Handreichung "Achtsam im inneren Klimawandel - Mindfulness statt übervollem Kopf"

4. Gesprächspartnerin 2: Dr. Sonja Geiger

Sonja Geiger ist Diplom-Psychologin. Sie studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und promovierte in Kognitionspsychologie an der Universität Potsdam 2007. Zur Umweltpsychologie kam sie durch ihre Mitarbeit in der NRO „Amigos de la tierra“  in Argentinien, wo sie zwischen 2008 und 2012 wohnte und zu Umweltproblematiken und sozialen Engagement an der Universidad de Buenos Aires forschte.

Ab März 2015 war Sonja Geiger im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Bildung für Nachhaltigen Konsum durch Achtsamkeitstraining“ (BiNKA) tätig. Ebenfalls seit März 2015 arbeitete sie am Lehrstuhl für Differentielle Psychologie und psychologische Diagnostik an der Universität Ulm im Reallabor Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft am Standort Dietenheim.

BiNKA - Bildung für nachhaltigen Konsum durch Achtsamkeitstraining
Mit diesem Forschungsprojekt wurden Erkenntnisse gewonnen, wie Menschen durch Achtsam-keitstraining für nachhaltiges Konsumhandeln befähigt werden können. Das sogenannte BiNKA-training orientiert sich im Aufbau und Länge an den klassischen MBSR-Kursen. Über acht Wochen finden hierbei wöchentliche Treffen (1,5 Stunden) sowie ein Tag der Achtsamkeit nach der sechsten Woche statt. Zusätzlich zu den neun Präsenzterminen werden die Teilnehmenden eingeladen, täglich selbstständig 20 Minuten zu meditieren (formelle Meditationspraxis mit Audio-Anleitung) sowie wöchentliche Aufgaben zur informellen Praxis (z.B. achtsames Einkaufen) zu erledigen.
Der Hauptfokus des Trainings liegt auf der  Vermittlung und Praxis achtsamkeitsbezogener Inhalte und Techniken. Der Bezug zu Themen nachhaltigen Konsums wurde geschaffen durch:
 
1.  Vermittlung einer ethischen Grundhaltung als Teil von Achtsamkeit 
2.  Verortung von Achtsamkeitsübungen in den Kontext von Konsum  
3.  Integration von Formaten aus der Bildung für Nachhaltigen Konsum (BNK)

Ziel des Projektes war es die Potentiale von Achtsamkeit für nachhaltigen Konsum zu untersuchen und für den Bildungsbereich nutzbar zu machen. Von folgenden vier Potentialen wurde ausgegangen:

Potentiale der Achtsamkeit für nachhaltigen Konsum (Fischer et al., 2017)


Wie Sonja Geiger im Interview mit uns deutlich macht, konnte das Forschungsprojekt aufzeigen, dass Achtsamkeit eine Vielzahl von indirekten Einflüssen auf nachhaltigen Konsum haben kann. Die direkten Effekte fielen eher gering aus, wobei dies auch in der Kürze des Trainings von acht Wochen nicht zu erwarten ist. Deutlichere Ergebnisse gab es bei den „weichen“ Faktoren in Form von gesteigerter Wertschätzung für Produkte und eine vertiefte Problemwahrnehmung für die Produktion und den Konsum von Gütern. Hierzu gehört auch ein geändertes Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse und der Handlungsimpulse. Es wurde von den Teilnehmer*innen der Studien berichtet, dass auf emotionale Konsumauslöser weniger direkt reagiert wurde. Damit sind wichtige Grundvoraussetzungen für ein klimafreundliches Verhalten gegeben. Weitere Ergebnisse und deren Erläuterung finden sich im Abschlussbericht.

Es lässt sich großes Potential von Achtsamkeit für KlimaKultur-Wandel erkennen. Allerdings stelle Achtsamkeit auch kein Zaubermittel dar, mit dem sich sofortige Änderungen erzielen lassen. Sonja Geiger bringt es auf die Formel:

„Achtsamkeit ist ein langsamer Weg einen Wertewandel zu begleiten, aber dafür ein gründlicher!“

Es wäre also zu viel erwartet, dass durch Achtsamkeitspraxis unmittelbar klimafreundliche Verhaltensänderungen entstehen würden. Sie ist eine wirksame Methode, eine bewusste Haltung einzuüben und sich selbst einen größeren Handlungsspielraum anzutrainieren. Dadurch stärken wir unsere Bereitschaft nicht nach gewohnten Mustern zu reagieren, sondern uns mit wachen Sinnen für ein anderes Tun zu entscheiden. Achtsamkeitspraxis kann zur Veränderungsfähigkeit jedes Einzelnen beitragen - als Haltung, die uns durch fortwährendes Training in alltäglichen Situationen begleitet und den Raum für neue klimafreundliche Handlungsweisen weiter eröffnet.

„Die beste Weise, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich sorgsam der Gegenwart zuzuwenden.“
Thich Nhat Hanh


Mit achtsamen Grüßen und besten Wünschen für das eigene gewahr werden im gemeinsamen KlimaKultur-Wandel

Ihr CCL-Team