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von Marian CCL - Samstag, 23. März 2019, 19:41
Weltweit öffentlich

Gleitschirm unter dramatischen Wolken





                                                                                                                                                                        

Wie motiviere ich mich täglich aufs Neue, um mein Wissen zu all den möglichen Klimaschutz- Maßnahmen in konkretes Handeln zu übertragen? Ein wichtiger Baustein dazu ist die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung. Darunter versteht man die Überzeugung, dass das, was ich tue, das Richtige ist und dass ich damit etwas bewegen kann. Oder um es mit dem vielzitierten Wort von Ghandi zu sagen: „Be the change you wish to see in the world.“

Der berühmte Spruch war auch Motto des Gastbeitrags beim diesjährigen Vernetzungstreffen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Nach den einleitenden Grußworten von BMU-Referatsleiter Dr. Sven Reinhardt und Moderator Lothar Eisenmann vom ifeu betrat Rednerin Ewa Wiśnierska die Bühne. Als preisgekrönte Profisportlerin hatte sie vor gut zehn Jahren weltweit für großes Aufsehen gesorgt, denn ihr war etwas völlig Unglaubliches widerfahren, das ihr Leben und ihr persönliches Wertesystem für immer veränderte. Seitdem hat sie eine Botschaft, mit der sie auch die Zuhörenden in Berlin berührte.

Die äußerst erfolgreiche Gleitschirmfliegerin im deutschen Nationalteam nahm 2007 in Australien an einem Training zur Weltmeisterschaft teil, als ein Gewitter aufzog. Sie ließ sich von der bedrohlichen Wetterfront jedoch nicht abschrecken. Ehrgeizig hoffte sie, noch unter den Wolken hindurch tauchen zu können. Aber dies gelang ihr nicht. Stattdessen geriet sie mitten in eine Supersturmzelle und wurde durch Aufwinde von 200 km/h auf knapp 10.000 Meter gezogen - eine Höhe, in der normalerweise Jets fliegen. Aufgrund der dünnen Luft verlor sie das Bewusstsein und trieb bei minus 55 Grad fast 45 Minuten lang am Rande der Stratosphäre – theoretisch überlebt ein Mensch hier aufgrund des Sauerstoffmangels nur wenige Sekunden. Dass sie trotzdem heil wieder zur Erde zurückkam, und das ohne größere oder gar bleibende Schäden, war so unwahrscheinlich wie zehn Lottogewinne direkt hintereinander. Eine überwältigende Erfahrung.

Auf dem NKI-Treffen sagte sie: „Nach diesem Erlebnis wusste ich, ich kann nicht mehr weitermachen wie bisher.“ War es doch ihr blinder sportlicher Ehrgeiz gewesen, der sie in Lebensgefahr gebracht hatte. Also ließ sie die Sucht nach Ruhm, die Jagd nach immer neuen Rekorden sowie ihre Ich-Bezogenheit hinter sich und öffnete sich für andere Werte. Heute sind ihr Dinge wie soziales Engagement und ein umweltfreundliches Leben wichtig. Vor allem aber hat sie die drei Maßstäbe ihres EWA-Prinzips -Entscheidung, Willensstärke und Ausdauer- durch einen zentralen Faktor ergänzt: Selbstverantwortung. Und genau die Notwendigkeit dieser Selbstverantwortung war ihre Botschaft an die Zuhörenden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit ihr, Dr. Sven Reinhardt (BMU), Franziska Eichler (PtJ) sowie Nicole Isermann und Malte Schmidthals von den zwei NKI-Leuchtturmprojekten „Katzensprung“ und „KEEKS“ ging es zunächst um die vielen kleinen Schritte und Erfolge, die den Klimaschutz immer weiter voranbringen. Wie schlecht es in der Breite aber immer noch um die CO2-Einsparung bestellt ist, machte Dr. Sven Reinhard anhand des selbst erlebten Beispiels einer Kita deutlich: Mit nur einem Euro mehr pro Kind und Monat hätte man dort nachhaltig zubereitetes Essen anbieten können. Dazu war das zahlungskräftige Kitaklientel aber leider nicht bereit. Tja, was nun? Aus dem Publikum kam die Bemerkung, dass es zwar viele NKI-Projekte gäbe, die auf freiwillige individuelle Verhaltensänderung abzielten, aber dadurch so wenig an den Strukturen geändert werden könne.

Ewa Wiśnierska, die bis zu diesem Punkt ruhig zugehört hatte, ergriff plötzlich prägnant und sehr energisch das Wort. Mit Verweis auf die EU-Plastikverordnung sagte sie „Wir brauchen anständige Gesetze, die Klimaschutz verpflichtend machen. Das ist doch ganz einfach!“ Die Zuhörenden waren erst verdutzt, dankten ihr dann aber mit anhaltendem Applaus für ihre klare Aussage. Später kommentierte sie ihr Plädoyer: „Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Irgendjemand musste das da oben sagen.“

„Be the change you wish to see in the world” - das ist trotzdem deutlich einfacher gefordert als getan. Deshalb bietet Ihnen das CCL Unterstützung für ein gesteigertes Vertrauen in Ihre eigene Selbstwirksamkeit. Bei der überregionalen CCL-Werkstatt in Rostock am 30.3.2019 bringen unsere Referent*innen das nötige Praxiswissen mit, um Wege vom Wissen zum Handeln aufzuzeigen: Wie aktiviere ich eigenes Handeln (Pascal Frank), wie mobilisiere ich politisches Handeln (Tine Michel) und wie steuere ich gemeinsames Handeln (Annerose Hörter)? Melden Sie sich noch heute hier zu unserer Werkstatt an!
Und wenn Sie noch mehr von Ewa Wiśnierskas Extremerlebnis erfahren wollen, finden Sie hier eine spannende Dokumentation über ihren Stratosphärenflug.
[ Geändert: Samstag, 23. März 2019, 19:45 ]