Handreichung Video-Session 8 "Ästhetik des Wandels"

Über CCL: ClimateCulture-Lab
Reisestation/Kurs: Video-Sessions
Buch: Handreichung Video-Session 8 "Ästhetik des Wandels"
Gedruckt von: Gast
Datum: Freitag, 14. August 2020, 04:50

1. Einführung

Hintergrundinformationen

Das ClimateCulture-Lab (CCL) ist ein im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördertes Projekt. Ziel ist Stärkung des Klimakultur-Wandels hin zu einer „CO2-neutralen Gesellschaft“. Wenn Deutschland bis 2050 nahezu CO2-neutral werden soll, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation, welche die gesamte Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und konsumieren genauso betrifft wie die Art und Weise, in der wir die Welt und uns selbst darin erleben. Daher sprechen wir im CCL vom KlimaKultur-Wandel, denn es geht um einen klimafreundlichen kulturellen Wandel im Äußeren und im Inneren. Es ist ganz klar, allein kann dies niemand schaffen! Nur wenn möglichst viele Menschen gemeinsam zum Wandel beitragen, kann es gelingen.

Doch wie kann enkelfreundliches Handeln die neue Normalität werden bzw. wie können wir gemeinsam Teil der Lösung werden, anstatt durch gewohnte klima-unfreundliche Routinen die Probleme weiterhin zu verschärfen? Wie schaffen wir es, dass klimafreundliche Wertmaßstäbe zur Grundlage von Denken, Fühlen und Handeln möglichst vieler Menschen werden und damit zum selbstverständlichen Ausgangspunkt vernünftigen Verhaltens?

In Videosession 5 & 6 wurde das für den gemeinsamen Kulturwandel wichtige Thema der kollektiven Intelligenz und Kollaboration aufgegriffen und weiter vertieft, und in der 7. Session ging es dann um die praktische Umsetzung dieser Konzepte, beispielhaft dargestellt im Rahmen der Transition-Bewegung. In der letzten, der 8. Videosession, sprachen wir nun mit Shelley Sacks, interdisziplinäre Künstlerin und Pionierin im Bereich soziale Plastik nach Joseph Beuys sowie emeritierte Professorin der Oxford Brookes Universität in England zum Thema Kunst und Klimaschutz. Wir wollten wissen: „Wie kann uns ein künstlerischer Blick anregen, die Ästhetik des Wandels zu erkennen und was hat Sinnlichkeit mit Transformation zu tun?“ Diesen und weiteren Fragen gehen wir in diesem Hintergrundpapier auf den Grund.


Gesprächspartnerin

Shelley Sacks wurde 1950 im Südafrika der Apartheid geboren. Bereits als Kind stellte sie sich – und ihrer Mutter – wiederholt Fragen wie die, warum die Angestellten des Haushaltes nicht wie die Sacks Familie von Porzellan Tellern im Speisezimmer, sondern von Blechgeschirr in der Küche die Reste der Familie aß, obwohl Shelley den Großteil des Tages in der liebevollen Obhut der schwarzen Angestellten verbrachte. Die resignierte Antwort ihrer Mutter war: „so sind die Dinge nun mal“. Dieser Satz wurde zu einer motivierenden Kraft und führte zu Shelley Sacks lebenslanger Determination, Vorurteile und Möglichkeiten diese zu verändern zu erforschen. Immer mit der zugrundeliegenden Fragestellung: Wie können wir unsere Art zu denken verändern und entwickeln?

Nach einem frühen Kunststudium im Alter von 16 Jahren, der parallelen Entwicklung einer Mediationspraxis und des politischen Engagements trug einer ihrer Lehrer dazu bei, dass Joseph Beuys Bilder ihrer Arbeit zu sehen bekam. Dieser war derartig angetan, dass er Shelley fragte, ob sie seine Schülerin in Deutschland werden wollte. Shelley, zu dem Zeitpunkt desillusioniert über den geringen Einfluss von Kunst auf politisch relevante Themen wie sozialer Ungerechtigkeit, folgte dem Angebot und tauchte in das Konzept der sozialen Plastik Beuys1 ein. Sie arbeitete über ein Jahrzehnt mit Beuys im Kontext seiner „Free International University“ („Freie internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“) und weitere zwei Jahrzehnte mit den Ideen der sozialen Plastik in vielen Ländern und unterschiedlichen Kontexten. 1997 nam sie eine Professur für interdisziplinäre Kunst und Soziale Plastik an der Oxford Brookes University, und gründet die „Social Sculpture Research Unit“ (SSRU, siehe: https://www.social-sculpture.org/). Obwohl sie heute emeritiert ist, arbeitet sie weiterhin mit einige Doktoranden und in bestimmten Forschungsprojekten. Weiterhin führt sie sogenannte „Social Sculpture Academy - Hubs“  in verschiedenen Ländern durch, um die Methodik der sozialen Plastik des von ihr mitentwickelten Masterprogramms in die Welt zu tragen (siehe: https://universityofthetrees.org/news/2019/social-sculpture-academy).

Ihre vielfältigen Projekte und Engagements während ihrer Auseinandersetzung mit der sozialen Plastik nach Joseph Beuys (siehe nächstes Kapitel) umspannen zum einen künstlerische Projekte. Beiträge zu Graswurzel-Initiativen und politischen Organisationen wie z.B. die „Bildung für Demokratie“ sowie Arbeit an Prozessen wie etwa an der Bürger Initiative „Ort des Treffens“ in Hannover (2009-2010) machen einen weiteren Schwerpunkt ihres Wirkens aus.

Von besonderer Bedeutung ist das Erdforum mit seinem vier-stufigen Prozess, mit dessen Entwicklung sie anlässlich des Nachhaltigkeitsgipfels in Johannesburg im Sommer 2002 begann und über das sie auch im CCL-Interview spricht. Im Fokus ihrer Arbeit stehen dabei immer der Zusammenhang zwischen Imagination und individueller sowie gesellschaftlicher Transformation sowie ein erweiterter Ästhetikbegriff in Fortführung der Inspirationen von Joseph Beuys. Weitere wichtige Einflüsse ihres Denkens sind Goethe, Schiller, Rudolph Steiner, Rabindranath Tagore, Joanna Macy, Ivan Illich, Hannah Arendt, um nur einige zu nennen.

Die integrative Spannweite ihrer Arbeit scheint übrigens auch im CCL-Kontext auf: 2015 nahm ihre Schülerin Antonia von Fürstenberg am 9. Symposium für Salutogenese2 in Heckenbeck teil und offerierte einen Workshop auf Grundlage des „Earth Forums unter dem Titel: „Eine Annäherung über „Imagination, Intuition und Inspiration“. Salutogenese war Focus in der CCL-Video-Session 2.



1 - Siehe weiterführende Quellen
2 - https://www.dachverband-salutogenese.de/cms/fileadmin/user_upload/Mensch50/12_Praxis_Fu_rstenberg_DM_50-51.pdf

2. Ästhetik des Wandels - Kunst und Klimaschutz

„Ich dachte lange, die größten Umweltprobleme wären der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps von Ökosystemen und der Klimawandel. Ich dachte mit 30 Jahren guter Forschung könnten wir diese Probleme lösen. Aber ich lag falsch. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Apathie…Und um mit diesen Problemen umgehen zu können, brauchen wir eine spirituelle und kulturelle Transformation – wir Wissenschaftler wissen jedoch nicht, wie das geht.“  - James Gustave Speth (eigene Übersetzung)

„Wenn es um die Kunst geht, muss man sich auf einen Begriff beziehen, der die gesamte kreative Tätigkeit des Menschen umfasst, der sich nicht nur mit dem Kunstbegriff im engeren Sinne begnügt. (…) Dieser neue Begriff ist die letzte Möglichkeit, die dem Menschen offensteht, um seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln und in der Folge auch die Qualität seiner eigenen Produkte zu verbessern.“1


Das CCL hat in seinen vorangegangenen Video-Sessions bereits verschiedene Perspektiven geschildert, wie Hemmnisse auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Alltagskultur und nachhaltigen Entwicklung überwunden werden können. Dabei wurde auch deutlich, dass es sich hier um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt. Eine Transformation ist notwendig, bei der individuelle und kollektive Verhaltensweisen auf den Prüfstand stehen - vor dem Hintergrund eines generellen Verständnisses der komplexen Thematik und mit den Kenntnissen tatsächlicher Handlungsoptionen. In dieser Video-Session zeigen wir, wie visionäre und vor allem gesellschaftliche Teilbereiche übergreifende Potentiale von Kunst und Kreativität einen wichtigen Beitrag leisten können.


Seit das Thema Klimawandel und Umweltzerstörung einen immer prominenteren Platz im gesellschaftlichen Diskurs erobert haben, nimmt auch der engagierte Teil der Kunstwelt dazu Stellung. Ein Beispiel hierfür ist etwa die von Carolyn Christov-Bakargiev geleitete Documenta 13 in Kassel aus dem Jahr 2012 unter dem Leitmotiv „Collapse and Recovery“ mit vielen künstlerische Positionen rundum die Umweltthematik samt ihrer sozialen Folgen. Im Inspirationsglossar der CCL-Plattform unter dem Buchstaben „P“ ist ein Beispiel zu finden: Amy Balkins Arbeit „Public Smog“. Künstlerische Annäherungen an den Klimawandel findet man auch, so ein weiteres Beispiel, in dem kurz vor der entscheidenden Klimaschutzkonferenz COP21 in Paris 2015 erschienenen, vom Goethe-Institut veranlassten Buch „Klima Kunst Kultur“. Die Autoren Ebert und Zell haben damit einen bildgewaltigen Sammelband gestaltet, der in Essays und Interviews aus kulturgeschichtlicher, ethnologischer und soziologischer Sicht der Frage nachgeht, wie eine klimaförderliche Kultur aussehen könnte. Zudem werden künstlerischen Projekte zum Thema Klimakatastrophen und dem Menschen als Verursacher dargestellt und dokumentiert.


Wenn wir uns mit diesen und anderen schöpferischen Arbeiten auseinandersetzen, erfahren wir die bekannte Wirkung von Kunst: sie zeigt und informiert, sie löst Betroffenheit und Bewunderung aus und gibt Handlungsimpulse ohne zwingend zu erscheinen. Vor allem aktiviert sie unsere Herzen, unsere Berührbarkeit. Mit einem höheren Freiheitsgrad als die Wissenschaft kann Kunst Lösungsszenarien erkunden und kreativ gestalten, sie adressiert ganz ohne Reglements den ganzen Menschen und nicht nur die kognitive Auffassungsfähigkeit. Während die Wissenschaft zwar Phänomene wie klimatische Veränderungen oder die Auswirkungen unseres Überkonsums auf die Umwelt analysieren und darauf aufbauend Prognosen und Handlungsempfehlungen formulieren kann, gelingt es der Kunst, alle Sinne des Menschen mit einzubeziehen. Generell kann eine künstlerische Auseinandersetzung Visionen eines zukunftsfähigen Lebens zeichnen, in einem Prozess, der über die reine Faktenvermittlung hinaus einen kreativen Entwicklungsraum eröffnet, in dem nachhaltige Entwicklung als etwas Gestaltbares erfahren werden kann.


Aber treten wir noch einmal einen Schritt zurück. Wenn von Kunst die Rede ist, denken viele Menschen an Gemälde und Skulpturen, vielleicht auch an Theater und Musik, manchmal sogar an Video-Installationen und Performances. All diesen Genres ist gemeinsam, dass sie einem Kunstverständnis im mehr oder weniger klassischen Sinn entsprechen: hier das Kunstangebot, da der Kunstgenuss. Dabei reicht die Interaktion mit den Arbeiten vom Staunen über das schöne und/oder schreckliche Bild bis hin zu Beteiligung an interaktiven Installationen, die z.B. ganz sinnlich das Abschmelzen der Gletscher spürbar machen. Die Werke eröffnen sozusagen einen neuen Raum und laden die Rezipienten ein, diesen zu erkunden und sich davon inspirieren zu lassen. Vom Denken ins Handeln kommen bedeutet bei dieser bekannten Wirkung von Kunst, dass der intensiv eindrückliche, künstlerische Impuls Handlungsveränderungen nach sich zieht.


Dass kreativer Ausdruck aber noch viel mehr sein und ganz anders und viel weiter wirken kann, nämlich eher (als) eine (Über-)Lebenskompetenz, das lässt sich an Hand des berühmten Zitats von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“ zeigen. Was meinte Beuys mit seinem geflügelten Wort, das so oft falsch verstanden wird? Sicherlich nicht, dass jeder beliebige Pinselstrich jedes beliebigen Menschen kreativen Wert hat. Stattdessen macht diese Aussage nur Sinn, wenn man sie im Kontext von Beuys Idee von der sozialen Plastik diskutiert.

Soziale Plastik oder –Skulptur wiederum ist ein Konzept, ein kunsttheoretischer Begriff, den man am besten vom Material her verstehen kann. Die „klassische“ Plastik/Skulptur ist aus festem Material: Stein, Holz, Eisen, PVC etc. Damit kann man Strukturen modellieren, die den realen Raum thematisieren, auf ihn einwirken, ihn mit allen Sinnen erfahrbar machen und ihn modifizieren. Was aber – und jetzt kommt ein großer Gedankensprung - wenn nicht der reale, sondern der soziale Raum Gegenstand der künstlerischen Betätigung und Veränderung werden soll? Aus welchem Material ist der soziale Raum geschaffen? Antwort: Aus den in Sprache und Handlung gegossenen Gedanken und Gefühlen der Menschen. Daraus kann eine soziale Plastik geformt werden. Oder, um es mit Shelley Sacks und Wolfgang Zumdick zu sagen: „Wenn wir mit unserem Denken und Imaginieren arbeiten, sind wir im Terrain der Sozialen Plastik.“2  Bei einer sozialen Plastik geht es demnach um die aktive kreative Gestaltung des „sozialen Organismus“, wie Beuys es nannte. Dies war 1967 ein unerhörter Gedanke, denn sein dergestalt um das kreative Denken und Handeln des Menschen „erweiterter Kunstbegriff“  hebt die Grenzen zwischen Kunstangebot und Kunstgenuss radikal auf. An die Stelle der Trennung tritt eine transformatorische Arbeit, an der sich jeder Mensch kreativ beteiligen kann und so selbst zum Schöpfer und Geschöpften der Gesellschaft um ihn herum wird.

Damit einher gehen Freiheit und Verantwortung: Mitverantwortung für die gesamte Gesellschaft und Freiheit, die eigene Spiritualität, Offenheit, Kreativität und Phantasie individuell zu entfalten. Kreativität in diesem erweiterten Kunstverständnis bedeutet demnach in einer aktiven Auseinandersetzung mit den Lebenswirklichkeiten um uns herum an der Entwicklung der eigenen Fähigkeit zu bildhaftem Wahrnehmen, Denken und Reflektieren zu arbeiten

Es geht also um die Realisierung, dass wir die Künstler oder Gestalter unseres eigenen Lebens sind - eine verstärkte Auseinandersetzung mit unseren inneren Fähigkeiten wie etwa dem bildhaften Denken unterstützt uns, auch in der äußeren Welt gestaltend tätig oder wirksam zu werden. Wichtig ist dabei der bewusste Beitrag zum sozialen Organismus aus innerer Notwendigkeit heraus – wenn es um Klimawandel geht, bedeutet dies, die je passende eigene Form für wirksame Handlungen und Aktionen im Sinne einer enkeltauglichen Zukunft zu finden.


Die Beuys-Schülerin Shelley Sacks, unsere Interviewpartnerin, sagt es so: „Wenn du nicht von Anfang an in Dialog und Verbindung mit deinen eigenen Fragen und Themen kommst, wirst du kaum die Libido finden, die es braucht, um sich ausdauernd und wirkungsvoll einer Sache zu widmen.“3  Gleichzeitig ist der Mensch zur Kreativität herausgefordert. In einem Kapitel des neuen Buches „Personal Sustainability: Exploring the Far Side of Sustainable Development"4  verweist Shelley Sacks auf ein besonderes Charakteristikum von uns Menschen, das uns von allem anderen Lebendigen unterscheidet: Ihrer Meinung nach ist der Mensch das einzige Geschöpf auf dem Planeten, welches sich nicht nach einem vorab festgelegten Plan entwickelt. Alle anderen Lebewesen entfalten sich je nach ihrer Art: Ein Baum ist ein Baum ohne sich dafür bewusst anstrengen zu müssen oder zu üben! Ebenso eine Katze, ein Eichhörnchen oder eine Rose. Wir jedoch müssen erst mühsam lernen, nicht nur wie man spricht, sondern vor allem auch, Mitgefühl zu entwickeln für Lebewesen und den Planeten außerhalb unseres unmittelbaren Umfeldes. Wir sind zudem die einzige Spezies, die Erfindungen macht, die den Planeten verwüsten können - bzw. es bereits tun. Und das gilt es zu verhindern. Weil: Die Menschheit aufgeben – nach dem Motto „der Planet ist ohne uns besser dran“, das ist kein Weg. Individueller Rückzug oder Distanzierung vom zerstörerischen Potenzial des Menschen und dem Zustand des Planeten ist auch keine Alternative ebenso wenig wie der bekannte Wunschtraum, künstliche Intelligenz könne irgendwie alles wieder geradebiegen. Aber uns steht die Perspektive der sozialen Plastik offen, denn wir sind als Menschen auch mit großer Schöpferkraft ausgestattet. Diese impliziert, dass wir die innere Entwicklung des Menschen in den Vordergrund stellen und die Tatsache anerkennen, dass wir die Kompetenzen zu einem erfolgreichen KlimaKultur-Wandel lernen, üben und gemeinsam im innen und außen erforschen müssen. Eine zukunftsfähige Welt basiert Shelley Sacks zufolge demnach auf einer größeren Verbindung, einem Verbund der Menschen mit sich, anderen und dem Rest der Welt. In ihrer Arbeit, die sie im Interview noch näher beschreibt, entwickelt und erprobt sie Methoden, diese Verbindung durch kreative Praxen zu fördern und somit Joseph Beuys ursprüngliche Ideen und Konzepte weiter zu entwickeln und vor allem praktisch umzusetzen.



1 - http://wolfgang-zumdick.de/wp-content/uploads/2017/03/evolve11_Shelley-Sacks_Wolfgang-Zumdick.pdf
2 - Für eine ausführlichere Darstellung siehe hier: http://www.utopiatoolbox.org/site/uploads/2017/06/Jeder_Mensch_ein_Kuentstler_d.pdf
3 - https://oya-online.de/article/read/446-Soziale_Plastik_heute.html
4 - siehe Parodi & Tamm, 2018.

3. Zusammenfassung des Interviews

Kernfragen der Video-Session 8, in der das CCL-Team im Gespräch mit Shelley Sacks eine weitere Möglichkeit zu bestehenden Ansätzen im KlimaKultur-Wandel vorstellt und gemeinsam untersucht, sind: Was haben Kunst und Ästhetik mit Klimawandel zu tun? Kann uns Kunst helfen, neue, förderliche Perspektiven auf Nachhaltigkeit und die nötige gesellschaftliche Transformation zu gewinnen? Nach der Begrüßung durch Andrea Steckert, die als CCL-Projektleitung das Interview führt, geht es zuerst um das (praktische) Forschungsfeld von Shelly Sacks und ihre aktuellen Projekte, sowie den Zusammenhang zwischen Kunst und die für eine klimafreundliche Gesellschaft notwendige Transformation aus ihrer Sicht.


3.1. Ästhetik jenseits der Kunst und Förderung des individuellen Vorstellungsvermögens

Shelley Sacks sieht den Kern ihrer Arbeit in der Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Vorstellungsvermögen des Menschen und (seiner) Transformation. Ästhetik1 begreift sie als Gegenteil von An-ästhesie2 oder Dumpfheit. Somit ist in ihrem Sinne alles, was Verbindung schafft und alles, was das persönliche Verstehen belebt oder generelle Lebendigkeit fördert, ästhetisch. Ein so erweiterter Begriff bringt die Ästhetik aus der engen Begrenzung der Kunst in relevante Bereiche der breiteren Gesellschaft, z.B. den des Klimaschutzes. Für sie ist dieser Prozess ein Teil der Kultivierung von „Zukunftsfähigkeit“ mit künstlerischen Imaginations-Praktiken. Ein weiterer Kernaspekt ihres Wirkens speist sich laut Sacks aus ihrer veränderten Interpretation des Begriffs der Verantwortlichkeit – im Englischen responsibility. Die Teilung des Wortes in response- und ability, also die Fähigkeit, zu reagieren oder zu antworten - „ability-to-respond“3 - birgt ihrer Meinung nach enormes Potential, Menschen zu ermächtigen. Indem Verantwortung weniger als Pflicht, denn als Menschen angelegte Kapazität, sich zu beziehen verstanden wird, kann Sacks Meinung nach eine innere - und somit nachhaltigere als die extern initiierte - Mobilisierung individueller Motivation angeregt werden.


Förderung des individuellen Vorstellungsvermögens

In ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Joseph Beuys, Begründer der „sozialen Plastik“, wurde sie auch durch seinen berühmten Ausspruch „Jeder Mensch ein Künstler“ inspiriert. In ihrer weiterführenden Arbeit möchte sie diese programmatische Bestimmung als Erkenntnis in praktische Methoden umsetzen, um in Menschen ein Bewusstsein für die ihnen innewohnende Kapazität zu schaffen, individuelle Denk-und Handlungsweisen zu verändern. Sie erweitert zu diesem Zweck Beuys Definition der sogenannten „unsichtbaren Materialien“, die - jenseits von Pinsel, Farbe usw. - in der sozialen Plastik zum Einsatz kommen . Über die ursprünglich von Beuys definierten Materialien des Sprechens, Denkens, Diskutieren hinaus führte sie individuelle Werte, Haltungen und Denkgewohnheiten neu in diese unsichtbare Materialsammlung ein.
Besonders betont sie auch die Bedeutung der verkörperten Erfahrung der eigenen Veränderungsfähigkeit. Dies sei deutlich zu unterscheiden von rein kognitiv vermittelten neuen Gedanken oder nachhaltigeren Handlungsweisen. In diesem kreativen Prozess, durch den sie und andere in ihrer Arbeit hindurchleiten, stellt sich immer wieder die Frage, wie die initiierte gemeinsame Imaginationsfähigkeit Veränderung bei uns als Individuen, aber eben auch kollektiv, gesamtgesellschaftlich angestoßen können.


1 - Ästhetik (von altgriechisch αἴσθησις aísthēsis „Wahrnehmung“, „Empfindung“) bedeutet wörtlich: Lehre von der Wahrnehmung bzw. vom sinnlichen Anschauen.
2 - Anästhesie oder griechisch Anaistēsia ist vom Ursprung her eine Wortkombination. An heißt ohne und aisthēsis heißt s.o. „Wahrnehmung“, „Empfindung“. Nähere Details dazu in Shelley Sacks Buch “die rote Blume” (2013, S.19) und Shelley Sacks in Kettel (2016).
3 - Sacks, 2013, S. 19.

3.2. Universität der Bäume

Nachdem Shelley Sacks lange im Rahmen der „Freien Internationalen Universität [FIU]“, einer von Beuys und Anderen 1973 gegründete Hochschule für Kreativität und Forschung1  tätig war, entstand 2006 unter ihrer Leitung die Universität der Bäume („University of the Trees: Lab for New Knowledge and an Eco-Social Future“). Gedacht als praktische Umsetzung und Weiterentwicklung der Ideen der FIU dient sie als Labor für neues Wissen und eine öko-soziale Zukunft. Die Universität der Bäume ist mobil, also ohne festen nationalen Standort und bietet laut Shelley Sacks einen Rahmen für transdisziplinäre, alternative Ansätze und globalen Austausch zum Thema verbundenes Denken und Handeln. Verschiedene Methoden zur Arbeit mit den beschriebenen unsichtbaren Materialien werden hier erforscht und vermittelt. In sogenannten Erkundungslaboratorien werden unterschiedliche Praxen entwickelt, angewendet, sowie international ausprobiert und in verschiedenen Kontexten weiterentwickelt (Siehe Übersicht in Abbildung 1).

complete_nonsenseDie Idee zum Namen kam Shelley Sacks, nachdem sie vor 19 Jahren für ein Baumpflanzungsprojekt nach Irland geladen worden war. 7.000 Eichen sollten zu Ehren Joseph Beuys gepflanzt werden und Shelley Sacks wurde gebeten, ihre Methode „Landebahnen für Seelen“, die sie laut eigener Aussage im Traum von ihrem Lehrer Beuys empfangen hat, mit dem Team durchzuführen. Somit sollten neben den neuen Bäumen auch neue Gedanken gepflanzt werden. Dies inspirierte sie zur Universität der Bäume.  Shelley Sacks wollte einen Ort schaffen, in dem Bäume als Partner der Menschen gesehen werden, als Ankerpunkte, mit ihrer Immobilität als ständiges Mahnmal für die Menschen, nicht wegzuschauen vom Zustand der Welt, auch in schwierigen Phasen. Darüber hinaus machen Bäume mit ihrer Art sich ganz natürlich zu entfalten – indem sie „einfach“ Bäume sind, uns als Menschen immer wieder darauf aufmerksam, dass wir die einzigen Lebewesen sind, die sich eben nicht nach einem vorbestimmten Entwicklungsplan in unser volles Potential entwickeln. Shelley Sacks beschäftigt sich in ihrer Arbeit konstant mit der Frage, wie wir dies ändern können, so dass wir in Balance kommen mit dem Rest der Welt und den Planeten nicht weiter so belasten wie bisher. Ein Format der Universität, das „Erdforum“, wird national und international seit über einem Jahrzehnt von Shelley und nun auch vielen andere ausgebildeten Multiplikatoren, durchgeführt.

Andrea Steckert fragt daraufhin konkreter nach Möglichkeiten für Interessierte, mit der Universität der Bäume und dem Erdforum arbeiten zu können. Es gäbe ein Trainingsprogramm an der Universität der Bäume, für Menschen, die mit dem soziale Skulptur Ansatz arbeiten wollen und eigene „Mikrolabore“ in ihrem Umfeld errichten, so Shelley Sacks. Aber der erste Schritt sei in jedem Fall die eigene Teilnahme an einer der spezifischen Methodiken selbst, also einem Erdforum oder dem Landungsbahn für Seelen.

So würde man zum/r Mitgestalter*in der sozialen Plastik und könnte dann, im Anschluss, als sogenannte/r „verantwortliche/r Teilnehmer/in“, am weiterführenden Training teilnehmen um dann eigenständig Erdforen zu organisieren und durchzuführen. In Kassel läuft zudem gerade das Projekt „Feld der Begegnung“2. Das Ziel dieses für alle Interessierten offenen Projektes ist die Vereinbarung eine freiwilligen Verpflichtung, individuelle Wege zu finden in dieser Welt gemeinsam zu leben, ohne uns selbst oder einem anderen Lebewesen Schaden zuzufügen. Die Verpflichtung wird in der bewussten Partnerschaft mit einem Baum gemacht und schafft dadurch gleichzeitig einen Ort der Reflektion und Begegnung mit dir selbst und der Welt. Die spezifischen Bäume werden mit einem gelben Stoffband umwickelt und dienen so als Ankerpunkte und Orte der Begegnung in dem größeren Begegnungsraum des Projektes. Durch die unsichtbare Verbindung der überall in Kassel vorhandenen Bäume, die in unterirdischen Wurzel- und Pilznetzwerken miteinander kommunizieren, sind somit auch alle Teilnehmenden und ihre individuellen Verpflichtungen ‚nicht wegzuschauen’ miteinander verbunden. Dies soll ein Symbol sein, für eine neue, verbundene Art zu denken und zu handeln und für ein gemeinsames Versprechen, der Realität ins Auge zu schauen und zu reflektieren: Wie kann ich, wie können wir als Menschen offen und berührbar bleiben oder auch erst werden, in dieser Welt? Wie können wir konstruktiver ein Miteinander gestalten, untereinander und in Beziehung mit unserem Planeten? Andrea Steckert teilt ihren Eindruck, dass eine solche Partnerschaft mit einem Baum ihrer Meinung nach auch eine große Unterstützung und Motivation für die eigene innere Arbeit darstellt und ein Versuch ist, mit sich selbst und anderen authentisch in Kontakt zu kommen sowie eigene Kapazitäten zu realisieren.

Was Shelley Sacks in ihrem Leben motiviert und welche Praxen sie selber nutzt, um in Balance zu bleiben, ist das nächste Thema und auch hier geht es hauptsächlich um Bäume: Die Künstlerin hat ein sehr inniges Verhältnis zu Bäumen und zieht aus dieser Beziehung auch ihre Kraft und Motivation. Darüber hinaus, so sagt sie, habe sie keine spezielle Praxis bis auf ihre beständige Kontemplation der Frage „Was ist Leben?“. Sie strebe an, hier ein immer feineres und detaillierteres Verständnis zu entwickeln. Weiterhin erklärt sie, der Schwerpunkt ihres Schaffens liege ja in der sogenannten „Humanossphäre“, die sich von der Biosphäre und der Technosphäre dadurch abgrenzt, dass hier der Mensch im Fokus stehe. Diese Sphäre zu entwickeln, vor allem auch in Bezug auf das Thema der nachhaltigen Entwicklung, ist für Shelley Sacks unabdingbar. Das individuelle „Ich“ zu entwickeln, jenseits vom Ego, oder Ich-Bezogenheit, die andere ausschließt, sieht sie als Voraussetzung, in emphatisch mitfühlenden Kontakt mit anderen Menschen, Lebewesen und der Welt zu treten. Die Ausbildung dieser Integrität braucht es, um klar erkennen zu lernen, was Menschsein, jenseits von negativen Erfahrungen der Vergangenheit, im Kern bedeutet, wie es sich unterscheidet von Maschinen und genereller, was Leben an sich ausmacht. Sie bezieht sich wiederum auf Bäume, bzw. das Vorbild des Myzeliums, ein Netzwerk aus Nährpilzen, die die Baumwurzeln unterirdisch mitversorgen und sie somit untereinander verbinden. Je nachdem, wo gerade Bedarf ist, dort findet die Versorgung vorrangig statt. Shelley Sacks vertritt die Meinung, wir als Menschen sollten eine ähnliche Ebene der Verbindung und des gemeinsamen Verständnisses entwickeln und darauf basierend unsere gemeinsame Zukunft gestalten.


Am Ende der Video-Session leitet Andrea Steckert wieder eine Reflexion für die Zuschauer mit folgenden Leitfragen an:

  • Was in dem Gehörten besonders in mir angeklungen?
  • Welche Ideen fand ich inspirierend?
  • Wie kann ich das Gehörte bzw. das, was bei mir angeklungen ist, weiter tragen in mein Leben und mein Umfeld?



1 - Siehe Anna, S. (2008). Joseph Beuys, Düsseldorf. Schriftenreihe Stadtmuseum. Ostfildern: Hatje Cantz für eine ausführliche Beschreibung.

4. Weiterführendes und Praxistipps: "zur nachahmung empfohlen!"

Plakat der AusstellungDie Wanderausstellung „zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit“ (ZNE) stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit für Interessierte dar, sich praktisch zum Thema Ästhetik und Nachhaltigkeit inspirieren und informieren zu lassen. Die ZNE ist seit 2010 auf Reisen und war schon an zahlreichen Orten in Deutschland, Indien, China und Mexiko zu sehen. Die 18.te Ausstellungsstation wurde am 27.07.2019 in Erfurt eröffnet und wird dort einige Monate gezeigt. Ziel der Kunstausstellung, die schon mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, ist laut Website, die kulturelle und ästhetische Dimension von Nachhaltigkeit ins „Sinnesbewusstsein“ zu bringen, um dafür zu sensibilisieren, dass ein lebendiger Nachhaltigkeitsbegriff als gestaltbar verstanden werden muss. Alle Sinne sollten miteinbezogen werden um der „beobachtbaren Vernutzung“ des Begriffs entgegenzuwirken – dafür sei der Einbezug der Künste unerlässlich (siehe http://www.z-n-e.info/?root=4&sub=0&lang=de).

Die ZNE ist laut Aussage der Veranstalter die erste derart umfassende Ausstellung in Deutschland mit dem Fokus auf kultureller Nachhaltigkeit durch die Verknüpfung des Begriffs mit Ästhetik. Über 55 nationale und internationale Werke aus Kunst, Wissenschaft, Film und Architektur werden in der Ausstellung gezeigt. Besonders ist außerdem, dass bewusst Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus oder (technischen) Erfindungen aufgelöst werden. Der Fokus wird so auf künstlerische Praktiken im erweiterten Sinne gelenkt, die z.B. zur Erhaltung des Planeten beitragen wollen oder positiven Einfluss auf unser Konsumverhalten ausüben. Projekte und Netzwerke zum Mitmachen zu Themen wie erneuerbare Energien, Wasser und Klimawandel oder Ökologie und Re/Upcycling werden ebenfalls vorgestellt.

Alle Ausstellungsstücke sollen auf ihre Art und Weise unser individuelles Handeln, unser aktiv werden, herausfordern.



4.1. Das Erdforum: Format Überblick

Menschen stehen im Kreis um Zeug aus der Natur herumDas Erdforum in seiner heutigen Form wurde 2011 teilweise im Rahmen der Arbeit von Shelley Sacks beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in Südafrika und mit teilweise in der Praxis mit Bürgerbewegungen in Deutschland entwickelt, obwohl erste Ideen und auch Vorläufer Formate bereits seit 2002 in verschiedenen Kontexten von Shelley Sacks erprobt wurden.

Als heute eines der Hauptpraxen der Universität der Bäume, beschreibt ein Kapitel in einem aktuellen Sammelband zum Thema der persönlichen Nachhaltigkeit (Parodi & Tamm, 2018), die Entstehung und Entwicklung der praktischen Arbeit mit dem Erdforum, bzw. seinen Vorläufern.

Wir geben hier zum Abschluss einen Überblick über das Format, wie es von der Universität der Bäume durchgeführt wird: Das Erdforum ist eine sogenannte „verbindende Praxis“, die den Zusammenhang und die gegenseitige Beeinflussung zwischen innerer Arbeit und äußerer Handlung erfahrbar machen will. Somit wird ein Raum für Entdeckung und Entwicklung sowohl individueller, als auch organisationaler „Agenden für den Wandel“ geschaffen, so die Beschreibung weiter. Der individuelle Beitrag zur Gestaltung einer ökologischen und „menschlichen“ Zukunft soll gestärkt und die Fähigkeit der Teilnehmenden als „Agenten des persönlichen, sozialen und systemischen Wandels“ gefördert werden. Das Erdforum soll eine neue Form des bildhaften Denkens einführen und damit neue Wege des gemeinsamen, verbundenen Denkens ermöglichen. In der letzten Phase wird eine Methode des „gemeinsamen Denkens“ praktiziert, die über individuelle Erfahrung und Kompetenzbildung hinaus geht. Was ruft uns aus der Zukunft? Lautet die übergeordnete Frage, was für gemeinsame Verständnisse und Bilder treten zutage? In dieser Phase fangen die TeilnehmerInnen an Wege zu entwickeln um ihr Wissen später in ihrem Umfeld weiterzugeben. Der Einsatz der Methode ist z.B. in fast allen Arbeitsfeldern möglich, besonders da, wo Einsicht, kreative (Selbst-)Reflexion und neue Wege und Visionen willkommen sind. Durch die gemeinsame Praxis und friedliche Erkundung von Unterschieden, so die Initiatoren, schafft das Erdforum Möglichkeiten für interkulturellen, interreligiösen und generationsübergreifenden Austausch, der enormes Inspirationspotential birgt. Zu guter Letzt soll das Erdforum die persönliche Resilienz stärken für den Umgang mit der negativen Informationsüberflutung bezüglich des Klimawandels o.ä., da es den Blick auf neue Arten zu Denken und eigene innere Ressourcen lenkt und das Potential für daraus entstehende, verbindende Handlungen erkennbar werden lässt. Diese Praxis des erweiterten Kunstverständnisses nach Beuys soll Freiheit und Verantwortung genauso verbinden wie das Individuum mit der Gesellschaft und das Persönliche mit dem Politischen. Ein „Paradigmenwechsel durch Praxis“. Die nächste Möglichkeit, an einem Erdforum teilzunehmen besteht im September 2019 (19.-22., Wandelbar in Kassel)1.


1 - https://universityofthetrees.org/news/2019/erdforum-earth-forum-training-in-english-and-german-2019, Anmeldung unter: info@universityofthetrees.org und in Kopie bitte an ssacks@brookes.ac.uk

4.2. CCL-Praxistipp: Das Logbuch | Soziale Plastik ganz nahe beim CCL

CCL-Logbuch

Wer direkt mit einer kleinen eigenen Praxis weitermachen bzw. einsteigen will, dem sei an dieser Stelle das CCL-Logbuch empfohlen. Unabhängig davon, in welchem Bereich Kreativität gefördert werden soll, bietet das Logbuch, hier in einem kleinen Videobeitrag von Andrea Steckert erläutert, einen einfachen, in den Alltag gut integrierbaren Einstieg für auf der Plattform Registrierte: https://www.climateculture-lab.de/course/view.php?id=24         


Soziale Plastik ganz nahe beim CCL

An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass ein wichtiger Weggefährte des CCL, der unter anderem die wunderschönen Grafiken zu unseren Werkstätten geschaffen hat, ganz im Sinn der „Sozialen Plastik“ von Joseph Beuys arbeitet. Mit seinen engagierten Mitmachaktionen greift Joy Lohmann1 gestaltend in die Gesellschaft ein und schafft Räume für Transformation. Besonders bekannt sind die verschiedenen Formen schwimmender Inseln, die als „open islands“ auf den steigenden Meeresspiegel anspielen.
Auch das NKI-Projekt „KlimaKunstSchule“, über das wir in unserem Inspirationsglossar berichten, bewegt sich im Ideenumfeld von sozialer Plastik und der „University of the Trees“. Der Verein BildungsCent e.V. hatte mit 49 Künstler*innen dazu motiviert, in etwa 200 Schulen zusammen mit den Lernenden eine klimabezogene kreative Arbeit zu entwickeln. Das Ergebnis nannte sich „artistic seed“ und diente als kreatives Samenkorn.


1 -  https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Joy_Lohmann

4.3. Weiterführende Quellen und Links

Quellen und Weiterführendes

Ebert, J.; Zell, A. (Hg.) (2013): Klima Kunst Kultur. Welche Fragen formulieren Kunst und Kulturwissenschaften? Göttingen, Niedersachs: Steidl Göttingen.
Greiner, J.; Hübl, T.; MacDonald, M.; Matoba, K.; Sacks, S. (2019). Wir und die Welt. Evolve Magazin, Ausgabe 22 / 2019: SOZIALE ACHTSAMKEIT – Die Kraft des Beziehungsraums:   https://www.evolve-magazin.de/aktuelle-ausgabe22/

Kurt, H. (2017): Die neue Muse. Versuch über die Zukunftsfähigkeit. Klein Jasedow: ThinkOya ein Imprint der Drachen Verlag GmbH.
Parodi, O., & Tamm, K. (Eds.). (2018). Personal Sustainability: Exploring the far side of sustainable development / edited by Oliver Parodi, Kaidi Tamm (1st). Routledge studies in sustainability. London: Routledge.
Sacks, S. (2018). Sustainability without the I-sense is nonsense. In O. Parodi & K. Tamm (Eds.), Routledge studies in sustainability. Personal Sustainability: Exploring the far side of sustainable development / edited by Oliver Parodi, Kaidi Tamm (1st ed., pp. 171–186). London: Routledge.

Sacks, S. (2017) Contemporary Social Sculpture and the Field of Transformation. In: Kettel, J. Missing_Link. Übergangsformen von Kunst und Pädagogik in der Kulturellen Bildung – Künstlerische Kunstpädagogik im Kontext. Oberhausen, Athena Verlag. S. 75 -90.
Sacks, S.; Kurt, H. (2013): Die rote Blume. Ästhetische Praxis in Zeiten des Wandels. Klein Jasedow: ThinkOya.Sacks, S.; Zumdick, W. (2009):  Atlas zur sozialen Plastik "Ort des Treffens". Stuttgart, Berlin: Mayer. (Begleitbuch zum Projekt „Ort des Treffens“, soziale Plastik in Hannover, 2009: http://www.ortdestreffens.de/ (Eine weitere Version erschien 2013 auf Englisch, mit neuen Essays und überarbeitet:  ATLAS of the Poetic Continent: Pathways in Ecological Citizenship. Forest Row, UK: Temple Lodge Publishing, 2013.)

Links

Initiative: Earth Celebrations: Engaging Communities to Generate Ecological and Social Change through the Arts: 
http://earthcelebrations.com/

Interview in der OYA mit Shelley Sacks zum Thema soziale Plastik heute: 
https://oya-online.de/article/read/446-soziale_plastik_heute.html

TED-Talk Shelley Sacks: Rethinking 'home' and the art of changing one’s mind-set (2017):

“Morning lecture” – Vortrag von Shelley Sacks bei der Internationalen Jugend Iniative (YIP) (2012): 
https://vimeo.com/41405341

Interview und Vortrag für: Hong Kong: Making a Difference Asia
Interview: https://medium.com/@holokchen/change-makers-in-the-university-of-trees-an-interview-with-shelley-sacks-cb5bebf63cf8
Vortrag:

Projektarchiv: Über Lebenskunst – Initiative für Kultur und Nachhaltigkeit http://www.ueber-lebenskunst.org/index.html
Prince Claus Fund for Culture and Development: Call for proposals for cultural and artistic responses to environmental change: 
https://www.hkw.de/de/programm/projekte/veranstaltung/p_57588.php
Projekt von BildungsCent e.V. zur Förderung künstlerischer Bildung im Bereich Klimaschutz: 
https://klimakunstschule.bildungscent.de/
Plattform über aktuelle, internationale Kunstprojekte und Ausstellungen zum Thema Klimawandel 
https://artistsandclimatechange.com/
Social Sculpture Research Unit (SSRU): Interdisziplinäres Forschungs- und Praxis Forum und Praxis Netzwerk (von Shelley Sacks an der Oxford Brookes Universität gegründet): 
https://www.social-sculpture.org/
Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V. 
https://und-institut.de/de