Handreichung: Wandelenergie

Ausgangspunkt


Wir haben zunächst die große Perspektive gewählt und schauen sozusagen aus den Weiten des Weltalls auf die Erde. Aus der Distanz kann manches klarer werden, vor allem, wenn man sich in der Betrachtung für einen Moment aus den gewohnten Denkbahnen und Sachzwängen löst und sich vergegenwärtigt, in welchen zeitgeschichtlichen Zusammenhängen wir uns befinden. Deutlich zu Tage tritt hier die Dramatik des Ganzen. Zunächst überhaupt das Wunder der Existenz, dieses Zusammenkommen unglaublicher Unwahrscheinlichkeiten, das zu diesem so lebensfreundlichen Planeten Erde geführt hat.

Aus dieser Perspektive wird aber auch deutlich, welche „tellurische Macht“ die Menschheit geworden ist und mit welcher immensen Wirkung sie sich auf dem Planeten so erfolgreich ausgebreitet hat2. Damit einher geht leider eine immer rasantere Zunahme der Zerstörung und Verdrängung anderer Lebewesen3 aber auch unserer eigenen Lebensgrundlagen.

Schon länger wird davon gesprochen, dass wir uns im Zeitalter des Anthropozän befinden.4 Gemeint ist damit, dass der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. Siehe hierfür auch den Eintrag „Anthropozän-Projekt“ im Inspirations-Glossar auf der CCL-Plattform. Weitere Informationen zum Anthropozän gibt es z.B. im Podcast Themenspecial im BR, in einer Zusammenstellung von Hans Gebhardt und in einem Artikel der Zeitschrift National Geographic.

Der sogenannte Earth-Overshoot-Day rutscht jedes Jahr weiter nach vorne im Kalender. Für das Jahr 2017 wird er mit dem 2. August angegeben. Zum Vergleich: 1987 lag er noch auf dem 19. Dezember!5

Der Earth-Overshoot-Day („Erdüberlastungstag“  oder „Ökoschuldentag“) bezeichnet den Tag im Jahr, an dem der Bedarf der Menschheit an natürlichen Ressourcen die Kapazität des Planten Erde zur Reproduktion übersteigt.

Würden alle Menschen weltweit so leben und wirtschaften wie wir Deutschen, wären 3,2 Erden notwendig. Die Menschheit verbraucht 60 Prozent mehr, als die Erde bereithält6.  In dem „Living Planet Report 2016“ der Umweltorganisation WWF heißt es:

„Die Auswirkungen des Raubbaus zeigen sich heute schon immer dramatischer mit Dürren und Extremwettern, Hungersnöten und Artensterben. Vier der neun ökologischen Belastungsgrenzen, in deren Rahmen Lebensräume stabil bleiben, sind schon jetzt überschritten: beim Klimawandel, der Biodiversität, der Landnutzung sowie den biogeochemischen Kreisläufen von Stickstoff und Phosphor.

Unser Planet steht vor dem Burn-out.


 

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1 Tellurisch = irdisch, was auf die Erde Bezug hat, ihr angehört, von ihrer Kraft od. ihrem Einfluß ausgeht

Yuval Noah Harari (2013) Eine kurze Geschichte der Menschheit  und die gleichnamige Ausstellung in der Bonner Kunsthalle

Der Mensch hat allein in den letzten vier Dekaden die Zahl der Wirbeltiere um fast die Hälfte reduziert: Durch Jagen, Fischen oder einfach den Verlust von Lebensraum sei die Zahl von Land- und Meerestieren in 40 Jahren um 39 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Süßwasser-Tiere verringerte sich sogar um 76 Prozent. heißt es dem Living Planet Report 2014 der Umweltgruppe WWF.

4 Der Geologe Antonio Stoppani schlug bereits 1873 in seinem Werk „Corso di geologia“ den Begriff „Antropozoikum“ vor, da die Menschheit eine neue tellurische Macht bilden würden, die es an Kraft und Universalität mit den Naturgewalten aufnehmen könnte.

5 https://utopia.de/ratgeber/earth-overshoot-day/ vom 22.06.2017

6 Living Planet Report 2016