Navigation und Selbstorganisation - Gemeinsam einen neuen Kompass kreieren

3. Gesprächspartner II - Felix Wagner

3.1. Das „Rad der Nachhaltigkeit“ als Kompass für Navigation und Selbstorganisation


Abbildung des "Rad der Nachhaltigkeit"


Das Rad der Nachhaltigkeit kann dabei helfen, sich in dem weiten Feld des KlimaKultur-Wandels zu orientieren. Das Modell basiert auf wissenschaftlicher Forschung1 zu der Frage, wie eine solche Kultur beschaffen sein muss und in welchen Bereichen sich der Wandel dorthin umsetzen lässt.

Das Rad ist in drei Kreise unterteilt: die Ebene der „menschlichen Bedürfnisse“, die Ebene der „Umsetzung“ und die Ebene der „Systembedingungen“.

Ausgangspunkt ist zunächst, dass eine klimafreundliche und nachhaltige Kultur es wie jede erfolgreiche Zivilisation vollbringen muss, menschliche Bedürfnisse ausreichend zu erfüllen. Im Rad ist dies durch acht verschiedene Ausprägungen von menschlichen Bedürfnissen abgebildet.

Gleichzeitig muss eine KlimaKultur aber auch den Bedingungen einer nachhaltigen und klimafreundlichen Gesellschaft nachkommen, dargestellt durch die klassischen Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales (Ebene der Systembedingungen).

In diesem Spannungsfeld, beiden Ansprüchen gerecht werden zu müssen, bewegen wir uns bei der Gestaltung eines KlimaKultur-Wandels. Die Verbindung der Bedürfnisse mit den Bedingungen von Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit entsteht durch die dritte und mittlere Scheibe des Rads, der Ebene der Umsetzung, die folgende Bereiche der Gestaltungsmöglichkeiten umfasst:

a) Soziale Strukturen – Miteinander leben
Dieser Bereich behandelt Fragen folgender Art: Wie leben Menschen zusammen (z.B. Singlehaushalte, kleinfamiliär, in Nachbarschaften, gemeinschaftlich)? Wie sieht dabei eine „Kultur des Zusammenlebens“ aus (Umgang miteinander, Kommunikation, Rituale und Praktiken des Alltags)? Wie ist der soziale Zusammenhalt organisiert und wie entsteht dabei Zugehörigkeit, Verbundenheit und Gemeinschaftssinn? Ist dies getragen von Kooperationen und wie können diese gefördert werden?

b) Technisch – materieller Bereich
Dieser Bereich umfasst alle technologischen Umsetzungen und Innovationen, von Versorgung und Entsorgung, über Mobilität und Produktion, bis hin zur Informationstechnologie. Dazu gehören auch materielle Umsetzungen von Architektur, Siedlungsplanung, Produktgestaltung usw.

c) Kunst und Ästhetik

Gemeint ist hiermit die bewusste Einbeziehung von Kreativität in den Gestaltungsprozess eines KlimaKultur-Wandels, sowohl im materiell-technischen als auch im sozialen Bereich. Sinnliche Erfahrbarkeit von Nachhaltigkeit und die Wahrnehmung ihrer (potentiellen) Ästhetik, auch im Sinne einer Attraktivität von Nachhaltigkeit, stehen hierbei im Fokus. Kunst kann dazu anregen sich sinnlich mit Klimafreundlichkeit auseinanderzusetzten. 

d) Werte und Normen – Kollektive Repräsentationen
Betrachtung der Werte, Normen und Ideale, die dem gesellschaftlichen Sein und Handeln zu Grunde liegen. Welche Weltbilder bestimmen den Umgang mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit der natürlichen Umwelt? Welchen Regeln und Mustern folgt der gesellschaftliche Alltag? Wie „ticken“ wir als Gesellschaft?

e) Bildung und Wissen

Welches Wissen brauchen wir für klimafreundliches Handeln? Wie kann eine Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung gelernt werden? Wie kann Erfahrungswissen für KlimaKultur-Wandel anschaulich vermittelt werden?

f) Institutionell – politischer Bereich
Welche Institutionen, welche Art von Governance fördert Nachhaltigkeit? Wie passiert gleichzeitig sinnvolle institutionelle Lenkung und Partizipation von Bürgern? Hierzu gehört auch die Art und Weise der Prozesse von Entscheidungsfindung und Aushandlung verschiedener Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Der Bereich beinhaltet außerdem die Gesetzgebung und Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen.

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1Siehe die Literaturangaben im letzten Kapitel der Handreichung