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von Marian CCL - Freitag, 22. Dezember 2017, 10:43
Weltweit öffentlich

Klimakulturwandel durch Busfahren: Bus vor winterlicher Alpenkulisse

"Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind zum Scheitern verurteilt! Mit dem Rauchen aufhören, gesünder leben, weniger Zeit am Smartphone verdaddeln – das klappt ja doch nicht“, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Die Psychologie hat jedenfalls erfolgversprechende Tricks für Verhaltensänderungen parat! Ganz konkret umsetzbare Maßnahmen bestimmen das Geheimrezept. Ein guter Plan ist dafür der Ausgangspunkt. Das selbstgewählte Ziel sollte erstens realistisch, aber zweitens auch anspruchsvoll sein. Eine kleine Herausforderung schadet also nicht! Nun denn: Ich schlage eine klimafreundliche Kulturwandel-Challenge für 2018 vor. Wer macht mit?

·        Bei Reisen bis 1.000 km nicht ins Flugzeug steigen

·        100 % Ökostrom beziehen

·        Leitungswasser statt Sprudel aus Flaschen trinken

·        Die Wohnraumtemperatur wo möglich auf maximal 20 Grad einstellen

·        Kein Fleisch essen (oder wenn, dann nur artgerecht und bio)

·        Den Kuhkäsekonsum begrenzen

·        Lebensmittel möglichst aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau kaufen

·        Auf Erdbeeren im Winter und „Exoten“ aus aller Welt weitgehend verzichten

·        Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren

Einiges davon klingt utopisch? Vielleicht… Umsetzungserfolge stellen sich laut psychologischer Expertise tatsächlich nur für die Menschen ein, die wirklich von den eigenen guten Vorsätzen überzeugt sind. An dieser Stelle möchte ich auf eine kleine Motivationshilfe hinweisen, die das CCL anbietet. Wie wäre es mit einem utopisch-weiten Blick über den eingeübten Alltagshorizont hinaus? Unser zweites CCL-Video „Die Kraft der Vision“ überrascht hier mit interessanten Anregungen.

Was ist eine Vision? „Etwas Attraktives, was uns in die Zukunft zieht.“ Das sagt der psychotherapeutisch tätige Arzt Theodor Dierk Petzold im Videointerview des ClimateCulture-Lab. Aus einer Vision der Naturverbundenheit und dem Leben in Gemeinschaft heraus initiierte er gemeinsam mit anderen in den 1980er-Jahren die neue Dorfgemeinschaft in Heckenbeck und gestaltet sie bis heute mit. Seine Vision der Kooperation von Mensch und Natur beruht auf dem Gefühl der Stimmigkeit. Wer ihm zuhört, spürt, was mit Vision gemeint ist. Seine lebendigen Bilder motivieren dazu, die eigenen Vorstellungen für ein Leben im Einklang mit der eigenen Umwelt wahrzunehmen und selbst vielleicht doch ein paar gute Vorsätze zu fassen. Hier geht es zum Filmclip.

Spannende weiterführende Anregungen, wie jeder und jede selbst Visionen zum klimafreundlichen Kulturwandel nutzen kann, bietet die zum Video angebotenen Handreichung "Kraft der Vision". Dort finden sich Methoden zur Visionsarbeit, aber auch Hinweise auf interessante Visionäre wie beispielsweise den Ökopionier Charles Kettering, der sagte: „Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.“

Wer sich von meinen persönlichen Challenge-Zielen inspiriert fühlt, findet auf der Konsumplattform Utopia noch eine Reihe weiterer Tipps zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks, und zwar hier und hier. Und damit wünsche ich allen Teilnehmerinnnen und Teilnehmern sowie allen Interessentierten am CCL, dem Klimakulturlabor, frohe Feiertage und ein klimafreundliches 2018. Mögen viele umsetzbare Vorsätze dieses neue Jahr begleiten!




[ Geändert: Freitag, 22. Dezember 2017, 11:05 ]
 
Weltweit öffentlich
Wunschzettel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann und das Christkind. Doch so selbstverständlich es uns im Dezember auch erscheint, eine Liste mit materiellen Herzenswunschgütern zu erstellen - dieser Brauch ist noch sehr jung. Er entstand im Zuge der industriellen Revolution als Verkaufstreiber für die Spielzeugindustrie. Heute, gegen Ende des fossilen Zeitalters, stellt sich die Frage, ob wir unsere innere Wunschlandschaft nicht an einem neuen Kompass ausrichten wollen. Denn für einen Klimakulturwandel braucht es eine Revolution der Träume und Sehnsüchte….

Weihnachtswunschzettel von Annika. Händi. Pony.

Weihnachten verkörpert einen seltsamen Widerspruch. Das Fest der Liebe übt uns jedes Jahr zum wiederholten Mal darin, Zuneigung an materiellen Geschenken fest zu machen. Dieser Brauch entstand jedoch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Leute wissen, dass er durch die aufblühende Spielzeugindustrie im Zuge der industriellen Revolution vorangetrieben wurde. Die Unternehmer druckten Blätter zum Ausfüllen, „auf denen die Kinder ihre Wünsche nur noch anzukreuzen brauchten“ , z.B. Zinnsoldaten, Trommeln oder Puppen. Damit mutierte die religiöse Feier von Christi Geburt zum emotionaler Anker für die Fähigkeit, schon in sehr jungen Jahren detaillierte materielle Besitzbedürfnisse formulieren zu können. Heutzutage landen Barbiepuppen, „Starwars“-Figuren, ferngesteuerte Autos, Drohnen und andere Elektronika oben auf der Wunschliste. Die aktuelle Geschenkhitparade ähnelt ihren etwa 150 Jahre alten Vorläufern; sie spiegelt unsere Gesellschaft. Nur stehen wir jetzt nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des fossilen Zeitalters. Wir wissen, dass Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung aufhören müssen. Wir wissen auch, dass Wunschfähigkeiten und Wünsche sich verändern können – das ist eine der wichtigsten Quellen für Kulturwandel!
Klima(-freundlicher) Kulturwandel, um genauer zu sein, braucht also eine Wunsch-Revolution, ein Ver-Lernen, eine Umgestaltung der privaten und gesellschaftlichen Traum-und Sehnsuchtslandschaften. Das, was tief von Herzen kommt, was uns antreibt, braucht --- ja was? Einen neuen Motor? Nein. Einen neuen Generator? Nein. Diese benzinbefeuerten Metaphern taugen nicht mehr. Eine ganz andere Energiequelle muss her, die uns neue Herzenswünsche schenkt! Wo finden wir sie? Die Antwort beginnt mit einem Blick nach innen.
Die Zahl derjenigen Menschen, die neue Wege erproben, um in der Alltagshektik zur Besinnung aufs Wesentliche zu kommen, nimmt bereits zu. In unserer Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Bei-sich-sein. Viele Menschen üben sich deshalb mit spezieller Hingabe in Meditation. Auch in der CCL-Reisestation „Alltagspraxis mit der ‚Glocke der Achtsamkeit‘“ gibt es dazu eine erste kleine Anleitung. Wer ihr folgt, erlebt, wie ein wundervoller Moment ins Leben gerufen wird!

Hände halten Kerze_für einen achtsamen Klimakulturwandel zu Weihnachten

Davon können wir uns inspirieren lassen! Entspannte Weihnachten – wäre das kein echter Herzenswunsch? Wie das geht? Vielleicht mit einer bewussten Entscheidung für einen gemeinsam neu geschaffenen 24. Dezember voller Liebe und Schönheit? Man könnte mit duftenden Kerzen statt elektrischem Licht eine besondere Atmosphäre zaubern und den Adventsbrauch des „Geschenkewichtelns“ auf den Heiligabend verlegen. Dabei wird jeweils pro Person nur ein kleines Präsent überreicht und empfangen, dieses sollte aber sehr phantasievoll sein. Oder man könnte die Idee des Geschenks selbst neu erfinden und Zeit im neuen Jahr anbieten, beispielsweise für gemeinsame schöne Erlebnisse. Und wenn so gar kein Einfall kommen mag, könnten wir Freude schenken und sagen: Ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du da bist“ statt eine oft peinliche Verlegenheitslösung zu kaufen. Warum also nicht ein ganz eigenes Achtsamkeitsfest feiern, in dem ein „Kind in der Krippe“ eventuell auch wieder Platz hat?
Achtsamkeit, wie sie uns etwa der Mönch Thich Nhat Hanh hier auf der CCL-Plattform zeigt, ist eine Schlüsselkompetenz im Klimakulturwandel, gleichzeitig gibt es eine starke Parallele zum wichtigsten Gedanken des Weihnachtsfestes: die Liebe. „Wenn wir das Geschenk, das Vermögen und die Schönheit der Erde spüren und wahrnehmen, wird etwas in uns geboren, eine spezielle Verbindung – die Liebe wird geboren,“ sagt Thich Nhat Hanh in einem Interview mit dem Guardian. Der Kulturwandel, der notwendig ist, beginne mit der Erkenntnis, dass wir die Natur in uns tragen. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen, wenn wir bewusst wahrnehmen, begreifen wir, dass es keine wirkliche Trennung zwischen uns und der sogenannten Umwelt gibt, so der buddhistische Mönch. Ich möchte ergänzen: Aus solchem gefühlten Verständnis entstehen neue Bedürfnisse.

Weihnachtsbaum Kinder Achtsamkeit Klimakulturwandel

Natürlich erzeugt Meditation keine glänzenden Kinderaugen unterm Christbaum. Aber aus dem Gefühl der Achtsamkeit heraus können wir neue Ritualskripte für das Fest entwickeln oder einfach alte wiederbeleben. Müssen es wirklich die Gans und die Verpackungsberge sein? Warum aus dem Weihnachtsfest nicht ein Fest zum Staunen über die Schönheit dieser Welt machen? Warum nicht mal bewusst und freudvoll durchatmen? Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Sammlung für eine Hitparade der Klimakulturwandel-Weihnachtswünsche eröffnen: Wir vom CCL wünschen uns und Ihnen viele wundervolle Momente der Liebe und Achtsamkeit! Haben Sie schon Erfahrungen mit einem etwas anderen Weihnachtsritual? Dann freuen wir uns über Ihre Kommentare! (Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bitte auf der Plattform registrieren.)
[ Geändert: Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:29 ]