Nutzerblog: Marian CCL

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Natürlich ließ sich das CCL auch auf der Weltklimakonferenz, der COP23, in Bonn sehen. Wir haben uns dort mit GEN getroffen und vernetzt. GEN, das ist das Global Ecovillage Network. Auf deutsch: das Weltweite Netzwerk der Ökoförfer. Klingt spannend? Ist es auch.

Vor ein paar Tagen ging die Meldung durch die Presse: Nach einigen Jahren der Stagnation werde die globalen Emissionen im Jahr 2017 wieder steigen, und zwar um zwei Prozent, so der internationale Forscherverbund Global Carbon Project. Und das, obwohl das Wachstum der Erneuerbaren Energien mit 165 Gigawatt im Jahr 2016 die Zubauzahlen von Kohle und Atomkraft überflügelt. Die klimafreundlichen Technologien sind vorhanden, sie sind preisewert und praxiserprobt. Eigentlich müsste beispielsweise der Kohleausstieg bis 2030 in Deutschland schon längst beschlossene Sache sein. Davon sind wir im Moment jedoch deutlich entfernt. Die politische Führungselite in Deutschland und in der Welt ist mental noch nicht im Klimaschutz angekommen. Zumindest nicht in dem Maße, wie es nötig wäre.

Dabei gibt es jede Menge inspirierender Beispiele, wie ein zukünftiges klimafreundliches Leben aussehen könnte. Gemeinschaften wie Findhorn in Schottland oder die Tennessee Farm in den USA erproben schon seit über 50 Jahren innovative Lebenspraktiken, in Deutschland ging es damit in den späten 1970er-Jahren los. Aus den sehr experimentellen Anfängen entwickelten sich seitdem weltweit zahlreiche Entwürfe zur alternativen Lebensorganisation, die sich Mitte der 1990er-Jahre zum „Internationalen Ökodorf-Netzwerk“ (Global Ecovillage Network, GEN) zusammenschlossen.

Auf der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn war eine Delegation von GEN-International und von GEN Europe vertreten. Auf gleich drei sogenannten Side-Events präsentierte u.a. Kosha Joubert, die Geschäfsführerin von GEN international, die vielfältigen Möglichkeiten, wie durch den weltweiten Aufbau von Ökodörfern die Erreichung der Klimaziele erleichtert werden kann. Im Zentrum der Vorträge stand die Kraft, die von Gemeinschaften ausgeht als Orten der Inspiration. Gerade aktuelle Beispiele aus Asien, Afrika und Lateinamerika können als Vorbild für Europa gelten. Ökodörfer sind der bereits heute gelebte Klimakulturwandel, ein Stück realisierte Utopie. Sie beweisen, dass Wasser, Nahrung, Ökologie, Soziales und Kultur zu einem ganzheitlichen Ansatz verbunden werden können.

Mehr dazu gibt es hier auf der CCL-Plattform im Juli 2018, wenn wir in unserer 6. Videosession über Alternativen zur Alternativlosigkeit berichten werden. Nur soviel jetzt schon: Das CCL hat gute Kontakte zu GEN geknüpft! Wer mehr über dieses spannende Netzwerk wissen will, findet hier Informationen:

Eine Präsentation in deutscher Sprache: https://m.youtube.com/watch?v=XseYo5hrlTg&feature=youtu.be

Ein sehr spannendes und lebendiges Gespräch mit Jonathan Dawson, dem früheren Geschäftsführer von GEN, der lange Zeit in Findhorn gelebt und gearbeitet hat und heute am Schumacher College in der Transition Town Totnes den Lehrstuhl für Ökonomie inne hat, findet sich hier - leider nur in  englischer Sprache:

https://www.schumachercollege.org.uk/resources/audio-video-archive/jonathan-dawson%3A-the-global-ecovillage-experience

Und eine sehr gute Darstellung der Geschichte der Ökodörfer, auch in englischer Sprache: https://s3-eu-west-1.amazonaws.com/articles-and-essays/Intentional+community+/ECMare-Concise-History-Ecovillage.pdf


[ Geändert: Donnerstag, 16. November 2017, 11:40 ]
 
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Dieser Frage ging ein vom CCL durchgeführter Workshop bei der internationalen Jahreskonferenz 2017 des Klima-Bündnis in Essen nach. Zwei Stunden lang ließen sich rund zwanzig Mitarbeiter*innen aus Kommunalverwaltungen auf einen intensiven Diskussionsprozess mit überraschenden Ergebnissen ein. „Ich habe jetzt eine ganz andere Auffassung davon, wie unser Denken und Handeln in Hinsicht auf das Thema Klimaschutz am besten verändert werden kann“, stellte eine der Teilnehmenden am Ende fest.

Diskutierende WorkshopteilnehmendeFoto: © KWI

Der Treffpunkt für die „In Situ Session at Climate Alliance‘s International Annual Conference 2017“ zum Thema Klimakultur am 21. September war dem Anlass entsprechend gewählt: das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in Essen mit langjähriger Expertise zu Klimawandel und Partizipationskultur. „In Situ“, lateinisch für „am Ort“ bedeutet, dass die räumliche Umgebung einen passenden stimulierenden Einfluss auf die Zusammenkunft ausübt. Dazu passte der Aufbau des Workshops, der wie die zehn weiteren „In Situ Sessions“ die vertiefende Kommunikation zwischen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Städten fördern sollte.

Unterstützt von einer kleinen Diskussionsaufgabe fand die gemeinsame Einstimmung in die „In Situ Session“ bei einem kurzen Spaziergang durch Essen statt. Die ehemalige Kohlemetropole wirbt heute als „Grüne Hauptstadt 2017 für Umweltfreundlichkeit. Während die Teilnehmenden zwanzig Minuten lang vom „Haus der Technik“, dem Hauptkonferenzort, zum KWI liefen, unterhielten sie sich über ihr jeweiliges Verständnis vom Klima-Kulturwandel.

Vor Ort angekommen, führte sie Esther Trost vom KWI aus wissenschaftlicher Perspektive ins Thema ein und wies auf die Kernproblematik der nötigen klimafreundlichen Transformation hin: Veränderungen kultureller Routinen und Praktiken würden oftmals nur sehr langsam vollzogen, da diese fest in der Gesellschaft verankert seien und somit nicht überdacht würden. Im nächsten Schritt forderte die Workshopsleitung dazu auf, an Hand einer einfachen Übung über die eigenen Vorstellungen zum Thema nachzudenken. Dazu nutzte Moderatorin Dr. Minu Hemmati (Unterauftragnehmerin des CCL bei Gestaltung und Moderation ) ein Modell mit vier möglichen Dimensionen, aus denen gesellschaftliche Veränderungen entspringen können.
Grafik der 4 Dimensionen von Veränderung
Abb.: © Dr. Minu Hemmati

Die vier Dimensionen wurden auf Postern in Vier-Quadranten-Formation auf den Boden gelegt. Nun sollten sich die Workshopteilnehmenden in den Quadranten stellen, der ihres Erachtens am besten Veränderungen hin zu einer klimafreundlichen Kultur bewirken kann und deshalb für sie die wichtigste Dimension von Veränderung beschreibt. Trotz ihres sehr ähnlichen beruflichen Hintergrundes kamen die Beteiligten dabei zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen!

Workshopteilnehmerin steht in der Mitte der vier Quadranten

Foto: © KWI
Jetzt folgte der wichtigste Teil des Workshops: die Reflexion der eigenen Standort-bestimmung. In kleinen Gruppen und später in großer Runde wurde darüber diskutiert, wie die verschiedenen Dimensionen von Veränderung zusammenhängen und auf welche Dimension sich die eigene Arbeit am stärksten bezieht.
Personen sitzen im Kreis und diskutieren

Foto: © KWI

Beim Austausch miteinander wurde klar, wie verschieden die Einschätzungen und Herangehensweisen selbst bei Menschen sind, die aus einem ähnlichen Arbeitsumfeld stammen und ähnliche Ziele verfolgen. Für einen gelingenden Klimakulturwandel sind Gespräch und Austausch deshalb unverzichtbar. Wenn alle teilhaben sollen, gehen Konflikt und Kooperation oft Hand in Hand. Diese Dynamik in gemeinsames Handeln zu übersetzen ist eine der kulturellen Aufgaben! Gerade das Thema Kultur sei aber schwer greifbar, meinten einige Teilnehmende. Auch die Brauchbarkeit des Modells an sich wurde kritisch hinterfragt. Allmählich wuchs jedoch die Erkenntnis, dass alle vier Dimensionen von Veränderung miteinander verbunden sind und in der Klima-Kultur-Arbeit beachtet werden müssen. Dabei sei es hilfreich, im praktischen Alltag eine Einteilung wie bei den Dimensionen im Modell vorzunehmen, damit Veränderungen umfassender strategisch geplant und umgesetzt werden können. Beispielsweise könne man im Detail analysieren, welche Schritte in welchen Dimensionen aufeinander abgestimmt werden sollten oder mit welchen Akteuren (Stakeholdern) man es zu tun hat und wie man diese am besten ansprechen kann.

Abschließend wurde der Frage nachgegangen, was Kommunen noch tun könnten, um Entwicklungen hin zu klimafreundlichen Kulturen voranzubringen. Hier zeigte sich, dass zu wenig Wissen über bestehende Klimakultur-Praktiken vorhanden ist und es sehr wünschenswert wäre, dieses besser zu verbreiten und weitere Projekte an den Start zu bringen. Auch die Notwendigkeit verstärkter Kommunikation und Netzwerkarbeit wurde betont. Am Ende des Workshops ging es wieder zurück an den Konferenzort der Klima-Bündnis-Jahresveranstaltung. Dieser zweite Spaziergang ermöglichte es allen Teilnehmenden, im Gehen ihre Resümees zu vertiefen, denn auch das ist Teil einer kulturellen Strategie: Veränderung findet nicht allein im Kopf statt, sondern muß ein ganzheitliches Erlebnis darstellen, bei dem auch der Körper zum Einsatz kommt.
[ Geändert: Montag, 27. November 2017, 14:32 ]
 
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von Marian CCL - Freitag, 6. Oktober 2017, 10:44
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Am 4.11.2017 ist es in Viernheim so weit. Einen ganzen Tag lang lädt das ClimateCulture-Lab zusammen mit dem dortigen Brundtlandbüro und der Wirtschaftsförderung zur dritten Klimakulturwerkstatt ein. Damit möglichst viele von den 32.000 VierheimerInnen über das kostenfreie Angebot Bescheid wissen, hatte ihr erster Stadtrat, Jens Bolze, zur Pressekonferenz am 28.9. 2017 geladen.

Philipp Grnzow, Jens Bolze, Annette Rihm, Dr. Feli Wagner im Viernheimer Brundtlandbüro

Schon hier zeigt sich, dass Viernheim ein ganz besonderer Ort ist. Wo in Deutschland gibt es das sonst noch, dass eine kleine Mittelstadt über eine ganz eigene Zeitung verfügt? Neben dem Vertreter des Viernheimer Tageblatts erschienen zum Termin im Brundtlandbüro unter anderen auch noch sein Kollege vom Mannheimer Morgen, Ausgabe Südhessen. Beide Journalisten sollten ein paar Tage später ihre Artikel über das kommende Ereignis veröffentlichten. Ihre Informationen bekamen sie vor Ort aus erster Hand, denn auch Dr. Felix Wagner vom CCL war eigens angereist.

Wovon handelt die Werkstatt des ClimateCulture-Lab? Obwohl Energie ein wichtiges kommunales Thema ist, kommen Solaranlagen, Kraftwerke oder Kilowattstunden nicht zur Sprache. Im Zentrum steht das Thema Kulturwandel, so Dr. Felix Wagner. Einen ersten Schritt hat Viernheim dazu schon gemacht, als die Kommune 1994 vom hessischen Umweltministerium den Titel Brundtlandkommune verliehen bekam. Die Pressekonferenz fand dann auch im Brundtlandbüro statt. Energiesparen gehört hier seitdem zum Tagesgeschäft.

Jetzt sollen die Klimaschutzbemühungen noch einmal intensiviert werden. Die Klimakulturwerkstatt in Viernheim wird der Auftakt für die Erstellung eines neuen kommunalen Klimaschutzkonzepts sein, das die Bereiche Konsum, Ernährung, Lebensstile und Mobilität intensiv beleuchten will. Verhaltensänderungen gehören deshalb in jedem Fall auf die Agenda, wenn es um klimafreundliche Kultur geht. Der erste Stadtrat Jens Bolze, ein überzeugter Klimaschützer, sieht beispielsweise eine Aufgabe darin, möglichst viele Menschen zu inspirieren, das Auto stehen zu lassen und den Bäcker zu Fuß aufzusuchen.

Aber das CCL, so Dr. Felix Wagner, stellt noch eine viel tiefer gehende Frage: Wie können wir ganz individuell und trotzdem gemeinsam Kultur wandeln? Nach den Vorreden von Jens Bolze sowie dem Brundtlandbeauftragten Philipp Granzow erläuterte unser CCL-Kollege, dass sich die KlimaKulturwerkstatt nicht unbedingt um neue Lernmethoden und Tricks dreht, die zu klimafreundlichlichem Verhalten inspirieren. Solch kleine Taktiken spielen natürlich auch eine Rolle der Fokus des CCL liegt jedoch auf der Entwicklung eines umfassenden neuen Verständnisses.

Eine Analogie soll dies illustrieren: Wer seinem Körper wirklich etwas Gutes tun will, etwa aufgrund einer Krankheit, muss alle Ernährungsgewohnheiten umstellen. Eine Diät oder ein Sportprogramm allein reichen nicht. Gemeinsam mit den Familienangehörigen bedarf es der Entscheidung für eine andere Esskultur. Aus solch einer Entscheidung entwickelt sich eine Vielzahl neuer Projekte wie der Tisch gedeckt wird, wie Feste gefeiert werden, wie gekocht wird.

Für die Beteiligten bedeutet das Aufbruch und die Entdeckung und Erfindung ganz neuer Verhaltensweisen. Während die Prägung neuer Esskulturen bereits vielfältig erprobt ist, steht die Entwicklung einer umfassenden, klimafreundlichen Alltagskultur noch am Anfang. In Viernheim sind die Voraussetzungen sehr gut, dass hier etwas Überraschendes entstehen kann . Eine Vielzahl sehr unterschiedlicher engagierter Menschen, die sich sonst nicht unbedingt treffen, werden zusammenkommen. Damit die Werkstatt tätsächlich ein Erfolg wird, gab Dr. Felix Wagner eine Losung aus:

Wir müssen es nur schaffen, immer wieder einen klaren Kopf und das Herz von Abenteurer*Innen zu bewahren und dies in unser Denken, Fühlen und Handeln fließen lassen.



[ Geändert: Freitag, 6. Oktober 2017, 10:45 ]
 
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Ergebnisdiskussion im Amphitheater









Foto: © CCL

Wir freuen uns! Das CCL hat einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht: die erstekommunale Werkstatt fand am 15. Juli im Karlsruhe statt. Ich konnte zwar selbst nicht dabei sein, aber meine Teamkolleg*innen haben mir Spannendes berichtet.

Das Ereignis war mit viel Neugier erwartet worden. Fast fünfzig Teilnehmer*innen, vornehmlich aus Karlsruhe und mit sehr unterschiedlichen Hintergrunderfahrungen, hatten sich angemeldet. Als Arbeitsort war das Waldzentrum in Karlsruhe mit seiner inspirierenden Atmosphäre ausgewählt worden. Normalerweise trifft sich hier Jung und Alt zu kleinen Naturabenteuern, sei es ein „Survival-Experience“ oder eine Wiesenexpedition. Mit dem ClimateCulture-Lab ging es diesmal darum, Neuland für den Klimakulturwandel zu entdecken. Es sollten die Lösungsansätze identifiziert werden, die im eigenen beruflichen und privaten Umfeld umsetzbar sind.

Den würdigen Einstieg machte Bürgermeister Klaus Stapf, der in Karlsruhe das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz leitet. Auch wenn die Kommune schon viele Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt hat, so betonte er doch, dass es in der Stadt „300.000 Klimaschützer*innen“ braucht. Nur allen gemeinsam wird es erfolgreich gelingen, den Klimawandel einzudämmen. Gerade „in postfaktischen Zeiten“, so Zapf weiter, sei es wichtig auf der Basis belastbarer Daten zu arbeiten.

Doch das ist gar nicht so einfach. Während sich 97% aller Wissenschaftler

über den Menschen als Auslöser des Klimawandels einig sind, gibt es ein breites Spektrum an Szenarien hinsichtlich der möglichen Folgen. Was bedeutet ein globaler Mitteltemperaturanstieg von 2° C über dem vorindustriellen Wert jeweils vor Ort? Ab wann wird dieser Wert erreicht sein? Bei der kommunalen Werkstätte des ClimateCulture-Lab erwähnte Prof. Dr. Frank Schilling (Sprecher des KIT-Zentrums Klima und Umwelt) die erschreckende Zahl einer möglichen Erwärmung in Karlsruhe um acht Grad. Damit sprach er ein heikles Eisen an. Es klafft heute noch eine große Lücke zwischen den bestehenden Klimaschutzanstrengungen und dem was wirklich nötig ist, also der tatsächlich erforderlichen Dimension des anstehenden Kulturwandels.

Umso wichtiger ist das Handeln eines jeden Einzelnen. Anette Anthrakidis und Mirjam Schöttler vom ClimateCulture-Lab-Partner Solar-Institut Jülich stellten deshalb mögliche Wärme-, Strom- und Mobilitätswendeszenarien vor, wobei sie die Hebung aller regionalen Potenziale zur CO2-freien Energieerzeugung in Karlsruhe berücksichtigten. Sie zeigten in ihrem Vortrag auch, dass die Klimaziele nur durch bewusstes energiesparendes Verhalten jedes Einzelnen erreichbar sind und dies konsequent in allen Lebensbereichen. Die Nutzung von ÖPN, CarSharing und Fahrrad statt des eigenen PKWs ist hier einer der ganz wichtigen Bausteine.

Nach den einstimmenden Vorträgen waren die Teilnehmer*innen der kommunalen Werkstatt gefragt, eigene Antworten zu entwickeln. Was bedeutet der Umstieg auf eine klimafreundliche Lebensweise für mich persönlich? Mit einer angeleiteten „Inneren Reise in die Zukunft“ nahm die Leiterin des ClimateCulture-Labs, Andrea Steckert, die Anwesenden auf eine erste Entdeckungstour zu den eigenen Gefühlen und Gedanken mit. Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist: Was bedeutet es klimafreundlich zu leben, was wünschen wir uns für später und welche Handlungsmöglichkeiten sehen wir, was sind die nächsten Schritte?

Rad der Nachhaltigkeit

Foto: © CCL
Auf dem von ClimateCulture-Lab- Mitarbeiter Dr. Felix Wagner entwickelten „Rad der Nachhaltigkeit“ konnten die Teilnehmer*innen die Gestaltungsbandbreite einer klimafreundlichen Kultur spielerisch kennenlernen und erste Umsetzungsideen äußern. Wo stehen wir in Karlsruhe und welche Potenziale sollen jetzt erschlossen

werden?

Zur Entwicklung konkreter Pläne brauchte es noch die passende Stärkung. Eine leckeres regionales, vegetarisch und veganes Mittagessen bot die Gelegenheit, eine klimafreundliche Ernährung zu kosten.

vegetarisches Buffet mit Hummus etc
Foto: © CCL
Danach ging es an die Arbeit in Lab-Gruppen. Das bedeutete: neue Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Entscheidungs-Brillen aufsetzen. Angelehnt an die Methodik des „Design Thinkings“ wurden in sieben Teams Ideen skizziert und sogenannte „Prototypen“ für kultur-kreative Ansätze in Karlsruhe entwickelt. Wichtig hierbei war der spielerische Ansatz, also eine Arbeitshaltung nach Regeln wie „traue Dich auszuprobieren“, „sei fehlerfreundlich und konstruktiv“ oder „baue auf Ideen anderer auf“. Zum Design-Thinking gehört auch, dass das Vorgehen durchaus plakativ sein darf, damit in kurzer Zeit möglichst viele Konzepte entstehen. Ganz unterschiedliche Entwürfe waren das Resultat.

5 Personen arbeiten an einer Pinwand zum Thema "Bewusstseinswandel im Alltag"
Foto: © CCL

Die Gruppe „Bewusstseinswandel im Alltag schaffen“ entwickelte Ideen zur Vernetzung und besseren Sichtbarmachung bereits bestehender Initiativen wie Gemeinschaftsgärten, Radfahrgruppen, klimafreundlicher Einkaufsmöglichkeiten usw. Bei der „Expedition Zukunft“ ging es um die Idee einer nachhaltigen Klassenfahrt, die filmisch begleitet werden sollte. Die „Klimakampagne“ wollte ein Netzwerk der Netzwerke organisieren, bei dem verschiedene Initiative verschiedene Zielgruppen zu Themen wie Mobilität ansprechen. Weitere Prototypen trugen Titel wie „Lasternrad-Sharing“, „Suffizienz positiv erleben“, „Autofreie Stadt“ oder „Motivationskampagne für Mieter“.

Die fertigen Prototypen wurden am späteren Nachmittag als „Samenkörner für die Zukunft“ von den einzelnen Kleingruppen in einem Amphitheater auf die Bühne gebracht. Sie erlebten so Ihre Weltpremiere. Eine würdige Abschlusspräsentation eines inspirierenden Tages, der den Startschuss gab für eine neue Form klimafreundlichen kulturellen Handelns in Karlsruhe, finde ich! Bei einer der nächsten Werkstätten werde ich dabei sein, da bin ich mir sicher, das verspricht Eure Bloggerin

Marian

P.S. Das CCL veranstaltet nicht nur acht regionale Werkstätten, sondern auch vier überregionale. Dort treffen sich alle Beteiligte wieder und können darüber berichten, wie sich ihre Projekte entwickelt haben.



[ Geändert: Freitag, 28. Juli 2017, 13:15 ]
 
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von Marian CCL - Montag, 10. Juli 2017, 10:20
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  Foto: WillemThomsen, Performance "Tausend Gestalten"

"Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben   daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter   kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen - je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen." (Michael Ende, „Momo“)

Im letzten Blogbeitrag schrieb ich davon, dass im Mittelpunkt des "Klimakulturwandels" die Zeitfrage stehe. Vor zwei Wochen ahnte ich noch nicht, dass dieses Thema gerade am Rande des G20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli 2017 wieder auftauchen würde. Lassen wir dazu noch einmal die stärksten Bilder dieses Ereignisses Revue passieren: Trump und Putin schütteln Hände, Staatschefs lauschen in der Elbphilharmonie der „Ode an die Freude“, und in einigen Stadtvierteln toben sich Vermummte aus; sie bauen Barrikaden, plündern Geschäfte und stecken Autos in Brand. Entsetzte Kommentare überschlagen sich. Trotzdem sind diese Szenen in gewisser Weise beliebig - man hat das schon so oft gesehen: das obligate „Politiker-Shake-Hands“ ebenso wie den Aufmerksamkeit heischenden, bestürzenden Rabatz der kriminellen Krawalltouristen.  

Ein sehr stilles Spektakel ganz anderer Art ereignete sich dagegen zwei Tage vor dem offiziellen Gipfelbeginn in Hamburg. Die grauen Herren der Zeitsparkasse aus Michael Endes Roman „Momo“ hatten anscheinend die Dimension gewechselt und schritten (zusammen mit ihren weiblichen Counterparts) wie eine Zombiearmee in Zeitlupe durch die zentralen Einkaufsstraßen der verkehrsberuhigten Innenstadt. Gefühlt Tausend (tatsächlich etwa sechshundert) Gestalten in grauen lehmverschmierten Anzügen strebten mit leerem entseelten Blick in ihren grau geschminkten Gesichtern einem Parkplatz zwischen den Hochhäusern zu. Um sie herum herrschte eine merkwürdige Stille, nur unterbrochen durch das Klicken kleiner Taschenaschenbecher, die sie in ihren Händen verborgen hatten. Ein gespenstischer Anblick. Als sich jedoch alle am Bestimmungsort versammelt hatten, änderte sich die Situation ganz plötzlich. Die Performance-Künstler zogen ihre steifen Totenanzüge aus, zum Vorschein kamen bunte Klamotten, lebendige Menschen, die jubelten und sich in den Armen lagen. Es war, als hätte Momo Zeitblumenblätter über ihre Freunde ausgestreut.


Foto: Christian Angl, Performance "Tausend Gestalten"

Die Aktion der „1000 Gestalten“ war Teil der künstlerischen Proteste gegen den G20-Gipfel. (Ein sehr informativer Tagesschau-Bericht zur Entstehung der Performance und zu weiteren Kunstaktionen findet sich hinter diesem Link).

Hier spürte man einen Aufbruchsimpuls, der bei der globalen Polit-Elite ebenso fehlte wie bei den marodierenden Straßen“kämpfern“. „Wir können nicht darauf warten, dass Veränderung von den Mächtigsten der Welt ausgeht, sondern müssen uns jetzt alle politisch und sozial verantwortlich zeigen“, erklärten Sprecher des Kollektivs 1000 GESTALTEN. „Wir wollen daran erinnern, wie identitätsstiftend Mitgefühl und Gemeinsinn für die Gesellschaft sind. Unsere Aktion ist ein weiteres Zeichen dafür, dass viele Menschen die zerstörerischen Auswirkungen des Kapitalismus nicht länger hinnehmen wollen. Was uns am Ende rettet, ist nicht unser Kontostand, sondern jemand, der uns die Hand reicht“.

Schöner hätte Momo es nicht sagen können. Sie verkörpert die Fähigkeit der Empathie, des Miteinander, des Zuhörens und des Zeit Habens, Füreinander und für die Umwelt. Eine Fähigkeit, die für den Klimakultur-Wandel dringend gebraucht wird. Zeit ist Geld, heißt es in unserer Gesellschaft. Michael Ende dachte in „Momo“ diesen Gedanken zu Ende und zeigte, dass wir zu grauen Sklaven des Profits werden, wenn wir Zeit nicht als die Ressource wahrnehmen, die sie ist: das, was unser (endliches) Leben ausmacht. Sich immer wieder Zeit nehmen, die Welt um sich herum spüren, sich mit ihr und mit anderen verbinden - das ist die Grundlage für die anstehende Transformation.

Im bereits erwähnten Tagesschau-Bericht zeigt ein namentlich nicht benannter Künstler, warum es „sehr subversiv sein [kann], wenn man im öffentlichen Raum einfach nichts tut und Zeit hat.“ Er und seine Partnerin liefen auf einer noblen Einkaufsstraße einfach rückwärts – wie Momo, als sie gegen die grauen Männer der Zeitsparkasse kämpfte. Manchmal ist es ganz einfach, Dinge anders zu machen – nur sehr ungewohnt. Und ja: Wer wirklich Veränderungen anstößt, wird anfangs oft belächelt. Auch das ist eine Erfahrung, wenn man Neuland betritt. Pioniere des Wandels wissen das und lassen sich davon nicht beirren.

Ich glaube, dass vom G-20-Gipfel in Hamburg in einem Jahr nicht die austauschbaren Gewaltbilder und nicht die ewig gleichen Talking Heads der Politiker übrigbleiben werden. Wenn sich die aktuelle Aufregung verzogen hat, wird die Performance der „1000 Gestalten“ nachwirken. Sie hat ein Sinnbild unserer Gesellschaft in die Welt gesetzt, das unter die Haut geht. Sie hat gezeigt, was Transformationsenergie ist – findet

Eure Marian

[ Geändert: Freitag, 28. Juli 2017, 13:15 ]
 
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von Marian CCL - Montag, 26. Juni 2017, 11:33
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Eines der heißesten Themen, wenn es um Klimaschutz geht, sind Flugreisen. Wer verzichtet schon gerne auf den lang ersehnten Trip ins exotische Urlaubsland? Ich muss gestehen, dass auch ich mir hier sehr schwer getan habe. Dabei gehöre ich garantiert nicht zu dem Typus Mensch, der eben mal für nen Wochenend-Ausflug in den Flieger steigt.

Innerhalb Deutschlands nehme ich immer den Zug. Dank Bahncard und diverser Sparpreisangebote bleibt das auch bezahlbar. Mein Auto vor Ort lasse ich meistens am Fahrbahnrand stehen, lieber steige ich aufs Fahrrad. Nur für größere Besorgungen oder einige Nachtschichten beim rbb in Potsdam-Babelsberg wird der alte Verbrennungs-Motor angeschmissen. (Gerne würde ich hierfür Car-Sharing nutzen. Ich habe es durchgerechnet: In meinem speziellen Fall bedeutete das viel weniger Komfort und deutlich höhere Kosten.)

Und wie mit brennendem Fernweh umgehen? Mein Credo lautet: Fanatismus hat die Gesellschaft noch niemals vorangebracht. Wer ein sehr großes Verlangen hat, mal nach Canada, nach Neuseeland oder wie der persönliche Sehnsuchtsort auch heißen mag, zu fliegen, sollte das tun, und zwar ohne schlechtes Gewissen. Die Organisation atmosfair hat ein Kompensationszahlungssystem entwickelt. Damit vermeidet man zwar nicht die Emissionen, die man selbst erzeugt. Aber man trägt in Schwellen- und Entwicklungsländern zum Umstieg auf erneuerbare Energien bei, d.h. man bezahlt dafür, dass andernorts Emissionen durch Kohlekraft vermieden werden. Das ist zumindest besser als gedankenlos fliegen.

Beim CCL wollen wir jedoch auch vom Kulturwandel sprechen. Was soll ich sagen? Es ist nicht schwer, aber es dauert. Seit Jahren denke ich gerade über das Thema Reisen nach. In diesem Frühjahr kam mir die Bahn zu Hilfe. Ich fand ein Top-Sonderangebot für ein Ticket Berlin-London. Da wusste ich: so geht es. Ich nutze die preiswerte Fahrtgelegenheit und stelle mich innerlich auf eine etwas längere Reisezeit ein. Seitdem "arbeitet" es in mir. Wie wird es wohl sein, so lange im Zug zu sitzen, fragt meine innere Stimmer Nummer Eins. Was stellst Du Dich denn an, kommentiert die innere Stimme Nummer Zwei. Sie erinnert mich daran, dass ich früher, in den 1970-ern und 1980-ern immer einen ganzen Tag lang unterwegs war.

Und plötzlich zeigt sich das Thema "Klimakulturwandel" von einer neuen Seite: im Mittelpunkt steht die Zeitfrage. Wofür nehme ich mir Zeit und warum, wofür nicht? Wieviel Zeit habe ich überhaupt? Dabei möchte ich es mit diesem Blog-Post belassen. Wenn wir über Reisen sprechen, dann sprechen wir über Zeit. Das ist ein ganz zentraler Punkt auf dem Weg in eine klimafreundliche Welt. Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Herzlich, Eure Marian


[ Geändert: Freitag, 28. Juli 2017, 13:15 ]
 
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