Handreichung Video-Session 7 "Alternativen zur Alternativlosigkeit" - Transition Town

2. Transition Initiativen / Transistion Towns als Alternativen zur Alternativlosigkeit

„If we wait for the governments, it'll be too little, too late; if we act as individuals, it'll be too little; but if we act as communities, it might just be enough, just in time.“

(Wenn wir auf Regierungshandeln warten, wird dieses zu spät kommen und unzureichend sein; wenn wir alleine handeln, wird es unzureichend sein, aber wenn wir in Gemeinschaft handeln, dann könnte es gerade noch ausreichend und gerade noch rechtzeitig sein.“ )

Hopkins 2011: 17; (eigene Übersetzung)


Bevor wir das Expertengespräch zusammenfassend darstellen, müssen grundlegende Begrifflichkeiten geklärt werden: Was bedeutet „Transition Initiativen / Transition Towns“? Woher kommt das Konzept und wieso kann es potentiell eine Alternative zur Alternativlosigkeit der aktuellen Situation der Welt darstellen? Zunächst wollen wir Wortbedeutungen und Grundzüge erläutern, im darauf folgenden Kapitel „Der Startpunkt der Transition-Idee“ gehen wir ausführlicher auf den Ursprung des Konzept ein. Transition im Ursprung des Wortes bedeutet

a) Übergang von einer Form, einem Zustand oder einem Ort zu einem anderen

und

b) eine Zeit der Transformation, also des Wandels oder Veränderung.

Transition Towns sind demzufolge Städte, in denen der Wandel Wirklichkeit werden soll. Ermöglicht wird dies durch die Bewegung Transition Town – das genaue „Wie“ ist im Leitfaden der Bewegung nach zu lesen, der unter anderem auch in deutscher Sprache erschienen ist1.  Das Herz des Ganzen, so erläutern die Autoren, sei die Gemeinschaft:

„Es sind Gruppen, die mit positiven Ideen und konkreten Projekten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit antworten. Im gemeinschaftlichen Handeln liegt Kraft für Veränderung. Wir schöpfen unsere Kraft auch aus einer neuen Kultur des Miteinanders, der Verbindung mit uns selbst, mit anderen und der Natur. Transition Initiativen sehen aber auch, dass wir ein anderes Verständnis von Wirtschaft und von Arbeit entwickeln müssen. Sie experimentieren mit neuen Unternehmensformen und knüpfen Unterstützer-Netzwerke.“

In einem 2016 erschienenen Übersichtsartikel (siehe Literaturverzeichnis) mehrerer Autor*innen, die in der deutschen Bewegung aktiv sind (Gesa Maschkowski, Stephanie Ristig-Bresser, Silvia Hable, Norbert Rost und Michael Schem) werden zwei Paradigmen unserer modernen Gesellschaft beschrieben. Folgende zwei Glaubenssätze hinterfragen die Autor*innen

„1. Wenn wir nur genug wachsen, dann bekommen auch die Unterprivilegierten

dieser Welt etwas ab;

2. wenn wir die Menschen nur genügend aufklären, dann werden sie sich schon irgendwann „richtig“, das heißt umweltfreundlich und nachhaltig verhalten.“

Beide Annahmen haben sich nach Meinung der Autor*innen als Irrtümer auf dem Weg in eine nachhaltige faire Gesellschaft erwiesen. In der deutschen Transition-Charta heißt es: „Unser Ziel ist eine Gesellschaft, die die Menschenrechte der heutigen und der zukünftigen Generationen achtet, die wertschätzend und friedlich ist“, und weiter:

„Wir möchten genügsam und klimafreundlich leben, weniger abhängig von nicht erneuerbaren Rohstoffen und resilienter, das heißt widerstandsfähiger und anpassungsfähiger sein. Die Transition Bewegung möchte Menschen dafür begeistern, ermutigen und unterstützen, eine positive Zukunftsvision zu entwickeln und diesen Wandel selbst zu gestalten. Die Lösungen und Ideen zur Umsetzung der Vision sind vielfältig.“

Diese und weitere Grundprinzipien sind in der Transition-Charta zusammengefasst, die von Vertreter*innen aus Bielefeld, Bonn und Tübingen 2015 in einer ersten Fassung erarbeitet wurde. Nach einer öffentlichen Kommentierungsphase durch aktive Transitioner findet sich auf der Website nun die überarbeitete Fassung von September 2016 (https://www.transition-initiativen.org/unsere-philosophie-transition-charta). Das Dokument soll allen Interessierten und bereits Aktiven Orientierung bieten und einen Minimalkonsens schaffen.
















Untermalung der Charta, siehe: https://www.transition-initiativen.org/unsere-philosophie-transition-charta


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1  Siehe: https://www.transition-initiativen.org/sites/default/files/inlineimages/transition_leitfaden_web.pdf für ein kostenfreies Download.