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Lucid Community – so nennt sich eine Handvoll meist junger Menschen, die auf dem Gebiet von Klima-Aktivismus, Körperarbeit, Coaching sowie Tanz tätig sind und bereits seit 2015 gemeinsam arbeiten. Vom 01.-03. Februar luden sie in Berlin zum 2-tägigen-„Lucid Dawning“ –Workshop. Unterzeile: „Connecting Transformative Culture Makers“. Geplant war die Pionierveranstaltung in englischer Sprache als Netzwerk- und Kokreations-Treffens mit Fokus auf der ungewöhnlichen Kombination von Klima- und Nachhaltigkeits-Aktivismus mit kultureller Transformation und dem sogenannten „inner activism“. Was soll man sich darunter vorstellen?

Laut Veranstalter bezeichnet der englische Begriff „inner activism“ die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen, ganz individuellen Innenwelt und darauf aufbauend die Arbeit an der eigenen Reflektions-, Gefühls-, Achtsamkeits- und Wahrnehmungsfähigkeit. Nach Meinung der Lucid-Community braucht der Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung der Welt immer auch eine persönliche Transformation, sei es körperlich, seelisch oder emotional. Diese Selbst-Erkundung und Reflektion sei eine essentielle Voraussetzung, sich wirklich ganzheitlich und fokussiert auf den jeweils eigenen Beitrag zum Wandel der Welt Richtung Nachhaltigkeit konzentrieren zu können und Visionen und Projekte erfolgreich umzusetzen.

Das Kernthema der Gruppe und des Wochenendes schien ideal an das Ziel des CCL anzuschließen, den KlimaKultur-Wandel durch das Überdenken und Hinterfragen innerer Überzeugungen und des eigenen Blickwinkels auf die Welt zu fördern. Grund genug uns neugierig zu machen, ob wir mit zwei Teilnehmenden aus dem CCL-Team die Veranstaltung besuchen sollten, um so persönlich einen praktischen Eindruck von den Möglichkeiten dieses neuartigen Ansatzes zu gewinnen. Die Kombination von innerer und äußerer Transformation solle, so die Initiator*innen dieses ersten Workshops seiner Art, dazu führen, dass eine Brücke zwischen globaler Situation und individueller Entwicklung geschlagen wird. Der Besuch der Veranstaltung versprach uns einen wirklich neuen Blickwinkel. Die übrigen Teilnehmenden stammten aus den unterschiedlichsten Disziplinen von Nachhaltigkeitsforschung über (Körper-)Therapie und Coaching bis hin zu Umweltaktivismus. Neben dem interdisziplinären Austausch und Netzwerken war die Entwicklung innovativer Strategien für einen vom Menschen ausgehenden, globalen Kulturwandel angekündigt. Auch in der Methodenwahl zeigte sich das Ko-Kreationsthema sowie der Fokus auf ganzheitliche Verbindung durchgängig. Also entschloss sich das CCL zur Teilnahme. Wir sahen in unserer Anwesenheit an einer derartigen Pionierveranstaltung eine hervorragende Gelegenheit der Erforschung weiterer Ansatzpunkte für die Unterstützung des KlimaKultur-Wandels. Gleichzeitig wollten wir Impulse in Richtung KlimaKultur-Wandel in die 85 Personen umfassende Gruppe einbringen, die bisher mehr auf innere Entwicklung gesetzt hatte und diese nun erfreulicherweise durch praktisches Engagement im Außen erweitern wollen.


Hier ist unser Erfahrungsbericht.


Der Auftakt der Veranstaltung am Freitagabend wurde an unterschiedlichen Orten über Berlin verteilt in Kleingruppen von jeweils ca. 10 Personen begangen, die bei jeweils einer/m GastgeberIn (Teilnehmer*innen oder einem Lucid-Teammitglied) gemeinsam ein Abendessen vorbereiteten und verspeisten. In den Kleingruppen war das Eis schnell gebrochen. Ein vertiefter Austausch und erstes Kennenlernen anderer Veranstaltungsteilnehmer*nnen wurde durch 2-3 Kennenlernfragen des Host in die Runde sehr erleichtert, was auch das Ankommen am Samstagmorgen in der Großgruppe für viele erleichterte.

Der zweite und dritte Tag des Lucid Dawning fand im alten Delphi Theater in Berlin Weissensee statt (siehe Titelbild), einem atmosphärisch dichten, sehr beeindruckenden und traditionsreichen Veranstaltungsort. Das Haus wurde 1929 als letztes Stummfilmkino mit 870 Plätzen eröffnet und war fester Bestandteil des Aufschwungs der Kinobranche in den 20er Jahren. Seit 1959 wurde der Betrieb eingestellt und erst 2013 von einem Künstlerpaar wiederaufgenommen, das den entkernten Originalraum zu einem neuen Kunst- und Kulturort umgestaltet hatte. Die jetzt vorhandene Licht- /Tontechnik wurde während der Filmproduktion der bekannten Filmserie Babylon Berlin eingebaut und dort belassen. Heute gehört die Stätte der Schweizer Edith Maryon Stiftung an, die es als öffentlichen Kultur- und Veranstaltungsort sichern möchte.

Zentraler Workshop-Tag der Konferenz war der Samstag. Am Vormittag lag der Fokus zunächst auf dem gemeinsamen Einstieg als Großgruppe und der tieferen Einstimmung ins Thema. Da immer sowohl die Innenwahrnehmung als auch die externe Welt (andere Teilnehmende mit ihren unterschiedlichen Hintergründen) mit in die eigne Erforschung einbezogen werden sollte, gab es im Wechsel thematisch verbale Anleitungen unterlegt von rhythmusgebender Musik sowie Bewegungs-, Atem und Selbst-Reflexionsübungen. Einfache Übungen, wie in der Gruppe durch den großen Raum gehen und unter Anleitung immer wieder stehen zu bleiben, ganz bei sich anzukommen und den Atem in verschiedenen Körperteilen zu spüren, machten direkt deutlich, dass diese Veranstaltung wirklich nicht dem klassischen Konferenzformat entsprach. Dies zeigte sich z.B. auch bei einer Partnerübung, bei der sich beide gegenüberstanden und einfach gemeinsam atmeten. Obwohl das zuerst wie eine sehr einfache Übung wirkte, war es doch die ungewohnte und- wie viele hinterher feststellten- sehr persönliche, fast schon intime Erfahrung mit einem Fremden gemeinsam zu atmen. Nach dieser Gruppenaktivierung wurden wir durch eine Bewegungsmeditation geleitet und erkundeten zu Musik die eigenen Körperwahrnehmungen. Auch dieses Format war definitiv ungewöhnlich im Vergleich mit anderen Nachhaltigkeits- oder Aktivistentreffen, jedoch erkenntnisreich und den Körper ganzheitlich aktivierend. Die Gruppe entspannte sich so gemeinsam. Vertrauen zueinander wurde aufgebaut. Begegnungen von Mensch zu Mensch auf einer tieferen persönlichen Ebene, im Gegensatz zu einem exklusiven Fokus auf z.B. berufliche Ausrichtung, wurde unserem Empfinden nach ermöglicht.

Im Anschluss an diese Übungsaufgaben gab es den zweiten Impuls mit Inhalten zum Thema Beruf und Berufung in den Zeiten, in denen wir leben. Wiederum wurde eine Meditationspraxis angeleitet, um uns unserer Verbindung zu unseren eigenen Vorfahren, aber auch zu kommenden Generationen, dem Planeten und unserer ganz persönlichen Motivation darin bewusst zu machen. In Bezug auf diese individuelle Antriebskraft wurden dann spezifischere Fragen gestellt: Was ist die Essenz meiner Motivation? Was will ich erreichen in meiner Arbeit im Bereich (Nachhaltigkeits-)transformation?

Die jeweiligen Antworten auf die Fragen wurden dann in Zweier-Gruppen ausgetauscht, zusammen mit der zusätzlichen Frage nach negativen Mustern oder Aspekten der eigenen Persönlichkeit, die dieser Berufung oder Motivation im Weg stünden. Der Austausch über eigene limitierende Glaubensätze, wie z.B. „Die Klimaerwärmung ist eh nicht mehr aufzuhalten, was soll das also alles?“, „Wir wenige können eh nichts tun gegen die mächtigen Konzerne der Welt“ oder „Was soll ich denn schon beitragen mit meiner kleinen Idee?“ wurde für einige Gruppen sehr emotional. Andererseits wirkte es aber auch befreiend und erleichternd, negative und pessimistische Gedanken auszusprechen und als Realität anzuerkennen. Die Stimmung der Gruppe, so unsere Empfindung und Beobachtung, war danach nicht negativ gedrückt, sondern eher authentischer und verbundener. Dies wurde auch im abschließenden Gruppenaustausch deutlich, wo auf freiwilliger Basis das Erlebte im Plenum geteilt werden konnte.

Nach der Mittagspause mit schmackhaftem veganem Essen wurde eine Atem-Meditation angeleitet, bevor die nächste Methode, eine an systemische Aufstellungen angelehnte Übung, vorgestellt wurde. In Dreier-Gruppen wurden für jede/n Teilnehmer*in die Rollen der Berufung, die eigene Grundmotivation oder „Purpose“, sowie ein am Vormittag untersuchtes Hindernis oder ein herausfordernder Glaubensatz von einem „Aufsteller“ an die jeweils beiden anderen Personen verdeckt, also ohne genauere Beschreibung, was das Hindernis ist, vergeben. Ohne dass die Partner sich kannten, wurde im nächsten Schritt das Experiment eröffnet, in dem sich die 3 Parteien aufeinander ohne Worte nur mit Körperausdruck beziehen sollten, räumlich. Leiten lassen sollten wir uns dabei nicht von eventuellen Ideen oder Vorstellungen, wie sich ein herausfordernder Glaubenssatz wohl zu „seiner“ Person verhält, sondern rein von dem, was gerade in uns wahrnehmbar, lebendig war. Die notwendige Konzentration hatten wir am Vormittag durch die Körperübungen bereits trainiert. Trotzdem schien es für viele Teilnehmende eine Herausforderung zu sein, sich auf eine so freie und kreative Übung einzulassen. Nach Abschluss der Aufstellung der ersten Person stellte die zweite Person auf, dann die dritte. Die Rollen wurden entsprechend gewechselt und nun lief es schon besser, die Bewegungen wurden freier und expansiver und die Stimmung schien gelöster. Auch nach Abschluss dieses Praxisteils gab es wieder den Austausch in der Großgruppe und anschließend die Möglichkeit zu tanzen (sich aufgestaute Energien abzustreifen) und sich weiter zu vernetzen.










Als Abendveranstaltung, die für weitere Interessierte geöffnet wurde, wurde der Film „Amplify her“ gezeigt, eine Dokumentation über die eigenwilligen Karrieren mehrerer namhafter weiblicher DJ-Künstler im Kontext von Transformation und Feminismus. Im Anschluß wurde eine Tanzmeditation angeleitet.

Am Sonntagvormittag teilte sich die Gruppe wieder in kleinere Arbeitsgruppen zu verschiedenen, am Samstag von den Teilnehmenden herausgearbeiteten und präsentierten, Aktions-Themen auf und untersuchte diese gemeinsam bei den jeweiligen Ideengebern/ Hosts zu Hause. Diese Phase wurde mit einem gemeinsamen Brunch verbunden, was wiederum zum ganzheitlichen Wohl und einer verbindenden Stimmung beitrug, in der kreatives Arbeiten leicht fiel.

Der weitere Verlauf des Sonntags, wiederum im diesmal szenisch umgebauten Delphi-Theater stattfindend, war der Öffnung und Einbindung der größeren Gemeinschaft von (Klima-)Aktivist*innen gewidmet. Die physischen Veranstaltungsräume und der durch die Basisgruppe „energetisch aufgebaute“ intentionale Raum wurde für Externe geöffnet. Auch das Abendprogramm konnten externe Interessierte wie eine übliche Abendveranstaltung besuchen. Nach einem gemeinsamen Eröffnungsritual zur Verbindung der zwei Teilnehmenden-Gruppen wurde der informelle und den Austausch sowie das Netzwerken fördernde Nachmittags- und Abendteil mit Tanz, Konzerten und Meditation durchgeführt.

Wenn zunächst auch ungewöhnlich, sind die hier gezeigten Ansätze zur gezielten Einbeziehung der Körperarbeit in Transformationsprozesse des Kulturwandels aus unserer Sicht eine interessante Erweiterung. Es lohnt sich, Aspekte davon- gerade in emotional schwierigen, kommunalen Klimaschutz-Prozessen – auszuprobieren und wir sind gespannt, wie die Lucid Community und andere diese Themenkombination weiter entwickeln werden.

Klangschalen auf dem Lucid Dawning

 
Nutzerbild Marian CCL
von Marian CCL - Dienstag, 5. März 2019, 12:37
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Aufnahme der Erde aus dem All















Erstes Farbfoto der ganzen Erde, aufgenommen vom Satelliten ATS-3 am 10.11.1967

Es gibt Momente im Leben, da werden wir daran erinnert, dass es mehr gibt als nur die Alltagswelt. Das ist sicherlich an Festtagen der Fall oder im Urlaub. Heute wollen wir aber nicht über fröhliches Loslassen oder seichte Entspannung reden. Stattdessen geht es um intensive innere Erfahrungen: dann, wenn sich alles in einem zusammenzieht. Der Ausdruck „alles zieht sich zusammen“ passt in ganz unterschiedlichen Situationen. Wenn man Hunger hat, wird der Magen klein. Wenn man eine sehr traurige Nachricht hört, ballen sich die Gefühle zu einem Kloß im Hals. Wenn man friert, spannen sich die Muskeln an. Wenn man sich konzentriert, ziehen sich alle Gedanken zusammen. Mit anderen Worten: Etwas verdichtet sich – und gleichzeitig ist unsere Wahrnehmung fokussiert. Um diese Verdichtung und die damit einhergehende veränderte Wirklichkeitserfahrung geht es in den nächsten 40 Tagen für viele Menschen (nicht nur) in Deutschland und auch im CCL.

Zu Beginn dieses kommenden Zeitabschnitts steht die Aussicht auf ein trauriges Ereignis. Noch vor zweihundert Jahren wäre außer Frage gestanden, welche niederschmetternde Nachricht der Aschermittwoch ankündigt: die Aussicht auf Karfreitag, das Beweinen des Todes Christi. Für Viele spielt dies heute keine Rolle mehr. Aber immer mehr Menschen begreifen, dass das, was Christen „Schöpfung“ nennen, vom Tode bedroht ist: durch den Klimawandel, das Artensterben, die Ressourcen-erschöpfung, die Versauerung der Meere, die (Plastik)-Mülllawinen, die Bodenversiegelung, die Überdüngung usw. Noch gibt es Hoffnung, dies abzuwenden. Und immer mehr Menschen spüren, dass sie ihren Teil dazu beitragen sollten – und vielleicht auch wollen. Die Schwierigkeit ist nur: wie anfangen?

Lassen Sie sich doch von der Fastenzeit inspirieren! Für Christen gibt es gleich zwei passende kirchliche Aktion: „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ und „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“. Der Mensch als unverbesserlicher Bequemlichkeitssucher bekommt hier einen freundlichen Nasenstubser, sich an die selbige zu fassen und wenigstens während einer überschaubaren Zeitspanne ehrlich zu sein. Weil wenn wir aufhören, uns selbst etwas vorzumachen, können wir vor der Wahrheit kaum die Augen verschließen. Es ist höchste Zeit.

Aber auch Nicht-Christen finden zurzeit auf fast allen Medienkanälen eine Vielzahl von Tipps - die Fastenzeit ist „in“. Gern wird die Gelegenheit beim Schopf gegriffen, sich selbst einen Ruck zu geben und zumindest für eine überschaubare Zeit „alles richtig zu machen“. Keine Süßigkeiten, kein Alkohol, keine sozialen Medien, kein Plastik und –natürlich- der Klassiker, kein Fleisch. Viele weitere Beispiele sind denkbar. Meist haben diese Angebote keinen klimafreundlichen Aufhänger. Und doch tragen alle, die sich daran beteiligen, ein bisschen zu einer so nötigen neuen Kultur der Mäßigung bei. Es ist eine Einübung in Genügsamkeit, eine Zusammenziehung. Soweit die Oberfläche.

Aber wären die 7 Wochen rund um den Frühlingsanfang nur ein beliebiges Freizeitprogramm zum „Gürtel-enger-schnallen“– dann wäre das Fastenphänomen vor Ostern schnell wie eine Modewelle vorbeigeschwappt. Stattdessen haben wir es gefühlt mit einer anschwellenden Bewegung zu tun. Was ist da los? Woher kommt dieses Bedürfnis nach Verzicht? Sicherlich liegt die Selbstbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme aufgrund nachweislicher Gesundheitsvorteile im Trend. Aber das wäre zu einfach gedacht. Das Fasten im klassischen Sinn diente immer auch der Schärfung der eigenen Sinne. Vorbild war Jesus, der sich 40 Tage lang in der Wüste auf seine Passionsaufgabe vorbereitete. Das Gebet, die Selbstbesinnung gehörten immer schon dazu. Übersetzt in die heutige Zeit könnte man sagen: Fasten ist die Chance, auf den erprobten Spuren eines jahrtausendealten Pfades aus dem Alltag herauszutreten. Ein Stück weit, wie der Mensch von heute es halt so schafft. Aber immerhin. Sieben Wochen lang selbstbestimmter Verzicht ist eine Übung, die die Besinnung aufs Wesentliche ermöglicht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Um diese Frage geht es.

Die Asche, die Kirchgänger am Aschermittwoch auf ihr Haupt gestreut bekommen, soll an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Umgangssprachlich und ganz religionsfrei ausgedrückt: daran, dass dem eigenen „Ich-will, Ich-will“ natürliche Grenzen gesetzt sind. Das betrifft auch unser gewohntes Alltagskostüm bestehend aus oft unbewussten Grundannahmen, die unsere Wahrnehmungen, Deutungen, Verhaltensmuster und Vorlieben bestimmen. In diesem Sinn ist die Fastenidee eine Chance, das Alte hinter sich zu lassen und im besten Fall über sich selbst hinauszuwachsen. Die Selbstbeschränkung hilft raus dem Trott, sie erzeugt eine innere Konzentration und öffnet die Sinneserfahrung. Einfache Beispiele hierfür wären der Verzicht aufs Auto oder das Entrümpeln des Kleiderschranks. Im besten Fall spürt man, wieviel Überflüssiges man im Lauf der Jahre oft aus Frust zusammengekauft hat oder wie sehr die Verkehrshektik das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigt. Was aber wären wirklich sinnvolle und erfüllende Alternativen zur konsumgesteuerten Ersatzbefriedigung?

Damit haben wir die Oberfläche verlassen. Fasten als Erfahrungsverdichtung bietet die Möglichkeit, in eine neue Haltung einzutauchen. Genau dazu möchte das CCL als Labor zur Entwicklung und Erprobung klimafreundlicher Werte anregen. Weil Menschen sehr unterschiedlich sind, sind auch die Wege, sich einem konzentrierten, genügsamen, erfüllten, CO2-armen Leben anzunähern, vielfältig. Für eine enkeltaugliche Zukunft sind sie alle wichtig: Fahrrad statt Auto, Reisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug, Gemüse statt Fleisch, erneuerbare Energien statt Kohlestrom, gemeinsame Erlebnisse in der Natur statt Besuch im Shopping-Paradies, selbst mitgebrachte Gefäße und Taschen statt Plastikmüll.

Das verbindende Element einer gemeinsamen Fastenaktion kann aber noch mehr als die Summe dieser (und vieler weiterer) Elemente sein. Es kann, ausgehend von einer bewusst gewählten Konzentration aufs Wesentliche, eine Rückbesinnung auf die Schönheit der Erde sein, wie sie im poetischen Begriff vom blauen Planeten zum Ausdruck kommt. Dies würde bedeuten, sich täglich mit einer kleinen Aufmerksamkeitsübung ein Beispiel für diese natürliche Schönheit zu suchen und die Freude darüber tief in sich zu fühlen. Sei es das Lächeln des eigenen Kindes, das Rascheln eines Blattes, der Geschmack der Karotte, das beeindruckende Rauschen von Wind in hohen Bäumen, das Zwitschern eines Vogels, das dramatische Wolkenschauspiel am Himmel. Und dann nur noch diesen Moment zu spüren und sich selbst vergessen…

Diesen Überlegungen und Einsichten Taten folgen lassen, dazu will unser 40-tägiges Programm ganz praktisch inspirieren. Wir lehnen uns damit an die weiter oben erwähnte Aktion „Klimafastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019“ an, aber bewusst ohne kirchlichen Fokus! Eingeteilt ist der Zeitraum in sieben (eigentlich sechseinhalb) Wochen, die alle ein eigenes Motto und ein eigenes Fastenziel haben. Dies soll einen Ausschnitt aus der breiten Palette an notwendigen Veränderungen im Alltagsverhalten abbilden. Passend zu diesen Leitthemen werden wir im Forum hier auf der Plattform wöchentlich Gedankenanstöße anbieten, damit wir uns gemeinsam über unsere Aktion austauschen und motivieren können. Für Nutzer*innen der sozialen Medien haben wir sogar täglich eine kleine Ermunterung für ein nachhaltiges klimafreundliches Leben auf Facebook. Und das sind unsere Themen:

Woche 1, 06.3.-10.3.2019 - Allgemeine Einstimmung – Besinnung aufs Wesentliche

Woche 2, 11.3.-17.3.2019 - Ernährung – Das tut Körper und Klima gut

Woche 3, 18.3.-24.3.2019 – Konsum - Darf’s ein bisschen weniger sein?

Woche 4, 25.3.-31.3.2019 – Energiewende – Fürs Klima und den Geldbeutel

Woche 5, 01.4-07.4.2019 – Mobilität - Gesund und klimafreundlich von A nach B

Woche 6, 08.4.-14.4.2019 – Plastik – Müll fasten

Woche 7, 15.4.-21.4.2019 – WIR-Kultur - Gemeinsam machen wir uns stark – fürs Klima!

sowie als Sonderthema zu Woche 7: Klimafreundlliche WIR-Kulturen aus Göttingen! Entdecken Sie den Sonnifanten und viele andere, fröhliche und inspirierende Beispiele.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zeit mit Ihnen und anregende Diskussionen im Forum.



[ Geändert: Mittwoch, 17. April 2019, 10:26 ]
 
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Menschen stehen im Kreis im Ratssaal Viernheim, führen ZweiergesprächeDas Jahresende naht und das CCl hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Am 30.11.2018 fand die erste überregionale CCL-Werkstatt statt. Vor allem aus dem südlichen Teil Deutschlands trafen sich dreißig Teilnehmer*innen im Rathaus Viernheim.

Gemeinsam mit den Referent*innen blickten sie auf Erreichtes zurück und arbeiteten anschließend engagiert an Fragestellungen zum Thema „Kommunikation“. Gleichzeitig eröffnete diese erste Gesamtveranstaltung auch einen neuen Verbreitungskanal: für die Teilnehmenden zweier Online-Hubs wurde unsere Zusammenkunft über das Internet gestreamt.

Hinter den „Überregionalen Werkstätten“ steckt die Idee, ab Beginn des dritten Projektjahrs Erfahrungen aus den vorangegangenen Einzelwerkstätten auszutauschen und zu bündeln sowie sich zu vernetzen und nächste Schritte gemeinsam zu planen. Drei Treffen dieser Art sind vorgesehen - als Veranstaltungsort für das erste hatte sich die südhessische Kommune Viernheim bereit erklärt, die bereits eine Einzelwerkstatt im November des Vorjahres durchgeführt hatte. 2019 werden zwei weitere in der Mitte und im Norden Deutschlands folgen. Die überregionalen Werkstätten entsprechen so der CCL-Logik, bundesweit präsent zu sein und allen Interessierten eine Teilnahme in „ihrer Nähe“ zu ermöglichen.

„Hubs“ – ein brandneues CCL-Format

Ratssaal Vierheim, Mulitmedia-Kamera AufbauWer nicht reisen kann, aber trotzdem am CCL mitarbeiten möchte, hat außerdem die Möglichkeit, parallel zur Gesamtwerkstatt einen sogenannten Online-Hub zu initiieren. In Viernheim wurde dieses neue Format zum ersten Mal erfolgreich getestet. Zu diesem Zweck begleitete uns der Filmdienstleister Andrea Barthel und baute eine beeindruckende Techniklandschaft mit einem Multicamera-Video-Livestream auf.

Die größte Hürde meisterte er gleich zu Beginn. Er hatte die Nerven, Wege zu finden, wie die starke Firewall der Stadt Viernheim, also die digitale Schutzmauer rund um das Rathausnetz überwunden werden konnte. Erst zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn gab es schließlich grünes Licht - die gesamte Veranstaltung konnte von einem angemeldeten Teilnehmerkreis in verschiedenen Städten per Internet mitverfolgt werden. Sie waren zu zwei Gruppen, „Hubs“ gebündelt, die je eigene Fragestellungen bearbeiteten. Die Präsentationen in Viernheim dienten den Hubs zur Inspiration; über eine zusätzliche Videokonferenz-Schaltung war es ihnen außerdem möglich, den Referent*innen Fragen zu stellen oder am späten Nachmittag an der abschließenden Fish-Bowl-Diskussion teilzunehmen.

Einzelwerkstatt-Kommunen präsentieren KlimaKulturwandel-Fortschritte

PosterpräsentationDen inhaltlichen Einstieg in den Tag bildete eine Betrachtung des Themas „KlimaKultur-Wandel“ aus kommunaler Sicht. In vier Poster-Sessions berichteten Vertreter*innen aus Karlsruhe, Wörrstadt, Augsburg und Viernheim, wie es nach den Einzelwerkstätten mit den dort entwickelten KlimaKultur-Ideen weitergegangen war.

Oft befeuerten sie bereits angedachte Vorhaben der Kommune oder gaben zusätzliche Impulse. In Viernheim flossen alle Ergebnisse direkt ins neue Klimaschutzkonzept ein. Auch in Karlsruhe ergänzten CCL-Ideen dieses, so wird nun z.B. vom Umweltamt die Idee der Klimakampagne umgesetzt. Aber auch Initiativen wie das Projekte „Private Klassenfahrten“ profitierten vom klimafreundlichen CCL-Inspirationsschub – dank der Werkstatt fanden sich weitere Partner für die Realisierung eines gemeinsamen Projektanstrags. Manche Projektideen wiederum, wie z.B. das Augsburger Thema „Ökosiedlung im Bestand“ erwiesen sich als die sprichwörtlichen „dicken Bretter“, die zwar wichtigen Gesprächsstoff liefern, deren Umsetzung aber erst sehr langfristig möglich sein wird.

Die CCL-Inspirationen halfen allen, die zum KlimaKultur-Wandel vor Ort beitragen, so das Fazit. Dazu gehören natürlich Akteure wie Agenda 21, Umweltstationen, Kommunale Klimaschutzabteilungen, Energiegenossenschaften, Initiativen zu solidarischer Landwirtschaft, Repair Cafes, Lebensmittelretter, usw. aber auch lokale Beratungsangebote wie der Augsburger „Lifeguide“. Als wichtigster Aspekt wurde immer wieder die Notwendigkeit zur Vernetzung der vielen unterschiedlichen Initiativen genannt, die oft noch zu wenig voneinander wissen und keinen Raum für gemeinsamen Austausch zur Verfügung haben.

Das wichtigste gemeinsame Interesse der etwas dreißig Teilnehmenden der überregionalen Werkstatt Süd in Viernheim galt dem Thema Kommunikation. Mit den drei Referent*innen Tatiana Herda-Munoz, Jan Schwarz und Joy Lohmann waren ausgewiesene Profis vor Ort, deren Kurzreferate zu „effizient“, „kreativ“ und „digital kommunizieren“ die Arbeitsgruppenphase nach der Mittagspause (übrigens mit leckerem veganen Büfett) einleiteten.

Drei kommunikative Schwerpunkt-Themen

Was darf man sich unter diesen verschiedenen Schwerpunkten vorstellen? Effizienz steht für die Kosten-Nutzen-Relation und den rationellen Umgang mit knappen Ressourcen – also mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel erreichen. In seinem Vortrag erläuterte Jan Schwarz vom Klima-Bündnis, wie man mit leicht verständlicher Kommunikation Bewusstsein schafft, Informationen vermittelt und motiviert. Sein Fazit: Effiziente Kommunikation ist verlässlich, baut Vertrauen auf und stärkt die eigene Positionierung.

Frau im Bett in FussgängerzoneIm Gegensatz zu dieser strategischen Perspektive zeigte der Künstler Joy Lohmann in seinem Vortrag, welche Art der Kommunikation die Herzen der Menschen erreicht.

 Zuhören, Humor und eine multisensuelle Ansprache sind sein Geheimrezept. „Was Sie brauchen, ist die positive Verwirrung der Leute, damit Sie ihre Denkmuster erstmal durcheinander schütteln“.
Wie das gehen kann, zeigte er anhand der Aktion „Urban Living Room“. In der Fußgängerzone von Hannover wurde ein Wochenende lang ein Mini-WG-Zimmer aufgebaut, in dem geschlafen, gegessen und gelesen wurde – sehr zur Verwirrung der auf Einkaufsbummel gepolten Passanten. Und schon ging die Kommunikation los…

Für Tatiana Herda-Munoz schließlich stand beim „digital kommunizieren“ im Vordergrund, dass Kommunikation der Zielgruppe etwas bringen, quasi „einen Mehrwert schaffen“ muss. Besonders wichtig war ihr der Unterschied zwischen einer Digitalstrategie und digitalen Tools (Werkzeugen). Für die Strategie nutzt sie die Methode „Design thinking“. In fünf Schritten geht es darum zu verstehen, die Idee zu entwickeln, den Prototyp entwerfen, zu testen und zu lernen und dann erst die endgültige Kommunikationsstrategie festzulegen. Auf diesem Prozess baut dann die Auswahl der digitalen Tools wie Facebook, Instagram usw. auf.

Weitere Stichpunkte zu ihrer und den beiden anderen Arbeitsgruppen sind hier auf unserer Plattform nachzulesen.
Die Ergebnisse des Tages hielt Joy Lohmann im Rahmen seiner zweiten Rolle als Grafiphic Recorder bei dieser Werkstatt an Hand eines großen Kunstwerks fest. Die gesamte Veranstaltung über setzte er Gehörtes und Wahrgenommenes malerisch auf dem Papier um. Wer zusätzlich zum Bild jetzt gern noch mehr wissen möchte, dem seien die zahlreichen Dokumente hier auf unserer Plattform empfohlen. Noch Fragen? Dann freuen wir uns über einen Kommentar hier unter diesem Blog (das können - wie im Netz üblich - nur angemeldete Nutzer*innen)!
Grafische Ideenskizze des Tages
[ Geändert: Mittwoch, 19. Dezember 2018, 10:58 ]