Inspiration


Glossar Symbolbild: Glühbirne

Willkommen im Inspirations-Glossar!


Suchst Du Anregungen, wie Du das Thema „Kulturwandel für den Kommunalen Klimaschutz“ noch besser und phantasievoller kommunizieren kannst? Bei diesem Glossar wirst Du fündig. 

Vielleicht willst Du, beziehungsweise Deine Kommune, selbst ein klimakulturelles Projekt auf die Beine stellen. Oder Du bist einfach nur gespannt, was sich an der Schnittstelle von Kultur und Klimaschutz schon so alles getan hat. Dann wünschen wir viel Spaß beim Stöbern in den insgesamt elf Projektkategorien.

Wichtig: Natürlich ist unser Glossar keinesfalls vollständig. Wenn Du uns über weitere passende Projekte informieren möchtest, dann schreibe uns gerne eine Mail.



Aktuelle Sortierung Änderungsdatum (aufsteigend) Sortiere chronologisch: Änderungsdatum ändern nach (absteigend) | Erstellungsdatum

Seite: (Zurück)   1  2  3  4  5  6  (Weiter)

Müllverbrennungsanlage

Dänemark hat eines der weltweit modernsten Konzepte für die Müllentsorgung. Mehr als die Hälfte des Hausmülls wird dort verbrannt und dabei in Heizwärme und Strom umgewandelt. Doch das Image der sogenannten thermischen Abfallverwertungsanlagen ist schlecht. Mit ihrer Wuchtigkeit und den hohen Schornsteinen dominieren sie die Skyline vieler Städte oder konkurrieren mit deren Kirchtürmen.

Der Betreiber Amagerforbrænding plante, die 40 Jahre alte Müllverbrennungsanlage im Kopenhagener Hafengebiet durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser sollte nicht nur effizienter arbeiten und attraktiv aussehen, sondern auch zum selbstverständlichen Teil der Stadt werden. Während die technischen Parameter und das Volumen der Anlage mit dem Schornstein feststanden, sollten sich die Wettbewerbsteilnehmer Gedanken um die Hülle machen.

Die Bjarke Ingels Group (BIG) gewann den Wettbewerb: das Dach wird zur Skirampe mit verschiedenen Skipisten ausgebaut, für den Schornstein wurde ein System entwickelt, dass jedes Mal, wenn bei der Verbrennung eine Tonne CO2 zusammengekommen ist, einen Rauchring ausgestoßen wird.

Dass eine Skipiste umweltfreundlich ist, begründet das Architekturbüro so: In Dänemark ist es kalt genug für Skipisten, aber es gibt keine Hügel, weshalb Skifreunde ins benachbarte Schweden fahren müssen. Durch die Skipiste in Kopenhagen entfalle der individuelle Transportenergieaufwand, außerdem richtet der erosionsintensive Sport in einer künstlichen Landschaft keinen Schaden an. Wie viel Energie hingegen für das Präparieren der Abfahrt notwendig sein wird, sagen BIG bisher nicht.

Ingels prägte den Begriff der „Hedonistischen Nachhaltigkeit“ mit, was so viel heißt wie Umweltschutz macht Spaß und bedeutet keinen Verzicht. „Der Ring ist das ultimative Zeichen von Hedonismus“, erklärte Bjarke Ingels in einem Interview mit der Zeit. Das Blasen von Ringen beim Rauchen vereine Sünde und Verspieltheit. Und es verwandele etwas Abstraktes in Zählbares.

Das neue Müllverbrennungsheizwerk könnte ein neues Gefühl bei den Betrachtenden auslösen – Umweltschutz und Spaß passen zusammen, Umweltschutz bedeutet keinen Verzicht. Ferner entsteht ein neues Bild mit großer Reichweite, die Skipiste und die vielleicht auch mahnenden Rauchringe werden in der Skyline der Stadt zu erkennen sein. Ferner verspricht die neue Müllverbrennungsanlage Orientierung (Rauchringe) und bietet Identifikationsmöglichkeiten mit der eigenen innovativen, umweltfreundlichen Stadt.

Weiterführende Links

Beitrag bei architekturvideo.de

Schlagwörter:

Nordbahntrasse Wuppertal

Das Projekt beinhaltet den Umbau einer stillgelegten Bahntrasse in einen Fuß- und Radweg in der Stadt Wuppertal. So soll die Nordbahntrasse eine ökologische Alternative zum privat genutzten PKW und zum öffentlichen Nahverkehr bieten. Gleichzeitig werden so Ingenieurbauwerke (Ende 19 Jh.) erhalten und können weiter als Wahrzeichen der Stadt positiv nach außen wirken. Zudem erhoffen sich die InitiatorInnen weitere positive soziale und wirtschaftliche Auswirkungen, z.B. Integration von Stadtbezirken mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sowie Eröffnung von Wachstumspotenzialen entlang der Strecke.


Bei diesem Projekt ging der Anstoß von BürgerInnen aus, die sich 2006 in dem Verein „Wuppertalbewegung e.V.“ zusammenschlossen und auch die Anschubfinanzierung für das Projekt organisierten. Er wurde von 21 BürgerInnen gegründet und zählt mittlerweile (Stand August 2011) über 3500 aktive UnterstützerInnen. Das Projekt wird nun in Zusammenarbeit mit der Stadt Wuppertal umgesetzt.


Der/die Umfrage-TeilnehmerIn, der/die dieses Projekt vorstellte, wertet starke Protagonisten, Bürgereinbeziehung, politischen Willen und das Durchhaltevermögen aller Beteiligten als wichtige Erfolgsfaktoren. Ferner sei auch die künstlerische Gestaltung von Brücken und Trassenabschnitten sowie Aktionen wie der „Tanztunnel“ wichtig für die Motivierung und Aktivierung der BürgerInnen der Stadt sowie aktive Nutzung der neu gewonnenen Fläche. Interessant ist auch die vom Verein angebotene Möglichkeit, Trassenpatenschaften zu übernehmen. Dies umfasst nicht nur einen möglichen finanziellen Beitrag sondern auch Prüfung des Abschnitts auf Mängel und Gefahren, auf Wildwuchs und Graffiti, sowie die Entwicklung von Projekten auf und mit der Trasse, somit ist eine kontinuierliche Einbeziehung der BürgerInnen gewährleistet.


Das Beispiel bietet den BürgerInnen der Stadt Wuppertal Orientierung und Identifikationsmöglichkeiten und lässt sie ihren Handlungsspielraum erkennen.


Weiterführende Links

wuppertalbewegung-ev.de


Point of View: Landschaft verstehen

Die Publikation erschien anlässlich des Kooperationsprojektes Points of View – ein Partnerprogramm der Bundesregierung im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 im Rahmen des 550-jährigen Jubiläums der Albert-Ludwig Universität Freiburg.

Wie kann das Bild einer Landschaft wahrgenommen, verstanden und interpretiert werden? Diese zentrale Frage unserer technisch-wissenschaftlichen Lebenswelt suchen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen gemeinsam einer Antwort näher zu bringen: Mit einer Fachtagung an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, einer Ausstellung im städtischen Kunsthaus L6 und einer Exkursion in den Schwarzwald. Die Publikation dokumentiert die wissenschaftlichen Analysen und Befunde der Tagung und die künstlerischen Annäherungen und Setzungen. Sie ist daher zugleich Tagungsband und Ausstellungskatalog und unterstreicht die Möglichkeit gemeinsamer wissenschaftlicher und künstlerischer Bearbeitung einer wachsenden Herausforderung: der Gestaltung verantwortlicher Weltverhältnisse.

Klimaschutz verändert unsere Landschaft und Weltverhältnisse in gestaltender Art und Weise.

Kapitel: Landschaft und ihre verborgene Nutzung. Einbindung der Wasserkraftanlagen zur Stromerzeugung der Schluchtensee AG im südlichen Schwarzwald.

Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre fand ein Paradigmenwechsel statt, der eine Verschiebung von einer technikdominierten, hin zu einer ökologisch orientierten Auffassung der wasserbaulichen Aufgabe zur Folge hatte. Es gelang eine technische Nutzung in einer intakten Kulturlandschaft, die grundsätzlich akzeptiert wird. Es wird festgehalten, dass die Energieerzeugung aus Wasserkraft gerade aus Sicht 2008 eine umweltverträgliche Energie ist, die aus unserer Kulturlandschaft gewonnen wird.

Kapitel: Neue Kulturlandschaften – Konflikt mit der Tradition.

Untersucht werden die vielfältigen Dimensionen von Landschaft. Der Autor kommt zu dem Fazit, dass es vonnöten ist, sich auf Neues einzustellen, dabei Altes, ja Archaisches einzubeziehen und Kontinuität zu wahren bzw. zu schaffen; neue Funktionen für Vertrautes zu suchen, sich dem Klimawandel in aller Konsequenz zu stellen; viel mehr Mut zur stilvollen Gestaltung zu zeigen. Damit sich lokal und regional eine je eigene Dynamik, eine Vielfalt von Lösungen entfalten kann, benötigen wir, so der Autor, mehr Gestaltungsspielraum, welche die Politik liefern müsse. Dann würden sich Anspruchsgruppen wiederfinden und für den Naturschutz allemal etwas herausspringen.

Literatur

Richard Schindler, Jörg Stadelbauer, Werner Konold (Hrsg.): Points of View: Landschaft verstehen - Geographie und Ästhetik, Energie und Technik (ISBN 978-3-937014-57-9)


Schlagwörter:

Prinzessinnengarten

Eine Brache in einen Garten verwandeln: Seit Sommer 2009 befindet sich am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg der Prinzessinnengarten. Wo über 60 Jahre eine Brachfläche war, wird heute eine große Vielfalt von Gemüse- und Kräutersorten mitten in der Stadt angebaut.
Im Sommer 2009 haben wir damit angefangen, diese 6000 ungenutzten Quadratmeter vom Müll zu befreien und in einen lebendigen Nutzgarten zu verwandeln. In einem Bezirk mit hoher Verdichtung, wenig Grün und vielen sozialen Problemen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Nachbarn, interessierte Laien, passionierte Gärtner und Freiluftenthusiasten – mit einem Wort jeder, der will – in dieser sozialen und ökologischen Landwirtschaft in der Stadt gemeinsam mit uns Lernen, wie man lokal Lebensmittel herstellt und gemeinsam einen neuen Ort urbanen Lebens schafft.“

Der Prinzessinnengarten schaffte nach vielen Vorläuferprojekten (Urban Gardening in den USA, Interkulturelle Gärten u.a.) 2009 einen Durchbruch für das professionelle, öffentlichkeitswirksame Hipster-Urban Gardening in Deutschland. Oft sind es nun junge, szene-nahe Menschen, die sich für diese Art der gemeinschaftlichen Praxis interessieren.
Alternative Anbaumethoden im Stadtraum, umweltverträgliche Ernährungsgewohnheiten, Ressourcenschonung durch Recycling und Urban Mining, Suffizienz und Subsistenz bilden den Hintergrund für die Themen der vielfältigen Tätigkeiten, Treffen und Veranstaltungen im Garten. Ein Container bietet Raum für das Restaurant, es gibt zahllose hochinteressanter Vorträge, stimmungsvolle Konzerte und mitreißende Performances.

Der Garten wird von den beiden „Nomadisch Grün gGmbH“-Gründern und Geschäftsinhabern Marco Clausen und Robert Shaw professionell geleitet, die sich zusammen mit einem schnell angewachsenem Team stets produktiv neue Veranstaltungsformate und Finanzierungsquellen erschließen. Insofern ist dieser Garten ungewöhnlich, bekommt aber immer mehr Nachahmer (AnnaLinde Leipzig u.v.a.).

Weiterführende Links

prinzessinnengarten.net


Public Smog

Amy Balkin’s Kunst einzuordnen fällt schwer, im Grunde ist es ihre Fähigkeit zu abstrahieren. Auch zeigen ihre bisherigen Werke, dass sie versucht zu polarisieren um auf bestehende Probleme hinzuweisen. Auf der dOCUMENTA (13) im Jahr 2012 war Amy Balkin mit der Installation „Public Smog“ vertreten. Die Installation ist Teil des gleichnamigen Projektes das sie bereits 2004 initiierte. Ziel von Public Smog ist es, in der Atmosphäre einen „Park der sauberen Luft“ zu schaffen. Dazu sind eine Reihe konzeptioneller, gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Tätigkeiten und Gesten geplant.

Die Installation auf der documenta ist Teil der Bemühungen die Erdatmosphäre als UNESCO-Welterbe einzutragen. Für das offizielle Welterbe-Bewerbungsverfahren stellte Amy Balkin einen Katalog sämtlicher Kriterien zusammen, die die Atmosphäre als ein einzigartiges und schützenswertes Gut ausweisen. Die Installation besteht aus den Briefen, die Amy Balkin an UNESCO-Länder geschickt hat sowie deren Antworten. Die Künstlerin lädt die Länder in ihren Briefen ein, sich einzeln oder in Koalitionen an die Spitze des Projekts zu setzen, um das außergewöhnliche Verfahren voranzutreiben. Die Schriftstücke, die sich im Verlauf dieses Prozesses angesammelt haben, offenbaren die politischen Hindernisse, sich mit dem Klimawandel zu befassen, sowohl in multilateralen Prozessen als auch aufgrund der Interessen einzelner Staaten.

Durch die Inszenierung einer Petition schafft es Amy Balkin zudem den Zweck von gemein-samem Handeln greifbarer zu machen: Für einen Antrag an den Bundesumweltminister konnten BesucherInnen Petitionspostkarten unterschreiben. Der Appell verweist auf die Gefahren für die Atmosphäre durch Treibhaus-gase sowie die Sorge um die Auswirkungen des Klimawandels auf das materielle und immaterielle Kultur- und Naturerbe, das sich bereits auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO befindet. 50.000 BesucherInnen unterschrieben die Petition und wurden somit Teil der Installation.

Zu den großen Herausforderungen, vor denen das Projekt steht, zählt die Tatsache, dass die Atmosphäre ein grenzenloses Reich ist. Üblicherweise dürfen nur Staaten Stätten innerhalb ihrer Grenzen nominieren sowie vor ihren Küsten gelegene Stätten, auf die sie politischen Anspruch erheben oder die sie gemeinsam vorschlagen. Die Petitionspostkarten wurden Umweltminister Altmaier überreicht, er lehnte die Petition jedoch ab.

Weiterführende Links

erhard-metz.de/2012/08/01/documenta-13-in-kassel-21/
publicsmog.org/


Seite: (Zurück)   1  2  3  4  5  6  (Weiter)