Handreichung Video-Session 7 "Alternativen zur Alternativlosigkeit" - Transition Town

2. Transition Initiativen / Transistion Towns als Alternativen zur Alternativlosigkeit

2.2. Ganz praktisch: Transition-Initiativen in Deutschland

2016 wurde ein einjähriges, BMU-gefördertes Projekt mit dem zwischenzeitlich entstandenen Verein Transition Netzwerk initiiert, das den Titel „Lernendes Transition Netzwerk“ trug. Ziel des BMU Projektes war u.a. „der Aufbau eines Wissens-, Referent*innen und Multiplikator*innenpools zu ökologischen, sozialen und ökonomischen kommunalen Wandelprozessen“. Damit wurde angestrebt, die Expert*innen und Initiativen „systematisch und attraktiv“ sichtbar zu machen. Das Projekt sollte aber auch Transformations-Akteur*innen wie Kommunen, Verbänden und verwandte Initiativen verknüpfen (für mehr Infos zum Projekt siehe Abschlussbericht im Literaturverzeichnis).

In dem bereits zu Beginn erwähnten Übersichtsartikel beschreiben die Expert*innen die Bewegung, inzwischen 11 Jahre nach Gründung und ergänzend zu den ursprünglichen Zielen, folgendermaßen:

„Wir möchten die Erde als lebendiges System erhalten und pflegen, achtsam miteinander umgehen und die Ressourcen der Erde gerecht und fair miteinander teilen, heute und mit allen nachfolgenden Generationen. Diese Werte stammen aus der Permakultur, sie finden sich aber auch in vielen Gruppierungen der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung . Man könnte diese faire und achtsame Weltgesellschaft auch als Postwachstumsgesellschaft oder Degrowth-Gesellschaft bezeichnen.“

Die Kernfrage, die sich Menschen in Transition-Initiativen weltweit stellen, lautet nach Meinung der Autoren: „Wie sehen unsere Straße, unser Dorf, unsere Stadt in der Zukunft aus, wenn sie kaum mehr fossile Rohstoffe brauchen, wenn es lebendige regionale Wirtschaftsstrukturen gibt und wir ein sinnvolles, gutes Leben führen?“ Und, als absoluten Kernsatz vor dem Hintergrund unseres Themas zu Alternativen zur Alternativlosigkeit: „Was können wir jetzt dafür tun, um diesen Übergangsprozess zu starten?“ Wiederum öffnet die Flexibilität der Idee vielfältigen Antworten und Wegen die Tür, sowie Menschen jeder Altersgruppe, Nationalität und Gesinnung.

Seit dem kreativen Auftakt der Bewegung in 2005 konnte so ein buntes Portfolio an Projekten, Ideen und Methoden entstehen, ein „Werkzeugkoffer des Wandels“ und ein Netzwerk, das laut der Autor*innen des Übersichtsartikels viele Menschen inspiriert und ihnen Mut und Kraft gibt. Ein weiterer wichtiger Aspekt, den sie ebenfalls aufgreifen, ist die Frage nach sozialen und psychischen Bedingungen, die es für eine „große Transformation“ braucht und die ihrer Meinung nach auch in vielen Bereichen der Transition- oder Postwachstumsbewegung noch zu kurz kommt. Jenseits von kognitiv fokussierten, hierarchischen - und erwiesenermaßen nicht verhaltenswirksamen – Aufklärungsmodellen, sei individuelles Wachstum, individueller Wandel nötig. Aufbau an Fähigkeiten und Qualitäten wie Mut, Vertrauen und Gestaltungsfähigkeit, an Mitwirkung, Empathie, Solidarität und Gemeinschaftssinn seien Grundvoraussetzung. Die (Weiter-) Entwicklung von Kompetenzen der Selbstorganisation und Entscheidungsfähigkeit werden ebenso bedeutsam eingestuft. Den Menschen intrinsischen Sinn im Leben und Arbeiten zu geben, Zeit und Ressourcen um diesen umfassenden Wandel durchzustehen, müsse der Normalzustand werden. Aus ihrer Position als Expert*innen für Transition heraus fordern sie eine größere gesellschaftliche Debatte sowie die explizite Erforschung der Frage, was Menschen brauchen, damit sie das Gefühl bekommen, die große Transformation sei sinnvoll und machbar.


Titelbild des Leitfadens für Transition Initiativen, https://www.transition-initiativen.org/transition-gruendungs-leitfaden