Handreichung Video-Session 7 "Alternativen zur Alternativlosigkeit" - Transition Town

1. Hintergrundinformationen

Das ClimateCulture-Lab (CCL) ist ein im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördertes Projekt. Ziel ist Stärkung des Klimakultur-Wandels hin zu einer „CO2-neutralen Gesellschaft“. Wenn Deutschland bis 2050 nahezu CO2-neutral werden soll, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation, die unsere Art zu leben, zu arbeiten und zu konsumieren grundlegend verändert. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist auch die Neubestimmung, wie wir die Welt und uns selbst darin erleben. Daher sprechen wir im CCL vom KlimaKultur-Wandel, denn es geht um einen klimafreundlichen kulturellen Wandel im Äußeren und im Inneren. Es ist ganz klar, alleine kann dies niemand schaffen! Nur wenn möglichst viele Menschen gemeinsam zum Wandel beitragen, kann es gelingen.

Doch wie kann enkelfreundliches Handeln die neue Normalität werden bzw. wie können wir gemeinsam Teil der Lösung werden, anstatt durch gewohnte klima-unfreundliche Routinen die Probleme weiterhin zu verschärfen? Wie schaffen wir es, dass klimafreundliche Wertmaßstäbe zur Grundlage von Denken, Fühlen und Handeln möglichst vieler Menschen werden und damit zum selbstverständlichen Ausgangspunkt vernünftigen Verhaltens?

In unseren Videosessions suchen wir nach Antworten auf diese Fragen. So haben wir in der vorangegangenen Videosession 5 & 6 das für den gemeinsamen Kulturwandel wichtige Thema der kollektiven Intelligenz und Kollaboration aufgegriffen und weiter vertieft.  In der 7. Session beleuchten wir praktische Beispiele bereits gelebter „Alternativen zur Alternativlosigkeit“.

Zu diesem Zweck sprachen wir mit Gesa Maschkowski und Thomas Köhler.  Maschkowski ist Transition-Trainerin und Moderatorin, Mitgründerin der Transition-Initiative Bonn-im-Wandel und der solidarischen Landwirtschaft, SoLaWi Bonn sowie aktiv im deutschen und internationalen Transition-Netzwerk. Dr. Köhler ist Gründungs- und Vorstandsmitglied bei Transition Town Hannover sowie beim Transition-Netzwerk Deutschland, außerdem Teilhaber und Mitarbeiter des Pestel-Instituts, wo er vor allem zum Thema Transformationspotentiale durch Transition-Initiativen arbeitet.


Interviewpartner

Gesa Maschkowski vergleicht ihr Leben mit einem Permakulturgarten, in dem es verschiedene Biotope gibt. An den Schnittstellen, an denen sich ihre Forschung, der Aktivismus und der Journalismus treffen, entstehen fruchtbare Verbindungen, Synergien und Neues. Sie bezeichnet sich selbst als Moderatorin und Prozessbegleiterin, Transition Trainerin, Aktivistin, Wissenschaftlerin, Journalistin sowie als Frau, Mutter und Tänzerin.

Vor allem das Thema Ernährung ist für sie ein Schlüssel zu einer ganzheitlichen Sichtweise der Welt, ein Ansatz zur Transformation im Kleinen und im Großen. Moderation und Beratung waren ihre Studienschwerpunkte. Sie hat seitdem unzählige Prozesse in verschiedenen Bereichen begleitet und mitgestaltet. So hatte sie z.B. die Projektkoordination für den Ernährungsführerschein inne (siehe https://www.bzfe.de/inhalt/ernaehrungsfuehrerschein-3773.html), den heute fast eine Millionen Grundschulkinder absolviert haben.

Nachdem Maschkowski viele Jahre als freie Wissenschaftsjournalistin mit dem Schwerpunkt Ernährungsökologie arbeitete, ist sie seit 2001 bei der Bundeszentrale für Ernährung (ehemals aid infodienst) als Redakteurin für nachhaltige Ernährungskultur tätig.

Die letzten Jahre arbeitete sie nebenberuflich an ihrer Dissertation zum Thema Ernährungskommunikation und Transformation, die sie Ende 2018 eingereicht hat. In diesem Kontext hat sie sich auch in einigen Publikationen (siehe weiterführende Quellen) mit der Bedeutung von Graswurzelbewegungen für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation auseinandergesetzt.

Sie ist Mitgründerin der Transition Initiative Bonn-im-Wandel und der solidarischen Landwirtschaft, SoLaWi Bonn und zudem aktiv im deutschen und internationalen Transition- Netzwerk – also rundherum eine perfekte Gesprächspartnerin für unsere Videosession 7.

Unser zweiter Experte, Thomas Köhler, ist promovierter Sozialwissenschaftler mit den besonders wichtigen Schwerpunkten Bildungs-, Kultur- und Lebensweiseforschung. Seit fast 10 Jahren konzentriert er sich beruflich ausschließlich auf seine Kern-Themen „Transition und transformative Forschung“ und das in den vielseitigsten Rollen: Zum einen ist er Mitarbeiter des Pestel-Instituts für Systemforschung und Prognose, zum anderen arbeitet er für Transition Town Hannover. Dort leitet er aktuell die von der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums (siehe https://www.klimaschutz.de/) geförderten Projekte "ErnHa, Nachbarschaftsinitiativen für den Ernährungsrat der Region Hannover" (Pestel Institut, 2018-2020), und "LiNa, Limmer Nachbarschaften in Transition 2.0" (Transition Hannover, 2018-2022). Ehrenamtlich engagiert er sich zudem als Vorstandsmitglied von Transition Town Hannover, indem er sich insbesondere der Koordination aller dort angesiedelten Gruppen und Projekte widmet, derzeit mit speziellem Fokus auf drei weiteren NKI-Projekten sowie den Gründungsinitiativen "Sufi.ZEN, Schule der Genügsamkeit" und "Ecovillage Hannover".

Als Köhler 2010 in Hannover mit dem Ansatz von Transition Town Ernst machte, bestand seine zentrale Intention darin, den überfälligen Wandel unserer Lebensweisen endlich auch persönlich mit anzuschieben. Er tat dies, indem er möglichst viele seiner akademischen Kenntnisse mit sehr handfesten und persönlichen Transformationsstrategien zu einem neuen, selbst gelebten Berufsbild vereinte. In der besonderen Verbindung von Theorie mit Praxis lag für ihn die Essenz des „Energiewendehandbuch“ von Rob Hopkins, das 2008 erschienen war und das von Köhler wie eine Anleitung zum Ab- und Aufsprung in eine andere Existenz rezipiert wurde.

Tatsächlich entstand daraus und aus der Bereitschaft des Pestel-Instituts, mit dem Transition-Ansatz an die institutseigenen, wachstumskritischen Ursprünge wiederanzuknüpfen, nicht nur für Köhler, sondern für eine ganze Reihe anderer Mitstreiter*innen ein Arbeitszusammenhang, der mittlerweile ein komplexes, weitreichendes Netzwerk hervorgebracht hat.