Bilder in diesem Beitrag.

zwei künstlerische Bilder an Bauzaun

Foto: Schüler*innen der Gemeinschaftsschule Altenholz, Schleswig-Holstein © BildungsCent e. V.

[ Geändert: Freitag, 25. Mai 2018, 07:21 ]
 
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von Marian CCL - Dienstag, 6. März 2018, 21:17
Alle auf dieser Website
Kinder können manchmal so richtig nervig sein. Im besten Fall verändern sie dadurch die Welt - zumindest ein bisschen. So geschehen im Haushalt Pinzler-Wessel, als die 13-jährige Tochter von der Schule die Aufgabe nach Hause mitbrachte, den familiären CO2-Fußabdruck zu messen. Ein Jahr später war ein Buch fertig geschrieben und das Leben der Pinzler-Wessels auf den Kopf gestellt.

Illustration KlimaKultur-Wandel: Bild von Buch 4 fürs Klima

Bild CCL
















Petra Pinzler und Günther Wessel sind Journalisten, die sich von ihrer Tochter und ihrem Sohn inspirieren ließen, das Thema Klimawandel ernst zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis durchforsteten sie ihren gesamten Lebensstil und entdeckten immer neue Fragen und Herausforderungen. Wie führt man ein gutes und trotzdem CO2 armes Leben? Darf man in Urlaub fliegen? Wie steht es mit der Ernährung? Muss das Auto abgeschafft werden? Vor allem stellten sie fest, dass ihre neue Begeisterung für das Einsparen von Emissionen von Freunden teilweise als zu missionarisch empfunden wurde. Darauf galt es eine Antwort zu finden. Das CCL hat Petra Pinzler gefragt, welchen Weg sie gefunden hat, um mit anderen auf positiv angeregte Weise über "klimafreundliches Verhalten" zu sprechen.


Das sehr anschaulich geschriebene Buch "Vier fürs Klima" zeichnet sich nicht nur die eigenen Erfahrungen der Familie Pinzler-Wessel nach, sondern illustriert diese auch mit ausgezeichnet recherchierten Fakten. Heraus kam ein lebensnaher Bericht eines Selbstversuchs, der sich gerade deshalb zu lesen lohnt, weil er ehrlich ist. Er zeigt im Detail die Zweifel und Schwierigkeiten, aber auch die Erfolge auf dem Weg zu einem KlimaKultur-Wandel. Nicht nur zum Lesen, sondern zur Nachahmung empfohlen!



[ Geändert: Dienstag, 6. März 2018, 21:39 ]
 
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von Marian CCL - Mittwoch, 14. Februar 2018, 11:01
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Kuh hinter Baum

(Bild: Ross Sokolovski)

Wer die guten Vorsätze vom Jahresanfang schon wieder vergessen hat, bekommt am Aschermittwoch die Chance für einen Reset. Überschaubare 40 Tage lang kann man die Kraft der Tradition nutzen und sich für eine vorösterliche Askesephase entscheiden. Die Einhaltung der Fastenzeit war viele Jahrhunderte lang für die Menschen eine Selbstverständlichkeit. Warum also nicht dem Vorbild folgen und im Sinne eines Beitrags zum KlimaKultur-Wandel sich selbst ein CO2-verminderndes Fleischtabu auferlegen? Leider hat die Sache ein paar komplizierte Ecken und Kanten...

Zunächst eine interessante Tatsache: mehr als die Hälfte aller Deutschen findet es laut der jährlichen Forsa-Umfrage sinnvoll, sich vor Ostern im Verzicht zu üben. Nicht um, wie es früher hieß, dem Laster zu entsagen, sondern vor allem um sich selbst etwas Gutes zu tun. Auch wenn in diesem Jahr vor allem Süßigkeiten in den Tüten bleiben sollen, steht auch die Entscheidung für fünfeinhalb Wochen vegetarische Ernährung hoch im Kurs.

Und die klingt für umwelt- und klimabewusste Menschen besonders attraktiv. Denn, das hat sich inzwischen herumgesprochen: Viehwirtschaft ist CO2-intensiv. Tierische Produkte verursachen ungefähr 70% jener Treibhausgasemissionen, die durch unsere Ernährung entstehen – im Gegensatz zu den nur 30% für die Erzeugung von pflanzenbasierten Lebensmitteln.

Fleischfasten ist also erstmal prima, ohne Wenn und Aber. Kompliziert wird es erst bei der Frage, was denn als Ersatz für die tierische Nahrung gewählt wird. Besonders emissionsintensiv ist nämlich ALLES rund ums Rind. Kuh, Ochse oder Stier brauchen nicht nur flächenintensiv anzubauendes Kraftfutter, sie sondern auch Methan ab. Wer also Fleisch durch Milchprodukte ersetzt, hat nichts gewonnen. Denn ein durchschnittliches Kilo Kuhkäse, etwa Gouda, verbraucht ebenso viel CO2 bei der Erzeugung wie ein Kilo Schweinefleisch. Mindestens. Zu allem Überfluss müssen diese Zahlen auch noch mit Vorsicht betrachtet werden. Fleisch von einem mit Gensoja gefütterten Rind aus Argentinien weist andere Werte auf als von einem hiesigen Weidetier. Ebenso ist der handhergestellte Sennenkäse aus den Schweizer Alpen, der nicht exportiert wird, klimafreundlicher als dort produzierte Industrieware. Aber unterm Strich gilt: Eine Welt voller Veganer würde die ernährungsbedingten Treibhausgasemmissionen um 70 Prozent senken.

Zu solch einer radikalen Umstellung will sich nicht jede*r entschließen. Für die Fastenkur vor Ostern kann man sich deshalb grob an einigen Eckpunkten orientieren. Es ist besser regionale Hühnchenprodukte aus dem Biosupermarkt zu kaufen als Kuhkäse – allerdings sollte die Einkaufstour nicht mit dem Auto gemacht werden. Geflügelprodukte sind fast sechsmal weniger CO2-intensiv als Rindfleischprodukte. Wer auf Ziegen- und Schafskäse umsteigt oder sogar auf selbstgemachte Aufstriche und Pasteten aus Linsen, Bohnen und Erbsen, hilft dem Klima. Sinnvoll ist außerdem der Konsum von saisonalem und regionalem Gemüse – aber nur, solange es nicht aus einem beheizten Gewächshaus stammt. Marokkanische Freilandtomate statt Holland-Frucht, sozusagen, aber bitte keinen Flugspargel aus Südamerika....

Diese und viele weitere mögliche Beispiele zeigen, dass klimafreundliche Ernährung nicht durch eine einfache Verzichtsentscheidung zu haben ist. Vielleicht könnte deshalb die vorösterliche innere Einkehr ja eine ganz andere Form des Fastens annehmen. Zu denken wäre an eine Kombination aus Fleischverzicht und der Bereitschaft, die den Menschen normalerweise eigene Neigung zur intellektuellen Bequemlichkeit durch die Anstrengung zur Eigenrecherche zu ersetzen. Also ein echtes KlimaKultur-Wandel-Fitness-Programm! Denn leider ist es ein Kreuz mit dem CO2-Fasten. Man muss jedesmal genau hinschauen, nachfragen, nachdenken, Verhältnismäßigkeiten abwägen und mit Kreativität eigene Lösungen finden.

hilft dabei zu verstehen, wie sich der Fleischkonsum auf Natur und Gesellschaft auswirkt. Anregungen für sinnvolle Umstellungen finden sich oben in der angehängten Broschüre, die das Klima-Bündnis zwar für Großküchen erstellt hat, deren Tipps aber gleichwohl für den Privatgebrauch sehr praktisch sind. Weitergehende Unterstützung für eine innere Generalüberholung mit KlimaKultur-Wandelwirkung bietet außerdem die Fasten-Aktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Auch hier gilt: man braucht kein*e gläubige*r Christ*in zu sein, und auch nicht evangelisch oder norddeutsch, um das Angebot zu nutzen. Stattdessen geht es darum, das eigene Wohlbefinden durch neue Handlungsimpulse zu steigern und gleichzeitig für die Welt etwas Gutes zu tun.

Anfangen könnte man gleich heute damit, am Valentinstag. Denn die Rosen, die üblicherweise am 14.Februar verschenkt werden, sind ganz sicher nicht auf klimafreundliche Weise gewachsen. Wie wäre es, romantische selbst erdachte oder zu finden, die garantiert mehr überraschen als die überteuerte Standardblume? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Was sind Ihre Lösungen? Wie entscheiden Sie sich, wenn Sie auf dem Markt sind oder vor dem Supermarkt-Regal stehen? Was funktioniert für Sie am besten?

P.S. Hier anmelden um auf diesen Beitrag zu antworten.

Papierrosen

(Bild: CCL)

[ Geändert: Freitag, 16. Februar 2018, 11:44 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 22. Dezember 2017, 10:43
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Klimakulturwandel durch Busfahren: Bus vor winterlicher Alpenkulisse

"Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind zum Scheitern verurteilt! Mit dem Rauchen aufhören, gesünder leben, weniger Zeit am Smartphone verdaddeln – das klappt ja doch nicht“, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Die Psychologie hat jedenfalls erfolgversprechende Tricks für Verhaltensänderungen parat! Ganz konkret umsetzbare Maßnahmen bestimmen das Geheimrezept. Ein guter Plan ist dafür der Ausgangspunkt. Das selbstgewählte Ziel sollte erstens realistisch, aber zweitens auch anspruchsvoll sein. Eine kleine Herausforderung schadet also nicht! Nun denn: Ich schlage eine klimafreundliche Kulturwandel-Challenge für 2018 vor. Wer macht mit?

·        Bei Reisen bis 1.000 km nicht ins Flugzeug steigen

·        100 % Ökostrom beziehen

·        Leitungswasser statt Sprudel aus Flaschen trinken

·        Die Wohnraumtemperatur wo möglich auf maximal 20 Grad einstellen

·        Kein Fleisch essen (oder wenn, dann nur artgerecht und bio)

·        Den Kuhkäsekonsum begrenzen

·        Lebensmittel möglichst aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau kaufen

·        Auf Erdbeeren im Winter und „Exoten“ aus aller Welt weitgehend verzichten

·        Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren

Einiges davon klingt utopisch? Vielleicht… Umsetzungserfolge stellen sich laut psychologischer Expertise tatsächlich nur für die Menschen ein, die wirklich von den eigenen guten Vorsätzen überzeugt sind. An dieser Stelle möchte ich auf eine kleine Motivationshilfe hinweisen, die das CCL anbietet. Wie wäre es mit einem utopisch-weiten Blick über den eingeübten Alltagshorizont hinaus? Unser zweites CCL-Video „Die Kraft der Vision“ überrascht hier mit interessanten Anregungen.

Was ist eine Vision? „Etwas Attraktives, was uns in die Zukunft zieht.“ Das sagt der psychotherapeutisch tätige Arzt Theodor Dierk Petzold im Videointerview des ClimateCulture-Lab. Aus einer Vision der Naturverbundenheit und dem Leben in Gemeinschaft heraus initiierte er gemeinsam mit anderen in den 1980er-Jahren die neue Dorfgemeinschaft in Heckenbeck und gestaltet sie bis heute mit. Seine Vision der Kooperation von Mensch und Natur beruht auf dem Gefühl der Stimmigkeit. Wer ihm zuhört, spürt, was mit Vision gemeint ist. Seine lebendigen Bilder motivieren dazu, die eigenen Vorstellungen für ein Leben im Einklang mit der eigenen Umwelt wahrzunehmen und selbst vielleicht doch ein paar gute Vorsätze zu fassen. Hier geht es zum Filmclip.

Spannende weiterführende Anregungen, wie jeder und jede selbst Visionen zum klimafreundlichen Kulturwandel nutzen kann, bietet die zum Video angebotenen Handreichung "Kraft der Vision". Dort finden sich Methoden zur Visionsarbeit, aber auch Hinweise auf interessante Visionäre wie beispielsweise den Ökopionier Charles Kettering, der sagte: „Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.“

Wer sich von meinen persönlichen Challenge-Zielen inspiriert fühlt, findet auf der Konsumplattform Utopia noch eine Reihe weiterer Tipps zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks, und zwar hier und hier. Und damit wünsche ich allen Teilnehmerinnnen und Teilnehmern sowie allen Interessentierten am CCL, dem Klimakulturlabor, frohe Feiertage und ein klimafreundliches 2018. Mögen viele umsetzbare Vorsätze dieses neue Jahr begleiten!




[ Geändert: Freitag, 22. Dezember 2017, 11:05 ]
 
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Wunschzettel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann und das Christkind. Doch so selbstverständlich es uns im Dezember auch erscheint, eine Liste mit materiellen Herzenswunschgütern zu erstellen - dieser Brauch ist noch sehr jung. Er entstand im Zuge der industriellen Revolution als Verkaufstreiber für die Spielzeugindustrie. Heute, gegen Ende des fossilen Zeitalters, stellt sich die Frage, ob wir unsere innere Wunschlandschaft nicht an einem neuen Kompass ausrichten wollen. Denn für einen Klimakulturwandel braucht es eine Revolution der Träume und Sehnsüchte….

Weihnachtswunschzettel von Annika. Händi. Pony.

Weihnachten verkörpert einen seltsamen Widerspruch. Das Fest der Liebe übt uns jedes Jahr zum wiederholten Mal darin, Zuneigung an materiellen Geschenken fest zu machen. Dieser Brauch entstand jedoch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Leute wissen, dass er durch die aufblühende Spielzeugindustrie im Zuge der industriellen Revolution vorangetrieben wurde. Die Unternehmer druckten Blätter zum Ausfüllen, „auf denen die Kinder ihre Wünsche nur noch anzukreuzen brauchten“ , z.B. Zinnsoldaten, Trommeln oder Puppen. Damit mutierte die religiöse Feier von Christi Geburt zum emotionaler Anker für die Fähigkeit, schon in sehr jungen Jahren detaillierte materielle Besitzbedürfnisse formulieren zu können. Heutzutage landen Barbiepuppen, „Starwars“-Figuren, ferngesteuerte Autos, Drohnen und andere Elektronika oben auf der Wunschliste. Die aktuelle Geschenkhitparade ähnelt ihren etwa 150 Jahre alten Vorläufern; sie spiegelt unsere Gesellschaft. Nur stehen wir jetzt nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des fossilen Zeitalters. Wir wissen, dass Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung aufhören müssen. Wir wissen auch, dass Wunschfähigkeiten und Wünsche sich verändern können – das ist eine der wichtigsten Quellen für Kulturwandel!
Klima(-freundlicher) Kulturwandel, um genauer zu sein, braucht also eine Wunsch-Revolution, ein Ver-Lernen, eine Umgestaltung der privaten und gesellschaftlichen Traum-und Sehnsuchtslandschaften. Das, was tief von Herzen kommt, was uns antreibt, braucht --- ja was? Einen neuen Motor? Nein. Einen neuen Generator? Nein. Diese benzinbefeuerten Metaphern taugen nicht mehr. Eine ganz andere Energiequelle muss her, die uns neue Herzenswünsche schenkt! Wo finden wir sie? Die Antwort beginnt mit einem Blick nach innen.
Die Zahl derjenigen Menschen, die neue Wege erproben, um in der Alltagshektik zur Besinnung aufs Wesentliche zu kommen, nimmt bereits zu. In unserer Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Bei-sich-sein. Viele Menschen üben sich deshalb mit spezieller Hingabe in Meditation. Auch in der CCL-Reisestation „Alltagspraxis mit der ‚Glocke der Achtsamkeit‘“ gibt es dazu eine erste kleine Anleitung. Wer ihr folgt, erlebt, wie ein wundervoller Moment ins Leben gerufen wird!

Hände halten Kerze_für einen achtsamen Klimakulturwandel zu Weihnachten

Davon können wir uns inspirieren lassen! Entspannte Weihnachten – wäre das kein echter Herzenswunsch? Wie das geht? Vielleicht mit einer bewussten Entscheidung für einen gemeinsam neu geschaffenen 24. Dezember voller Liebe und Schönheit? Man könnte mit duftenden Kerzen statt elektrischem Licht eine besondere Atmosphäre zaubern und den Adventsbrauch des „Geschenkewichtelns“ auf den Heiligabend verlegen. Dabei wird jeweils pro Person nur ein kleines Präsent überreicht und empfangen, dieses sollte aber sehr phantasievoll sein. Oder man könnte die Idee des Geschenks selbst neu erfinden und Zeit im neuen Jahr anbieten, beispielsweise für gemeinsame schöne Erlebnisse. Und wenn so gar kein Einfall kommen mag, könnten wir Freude schenken und sagen: Ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du da bist“ statt eine oft peinliche Verlegenheitslösung zu kaufen. Warum also nicht ein ganz eigenes Achtsamkeitsfest feiern, in dem ein „Kind in der Krippe“ eventuell auch wieder Platz hat?
Achtsamkeit, wie sie uns etwa der Mönch Thich Nhat Hanh hier auf der CCL-Plattform zeigt, ist eine Schlüsselkompetenz im Klimakulturwandel, gleichzeitig gibt es eine starke Parallele zum wichtigsten Gedanken des Weihnachtsfestes: die Liebe. „Wenn wir das Geschenk, das Vermögen und die Schönheit der Erde spüren und wahrnehmen, wird etwas in uns geboren, eine spezielle Verbindung – die Liebe wird geboren,“ sagt Thich Nhat Hanh in einem Interview mit dem Guardian. Der Kulturwandel, der notwendig ist, beginne mit der Erkenntnis, dass wir die Natur in uns tragen. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen, wenn wir bewusst wahrnehmen, begreifen wir, dass es keine wirkliche Trennung zwischen uns und der sogenannten Umwelt gibt, so der buddhistische Mönch. Ich möchte ergänzen: Aus solchem gefühlten Verständnis entstehen neue Bedürfnisse.

Weihnachtsbaum Kinder Achtsamkeit Klimakulturwandel

Natürlich erzeugt Meditation keine glänzenden Kinderaugen unterm Christbaum. Aber aus dem Gefühl der Achtsamkeit heraus können wir neue Ritualskripte für das Fest entwickeln oder einfach alte wiederbeleben. Müssen es wirklich die Gans und die Verpackungsberge sein? Warum aus dem Weihnachtsfest nicht ein Fest zum Staunen über die Schönheit dieser Welt machen? Warum nicht mal bewusst und freudvoll durchatmen? Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Sammlung für eine Hitparade der Klimakulturwandel-Weihnachtswünsche eröffnen: Wir vom CCL wünschen uns und Ihnen viele wundervolle Momente der Liebe und Achtsamkeit! Haben Sie schon Erfahrungen mit einem etwas anderen Weihnachtsritual? Dann freuen wir uns über Ihre Kommentare! (Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bitte auf der Plattform registrieren.)
[ Geändert: Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:29 ]