Handreichung Video-Session 7 "Alternativen zur Alternativlosigkeit" - Transition Town

3. Zusammenfassung des Interviews - Teil 1

„Jede*r wird gebraucht.“

(Gesa Maschkowski im Interview)


Video-Session 7 will vor allem einen Einblick in Transition-Initiativen und die ganze Transition Town Bewegung geben. Verdeutlicht wird die transformierende Haltung: „Jede/r kann jetzt gemeinsam mit anderen etwas tun!“. Das CCL präsentiert damit eine praktische Alternative zu der von vielen derzeit als lähmend und ausweglos empfundenen Situation. Näher dargestellt werden diese Alternativen zur gefühlten Alternativlosigkeit durch die bereits erwähnten Interview-Partner*innen Gesa Maschkowskis und Thomas Köhler, die zu Beginn des Gesprächs sowohl sich als auch ihr Engagement ausführlich erläutern.


Maschkowskis und Köhlers Rollen in der Transition-Bewegung

Maschkowski ist vor allem durch ihre Beschäftigung mit dem Thema „Psychologie der Verhaltensver-änderungen“ auf die Transition-Bewegung gestoßen und zwar durch die Frage: „Wie geht eigentlich Veränderung und wie kommt es, dass wir uns zwar der Probleme immer bewusster werden, aber unser Verhalten nicht dementsprechend anpassen?“ Das Transition-Netzwerk ist aus ihrer Sicht eine der ersten Umweltbewegungen, die auch wissen will: „Was brauchen Menschen, um sich verändern zu können?“. Für Maschkowski ist dies die zentrale Frage. Ihrer Meinung nach übt sich die Transition Bewegung beständig darin, Menschen mitzunehmen, sie abzuholen und zu begeistern selbst aktiv zu werden. Deshalb wurde ihr persönlich dann auch schnell klar, dass sie nicht nur zusehen, sondern auch selbst aktiv werden wollte. So kam sie zu „Bonn im Wandel“.

Die (Mit-)Gründung der Initiative „Bonn im Wandel“ wurde angestoßen durch einen Aufruf auf der Website der Transition Bewegung (https://www.transition-initiativen.org/) und einem Treffen einer Gruppe von Interessierten. Kurze Zeit später waren die Beteiligten sich einig: „Wir wissen genug, wir legen los!“ Der Fokus von Bonn im Wandel liegt auf der Ermutigung zum selbst Handeln anstatt der Belehrung von Menschen. Dafür bietet die Initiative viele unterschiedliche Aktivitäten und Projekte an. Als Beispiel präsentiert Maschkowski eine Samentüte für Insektenweiden. Seit 2018 verteilen die Bonner Blühbotschafter*innen Saatgut zum Anlegen von insektenfreundlichen Blüh-Inseln und Streifen. Aus der auch medial sehr erfolgreichen Aktion bildete sich eine dauerhafte Initiative, „Bonn blüht und summt“ (https://bonnimwandel.de/bonnbluehtundsummt/), die 2019 von der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ als vorbildliches Projekt auszeichnet wurde.

Die nächste Frage nach dem Status quo von Transition in Deutschland richtet sich an Thomas Köhler, der aufgrund seiner vielen unterschiedlichen Rollen einen ausgezeichneten Überblick über die Entwicklung der nationalen Bewegung hat. Er findet die Frage zunächst schwierig zu beantworten, da die Anzahl der Initiativen beständig wachse und das Spektrum inzwischen von kleinen lokalen Interessensgruppen bis hin zu großen, wissenschaftlich beforschten Projektverbünden reiche. Gründungen erfolgten nicht durch einen Top-down-Ansatz, sondern jede/r könne einfach sofort selbst loslegen. Die Transition-Website sowie das Praxishandbuch und zahlreiche andere Online-Ressourcen unterstützten Interessierte dann beim Ausbau der Idee und Aufbau einer Initiative. Diese kleinen, häufig lokalen Projekte sieht Köhler als harten Kern der Bewegung. Insgesamt, so schätzt er, gäbe es derzeit national ca. 60-100 aktive Transition Initiativen in Deutschland.


Die Transition-Bewegung und die NKI

Andrea Steckert spricht als nächstes die nationale Klimaschutzinitiative (NKI) mit ihrer Förderlinie „Kurze Wege für den Klimaschutz“ an und fragt nach ihrem Einfluss auf die Transition-Bewegung. Köhler äußert die Meinung, dass in diesem Zusammenhang relativ viel passiert sei, obwohl unklar bliebe, in welchem der NKI-Projekte die Transition-Bewegung die treibende Kraft (gewesen) sei. Er begrüßt, dass das Transition-Netzwerk in den letzten 2-3 Jahren durch Einfluss der NKI-Förderung eine projektförmigere Gestalt bekommen habe. Seiner Ansicht nach verbreitere sich das Spektrum der Initiativen zurzeit stark und gehe mehr in die Fläche - eine sehr wünschenswerte Entwicklung mit der NKI als Schubkraft und wichtigem Partner. Er vergisst jedoch nicht zu erwähnen, dass manche Beteiligte die Initiativen lieber kleiner halten wollten, umso näher an der Ursprungsidee der Transition Bewegung zu bleiben. Köhler indessen hofft, dass die derzeitige Verbreiterung und Diversifikation auch eine Verstetigung der Initiativen und Projekte fördere.


Die Transition-Bewegung im Austausch mit Kommunalverwaltungen

An dieser Stelle im Interview fragt Steckert nach den Möglichkeiten, die Kommunalverwaltungs-mitar-beiter*innen oder Mitarbeiter*innen beispielweise aus dem Umweltamt haben, entstehenden Initiativen oder Ideen einen unterstützenden Rahmen zu bieten. Die zwei Interviewten reagieren auf diese Frage und tragen ihre unterschiedlichen Erfahrungen bei. Thomas Köhlers Ansicht nach gibt es Beispiele, er hält es jedoch für schwierig, aus der Verwaltung heraus Initiativen zu fördern oder gar zu gründen. Gesa Maschkowski berichtet von ihren positiven Erlebnissen mit mehreren Gemeinden. Von der Verbandsgemeinde Weilerbach bei Kaiserslautern sei sie eingeladen worden, einen Transition Workshop zu geben im Rahmen einer Preisverleihung, an der alle Bürgermeister teilnahmen. Die Verbandsgemeinde Daun organisierte ein Transition Training für ihre Bürger*innen, an der auch Vertreter*innen der Gemeinde teilnahmen. Obwohl Gesa Maschkowski aufgrund des Top-down Ansatzes erst ihre Zweifel gehabt habe, sei sie vom Engagement der Beteiligten bald angetan gewesen, der Impuls sei von den Teilnehmer*innen sehr positiv aufgegriffen und weitergeführt worden.

Ihrer Meinung nach existierten somit zwei Möglichkeiten, für Kommunalvertreter*innen selbst aktiv zu werden:

Zum einen könne man Transition-Trainer*innen in die Kommune einladen, um mit Interessierten Mitarbeiter*innen einen Workshop oder ein Transition Training zu absolvieren. In dem Training erhielten die Teilnehmer*innenn einen guten Einstieg und Überblick in die Thematik. Sie erführen, welche Möglichkeiten es auch für Kommen gäbe, das Engagement für den Wandel in ihrer Region zu fördern. Die zweite Möglichkeit sei, einen solchen Workshop für interessierte Bürger*innen anbieten, der diese zu befähigte, selbst eine Initiative zu gründen und aktiv zu werden.

Thomas Köhler ergänzt hier seinen Wunsch nach mehr Offenheit und Transparenz der bereits engagierten Kommunen, in denen Projekte laufen. Sie könnten andere Kommunen noch stärker positiv inspirieren und ihnen Mut machen. Um den ersten Schritt in Richtung Transition zu gehen, fehle gerade Mut so häufig.  Köhler selbst erlebt die positiven Synergien einer guten Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Transition Initiative in seiner Arbeit in Hannover. Dort treffe Top-Down Unterstützung auf Bottom-Up Initiative und bestärke sich hervorragend.