Kollektive Intelligenz und Kollaboration - Handreichung Teil 1

1. Einführung

Das ClimateCulture-Lab (CCL) ist ein Projekt der nationalen Klimaschutzinitiative, deren Ziel die Reduktion von CO2-Emissionen sowie klimafreundliches Verhalten im Allgemeinen ist. Wenn Deutschland bis 2050 nahezu CO2-neutral werden soll, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation, welche die gesamte Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und konsumieren genauso betrifft wie die Art und Weise, in der wir die Welt und uns selbst darin erleben. Daher sprechen wir im CCL vom KlimaKultur-Wandel, denn es geht um einen klimafreundlichen kulturellen Wandel im Äußeren und im Inneren. Es ist ganz klar, alleine kann dies niemand schaffen! Nur wenn möglichst viele Menschen gemeinsam zum Wandel beitragen, kann es gelingen.

In Videosession 5 Video geht es um kommunale Ansätze, die uns von kollektiver Verantwortungslosigkeit hin zu fruchtbarer Kollaboration für klimafreundliches Handeln bewegen können. Dabei ist auch eine neu entstehende Form kollektiver Intelligenz gefragt, die auf enkelfreundlichem Handeln als neue Normalität beruht.1  Wie können wir also gemeinsam Teil der Lösung werden, anstatt durch gewohnte klima-unfreundliche Routinen die Probleme weiterhin zu verschärfen?

Die Welt scheint - gerade auch angesichts des Klimawandels - an einem existenziellen Wendepunkt unserer Lebens- und Wirtschaftsweisen zu stehen. Theoretisch wissen viele Menschen in Deutschland, dass unser Verhalten hier „irgendwie“ Folgen für die ganze Welt hat und umgekehrt. Trotzdem gehen nur wenige einen Schritt weiter und verändern ihr Verhalten. Denn es ist nicht leicht, die komplexen Zusammenhänge in ihren praktischen Konsequenzen genau zu begreifen oder starke Eindrücke wirklich an sich heranzulassen und zu spüren, dass das eigene Verhalten unheilsame Auswirkungen auf Andere hat.

Besonders häufig in den Medien thematisiert sind die Zusammenhänge zwischen dem weltweiten Anstieg der CO2-Emissionen durch Regenwaldabholzung, etwa für den Anbau von Palmöl2, und der Rolle, die indigene Völker dabei spielen. In Videosession 5 wollten wir deshalb erfahren, wie die vom CCL-Projektpartner Klima-Bündnis mitgetragene internationale Zusammenarbeit zwischen Akteuren vor Ort in Amazonien (Südamerika) mit europäischen Städten, im konkreten Fall hier mit Köln, über Kontinente hinweg das gegenseitige Verständnis fördert, nachvollziehbare Erkenntnisse hervorbringt und praktische Unterstützung ermöglicht. Auf eine Formel gebracht: Wie Kollaborationen auf Augenhöhe einer enkeltauglichen kollektiven Intelligenz Auftrieb verleihen.


Kollektive Intelligenz entfalten

Für viele Menschen ist es eine große Herausforderung, ein Gefühl oder einen praktischen Bezug zu den klimatischen Entwicklungen auf anderen Kontinenten zu bekommen. In diesem Kontext scheinen Kollaboration und auch Kollektive Intelligenz eine wichtige Rolle zu spielen. So kam es auch zu einem sehr spannenden, gemeinsamen internationalen Projekt. Thomas Brose, Geschäftsführer des Klima-Bündnis und Kölns dritter Bürgermeister Andreas Wolter sprechen im Video darüber, warum ihr gemeinsames Projekt im nationalen KlimaKultur-Wandel vor Ort so bemerkenswert ist und aus welcher Situation, aber auch Motivation heraus, dieses außergewöhnliche Projekt entstand.

Das Klima-Bündnis als europäisches Städtenetzwerk, in dem über 1700 Städte, Gemeinden und Regionen aus 26 europäischen Ländern vertreten sind, setzt sich seit fast 30 Jahren in Partnerschaft mit indigenen Völkern gemeinsam für lokale Antworten auf den globalen Klimawandel ein. Auch die Stadt Köln ist ein langjähriges Mitglied. In Video-Session 5 stellen unsere Gesprächspartner ihre ganz spezielle Kooperation zwischen der großen nordrhein-westfälischen Metropole und der peruanischen Gemeinde Yarinachocha im Amazonas-Departament Pucallpa vor. Im Zentrum dieses Austausches steht einerseits die Rolle, die die indigene Bevölkerung für den Klimaschutz in Südamerika und für den KlimaKultur-Wandel (nicht nur) in Deutschland spielen kann. Auf der anderen Seite geht es um den Einsatz deutscher Handlungsmacht, sei es als Verbrauchermacht bei der Veränderung von Konsum-Gewohnheiten oder als öffentlicher/internationaler Beistand im Kampf gegen die Regenwaldabholzung. Nicht zuletzt geht es aber auch um die aktive Nutzung hilfreicher Rahmenbedingungen. Denn die besondere Kooperation kam im Rahmen des innovativen Programms der „50 Klimapartnerschaften“ der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW) des (BMZ) zu Stande.


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1 Siehe dazu weiter unten die Definition von "Kollektive Intelligenz"

2 Laut Greenpeace und WWF steckt Palmöl heute in etwa jedem zweiten Produkt, das in deutschen Supermärkten zu kaufen ist.