Handreichung Video-Session 8 "Ästhetik des Wandels"

4. Weiterführendes und Praxistipps: "zur nachahmung empfohlen!"

4.1. Das Erdforum: Format Überblick

Menschen stehen im Kreis um Zeug aus der Natur herumDas Erdforum in seiner heutigen Form wurde 2011 teilweise im Rahmen der Arbeit von Shelley Sacks beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in Südafrika und mit teilweise in der Praxis mit Bürgerbewegungen in Deutschland entwickelt, obwohl erste Ideen und auch Vorläufer Formate bereits seit 2002 in verschiedenen Kontexten von Shelley Sacks erprobt wurden.

Als heute eines der Hauptpraxen der Universität der Bäume, beschreibt ein Kapitel in einem aktuellen Sammelband zum Thema der persönlichen Nachhaltigkeit (Parodi & Tamm, 2018), die Entstehung und Entwicklung der praktischen Arbeit mit dem Erdforum, bzw. seinen Vorläufern.

Wir geben hier zum Abschluss einen Überblick über das Format, wie es von der Universität der Bäume durchgeführt wird: Das Erdforum ist eine sogenannte „verbindende Praxis“, die den Zusammenhang und die gegenseitige Beeinflussung zwischen innerer Arbeit und äußerer Handlung erfahrbar machen will. Somit wird ein Raum für Entdeckung und Entwicklung sowohl individueller, als auch organisationaler „Agenden für den Wandel“ geschaffen, so die Beschreibung weiter. Der individuelle Beitrag zur Gestaltung einer ökologischen und „menschlichen“ Zukunft soll gestärkt und die Fähigkeit der Teilnehmenden als „Agenten des persönlichen, sozialen und systemischen Wandels“ gefördert werden. Das Erdforum soll eine neue Form des bildhaften Denkens einführen und damit neue Wege des gemeinsamen, verbundenen Denkens ermöglichen. In der letzten Phase wird eine Methode des „gemeinsamen Denkens“ praktiziert, die über individuelle Erfahrung und Kompetenzbildung hinaus geht. Was ruft uns aus der Zukunft? Lautet die übergeordnete Frage, was für gemeinsame Verständnisse und Bilder treten zutage? In dieser Phase fangen die TeilnehmerInnen an Wege zu entwickeln um ihr Wissen später in ihrem Umfeld weiterzugeben. Der Einsatz der Methode ist z.B. in fast allen Arbeitsfeldern möglich, besonders da, wo Einsicht, kreative (Selbst-)Reflexion und neue Wege und Visionen willkommen sind. Durch die gemeinsame Praxis und friedliche Erkundung von Unterschieden, so die Initiatoren, schafft das Erdforum Möglichkeiten für interkulturellen, interreligiösen und generationsübergreifenden Austausch, der enormes Inspirationspotential birgt. Zu guter Letzt soll das Erdforum die persönliche Resilienz stärken für den Umgang mit der negativen Informationsüberflutung bezüglich des Klimawandels o.ä., da es den Blick auf neue Arten zu Denken und eigene innere Ressourcen lenkt und das Potential für daraus entstehende, verbindende Handlungen erkennbar werden lässt. Diese Praxis des erweiterten Kunstverständnisses nach Beuys soll Freiheit und Verantwortung genauso verbinden wie das Individuum mit der Gesellschaft und das Persönliche mit dem Politischen. Ein „Paradigmenwechsel durch Praxis“. Die nächste Möglichkeit, an einem Erdforum teilzunehmen besteht im September 2019 (19.-22., Wandelbar in Kassel)1.


1 - https://universityofthetrees.org/news/2019/erdforum-earth-forum-training-in-english-and-german-2019, Anmeldung unter: info@universityofthetrees.org und in Kopie bitte an ssacks@brookes.ac.uk