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von Marian CCL - Dienstag, 5. März 2019, 12:37
Weltweit öffentlich

Aufnahme der Erde aus dem All















Erstes Farbfoto der ganzen Erde, aufgenommen vom Satelliten ATS-3 am 10.11.1967

Es gibt Momente im Leben, da werden wir daran erinnert, dass es mehr gibt als nur die Alltagswelt. Das ist sicherlich an Festtagen der Fall oder im Urlaub. Heute wollen wir aber nicht über fröhliches Loslassen oder seichte Entspannung reden. Stattdessen geht es um intensive innere Erfahrungen: dann, wenn sich alles in einem zusammenzieht. Der Ausdruck „alles zieht sich zusammen“ passt in ganz unterschiedlichen Situationen. Wenn man Hunger hat, wird der Magen klein. Wenn man eine sehr traurige Nachricht hört, ballen sich die Gefühle zu einem Kloß im Hals. Wenn man friert, spannen sich die Muskeln an. Wenn man sich konzentriert, ziehen sich alle Gedanken zusammen. Mit anderen Worten: Etwas verdichtet sich – und gleichzeitig ist unsere Wahrnehmung fokussiert. Um diese Verdichtung und die damit einhergehende veränderte Wirklichkeitserfahrung geht es in den nächsten 40 Tagen für viele Menschen (nicht nur) in Deutschland und auch im CCL.

Zu Beginn dieses kommenden Zeitabschnitts steht die Aussicht auf ein trauriges Ereignis. Noch vor zweihundert Jahren wäre außer Frage gestanden, welche niederschmetternde Nachricht der Aschermittwoch ankündigt: die Aussicht auf Karfreitag, das Beweinen des Todes Christi. Für Viele spielt dies heute keine Rolle mehr. Aber immer mehr Menschen begreifen, dass das, was Christen „Schöpfung“ nennen, vom Tode bedroht ist: durch den Klimawandel, das Artensterben, die Ressourcen-erschöpfung, die Versauerung der Meere, die (Plastik)-Mülllawinen, die Bodenversiegelung, die Überdüngung usw. Noch gibt es Hoffnung, dies abzuwenden. Und immer mehr Menschen spüren, dass sie ihren Teil dazu beitragen sollten – und vielleicht auch wollen. Die Schwierigkeit ist nur: wie anfangen?

Lassen Sie sich doch von der Fastenzeit inspirieren! Für Christen gibt es gleich zwei passende kirchliche Aktion: „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ und „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“. Der Mensch als unverbesserlicher Bequemlichkeitssucher bekommt hier einen freundlichen Nasenstubser, sich an die selbige zu fassen und wenigstens während einer überschaubaren Zeitspanne ehrlich zu sein. Weil wenn wir aufhören, uns selbst etwas vorzumachen, können wir vor der Wahrheit kaum die Augen verschließen. Es ist höchste Zeit.

Aber auch Nicht-Christen finden zurzeit auf fast allen Medienkanälen eine Vielzahl von Tipps - die Fastenzeit ist „in“. Gern wird die Gelegenheit beim Schopf gegriffen, sich selbst einen Ruck zu geben und zumindest für eine überschaubare Zeit „alles richtig zu machen“. Keine Süßigkeiten, kein Alkohol, keine sozialen Medien, kein Plastik und –natürlich- der Klassiker, kein Fleisch. Viele weitere Beispiele sind denkbar. Meist haben diese Angebote keinen klimafreundlichen Aufhänger. Und doch tragen alle, die sich daran beteiligen, ein bisschen zu einer so nötigen neuen Kultur der Mäßigung bei. Es ist eine Einübung in Genügsamkeit, eine Zusammenziehung. Soweit die Oberfläche.

Aber wären die 7 Wochen rund um den Frühlingsanfang nur ein beliebiges Freizeitprogramm zum „Gürtel-enger-schnallen“– dann wäre das Fastenphänomen vor Ostern schnell wie eine Modewelle vorbeigeschwappt. Stattdessen haben wir es gefühlt mit einer anschwellenden Bewegung zu tun. Was ist da los? Woher kommt dieses Bedürfnis nach Verzicht? Sicherlich liegt die Selbstbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme aufgrund nachweislicher Gesundheitsvorteile im Trend. Aber das wäre zu einfach gedacht. Das Fasten im klassischen Sinn diente immer auch der Schärfung der eigenen Sinne. Vorbild war Jesus, der sich 40 Tage lang in der Wüste auf seine Passionsaufgabe vorbereitete. Das Gebet, die Selbstbesinnung gehörten immer schon dazu. Übersetzt in die heutige Zeit könnte man sagen: Fasten ist die Chance, auf den erprobten Spuren eines jahrtausendealten Pfades aus dem Alltag herauszutreten. Ein Stück weit, wie der Mensch von heute es halt so schafft. Aber immerhin. Sieben Wochen lang selbstbestimmter Verzicht ist eine Übung, die die Besinnung aufs Wesentliche ermöglicht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Um diese Frage geht es.

Die Asche, die Kirchgänger am Aschermittwoch auf ihr Haupt gestreut bekommen, soll an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Umgangssprachlich und ganz religionsfrei ausgedrückt: daran, dass dem eigenen „Ich-will, Ich-will“ natürliche Grenzen gesetzt sind. Das betrifft auch unser gewohntes Alltagskostüm bestehend aus oft unbewussten Grundannahmen, die unsere Wahrnehmungen, Deutungen, Verhaltensmuster und Vorlieben bestimmen. In diesem Sinn ist die Fastenidee eine Chance, das Alte hinter sich zu lassen und im besten Fall über sich selbst hinauszuwachsen. Die Selbstbeschränkung hilft raus dem Trott, sie erzeugt eine innere Konzentration und öffnet die Sinneserfahrung. Einfache Beispiele hierfür wären der Verzicht aufs Auto oder das Entrümpeln des Kleiderschranks. Im besten Fall spürt man, wieviel Überflüssiges man im Lauf der Jahre oft aus Frust zusammengekauft hat oder wie sehr die Verkehrshektik das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigt. Was aber wären wirklich sinnvolle und erfüllende Alternativen zur konsumgesteuerten Ersatzbefriedigung?

Damit haben wir die Oberfläche verlassen. Fasten als Erfahrungsverdichtung bietet die Möglichkeit, in eine neue Haltung einzutauchen. Genau dazu möchte das CCL als Labor zur Entwicklung und Erprobung klimafreundlicher Werte anregen. Weil Menschen sehr unterschiedlich sind, sind auch die Wege, sich einem konzentrierten, genügsamen, erfüllten, CO2-armen Leben anzunähern, vielfältig. Für eine enkeltaugliche Zukunft sind sie alle wichtig: Fahrrad statt Auto, Reisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug, Gemüse statt Fleisch, erneuerbare Energien statt Kohlestrom, gemeinsame Erlebnisse in der Natur statt Besuch im Shopping-Paradies, selbst mitgebrachte Gefäße und Taschen statt Plastikmüll.

Das verbindende Element einer gemeinsamen Fastenaktion kann aber noch mehr als die Summe dieser (und vieler weiterer) Elemente sein. Es kann, ausgehend von einer bewusst gewählten Konzentration aufs Wesentliche, eine Rückbesinnung auf die Schönheit der Erde sein, wie sie im poetischen Begriff vom blauen Planeten zum Ausdruck kommt. Dies würde bedeuten, sich täglich mit einer kleinen Aufmerksamkeitsübung ein Beispiel für diese natürliche Schönheit zu suchen und die Freude darüber tief in sich zu fühlen. Sei es das Lächeln des eigenen Kindes, das Rascheln eines Blattes, der Geschmack der Karotte, das beeindruckende Rauschen von Wind in hohen Bäumen, das Zwitschern eines Vogels, das dramatische Wolkenschauspiel am Himmel. Und dann nur noch diesen Moment zu spüren und sich selbst vergessen…

Diesen Überlegungen und Einsichten Taten folgen lassen, dazu will unser 40-tägiges Programm ganz praktisch inspirieren. Wir lehnen uns damit an die weiter oben erwähnte Aktion „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“ an, aber bewusst ohne kirchlichen Fokus! Eingeteilt ist der Zeitraum in sieben (eigentlich sechseinhalb) Wochen, die alle ein eigenes Motto und ein eigenes Fastenziel haben. Dies soll einen Ausschnitt aus der breiten Palette an notwendigen Veränderungen im Alltagsverhalten abbilden. Passend zu diesen Leitthemen werden wir im Forum hier auf der Plattform wöchentlich Gedankenanstöße anbieten, damit wir uns gemeinsam über unsere Aktion austauschen und motivieren können. Für Nutzer*innen der sozialen Medien haben wir sogar täglich eine kleine Ermunterung für ein nachhaltiges klimafreundliches Leben auf Facebook. Und das sind unsere Themen:

Woche 1, 06.3.-10.3.2019 - Allgemeine Einstimmung – Besinnung aufs Wesentliche

Woche 2, 11.3.-17.3.2019 - Ernährung – Das tut Körper und Klima gut

Woche 3, 18.3.-24.3.2019 – Konsum - Darf’s ein bisschen weniger sein?

Woche 4, 25.3.-31.3.2019 – Energiewende – Fürs Klima und den Geldbeutel

Woche 5, 01.4-07.4.2019 – Mobilität - Gesund und klimafreundlich von A nach B

Woche 6, 08.4.-14.4.2019 – Plastik – Müll fasten

Woche 7, 15.4.-21.4.2019 – WIR-Kultur - Gemeinsam machen wir uns stark – fürs Klima!

sowie als Sonderthema zu Woche 7: Klimafreundlliche WIR-Kulturen aus Göttingen! Entdecken Sie den Sonnifanten und viele andere, fröhliche und inspirierende Beispiele.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zeit mit Ihnen und anregende Diskussionen im Forum.



[ Geändert: Mittwoch, 17. April 2019, 10:26 ]
 
Weltweit öffentlich

CO2-Minderungspfade

Wenn in der Diskussion um den Klimawandel in den letzten Jahren eines sicher war, dann das: der nervöse Blick auf  Emissionsreduktionskurven die den Zusammenhang zwischen CO2-Reduktionspfad und Zeithorizont zeigen. Wir lernen: wäre die Klimaschutzkonferenz 2009  in Kopenhagen erfolgreich gewesen, müssten sich die Politiker heute nicht die Köpfe über schnelle und hohe Minderungsraten zerbrechen (rote Linie). Wirksame Veränderungen wurden Jahr um Jahr auf die lange Bank geschoben und die Treibhausgaskonzentration ist sogar weiterhin gestiegen (410 ppm im Jahr 2018 versus 380 im Jahr 2008).

Nun ist dies hier kein Blog für wissenschaftliche Zahlenspiele, sondern für KlimaKultur-Wandel. Dennoch ist es wichtig sich klar zu machen, dass die beiden Grafiken mit wenigen dünnen Linien eine simple Realität illustrieren: in knapp zehn Jahren muss sich unser gesamtes Leben radikal ändern. Mit „uns“ sind dabei all die Länder gemeint, deren heutiger CO2-Ausstoß bei über einer Tonne pro Person und Jahr liegt (Wir erinnern uns: in Deutschland sind wir derzeit noch bei zehn). Hat nun die am späten Samstagabend beendete UN-Klimakonferenz in Katowice einen entscheidenden Schritt in diese Richtung getan?

Gruppe der High Ambition Coalition


                                                                                                       

Formal gesehen lässt sich die Frage mit „nicht entscheidend, aber ein bisschen“ beantworten, inhaltlich eher mit „nein“. Ein bisschen, weil mit dem Katowicer Klimapaket tatsächlich das im 2015er Klimavertrag vorgesehene Regelbuch von allen 196 Vertragsstaaten verabschiedet wurde, das für die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels verbindliche Umsetzungsleitlinien vorschreibt. Diese machen den Ländern detaillierte Kontrollvorgaben zur Messung und Offenlegung ihrer Emissionen sowie zur Verbesserung und Aktualisierung ihrer Emissionspläne. Auch beim Thema Klimafinanzierung einigte man sich auf ein Berichtswesen und Buchhaltungsregeln. Unterm Strich gibt es jetzt also eine Betriebsanleitung, wie der Reduktionsprozess weltweit funktionieren kann.

Das inhaltliche „Nein“ hat dagegen viele Facetten. Die Vereinbarkeit der internationalen Finanzflüsse mit den Pariser Klimazielen ist zwar sehr hilfreich, aber das avisierte „level of ambition“, also die gemeinsam angepeilten Einsparungsanstrengungen, sind eindeutig ungenügend. Nur zwei Beispiele: USA, Russland und Saudi-Arabien weigerten sich, den von der Klimarahmenkonvention UNFCC selbst in Auftrag gegeben IPCC-Sonderbericht zu den Folgen einer Erwärmung um 1,5 Grad zu begrüßen. Man nahm die warnenden Ausführungen lediglich zur Kenntnis und senkte mit diesem entmutigenden Signal den gemeinsam vereinbarten Handlungsdruck. Schon hier zeigt sich, wie sehr auch in Katowice die bisherige Chronik des Zögerns fortgeschrieben wird.

Ein weiteres Merkmal der nur gebremsten Handlungsbereitschaft der Staatengemeinschaft ist das Vertagen strittiger Fragen. Dies ist der zweite inhaltliche Misserfolg von Katowice, z.B. Stichwort Schlupflöcher. Dabei geht es um das technisch schwierige Kapitel CO2-Handel, also um die gegenseitige Verrechnung von Klimaschutzmaßnahmen. Einige Länder wie etwa die Schweiz wollen sich von Reduktionsverpflichtungen im eigenen Land teilweise freikaufen, indem sie CO2-Einsparprojekte anderswo, etwa in Brasilien finanziell ermöglichen. Nun forderte aber Brasilien in Katowice, dass diese Einsparungen ebenfalls Brasilien angerechnet werden müssten, was auf eine doppelte Zählung hinausliefe. Eine abwegige Idee, deren Lösung sich als zu kompliziert erwies und die auf die nächste COP verschoben wurde.

Ob die Verhandlungen diesen Konflikt 2019 lösen können, steht in den Sternen, denn dann wird der neue rechtskonservative Präsident Jair Bolsonaro im Amt sein, für den Umwelt- und Klimaschutz ebenso zweitrangig sind wie für den derzeitigen US-Präsidenten. Es bleibt hier zu hoffen, dass mit dem progressiven Chile als Austragungsort für die nächste COP in Südamerika ein klimafeindlicher Dominoeffekt, ausgelöst von Bremserstaaten, verhindert wird. Denn trotz aller Schwierigkeit lebt der Geist des Multilateralismus mit der Verabschiedung des Regelbuchs. Die Einigung und das Schlussdokument von Katowice können auch als Beleg dafür gesehen werden, dass die Weltgemeinschaft bereit und handlungsfähig ist, den Klimaschutz gemeinsam voranzutreiben.

Womit wir zur Anfangsfrage zurückkehren, was das alljährliche Konferenzritual denn nun eigentlich bringt. Tagesschaukommentator Werner Eckert zieht folgendes Fazit aus Katowice: „Beim derzeitigen Tempo bremst alles, was bisher beschlossen wurde, die Erderwärmung, aber es verhindert die Heißzeit nicht.“ Hinderungsfaktoren für ein rasches Handeln sind bekanntermaßen die kurzfristigen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen der Länder: unter anderem wären da das Erdöl der Golfstaaten, der Wunsch nach ebenbürtiger ökonomischer Entwicklung der Schwellenländer, die technischen Exportgüter von Ländern wie Deutschland oder weltpolitische Pokerspielattitüden etwa von Russland. Das Ringen um einen Konsens zwischen diesen antagonistischen Kräften erzeugt einen zähen Prozess, der bisher keine fundamentalen Veränderungen einleiten konnte, weil dazu die politische Bereitschaft in den für den Prozess entscheidenden Ländern immer noch fehlt. Gleichzeitig spiegelt sich in dem gemeinsamen Vorgehen aber das historisch einzigartige Bemühen, auf demokratische Weise eine gemeinsame Willensbildung herbeizuführen. Das sollte man angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer Kräfte nicht vergessen

Zu einer lebenswerten Gesellschaft gehört (neben sozialer Gerechtigkeit!) nicht nur die Freiheit von desaströsen menschenverursachten Naturereignissen, sondern auch die Freiheit zur Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Letzteres ist nur in einem demokratischen Prozess möglich, den man aushalten muss (wie es so schön heißt) – und dessen Ausgang immer ungewiss ist. Gerade weil die Klimaschutzkonferenzen keine von „oben“ diktierten Einzelveranstaltungen sind, sondern ein weltweiter Prozess, sind sie offen für historische, eventuell auch disruptive Entwicklungen.

Politische Veränderungen gehen manchmal schnell, und zwar dann, wenn die Zeit reif ist. Dieses Jahr konnte man spüren, wie es unter der Oberfläche zu brodeln begann. Weltweit kämpfen NGOs für den Kohleausstieg, andere Lebensstile wie etwa vegane Ernährung werden immer populärer. Waldbrände und der Hitzesommer haben vielen Menschen zu denken gegeben, das Wort des Jahres in Deutschland heißt „Heißzeit“. Auch bei uns wird deutlich, dass der Klimawandel ganz reale Wirtschaftsfolgen haben wird, wie das Umweltbundesamt in seiner jüngsten Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es jede Menge weiterer Entwicklungen, die (auch in Kombination) mögliche sprunghafte Dynamiken auslösen können – z.B. Verlust an Biodiversität, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, aber auch soziale Phänomene wie die Digitalisierung der Arbeitswelt, Krisen, Kriege, Flucht. Vor diesem Hintergrund sind tiefgreifende Änderungen in den nächsten zehn Jahren sehr wahrscheinlich -fragt sich nur, wie freiwillig, wie demokratisch, wie bewusst wir sie noch steuern werden können, wenn wir nicht bald einlenken.

Wo unsere Wohlstandsgesellschaft mit ihren Einkaufsroutinen aktuell steht, das zeigt sich an Weihnachten in konzentrierter Form. Angesichts der Massen an Plastikweihnachts- und Wohlstandsmüll möchte man nur ganz laut „Halt“ rufen. Doch was dann, wenn wir die Stopptaste wieder lösen? Das mindeste, was jede*r Einzelne sofort tun kann, ist, sich bei jedem Kauf zu fragen: „Brauche ich das wirklich?“ Diese achtsame Haltung, die für das CCL eine wichtige KlimaKultur-Wandel-Methode ist, hilft bei der Selbstbefreiung vom Suchtzwang der „Konsumbulimie“. Die Praxis der Achtsamkeit schärft die eigene Wahrnehmung und baut innere Stärke auf. Die werden wir garantiert brauchen, um uns gemeinsam durch die Transformation der kommenden Jahre zu navigieren.

In diesem Sinne uns allen eine klimafreundliche Navigation durch die Feiertagsklippen und einen EE*- Start ins neue Jahr!

(*energetisch erneuerten)

Wer noch mehr zur COP24 in Katowice und ihren Ergebnissen wissen will, findet hier weiter nützliche Informationen:

ZDF.de, faz.net, tagesschau.de ,  sueddeutsche.deklimareporter.de, dlf.de, BMU.de

Außerdem hat das österreichische Umweltministerium sehr gut lesbare Infos:

https://www.bmnt.gv.at/umwelt/klimaschutz/internationales/klimakonferenzen/Einigung-in-Katowice.html

https://www.bmnt.gv.at/umwelt/klimaschutz/internationales/klimakonferenzen/ergebnisse-cop24.html


[ Geändert: Donnerstag, 20. Dezember 2018, 18:59 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 17. August 2018, 16:42
Weltweit öffentlich

Weintrauben

Bild: Usien*

Wußten Sie, wie die Weinkategorie „Spätlese“ entstand? Die Antwort finden Sie in unserer CCL-Pressespätlese zum langsam beginnenden Sommerausklang. Der Tenor der Artikel ist leider nicht immer weinselig beschwingt-dionysisch, denn der Hitzesommer brachte eine signifikante Verschiebung mit sich. Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass etwas nicht stimmt mit dem Wetter. Aber begreifen wir wirklich, was da geschieht und wovon wir in diesen Tagen Zeugen wurden?

Langsam geht es in den Endspurt für diesen Sommer –zumindest, wenn man der Vorhersage fallender Temperaturen für die zweite Hälfte der nächsten Woche Glauben schenkt. Ob die ausgetrockneten Stadtbäume dann auch tatsächlich ausreichend Regen bekommen, bleibt abzuwarten. Ein endgültiges Fazit der vorangegangenen Hitzemonate wäre noch zu früh. Was, wenn es beispielsweise mit dem Wetter einfach so weiterginge, etwa wie im Jahr 1540? Damals herrschte eine beispiellose Trockenphase in Europe, die sich durchaus wiederholen könne, so der pensionierte Klimaforscher Christian Pfister. Über seine Arbeit und die Parallelen zu heute berichtet ein Artikel in Spektrum.de. (Dort findet sich auch der Hinweis auf die Entstehung der Spätlese.)

Aber auch wenn sich bald ein ganz normaler Herbst einstellen sollte – die Nachrichten der letzten Wochen haben wohl den meisten Menschen klargemacht, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist. Am einfachsten und anschaulichsten schildert das Wetterfrosch Sven Plöger, wenn er von der veränderten Dynamik der Jetströme spricht. Wer anderen gut und knapp den Zusammenhang zwischen stehenden Wetterlagen und Klimawandel erklären möchte, findet bei Plöger hier die besten Argumente. Diese könnten sich in Kommunen als hilfreich erweisen, in denen das Thema Klimaschutz bisher nur Achselzucken hervorgerufen hat.

„Gut möglich, dass der Sommer 2018 einen Wendepunkt markiert,“ schreibt die Zeit Anfang August  und diagnostiziert, dass wir in diesem Hitzesommer die Zukunft sähen. Dem ist nur zuzustimmen. Viele Menschen fühlen bereits die Veränderung. Knallender Sonnenschein ist plötzlich kein „schönes Wetter“ mehr, sondern unangenehm bis bedrohlich für viele Menschen, Tiere und Pflanzen. Trotzdem gilt es, bei alarmierenden Nachrichten ganz genau hinzuhören. Wer beispielsweise nur zwischen Tür und Angel die Pressemeldung des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung „PIK“ mitbekommen hat, könnte meinen, die angekündigte „Heißzeit“ mit einem Meeresspiegelanstieg von 60 Metern erwarte uns bereits zum Ende dieses Jahrhunderts. Dabei bezieht sich die Prognose des PIK und weiterer beteiligter Institute eher auf das gerade begonnene Erdzeitalter des Anthropozäns. Es geht in dem zu Grunde liegenden wissenschaftlichen Artikel darum, dass  unsere sozialen und technischen Entscheidungen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre Auswirkungen auf die nächsten 10.000 bis 100.000 Jahre haben können.

Aber noch ist es nicht völlig zu spät, auch wenn sich Dürrezeiten und Starkregenfälle wegen der bereits stattgefundenen CO2-Akkumulation in der Atmosphäre in jedem Fall häufen werden. Die ungemütliche Wetterlage dieses Sommers sollte Ansporn sein mit Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen jetzt zu beginnen oder sie auszubauen. Nichts wäre verkehrter als gelähmt zu resignieren. Denn die mögliche Handlungspalette ist groß. Die Zeitjournalistin Petra Pinzler fasst ein ganzes Bündel möglicher Maßnahmen unter dem Begriff der „Resilienz“ zusammen – vom Umbau der Landwirtschaftssubventionen bis hin zur Beschleunigung der Energiewende. 

In der New York-Times wird das Thema auch noch einmal unter dem Aspekt der persönlichen Haltung beleuchtet.  Zurzeit finde eine Verschiebung statt, heißt es da. Aber wir laufen mit unserem Bewusstsein den Ereignissen quasi hinterher – wir sind nicht auf der Höhe der Ereignisse. Wörtlich schreibt die New York-Times: „We haven’t caught up to it.” Dabei, so erklärt Diplompsychologin und Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel im Interview mit Dr. Felix Wagner in CCL-Videosession 4, beginne eine Veränderung im Handeln mit einer aufmerksamen Wahr-Nehmung der eigenen Umwelt! Durch Achtsamkeitspraxis und damit durch das Gewahrwerden der eigenen Empfindungen sowie einer wachen Beobachtung der äußeren Welt entstehe eine neue Offenheit und Handlungsfreiheit. Hier geht es zur Video-Session 4, in der Sie Anregungen bekommen, mit offenen Augen den Veränderungen in unserer Welt zu begegnen und sich für klimafreundliche Handlungsalternativen zu entscheiden. Denn aktiv zu werden und selbst zu einer enkeltauglichen Lebensweise beizutragen, ist die sinnvollste Reaktion auf die beunruhigenden Nachrichten des langsam verklingenden Hitzesommers.

*Dieses Bild ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.  

Original hier



[ Geändert: Dienstag, 21. August 2018, 23:46 ]
 
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Kuh vor blauem Himmel


Anlässlich der bevorstehenden Karwoche hat das Pestel-Institut für uns berechnet, wie viele Tonnen CO2 in ganz Deutschland allein durch Fleischfasten eingespart werden könnten. Wir wollen das Thema zusätzlich aus einer alltagskulturellen Perspektive aufgreifen und Sie zum Experimentieren einladen.

Als wir laufen lernten und spürten, dass Krabbeln auf Dauer keine befriedigende Lösung ist, haben wir entdeckt: mit einem unerschrockenen Sich-heran-Tasten lassen sich anspruchsvolle Aufgaben meistern. Heute stehen wir vor einer der größten Herausforderungen, die die Menschheit je gekannt hat, dem menschengemachten Klimawandel. Innovative politische Lösungen können ihn vielleicht eindämmen. Aber gleichzeitig ist jeder und jede Einzelne aufgefordert und eingeladen, eigene private Beiträge zu leisten und alte Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Die Frage ist nur immer „Wie mache ich das, wie kann das gehen?

Beginnen wir doch einfach mal spielerisch und wählen eine neue Reiseroute. Ein günstiger Moment für kleine Schritte liegt direkt vor uns: Traditionell steht die gesamte vorösterliche Fastenzeit für Verzicht auf Fleischgenuss. In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit fokussiert sich dies auf die letzten sieben Tage vor Ostersonntag, die Karwoche. Wie bereits an anderer Stelle hier auf der Plattform beschrieben. hilft gemüsebasierte, also fleischlose Ernährung dem Klima. Warum also nicht die Karwoche zum Einstieg in ein Lebensstil-Experiment nutzen, oder sogar zum Umstieg auf eine andere Lebensweise, zum Beginn eines eigenen Transformationsprozesses? Geben Sie sich einen Ruck!

Ist der Handlungsentschluss einmal gefasst, stellt sich die nächste Frage: Mit welcher Haltung soll der Ausflug ins Neuland stattfinden? Das Geheimnis liegt wohl darin, sich wirklich auf die Situation einzulassen. Liebe ist bekanntlich das beste aller Antriebsmittel! Beeindrucken Sie sich also mal selbst, experimentieren Sie mit einer machbaren Aufgabe. Setzen Sie sich ein Ziel, über dessen Erfüllung Sie sich wirklich ohne Reue freuen können - wie etwa eine Woche lang vegetarisch zu leben.

Und dann heißt es tatsächlich loslegen. Zum Einstieg hilft z.B. einen Blick auf https://www.klimatarier.com. Dort gibt es Antworten zu vielen Fragen rund um klimafreundliche Ernährung. Einen Klick weiter finden Sie passende Rezepte (hier klicken), die Ihren Gaumen kitzeln und Ihre Geschmacksnerven neu beleben werden (weitere Vorschläge am Ende dieses Beitrags). Mehr Tipps gibt es zusätzlich in unserem Blogbeitrag "Das Kreuz mit dem CO2-Fasten" vom 14. Februar 2018. Schmökern Sie, kombinieren Sie Ihren Speiseplan, gehen Sie dafür bewußt einkaufen, als würden Sie sich die Zutaten für ein Experiment zusammensuchen. Und eventuell feiern Sie dann am Ende dieser Woche Ihr ganz spezielles Transformationsfest.

Vielleicht wollen Sie Ihre Experimentierwoche nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten, der Familie oder Freunden angehen und sich austauschen. Gemeinsam kochen und essen ist so viel einfacher! Der Phantasie für gemeinsame kreative Aktionen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Weitere Anregungen für den eigenen Wandel finden Sie in kleinen Videofilmen hier auf der CCL-Plattform. Hören Sie etwa dem Experten für nachhaltige Entwicklung, Professor de Haan, zu. Er spricht darüber, wie wichtig Wir-Kulturen, also bewusstes gemeinsames Handeln, für das Gelingen von Veränderungsprozessen sind. Außerdem finden Sie dort Anleitungen zur individuellen und gemeinsamen Reflexion neuer Erfahrungen! Dazu zählen auch unterstützende Vorschläge zur Achtsamkeitspraxis. So zeigt Projektleiterin Andrea Steckert beispielsweise im CCL-Bereich „Kreativ-Praxis“, wie Sie ein Logbuch führen und den eigenen Wandel-Prozess wie in einem kleinen Atelier sichtbar machen und verfolgen können.

Und jetzt viel Spaß bei Ihrer persönlichen Karwochen-Aktion. Wir würden uns freuen, wenn Sie hier teilen, wie es Ihnen damit geht – und ob Sie sich eventuell entschließen dauerhaft weniger oder gar kein Fleisch zu essen.

P.S. Hier noch die versprochenen Internetadressen zu weiteren Rezepten und nützlichen Informationen:

1)     Nicht nur ästhetisch unglaublich ansprechende Gerichte rund um die einheimische vegetarische Küche finden Sie hier bei Krautkopf.

2)     Keineswegs nur für Kinder interessant ist das Buch: „Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich“. herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, kostenlos hier zu finden

3)     Hier finden Sie schnell und bequem Bio-Rezepte für die große Tafel (Rezepte für ab 10 Personen):

4)     Und schließlich noch das etwas andere Geschenk für’s Osternest. Verschenken Sie ein noch nicht geschlüpftes Osterei, das Buch "Resteküche" von Daniel Anthes und Katharina Schulenburg , das nur produziert werden kann, wenn es ausreichend Unterstützung findet. Schauen Sie hier rein!

[ Geändert: Mittwoch, 21. März 2018, 12:59 ]