Kollektive Intelligenz und Kollaboration - Handreichung Teil 1

2. Eine außerordentliche Kooperation, ihre ungewöhnlichen Bestandteile und Partner

Bei der in Video-Session 5 aufgezeigten Kooperation zwischen der Stadt Köln als Mitglied des Klima-Bündnis und der Gemeinde Yarinacocha handelt es sich um eine sogenannte Klimapartnerschaft. Im Gegensatz zu traditionellen Städtepartnerschaften geht es dabei nicht nur darum, sich kennen zu lernen, sondern vor allem darum, Klimaschutzstrategien und Projekte umzusetzen. Das hier aufgezeigte Beispiel will Kommunen inspirieren, selbst eine Klimapartnerschaft einzugehen.


Das SKEW-Klimapartnerschaftsprogramm

Seit 2011 gibt es das offizielle Programm der SKEW, die das Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland ist und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung untersteht. Grundgedanke ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken. Die Zusammenarbeit erfolgt nach einem festgelegten Arbeitsprogramm, das u.a. eine vorgeschriebene Anzahl von Treffen zwischen den Kommunalvertreter*innen der beteiligten Länder vorsieht3.  „Wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt ist die Bereitschaft mit der Partnerkommune ein gemeinsames Handlungsprogramm zu Klimaschutz und Klimaanpassung zu erstellen und langfristig zusammenzuarbeiten“4,  heißt es auf der SKEW-Webseite. Themen dieser Projekte können Müllentsorgung, Plastikvermeidung, Elektromobilität und vieles mehr sein. Ganz besonders wichtig ist, dass die Zielgruppe des Projekts einerseits Akteure aus Kommunalverwaltung und -politik umfasst, andererseits aber auch ausgewählte zivilgesellschaftliche Akteure in den jeweiligen Partnerstädten.


Die neue wichtige Rolle von Kommunen im Klimaschutz

Das Programm der SKEW trägt der Tatsache Rechnung, dass Kommunen im internationalen Klimaschutz eine immer wichtigere Rolle spielen. Dies hängt direkt mit den Ergebnissen des Prozesses zusammen, der im Klimaschutzabkommen von Paris 2015 mündete5. Es legt als globalen Rahmen fest, dass die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad gehalten werden muss. Mit den direkt vor der Pariser Klimaschutzkonferenz im Jahr 2015 vorgestellten nationalen Aktionsplänen kann dieses Ziel allerdings noch lange nicht erreicht werden. Deshalb müssen die Länder alle fünf Jahre eigene neue Ziele vorlegen, die immer anspruchsvoller werden sollen. Beispielsweise verpflichtet das Abkommen unter anderem alle Länder zur "Bewahrung und Erweiterung" von CO2-"Senken und Reservoiren" wie Wälder und andere Ökosysteme. Um wirklich alle Kräfte im Klimaschutz zu bündeln und zu aktivieren, erhielt auch die lokale Ebene eine zentrale Bedeutung als wichtige Ergänzung zur nationalen Ebene. Dies ist eine ganz besonders wichtige Neuerung von „Paris“: die gestärkte Rolle, die subnationale Akteure wie etwa Städte bei der Erreichung der nationalen Selbstverpflichtung spielen können.


Wie Köln und Yarinacocha Partner wurden

„Das Klima-Bündnis als größtes europäisches Städtenetzwerk mit einer Kooperation mit den indigenen Völkern Amazoniens nimmt regelmäßig an den internationalen Klimakonferenzen (COPs) teil. Seit einigen Jahren sind auch kommunale Vertreter*innen als „Botschafter“ für das Klima-Bündnis auf den COPs unterwegs, um die Arbeit des Klima-Bündnis vorzustellen“, berichtet Thomas Brose im Gespräch mit der Infostelle Peru6.  Er fährt fort: „In 2016 war der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter auf der Konferenz in Marrakesch in dieser Funktion und hat dort durch die Vermittlung von INFOE e.V. Kontakt mit einer indigenen Delegation gehabt, die vor allem auf die Situation des Ausbaus von Palmölplantagen im Regenwald Perus und die dadurch entstehende Bedrohung indigener Gemeinden aufmerksam machen wollte. Bei dieser Gelegenheit hat Robert Guimaraes, der Vertreter des Indigenenverbandes, den Bürgermeister nach Peru eingeladen“.

Kölns Bürgermeister Andreas Wolter fuhr also Anfang des Jahres 2017 nach Yarinacocha. Doch zuvor hatte im Dezember 2016 der erste Besuch durch drei indigene VertreterInnen, darunter zwei aus Yarinacocha, in Köln stattgefunden7. Robert Guimares, Miriam Soria Gonzales und Lyndon Pishagua wurden im Rathaus empfangen und erläuterten bei einem von INFOE organisierten Fachgespräch mit VertreterInnen des Kölner Stadtrates und der Stadtverwaltung, sowie am folgenden Tag in der Abteilung für Altamerikanistik sowie des Interdisziplinären Lateinamerika-Zentrums der Universität Bonn die aktuelle Situation bei sich vor Ort8. Guimares ist Aktivist und Präsident der Feconau (Zusammenschluss der indigenen Gemeinden des Ucayali Flusses und seiner Nebenflüsse), die wiederum Mitglied in AIDESEP ist, einem peruanischen indigenen Dachverband, welcher zur COICA gehört. Mit der COICA, dem Dachverband aller indigenen Organisationen Amazoniens, arbeitet das Klima-Bündnis schon viele Jahre zusammen. Dennoch stellt die neue Kooperation, die sich aus den Besuchen ergab, etwas ganz Besonderes dar. Um das zu verstehen, müssen wir den Blickwinkel nochmals weiten.



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3 https://skew.engagement-global.de/hintergrundinformationen-zum-projekt.html

4 ebd.

5 Die wichtigste internationale Institution für den Klimaschutz ist der Prozess, der 1992 in Rio beschlossen wurde und seit 1995 auf Basis vielfältiger Zwischenverhandlungen jeweils in der alljährlichen „Conference of Parties“, COP, umgangssprachlich Klimagipfel oder Klimakonferenz, mündet. Der Klimagipfel von Paris war die 21. Konferenz, COP21.

6 http://www.infostelle-peru.de/web/koeln-hat-einen-neuen-klimapartner-in-peru/

7 https://www.ila-web.de/events/empfang-indigener-g%C3%A4ste-aus-peru-im-k%C3%B6lner-rathaus

8 https://www.infoe.de/images/Pdf/UniBonn_9_12_16-final.pdf