Kraft der Vision - Wege in eine enkeltaugliche Zukunft

Über CCL: ClimateCulture-Lab
Reisestation/Kurs: Video-Sessions
Buch: Kraft der Vision - Wege in eine enkeltaugliche Zukunft
Gedruckt von: Gast
Datum: Samstag, 21. September 2019, 02:32

1. Einführung

Visionen…positive Bilder des Möglichen….treibende Kräfte von Ideen einer klimafreundlichen und enkeltauglichen Zukunft…Wünsche und Träume…

…mit diesen Begriffen eröffnet sich ein sehr weites Feld. Deshalb wollen wir hier in Ergänzung zum Video 2 eine Sammlung von unterschiedlichen Ansichten und Einsichten zum Thema und konkrete Hinweise zur weiteren Beschäftigung mit persönlichen und gesellschaftlichen Visionen bereitstellen.

Visionen können eine Ausrichtung und immer wieder Handlungsimpulse geben, neue oder andere Wege zu beschreiten in eine wünschenswerte Zukunft. Wir leben in Zeiten, die so herausfordernd sind, dass man leicht dazu geneigt ist, die Sinne zu verschließen und sich nicht um all die Schrecknisse kümmern zu wollen.  Auf der anderen Seite besteht auch die Gefahr, angesichts all der notwendigen Änderungen in verschiedensten Bereichen des Lebens und der Gesellschaft, die Orientierung für die nächsten konkreten Schritte zu verlieren. Hier können Visionen Richtungen weisen und uns auf dem Weg hin zu gewünschten Zielen immer wieder neu motivieren. Gerade für die Arbeit im Klimaschutz, die oft wie ein Marathon erscheint, eines sehr langen Atems bedarf und auch immer wieder Rückschläge erleidet, können positive Ahnungen der Zukunft kraftgebend sein.

Gesprächspartner


Für die Videosession 2 haben wir uns als Gesprächspartner Theodor Dierk Petzold gesucht. Der psychotherapeutisch tätige Arzt entwickelte auf Grundlage des Konzeptes von Aaron Antonovsky die Salutogene Kommunikation. Diese spezielle Gesprächsführung ist auf attraktive Gesundheitsziele und hilfreiche Ressourcen ausgerichtet. Ziel hierbei ist es Selbstheilungskräfte anzuregen. Angelehnt an die Systemtheorie wird von einem nichtlinearen, gar einem chaotischen Prozess ausgegangen. Bestimmte Zielvorstellungen („Attraktoren“) bilden hierbei Anziehungs- und Orientierungspunkte auf dem Weg hin zu Gesundheit und einem Gefühl der Stimmigkeit und Verbundenheit. Visionen sind damit Attraktoren und deshalb fanden wir es sehr spannend Theodor Petzold zu diesen Themen zu befragen und herauszufinden, wie sich seine Konzepte auf Themen eines KlimaKultur-Wandels übertragen lassen. Außerdem ist Theodor Petzold auch ein wunderbares Beispiel für einen praktischen Visionär. Seit den 1980ger gestaltet er aktiv aus der Vision einer Naturverbundenheit und Leben in Gemeinschaft heraus das Dorf Heckenbeck und betreibt das Zentrum für Salutogenese. Sein neustes Projekt ist das Kompetenzzentrum für Übergänge (siehe die Beschreibungen am Ende des Textes).

2. Was ist mit Visionen gemeint?

Visionen lassen sich betrachten als markante Zielräume auf einer inneren, mentalen Landkarte. Wie Leuchttürme können diese Orientierung geben und zugleich als Attraktoren wirken, indem ein deutlicher und wünschenswerter Unterschied zur aktuellen Situation erkennbar wird. 


Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens in ihr verbringen.1
Charles Kettering (1876-1958)


Wer sich die Zukunft probehalber schon mal vor Augen führen möchte, kann das auf drei verschiedene Weisen tun: mit Hilfe einer Utopie, inspiriert durch eine Vision oder ganz praktisch an Hand der Szenario-Technik.

Mit dem Entwurf einer Utopie zeichnet man das große Bild einer zukünftigen wünschenswerten Gesellschaft, ohne dass der Weg dorthin klar ist. Über Jahrhunderte waren Freiheits- oder Sozialutopien maßgebliche Idealvorstellungen, für die Menschen sich einsetzten, kämpften und sogar starben. Mit dem Scheitern des „Realen Sozialismus“ in Osteuropa und Russland ist es allerdings recht still geworden um die Idee vom großen utopischen Ideen-(Ent-)Wurf. Stattdessen malt man sich die Zukunft mit Hilfe von Visionen aus, die gewissermaßen die kleinen Schwestern der Utopie sind.

Visionen sind nicht an Gesellschaftsveränderung gebunden, jede Firma hat eine „Vision“ ihrer „Mission“, also eine Vorstellung davon, wo sie hinwill. Dennoch können auch Visionen vom utopischen Denken inspiriert sein, vor allem wenn es um Fragen der gesellschaftlichen Transformation hin zu einer klima- und enkelfreundlichen Zukunft geht. Visionen (in der Mehrzahl) machen die (ferne) Utopie Stück für Stück vorstellbarer. Sie stehen zwischen Traum und Wirklichkeit und ziehen ihre Kraft aus beidem: dem Ungefähren, das dem Wunsch so nahe ist und dem Konkreten, das nach Realisierung verlangt.

„Wir brauchen Luftschlösser“, formulierte der Mitbegründer der Zukunftsforschung, Robert Jungk. Er war es, der das Format der Zukunftswerkstatt erfand, und damit ein demokratisches gemeinsames Instrument des Träumens und Planens.2

In der Disziplin der Zukunftsforschung haben sich mit den Szenariotechniken auch ganz konkrete Instrumente etabliert, die eine Auseinandersetzung mit Entwicklungsoptionen fördern. Zum einen wird die Szenariotechnik z.B. in der Klimawissenschaft eingesetzt, um aufzuzeigen, welche Technologie-entscheidungen sehr wahrscheinlich zu welchem Temperaturanstieg führen werden. Aber auch im Rahmen von Zukunftskonferenzen wird die Szenariotechnik angewandt. In dem Projekt D2030 wurden 8 Szenarien für Deutschland im Jahre 2030 entwickelt. Bei einer Abstimmung in einer Zukunftskonferenz votierten 77 Prozent der Teilnehmer*Innen für das Szenario „Stärke durch Vielfalt“, das für eine erneuerte soziale Marktwirtschaft steht und bei dem Zuwanderung als Chance für gesellschaftliche Vielfalt gesehen wird.3  Diese Szenarien haben gewissermaßen einen visionären Anteil, denn es geht hierbei explizit auch um die Wünsche und nicht um rein faktenbasierte Voraussagen. Es gibt zwar Einrichtungen wie das Institut Futur, samt Masterstudiengang Zukunftsforschung, das Zukunftsinstitut, das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und einige andere, aber es bleibt zunächst die grundliegende Problematik:

„Das Vorhersagen ist nicht einfach, besonders, wenn es die Zukunft anbelangt.“
 Albert Einstein (1879-1955)


Aktuelle Vorhersagen und wissenschaftliche Berechnungen aus Klima- und Nachhaltigkeitsforschung zeichnen realistisch betrachtet eher dystopische Szenarien, falls den bisherigen gesellschaftlichen Entwicklungspfaden weiterhin gefolgt wird. Die Möglichkeit bewusst andere Wege einzuschlagen, wird als nichts weniger als die „Große Transformation“ bezeichnet (s. hierzu Video-Session1), einer fundamentalen Neuausrichtung gesamtgesellschaftlicher Lebensweisen.

Im Sinne einer kulturkreativen Transformation, wie sie das CCL anregt, stellt sich die Frage nach der einzuschlagenden Richtung auf dem Weg ins Neuland der Zukunft. In Zeiten drängender Aktionen und Maßnahmen im Klimaschutz braucht es eine gewisse visionäre Freiheit für die Beschäftigung mit Fragen folgender Art: „Wie will ich leben?“ und „Wie stelle ich mir eine lebenswerte klimafreundliche Zukunft vor?“

Mit Visionen sind also Vorstellungen und innere Bilder gemeint, die uns Ideen und ein Gespür davon geben, wie eine positive Zukunft aussehen könnte. Die Entstehung einer Vision ist ein kreativer Prozess, der losgelöst von der „notwendigen“ Betrachtung, was alles getan werden muss, um den ökologischen und sozialen Kollaps zu verhindern, zunächst zum Träumen einlädt.

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1 Die Zitate und Aphorismen in dem Text sind entnommen der creapedia Webseite
2 Siehe hierzu auch den Abschnitt „Methoden für Visionsarbeit“ in diesem Text.
3 Artikel in der taz vom 23.07.2017 „Wo geht´s zur Zukunft?“

3. Träume...

...verleihen uns Flügel


„Das Träumen ist der Sonntag des Denkens.“
Henri-Frederic Amiel (1821-1881)



Damit ist nicht gemeint, dass das Denken einen Ruhetag einlegt, sondern eine kontemplative Qualität im Vordergrund steht. Sehnsüchte und Hoffnungen sind an der Entstehung einer Vision maßgeblich beteiligt. Unser Gesprächspartner Theodor Dierk Petzold in Video 2 drückt dies so aus: Zielvorstellungen müssen einen attraktiven Charakter haben. So werden Sie zu Attraktoren, die uns und unser gesellschaftliches System in eine bestimmte Richtung ziehen.

Nicht das Ausformulieren bestimmter Visionen ist hier das Wichtigste, denn es geht nicht um die Buchstaben, sondern die tragendende Kraft, die aus einer Vision erwachsen kann. Sie gibt dem inneren Feuer Nahrung. Auch in schwierigen Zeiten, in denen die Flamme sehr klein sein mag, kann eine Vision das Weiterbrennen erleichtern. Und wir alle kennen das: Wenn ich weiß, wofür mein Herz wirklich schlägt, gehen auch schwierige Arbeiten und Prozesse leichter von der Hand.




... sind Schäume und Utopist*innen realitätsfern?


„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“
Helmut Schmidt (1918-2015)

Helmut Schmidt sagte 2010 in einem Interview mit der ZEIT: „Es war eine pampige Antwort auf eine dusslige Frage“ („Wo ist Ihre große Vision?“). Visionsentwicklung muss also nicht mit Krankheitswert einhergehen, das ist doch beruhigend. Trotzdem herrscht oft das Bild vor, dass Visionen Illusionen wären und sich Utopien einfach nicht lohnen.

Wissenschaftlich fundiert und in diesem Kontext interessant sind die in langjähriger Forschungen gewonnen Erkenntnisse der Psychologin Gabriele Oettingen. Ihr 2015 erschienenes Buch “Rethinking Positive Thinking” fasst die Resultate ihrer Forschung im Bereich der Erwartungen, Hoffnungen und Zukunftsbildern zusammen. Ein frappierendes Ergebnis: Ein zu großes Festlegen auf bestimmte Visionen kann auch negative Effekte haben.4

Gemeint ist damit, dass zu klare Bilder einer gelungen Zukunft dazu führen können, sich im Hier und Heute zu gemütlich einzurichten, quasi in einer „mentalen Komfortzone“ zu verharren und sich nicht mehr ausreichend anzustrengen. Dies illustriert Gabrielle Oettingen im Rahmen einer an dem Beispiel von jungen Menschen, die sich eine gute berufliche Zukunft sehr plastisch vorstellten. Sie sagt, ihre Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Personen später im Berufsleben nicht so erfolgreich gewesen seien, wie Personen, die sich nicht so genaue Vorstellungen gemacht haben. Gleiches würde auch bei der Vorstellung von zukünftigen Partnerschaften gelten.

Auch Theodor Dierk Petzold betont ähnliches im CCL-Videogespräch. Er meinte, man solle sich bei Visionen nicht so festlegen, dies könne oft auch ein Hindernis sein. In dem Fall der Dorfgemeinschaft Heckenbeck hat er sich das zu Herzen genommen und sich bewusst keine genauen Vorstellungen gemacht. Er war sich seinen Wünschen nach Gemeinschaft und einem stärkerem Kontakt zur Natur bewusst, hat aber daraus keine feste Vision entwickelt, sondern diese mit den Menschen, die dazu kamen, im gemeinsamen Tun weiterentwickelt.


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4 https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/haben-wir-einen-mangel-an-visionen/

4. Visionäres Fazit

„Zukunft fällt nicht vom Himmel; Zukunft entsteht nur durch das Handeln der Menschen“
Robert Jungk (1913-1994)


Es braucht positiv besetzte Vorstellungen über die Zukunft, um Menschen Orientierung und Motivation zu geben. Eine genaue Festlegung dieser Vision kann aber auch ein Hindernis auf dem Weg der Umsetzung sein. Es geht also darum sich mit den inneren Bildern und Vorstellungen zu beschäftigen, eine Vorahnung einer möglichen Zukunft zu bekommen. Es ist auch durchaus sinnvoll sich diese Visionen detailliert auszumalen, aber dann gilt es, die konkreten Bilder auch wieder loszulassen und nicht festhalten zu wollen. Wir können die Zukunft nicht unbedingt genauso gestalten, wie wir uns das vorstellen und gleichzeitig können wir auch nicht davon ausgehen, dass sich die Träume von selbst erfüllen werden. Dies ist ein wenig paradox, aber sicher ist: Visionen ohne Aktionen sind Illusionen.

Und wie Theodor Dierk Petzold immer wieder in dem Videogespräch herausstellt, braucht es ganz dringend Kooperation, um eine wünschenswerte Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Er sagt auch, der Mensch sei eigentlich von Natur aus auf Kooperation ausgelegt und verweist hier auf die Studien von Michael Thomasello5.

Niemand kann alleine die Zukunft gestalten, es bedarf dafür die Zusammenarbeit und die kreative Kraft möglichst vieler. Und es gilt auch gemeinsam zu lernen Visionen zu entwickeln. Wir sind in unserer Gesellschaft noch zu wenig gewohnt gemeinsam von der Zukunft zu träumen und Wege zur kooperativen Umsetzung zu finden.


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5 https://www.mpg.de/7537349/teilen

5. Methoden für Visionsarbeit

Um individuelle und gemeinsame Vision zu entwickeln und um damit weiter zu arbeiten, dafür gibt es eine Vielzahl von methodischen Ansätzen und ein großes Angebot an Workshops und Kursen. Einige ausgewählte davon werden wir hier nun vorstellen.

Angelehnt an Naturvölker ist die sogenannte „traditionelle“ Visionssuche (Vision Quest), bei der an möglichst ursprünglichen Orten in der Natur, im Sinne eines Selbstfindungsritual neue Ausrichtungen im Leben gesucht werden. Dies kann eine gute Hilfestellung für Visionen im KlimaKultur-Wandel sein.

Direkter auf eine konkrete Umsetzung zielen Kreativitäts- und Imaginationstechniken, wie sie auch in der Unternehmensberatung und im Change Management üblich sind. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Walt-Disney-Methode.

Ein vielfach angewendetes Format ist die bereits erwähnte Zukunftswerkstatt, bei der demokratische (Mit)Gestaltung von Veränderungs- und Wandelungsprozessen das zentrale Credo ist. Es gibt hierfür eine Vielzahl von Anleitungen und weiterführender Literatur, eine gutgemachte Zusammenfassung ist das online pdf der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung.

Eine Schulung für den persönlichen Entwicklungsweg, sowohl im professionellen wie im privaten Bereich bieten die Pioneers of Change mit dem Online-Kurs Be.Come –Finde DEINEN Weg - In sieben Wochen vom Grübeln zum Handeln an.


Die Visionautik Akademie unterstützt Menschen dabei, Freiräume aufzuspüren, fantasievoll ambitionierte Visionen zu entwickeln und diese professionell umzusetzen. Ein Arbeitsbuch mit Übungen „Lebe deinen Traum“ ist kostenlos verfügbar. Außerdem werden Online Kurse angeboten und eine frei zugängliche Methodensammlung, bei der es z.B. auch eine Anleitung für eine „Vision Map“ gibt.

Für Gruppen im Bereich des KlimaKultur-Wandels gibt es außerdem Hilfestellungen und Tipps wie z.B. vom Netzwerk Regionale Wertschöpfungspartnerschaften.

Dragon Dreaming ist eine von John Croft entwickelte Visions- und Projektdesignmethode, speziell für kreative, nachhaltige und gemeinschaftliche Vorhaben. Mit Dragon Dreaming wird sehr ausführlich eine gemeinsame Vision geschaffen, in der auch alle persönlichen Visionen aller Beteiligten Ihre Erfüllung finden sollen. Hierzu gehört auch ein komplexer Masterplan mit klareren Zuständigkeiten und Rollen, wodurch die Umsetzung eindeutig strukturiert wird und gleichzeitig Raum für kreative und spontane Änderungen lässt. Ein sehr markanter Leitsatz bei John Croft lautet: „Perfection is the enemy of good!“

In dem Transition Handbook von Rob Hopkins, dem Gründer der Bewegung von Transition Town Initiatives, wird auch auf die Kraft von Visionen eingegangen. In Kapitel 8 wird eine Vision für das Jahr 2030 beschrieben und in Kapitel 9 dargelegt, wie in einem Gruppenprozess eine solche Vision in der Gemeinde Kinsale (Irland) entstanden ist.

Um sich in dieses Thema Visionen einzufinden, und sich „visionär“ zu betätigen, braucht es aber auch nicht unbedingt den Vollzug bestimmter Methoden, zunächst ist es auch schon ein guter Anfang zu Stift und Papier zu greifen und die Reflexionsübung aus dem Video 2 durchzuführen. Oder einen zu einem Kollegialen Coaching Kreis zum Thema Visionsbildung einzuladen!

Viel Freude und Kreativität beim Finden und Ausmalen von den ganz eigenen und gemeinsamen Visionen für klimafreundliche Kulturen und eine enkeltaugliche Zukunft, wünscht das CCL-Team von ganzen Herzen!

Einen Einblick in konkret gelebte Visionen werden wir in der Video Session 5 „Alternativen zur Alternativlosigkeit - Treibhäuser der Transformation“ geben. Hier werden Akteure z.B. aus Ökodörfern, Transition Town Initiativen, Energiegenossenschaften und anderen Gruppen von Pionieren des Wandels zu Wort kommen.


6. Weiterführende Informationen zum Gespräch mit Theodor Dierk Petzold

Dorfgemeinschaft Heckenbeck

Heckenbeck gehört zur niedersächsischen Stadt Bad Gandersheim im Landkreis Northeim. Seit Mitte der 80er Jahre hat das Dorf einen weitreichenden Wandel erlebt, entgegen dem an vielen ländlichen Orten vorherrschendem Trend der schwindenden Einwohnerzahlen sind viele Menschen zugezogen. Die Neubewohner*innen haben dem schon traditionell vorhandenen Dorfleben umfangreiche neue Einrichtungen und Aktivitäten hinzugefügt. Arztgemeinschaftspraxis, Therapie-Praxen, das Kulturzentrum „Weltbühne“, die „Freie Schule“, der Kindergarten „Pusteblume“, ein Bio-Dorfladen sowie neue Kunsthandwerk- und Handwerksbetriebe wie Maurer, Tischler, Ofenbauer, Bildhauerin mit Atelier.

Webseite von Heckenbeck
Dokumentarfilm über Heckenbeck im NDR

Zentrum für Salutogenese

Das Zentrum für Salutogenese befindet sich in Bad Gandersheim, ganz in der Nähe des Ortes Heckenbeck. Dort wird sich umfassend der Frage in Theorie und Praxis gewidmet, wie gesunde Entwicklung von Menschen sich vollzieht und wie sie gut unterstützt werden kann. Hierfür stehen Selbstheilungskräfte im Zentrum und „Kohärenz“ oder „Stimmigkeit“, beschrieben als ein Gefühl der Verbundenheit und des Vertrauens in das Leben. Das Motto dahinter lautet „Gesundheit ist ansteckend“, was auch gerade in Hinblick auf klimafreundlichen Kulturwandel sehr interessant ist. Empfinden, Denken und Handeln in Verbundenheit mit uns selbst, den anderen Menschen und der Umwelt, das ist klimafreundliches Leben und in dieser Weise auch so wirksam und attraktiv, dass dadurch andere angesteckt werden.

Theodor Dierk Petzold „Gesundheit ist ansteckend. Praxisbuch Salutogenese“. Irsiana Verlag, 2013


Kompetenzzentrum für Übergänge 

Eine überdisziplinäre Arbeitsgruppe hat sich das Ziel gesetzt ein Kompetenzzentrum für Übergänge zu schaffen.   Auf der Webseite wird zum Thema Übergänge erläutert:

„Ein charakteristisches Merkmal aller Übergänge ist, dass eine bislang als stimmig erlebte Verbundenheit (=Kohärenz) nicht mehr funktioniert und die neue Kohärenz noch nicht erreicht, manchmal noch gar nicht klar sichtbar ist. Zum Beispiel bei der Geburt, dem Sterben, in der Pubertät, wie auch beim Klimawandel, dem derzeitigen Finanzsystem oder dem Übergang von Krieg in Frieden und von Syrien nach Europa. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die Ungewissheit und Unvorhersagbarkeit hinsichtlich des Verlaufes. Angesichts immer komplexer werdender Lebenswelten ist es unser Anliegen, verschiedene Systemdynamiken tiefgehend und mehrdimensional zu erforschen und zu beschreiben. Die Frage nach hilfreichen Kompetenzen, um die dazugehörigen Prozesse zu leben, zu (er)tragen und bewusst zu gestalten, hat sich dabei als zentral herausgestellt.“



Diese hilfreichen Kompetenzen zu identifizieren und erlernbar zu machen, hierfür suchen die Gründer*Innen noch Mitgestalter!