Handreichung "Achtsam im inneren Klimawandel - Mindfulness statt übervollem Kopf"

3. Gesprächspartnerin 1: Dr. Britta Hölzel

Britta Hölzel ist Diplom-Psychologin und Neurowissenschaftlerin. Außerdem ist sie Achtsamkeitslehrerin im Rahmen des Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) Programmes. Die Ausbildung dazu machte sie am Center for Mindfulness an der University of Massachusetts Medical School. Mit Meditation kam Britta Hölzel erstmals 1997 in intensiveren Kontakt, als sie für ein halbes Jahr durch Indien reiste. Zurück in Deutschland studierte sie Psychologie und promovierte schließlich am Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen, über die neuronalen Mechanismen der Achtsamkeitsmeditation. Nach fünfjähriger Tätigkeit als Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School in Boston und einem Jahr an der Charité in Berlin lebt sie nun seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrer Familie in München. Sie ist als Referentin in Ausbildungslehrgängen für Achtsamkeitstrainer (Arbor Seminare, Mindful Leadership Institute, Forum Achtsamkeit) tätig und hat das I AM - Institut für Achtsamkeit und Meditation gegründet.


Erkenntnisse aus dem Gespräch und Weiterführendes

Britta Hölzel geht in dem Interview ausführlich darauf ein, wie durch die Achtsamkeitspraxis und damit durch das Gewahrwerden der eigenen Empfindungen sowie einer wachen Wahrnehmung der äußeren Welt eine neue Offenheit gegenüber den eigenen (auch negativen) Erfahrungen und Einstellungen entstehen kann. Die eigenen Handlungsimpulse und die damit einhergehenden Bewertungen werden mit Hilfe des Trainings unter die Lupe genommen und ganz bewusst beobachtet. Auf diese Weise lässt es sich erlernen, ihnen nicht unmittelbar („im Autopiloten“) zu folgen. Damit entsteht eine neue Handlungsfreiheit, weil mensch jetzt eine tatsächliche Wahl treffen kann und nicht mehr von den eigenen Automatismen gesteuert wird. Wie vielfach berichtet und wissenschaftlich belegt wurde, stellt sich in der Folge von Achtsamkeitstraining eine Zunahme von Lebenszufriedenheit und Gesundheit ein5.

Auch Ergebnisse aus der Hirnforschung weisen auf Effekte von Achtsamkeitstraining hin. Sie bestätigen, dass Achtsamkeitspraktiken mit neuronalen Veränderungen korrelieren. Achtsamkeit vermag Bahnungen im Hirn verändern, die wiederum Auswirkungen auf unsere gewohnten Verhaltensweisen haben können6

Britta Hölzel sieht die (mögliche) Rolle der Achtsamkeit für einen KlimaKulturWandel darin:

  1. Bewusstwerdung eigener Bedürfnisse und Handlungsimpulse. Daraus folgt die verinnerlichte Gewissheit: Ich kann auch anders, als meinen gewohnten Reaktions- und Verhaltensmustern zu folgen. Wenn dies einhergeht mit der Feststellung, dass es gar nicht immer neuer materieller Dinge und Konsum bedarf, um glücklich zu sein, liefert dieser Schritt wirkliche Potentiale zu klimafreundlichem Handeln.

  2. Wahrnehmung einer tiefen Verbundenheit. Gemeint ist die Empfindung, Teil eines größeren Ganzen sein, sich sinnlich als Teil der Natur zu verstehen. Dies betrifft auch das Bewusstsein mit anderen Menschen, jetzt vor Ort aber auch an anderen Orten oder in der Zukunft, verbunden zu sein. Daraus kann eine Motivation entstehen zum Wohle aller und des Klimas zu handeln.

  3. Achtsamkeit kann helfen uns aus dem alltäglichen Stress und der Überforderung etwas zurückzuziehen. Für das Erlernen neuer (klimafreundlicher) Verhaltensweisen ist dies von besonderer Bedeutung, denn in Stresssituation neigen wir dazu auf die gewohnten Verhaltensmuster zurückzugreifen. Wir verharren dabei quasi im „Überlebensmodus“ und verhalten uns automatisch eher egoistisch und nicht rücksichtsvoll gegenüber anderen Menschen und der Umwelt.


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5 Hölzel und Brähler 2015

6 Als Beispiel für ein sehr umfangreiches und interessantes Forschungsprojekt steht die Arbeit um Tanja Singer und Team im sogenannten ReSource Projekt.